Der 11. September 2001 markierte einen Wendepunkt in der modernen Geschichte. An diesem schicksalhaften Morgen stürzten vier entführte Flugzeuge ab: zwei in die Türme des World Trade Centers in New York, eines ins Pentagon nahe Washington D.C. und eines auf ein Feld in Pennsylvania. Die Welt hielt den Atem an, als die ikonischen Zwillingstürme in sich zusammenfielen. Unmittelbar nach den Anschlägen begann die fieberhafte Suche nach den Verantwortlichen. Schnell führte eine unerwartete und schockierende Spur nach Deutschland, genauer gesagt in die Hansestadt Hamburg.

Die Frage, wer genau diese Flugzeuge in die symbolträchtigen Gebäude lenkte, stand im Zentrum der Untersuchungen. Die Ermittlungen enthüllten, dass die Männer hinter dem Steuer der Todesmaschinen nicht nur aus dem Nahen Osten stammten, sondern teils jahrelang unauffällig in westlichen Gesellschaften, auch in Deutschland, gelebt und studiert hatten. Insbesondere Hamburg entpuppte sich als wichtiger Knotenpunkt für die Planung und Vorbereitung der Attentate.
Die Piloten des Schreckens
Vier Männer steuerten die entführten Flugzeuge an diesem Tag. Drei von ihnen hatten eine direkte Verbindung zu Hamburg:
Mohammed Atta: Der Mann im Nordturm
Einer der prominentesten Namen im Zusammenhang mit den Anschlägen ist der Ägypter Mohammed Atta. Der 33-Jährige gilt als Anführer der Hamburger Terroristen und steuerte am Morgen des 11. September das erste Flugzeug, American-Airlines-Flug 11, in den Nordturm des World Trade Centers (WTC 1). Atta hatte ab 1992 an der TU Hamburg-Harburg Stadtplanung studiert und sein Studium 1999 mit einer Diplomarbeit über Aleppo abgeschlossen. Sein Deutsch war Berichten zufolge hervorragend. Er lebte mehrere Jahre in Hamburg, bevor er in die USA reiste, um Flugschulen zu besuchen und die Anschläge vorzubereiten.
American-Airlines-Flug 11 startete um 7:59 Uhr mit 92 Menschen an Bord (76 Passagiere, 11 Crewmitglieder, 5 Entführer) von Boston. Um 8:14 Uhr begann vermutlich die Entführung. Nach einer Kursänderung flog die Maschine südwärts Richtung New York City. Um 08:46:30 Uhr lenkte Mohammed Atta die Boeing 767 mit rund 748 km/h in die nördliche Fassade zwischen der 94. und 98. Etage des Nordturms. Der Einschlag führte zu sofortigen Todesfällen an Bord und im Gebäude, machte eine Flucht oberhalb der Einschlagstelle unmöglich und schwächte die Statik des Turms erheblich. 102 Minuten später, um 10:28 Uhr Ortszeit, kollabierte der 415 Meter hohe Turm.
Während des Fluges gab es Telefonate von Flugbegleiterinnen, die die Entführung meldeten. Die Flugbegleiterin Betty Ong übermittelte Details an das American Airlines Operations Center. Auch Mohammed Atta selbst sendete unfreiwillig drei Ansagen an die Flugsicherung, die eigentlich für die Passagiere bestimmt waren, darunter die Worte: "We have some planes, just stay quiet and you’ll be okay. We are returning to the airport." und "Nobody move, please, we are going back to the airport, don’t try to make any stupid moves."
Marwan Al-Shehhi: Ziel Südturm
Der zweite Pilot, der ein Flugzeug ins World Trade Center steuerte, war der 23-jährige Marwan Al-Shehhi aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Er zog 1999 nach Hamburg und studierte Schiffbau an der TU Hamburg-Harburg. Am 11. September steuerte er United-Airlines-Flug 175 mit 60 Menschen an Bord (51 Passagiere, 9 Crewmitglieder, 5 Entführer) in den Südturm des WTC (WTC 2). Der Einschlag erfolgte um 9:03 Uhr. Auch der Südturm kollabierte später, um 9:59 Uhr.
