Die Sorbonne in Paris, eingebettet im Herzen des berühmten Quartier Latin, ist weit mehr als nur ein Gebäude; sie ist ein legendäres Symbol für Bildung, Wissenschaft und Kultur mit einer Geschichte, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Ihr Name steht weltweit für akademische Exzellenz, rigose Forschung und die Tradition des französischen Geistes.

Die Geschichte der Sorbonne ist untrennbar mit der Geschichte der Universität von Paris verbunden, einer der bedeutendsten mittelalterlichen Universitäten Europas. Diese Universität öffnete ihre Türen im 13. Jahrhundert und entstand aus dem Zusammenschluss verschiedener Colleges auf dem linken Seineufer. Hier wurden die Geistlichen, Verwalter königlicher Institutionen und Agenten kirchlicher Einrichtungen ausgebildet. Studenten aus den damaligen «Vier Nationen» (Franzosen, Normannen, Pikarden und Engländer) kamen hierher, um Jura, Medizin, Theologie und die Künste zu studieren. Schon früh genoss die Universität ein unübertroffenes Prestige und internationale Bekanntheit.
Die Ursprünge des Collège de Sorbon
Im Jahr 1253 gründete Robert de Sorbon, Kaplan und Beichtvater von Ludwig IX., seine Schule auf dem Mont Sainte-Geneviève in Paris. Die Institution wurde in erster Linie gegründet, um die ärmsten Studenten auszubilden, ähnlich vielen anderen Colleges auf dem Hügel. Das von ihm gegründete Collège de Sorbon erwarb jedoch schnell einen herausragenden Ruf und entwickelte sich allmählich zur berühmten theologischen Fakultät, die fortan den Namen «La Sorbonne» trug. Robert de Sorbon war es also, der den Grundstein für die Institution legte, die später zum Inbegriff der Pariser Universität werden sollte, mit dem ursprünglichen Ziel, auch denjenigen eine theologische Ausbildung zu ermöglichen, die sich diese sonst nicht leisten konnten. Die Sorbonne wurde somit ursprünglich mit einem demokratischen Ideal ins Leben gerufen.
Die historische Universität von Paris: Struktur und Entwicklung
Die Universität von Paris, deren Geschichte bis etwa 1170 zurückverfolgt werden kann und die 1200 von König Philipp August formell als «Universitas» anerkannt wurde, war in vier Fakultäten unterteilt: Künste (Arts), Medizin, Jura und Theologie. Die Fakultät der Künste war die rangniedrigste, aber auch die größte, da Studenten hier ihren Abschluss machen mussten, um zu den höheren Fakultäten zugelassen zu werden. Die Studenten und Meister waren nach nationaler Herkunft in vier «Nationen» unterteilt: Franzosen, Normannen, Pikarden und Engländer (später Germanen, die auch Skandinaven und Osteuropäer umfassten). Dieses Fakultäts- und Nationssystem diente als Modell für viele spätere mittelalterliche Universitäten.
Unter der Herrschaft der Kirche trugen die Studenten Roben und hatten Tonsuren, was ihre Zugehörigkeit und den Schutz der Kirche symbolisierte. Sie unterstanden kirchlichem Recht, nicht den Gesetzen des Königs. Die Professoren mussten nachweisliches Wissen besitzen und wurden von der Universität ernannt, was eine Prüfung und die «Lizenz» zum Lehren erforderte.
Neben den Schulen von Notre-Dame und Sainte-Geneviève, die als Wiege der Universität gelten, trug auch die Schule von Saint-Victor zur Entstehung der Universitas scholarium bei. Die Studien umfassten das Trivium (Grammatik, Rhetorik, Dialektik) und Quadrivium (Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie) sowie höhere Studien in Theologie und Kanonischem Recht. Später kam die Medizin hinzu.