Ziad Jarrah: Der Flug nach nirgendwo
Der dritte Pilot mit Hamburg-Verbindung war der 26-jährige Libanese Ziad Jarrah. Er studierte ab 1997 Flugzeugbau an der Fachhochschule Hamburg. Jarrah war der Pilot von United-Airlines-Flug 93, der von Newark abhob. Dieser Flug sollte vermutlich ein Ziel in Washington D.C. treffen, möglicherweise das Kapitol oder das Weiße Haus. Doch Passagiere an Bord wehrten sich offenbar gegen die Entführer. Die Maschine stürzte um 10:02 Uhr auf einem Feld bei Shanksville, Pennsylvania, ab. Alle 40 Menschen an Bord (33 Passagiere, 7 Crewmitglieder, 4 Entführer) kamen ums Leben.

Die Hamburger Terrorzelle
Die enge Verbindung der Attentäter zu Hamburg wurde schnell offensichtlich. Mehrere Schlüsselpersonen der Anschläge lebten dort in den Jahren vor 2001. Sie bildeten das, was später als die "Hamburger Terrorzelle" bekannt wurde.
Die "Terror-WG" in Harburg
Ein zentraler Ort war die Wohnung in der Marienstraße 54 in Hamburg-Harburg. Dort lebten ab dem 1. November 1998 Mohammed Atta, Ramzi Binalshibh und Said Bahaji zusammen in einer 58 Quadratmeter großen Drei-Zimmer-Wohnung. Auch Zakariya Essabar lebte zeitweise dort. Nach den Anschlägen durchsuchten Ermittler die Wohnung. Obwohl sie bereits renoviert war, fanden sich noch Gebrauchsspuren, die den Tätern zugeordnet werden konnten. Die Bewohner waren Monate vor den Anschlägen ausgezogen.
Der Weg zur Radikalisierung
Die Radikalisierung der Gruppe in Hamburg war ein entscheidender Schritt auf ihrem Weg zum Terrorismus. Eine Schlüsselfigur dabei war Mohammed Haydar Zammar. Der gebürtige Syrer, der seit den 1970er Jahren in Deutschland lebte, soll Atta und seine Gefährten für den Dschihad begeistert haben. Sie trafen sich unter anderem in der Al-Quds-Moschee im Stadtteil St. Georg. Zammar beschrieb die späteren Attentäter als "meine besten Freunde" und erklärte ihre Motivation als Wunsch, "nicht verloren gehen in dieser Gesellschaft, wo alles erlaubt ist: Sexualität, unanständiges Anziehen. Wir wollten uns als Gruppe helfen, mit Gott zu bleiben, den Koran zu lesen." Er verteilte demnach Osama Bin Ladens Aufruf zum Dschihad.
Ende 1999 reisten Mohammed Atta und drei Weggefährten aus Hamburg offenbar aus eigenem Antrieb nach Afghanistan, um sich in einem Ausbildungslager dem "Heiligen Krieg" anzuschließen. Durch diese Reise wurde die Al-Qaida-Führung, die zu dieser Zeit die Anschläge in den USA plante, auf die jungen Männer aufmerksam. Ihre Fähigkeit, unauffällig im Westen zu leben, machte sie aus Sicht des Terrornetzwerks ideal für die geplante Mission. Nach seiner Rückkehr aus Afghanistan soll Atta fest entschlossen gewesen sein, die Anschläge mit entführten Passagiermaschinen durchzuführen. Zeugen aus Hamburg berichteten später von seinem Hass auf Israel und Juden.
Weitere Mitglieder der Hamburger Gruppe
Neben den drei Piloten Atta, Al-Shehhi und Jarrah gehörten weitere Personen zum engeren Kreis der Hamburger Terrorzelle:
- Ramzi Binalshibh (Jemenit): Galt als Chef-Logistiker der Anschläge, konnte aber kein Einreise-Visum für die USA erhalten. Er wird seit 2006 im US-Gefangenenlager Guantanamo Bay festgehalten.
- Said Bahaji: War Hauptmieter der Wohnung in der Marienstraße. Er setzte sich acht Tage vor den Anschlägen nach Pakistan ab.
- Zakariya Essabar: Lebte zeitweise mit Atta in der "Terror-WG". Er erhielt ebenfalls kein Einreise-Visum in die USA und setzte sich vermutlich im August 2001 nach Pakistan ab.
- Mounir Al-Motassadeq (Marokkaner): Gehörte zum Freundeskreis von Atta, unterschrieb Attas Testament und reiste ebenfalls nach Afghanistan. Er blieb in Hamburg und wurde später als einziges Mitglied der Gruppe weltweit verurteilt.
- Abdelghani Mzoudi: Ein Bekannter der Terroristen, der in Hamburg angeklagt, aber 2004 freigesprochen wurde und danach nach Marokko ausreiste.
Die juristische Aufarbeitung: Der Fall Motassadeq
Weltweit wurde nur ein Mitglied aus dem Umfeld der 9/11-Attentäter und ihrer mutmaßlichen Helfer juristisch belangt und verurteilt – und das in Hamburg. Der Marokkaner Mounir Al-Motassadeq, der seit 1993 in Deutschland lebte und an der TU Hamburg-Harburg Elektrotechnik studierte, stand ab Oktober 2002 vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht. Die Bundesanwaltschaft warf ihm vor, die Anschläge mit vorbereitet zu haben und sah Beihilfe zum Mord in über 3.000 Fällen.

Motassadeq bestritt während des gesamten Verfahrens, an den Anschlägen beteiligt gewesen zu sein. Er gab an, nie zu dieser Gruppe im terroristischen Sinne gehört zu haben. Das Verfahren zog sich über fünf Jahre hin. Ein erstes Urteil im Februar 2003 verurteilte ihn wegen Beihilfe zum Mord in 3.066 Fällen und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu 15 Jahren Haft. Dieses Urteil wurde jedoch angefochten. Nach juristischem Tauziehen, Freilassungen und erneuten Inhaftierungen fiel Anfang 2007 der finale Schuldspruch: Motassadeq wurde wegen Beihilfe zum Mord an den 246 Passagieren der zum Absturz gebrachten Flugzeuge und wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu 15 Jahren Haft verurteilt.
Nachdem er einen Großteil seiner Haftstrafe verbüßt hatte, wurde Mounir Al-Motassadeq am 15. Oktober 2018 in sein Heimatland Marokko abgeschoben. Ihm wurde ein Einreiseverbot nach Deutschland bis zum Jahr 2064 auferlegt.
Mohammed Haydar Zammar, der als Radikalisierer der Gruppe in Hamburg galt, wurde in Deutschland nicht wegen Beteiligung oder Mitwisserschaft an den Terroranschlägen belangt. Ein Verfahren wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung wurde eingestellt. Dennoch hatte seine Freundschaft mit den Attentätern gravierende Folgen: Nach 9/11 wurde er in Marokko festgesetzt, nach Syrien verschleppt und saß dort über zehn Jahre in Haft, wo er nach eigener Aussage gefoltert wurde. Nach seiner Freilassung im syrischen Bürgerkrieg schloss er sich dem "Islamischen Staat" an und wurde 2018 von kurdischen Kämpfern festgenommen.
Die Anschläge im Überblick
| Flugnummer | Flugzeugtyp | Startflughafen | Ziel | Pilot (aus Text) | Aufprallort | Opfer an Bord | Schicksal |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| American Airlines 11 | Boeing 767 | Boston (Logan) | Los Angeles | Mohammed Atta | WTC Nordturm (Etage 94-98) | 92 | Absturz/Einschlag, Turm kollabiert |
| United Airlines 175 | Boeing 767 | Boston (Logan) | Los Angeles | Marwan Al-Shehhi | WTC Südturm | 60 | Absturz/Einschlag, Turm kollabiert |
| American Airlines 77 | Boeing 757 | Washington D.C. (Dulles) | Los Angeles | Nicht im Text genannt | Pentagon | 59 | Absturz/Einschlag |
| United Airlines 93 | Boeing 757 | Newark | San Francisco (vermutl. Washington D.C.) | Ziad Jarrah | Feld bei Shanksville, Pennsylvania | 40 | Absturz (nach Kampf der Passagiere) |
Hinweis: Die Anzahl der Opfer an Bord bezieht sich auf Passagiere, Crew und Entführer laut den im Text genannten Zahlen für die jeweiligen Flüge.