Die Unterbringung der ständig wachsenden Studentenzahl war schwierig. Um dem entgegenzuwirken und den Studenten sichere Unterkünfte zu bieten, wurden die Colleges gegründet. Dies waren zunächst einfache Pensionen, keine Lehranstalten. Das Collège des Dix-Huit, 1180 gegründet, war das erste für 18 arme Studenten. Das Collège de Sorbon (1257, obwohl die Gründung 1253 war, wurde es 1257 als College anerkannt) war ein weiteres wichtiges Beispiel. Eine bedeutende Neuerung brachte das Collège de Navarre (1305), das als erstes College auch Lehre anbot, was ein Wendepunkt in der Geschichte der Colleges war.
Wandel und Umwälzungen
Das 17. Jahrhundert brachte Veränderungen mit sich. Kardinal Duc de Richelieu, der 1622 selbst Leiter der Sorbonne wurde, beauftragte den Architekten Jacques Lemercier mit der Erneuerung der Gebäude. Diese Bauwerke sind teilweise noch heute erhalten. Richelieu war stark in das Leben der Sorbonne involviert.
Die Wirren der Französischen Revolution (1789-1799) führten 1793 zur Schließung der Sorbonne und zur Auflösung der alten Universität von Paris. Die College-Stiftungen und Gebäude wurden verkauft. Ab 1801 beherbergte die Sorbonne einfache Künstlerwerkstätten. Erst während der Restauration entschied Ludwig XVIII., die Gebäude wieder ihrem ursprünglichen Zweck zuzuführen: der Bildung. 1821 bezogen die Pariser Akademie und die École des Chartes (für Archivwesen und Schriftsicherung) die Sorbonne.
Die heute zu bewundernden Gebäude stammen größtenteils aus der Zeit um 1901 und wurden auf Antrag von Jules Ferry, dem damaligen Bildungsminister, errichtet. Der Architekt Henri-Paul Nénot schuf eine komplexe und eklektische Fassade, die Neo-Renaissance-, antike und klassische Stile harmonisch vereint. Die Gebäude wurden im späten 19. Jahrhundert umfassend renoviert, insbesondere nach der Niederlage von 1870 gegen Preußen, die zu einer Reform des französischen Universitätssystems führte, da das deutsche als überlegen galt.
Die Ereignisse von 1968 und die Folgen
Die Studentenunruhen der späten 1960er Jahre, insbesondere der Mai 1968, hatten tiefgreifende Auswirkungen auf die Sorbonne und das gesamte französische Universitätssystem. Ausgelöst durch Überfüllung, veraltete Strukturen und vorgeschlagene Reformen, begannen die Proteste 1967 und eskalierten im Mai 1968, als die Unruhen auch die Sorbonne erfassten. Dies führte zu Schließungen, Verhaftungen und der Errichtung von Barrikaden im Quartier Latin. Die Ereignisse mündeten in einem Generalstreik im ganzen Land.

Als direkte Folge dieser Unruhen wurde das historische Universitätssystem reformiert. 1970 wurde die alte Universität von Paris per Gesetz aufgelöst und in dreizehn autonome Universitäten aufgeteilt. Diese neuen Universitäten sind heute über die Region Île-de-France verteilt und tragen oft Namen, die auf ihren Fachbereich oder ihre Lage hinweisen (z.B. Paris I, Paris III, Paris IV, Paris V etc.).
Die Sorbonne heute
Die Sorbonne hat seit ihrer Gründung im 13. Jahrhundert einen exzellenten internationalen Ruf genossen, und auch heute noch gelten die Institutionen, die in ihren historischen Gebäuden ansässig sind oder sich auf ihre Tradition berufen, als führend in Kultur, Wissenschaft und Kunst. Trotz ihrer demokratischen Anfänge für die ärmsten Studenten wird die Sorbonne heute oft als prestigeträchtige und, wie die Texte andeuten, «etwas elitäre» Schule wahrgenommen. Der Name Sorbonne ist nach wie vor ein Synonym für akademische Exzellenz und intellektuelle Schärfe.
Die historischen Gebäude der Sorbonne beherbergen heute unter anderem den Sitz des Rektors der Akademie und des Kanzlers der Pariser Universitäten, Forschungslabore sowie höhere Bildungseinrichtungen von internationalem Rang. Was einst ein Zentrum der Protestbewegung von 1968 war, ist heute der Standort mehrerer Nachfolgeuniversitäten.