Die "Hamburger Terrorzelle" im Detail
| Name | Nationalität | Verbindung zu Hamburg | Rolle bei 9/11 / Schicksal |
|---|---|---|---|
| Mohammed Atta | Ägypter | Studium (TU Hamburg-Harburg), Wohnung (Marienstr. 54) | Pilot AA 11 (WTC Nordturm), Anführer der Gruppe |
| Marwan Al-Shehhi | VAE | Studium (TU Hamburg-Harburg), Freund von Atta | Pilot UA 175 (WTC Südturm) |
| Ziad Jarrah | Libanese | Studium (Fachhochschule Hamburg), Freund von Atta | Pilot UA 93 (Absturz Pennsylvania) |
| Ramzi Binalshibh | Jemenit | Wohnung (Marienstr. 54), Freund von Atta | Chef-Logistiker, kein US-Visum, in Guantanamo inhaftiert |
| Said Bahaji | Wohnung (Marienstr. 54), Freund von Atta | Setzte sich 8 Tage vor Anschlägen nach Pakistan ab | |
| Zakariya Essabar | Zeitweise Wohnung (Marienstr. 54), Freund von Atta | Kein US-Visum, setzte sich vermutl. Aug 2001 nach Pakistan ab | |
| Mounir Al-Motassadeq | Marokkaner | Studium (TU Hamburg-Harburg), Freund von Atta, unterschrieb Attas Testament | In Hamburg verurteilt (Beihilfe zum Mord an Passagieren), zu 15 Jahren Haft, nach Marokko abgeschoben |
| Mohammed Haydar Zammar | Syrer (eingebürgert) | Al-Quds-Moschee, radikalisierte die Gruppe | Keine Beteiligung an Anschlägen nachweisbar, aber nach 9/11 entführt, gefoltert, schloss sich IS an, gefasst |
| Abdelghani Mzoudi | Bekannter der Terroristen | In Hamburg angeklagt, 2004 freigesprochen, reiste nach Marokko aus |
Fragen und Antworten zu den 9/11-Attentätern aus Hamburg
Wer genau steuerte die Flugzeuge in die World Trade Center Türme?
Die beiden Flugzeuge, die in das World Trade Center einschlugen, wurden von Mohammed Atta (American-Airlines-Flug 11, Nordturm) und Marwan Al-Shehhi (United-Airlines-Flug 175, Südturm) gesteuert. Beide hatten zuvor jahrelang in Hamburg gelebt und studiert.

Welche Rolle spielte Hamburg bei den Anschlägen?
Hamburg war ein wichtiger Treffpunkt und Wohnort für mehrere der späteren Attentäter, darunter die Piloten Mohammed Atta, Marwan Al-Shehhi und Ziad Jarrah sowie weitere Komplizen wie Ramzi Binalshibh, Said Bahaji, Zakariya Essabar und Mounir Al-Motassadeq. Sie bildeten die sogenannte "Hamburger Terrorzelle", radikalisierten sich dort und planten von dort aus ihre Reise nach Afghanistan, wo sie Kontakt zur Al-Qaida-Führung aufnahmen.
Was geschah mit dem vierten Flugzeug, Flug 93?
United-Airlines-Flug 93, gesteuert von Ziad Jarrah, stürzte auf einem Feld in Pennsylvania ab. Es wird angenommen, dass Passagiere an Bord versuchten, die Kontrolle über das Flugzeug zurückzugewinnen, was den geplanten Anschlag auf ein Ziel in Washington D.C. (vermutlich Kapitol oder Weißes Haus) verhinderte.
Wurde jemand in Deutschland für die 9/11-Anschläge verurteilt?
Ja, Mounir Al-Motassadeq, ein Freund und Weggefährte der Attentäter aus Hamburg, wurde in Hamburg wegen Beihilfe zum Mord an den Passagieren der abgestürzten Flugzeuge und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu 15 Jahren Haft verurteilt. Er ist weltweit die einzige Person aus dem direkten Umfeld der Attentäter, die juristisch belangt und verurteilt wurde.
Wie viele Menschen starben bei den Anschlägen vom 11. September 2001?
Die Anschläge forderten insgesamt etwa 3.000 Menschenleben. Dies umfasst die Passagiere, Crewmitglieder und Entführer an Bord der vier Flugzeuge sowie Tausende von Menschen im World Trade Center, im Pentagon und Ersthelfer. Die genaue Zahl der Todesopfer im WTC ist schwer zu bestimmen, aber Schätzungen gehen von rund 1.600 weiteren Toten allein durch den Einsturz des Nordturms aus, zusätzlich zu den Opfern des Einschlags selbst.
Die Ereignisse des 11. September 2001 und die Aufdeckung der Verbindungen nach Hamburg haben gezeigt, dass die Vorbereitungen für solche globalen Terrorakte oft im Verborgenen und in scheinbar unauffälligen Umgebungen stattfinden können. Hamburg erinnert heute mit einem Mahnmal an die Opfer der Anschläge.
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