Zu den wichtigsten Nachfolgern, die mit dem Namen Sorbonne verbunden sind und teilweise die historischen Gebäude nutzen, gehören die Sorbonne Université (entstanden 2017 aus der Fusion von Paris IV und Paris VI, mit Fakultäten für Geisteswissenschaften, Medizin sowie Natur- und Ingenieurwissenschaften) und die Universität Paris 1 Panthéon-Sorbonne (ein Nachkomme der ehemaligen Rechts- und Wirtschaftsfakultät, die 1971 gegründet wurde und heute erstklassige Studiengänge in Recht, Politikwissenschaft, Wirtschaft, Management und Geisteswissenschaften anbietet).
Die Sorbonne Université zählt laut internationalen Rankings zu den renommiertesten Universitäten Frankreichs und Europas. Im Shanghai-Ranking wird sie als beste Universität Frankreichs und weltweit auf Rang 36 gelistet (Stand Februar 2019). Auch im CWTS Leiden Ranking belegt sie Platz 1 in Frankreich und im QS World University Ranking Rang 75 weltweit. Diese Rankings unterstreichen den hohen Stellenwert der heutigen Institutionen, die die Tradition der Sorbonne fortführen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Warum wurde die Sorbonne ursprünglich gebaut?
Die Sorbonne wurde ursprünglich im Jahr 1253 von Robert de Sorbon als Collège de Sorbon gegründet. Ihr primäres Ziel war es, mittellosen Studenten eine theologische Ausbildung zu ermöglichen. Es war also eine Gründung mit einem anfänglich sehr sozialen Zweck.
Ist die Sorbonne dasselbe wie die historische Universität von Paris?
Historisch war das Collège de Sorbon ein wichtiger Teil der mittelalterlichen Universität von Paris und wurde so eng mit ihrem Namen verbunden, dass «Sorbonne» oft als Synonym für die gesamte Universität verwendet wurde. Die historische Universität von Paris wurde jedoch 1970 aufgelöst und in dreizehn neue, autonome Universitäten aufgeteilt. Heute beherbergen die historischen Sorbonne-Gebäude Teile verschiedener dieser Nachfolgeuniversitäten, darunter die Sorbonne Université und die Universität Paris 1 Panthéon-Sorbonne. Die «Sorbonne» ist also heute eher ein Komplex von Gebäuden und ein Symbol für die akademische Tradition, die von mehreren Nachfolgeinstitutionen fortgeführt wird, als eine einzige, identische Fortsetzung der mittelalterlichen Universität.
Gilt die Sorbonne heute als Elite-Universität?
Ja, basierend auf ihrem internationalen Ruf für Exzellenz und den Platzierungen in globalen Universitätsrankings (wie Shanghai, Leiden, QS) gelten die Institutionen, die in der Tradition der Sorbonne stehen und ihre Gebäude nutzen, als sehr prestigeträchtig. Obwohl die ursprüngliche Gründung für arme Studenten erfolgte, wird die heutige Wahrnehmung oft als «elitär« beschrieben.
Was sind die ältesten Wurzeln der Pariser Universität?
Die ältesten Wurzeln der Pariser Universität gehen auf die Kathedralschulen von Paris im 12. Jahrhundert zurück, insbesondere die Schulen von Notre-Dame und Sainte-Geneviève. Die formelle Anerkennung als «Universitas» erfolgte im Jahr 1200 durch König Philipp August. Das Collège de Sorbon, das später dem Ort den Namen gab, wurde 1253 gegründet und trug maßgeblich zur Entwicklung und Bekanntheit der Universität bei, die damit zu den ältesten der Welt gehört.
Die Geschichte der Sorbonne und der Universität von Paris ist eine Geschichte ständiger Entwicklung, Anpassung und Widerstandsfähigkeit. Von ihren bescheidenen Anfängen als College für arme Studenten bis hin zu ihrer heutigen Rolle als Zentrum internationaler Wissenschaft bleibt die Sorbonne ein leuchtendes Beispiel für die bleibende Kraft der Bildung.
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