Die Welt der Gewindestandards ist ein faszinierendes Zusammenspiel aus Standardisierung und Spezialisierung. In vielen Bereichen ist es praktisch, immer wieder mit den gleichen Standards zu arbeiten, damit die Ausrüstung für vielfältige Projekte nutzbar ist. Am anderen Ende des Spektrums stehen die Spezialisten: Gewindestandards, die für einen sehr spezifischen Anwendungsfall konzipiert wurden und fast ausschließlich dort zu finden sind. In diesem Artikel tauchen wir tief in einen solchen hochspezialisierten Bereich ein: Spezialgewinde in der Fotografie. Professionelle Kameras nutzen an zwei entscheidenden Stellen einzigartige Gewindearten. Können Sie erraten, wo? Wir sprechen vom Stativgewinde und vom Objektivgewinde. Wobei sich bei Letzterem seit Jahren eine neuere Lösung stark durchsetzt. Doch beginnen wir ganz von vorn.

Ein kleines Schraubgewinde mit großer Verantwortung: Das Stativgewinde
Beginnen wir mit einem Gewinde, das aufgrund seiner Positionierung leicht übersehen werden kann – dem Stativgewinde an der Unterseite des Kameragehäuses. Seine Rolle ist von überragender Bedeutung, denn diese winzige Schraube muss bei der Nutzung eines Stativs während der Fotografie für sicheren Halt sorgen.
Sicher in jeder Situation
Ein Stativgewinde hat einen harten Job. Wenn Sie jemals eine digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) in der Hand hatten, wissen Sie um ihr Potenzialgewicht. Besonders in Kombination mit einem großen Objektiv kann das Gerät frei in der Hand gehalten recht schwer werden. Stative kommen zum Einsatz, wenn die Kamera besonders stillstehen muss, z. B. bei Langzeitbelichtungen. Das Gewicht ruht dann auf einer kleinen, unscheinbaren Schraubverbindung. Dieses Gewinde muss widerstandsfähig sein, zumal sich der Schwerpunkt bei größeren Objektiven nach vorn verschiebt. Tatsächlich haben sehr große Objektive oft ein eigenes Stativgewinde zur zusätzlichen Stabilität.
Profis fertigen ihr Stativgewinde selbst
Während Amateure das Stativgewinde vielleicht als selbstverständlich ansehen, legen Profis aus gleich mehreren Gründen großen Wert auf dieses Bauteil. Zum einen kann ein professionelles Setup inklusive Objektiv schnell im Preisbereich von mehreren Tausend Euro liegen. Da möchte der Fotograf natürlich die Gewissheit haben, dass das Stativgewinde zuverlässig ist und die Ausrüstung nicht zu Fall bringt. Zum anderen kann bei Langzeitbelichtungen selbst die kleinste Bewegung eine Aufnahme ruinieren. Der Spiegel der Kamera kann beim Hochklappen Vibrationen verursachen, weshalb eine stabile Stativgewindeverbindung entscheidend ist. Daher verlassen sich viele Fotografen nicht allein auf die vom Hersteller verbauten Komponenten und fertigen ihre Stativgewinde lieber selbst, um maximale Stabilität und Vertrauen in die Verbindung zu gewährleisten.
DIN 4503 oder UNC-Gewinde?
Stativgewinde haben ihren eigenen Standard, die DIN 4503 (Stativanschlüsse für Kameras und Zubehör). Ihre Abmessungen sind jedoch so ähnlich zum UNC-Gewinde (Unified National Coarse Thread), dass die beiden fast als austauschbar gelten können. In der Praxis sind es die UNC-Bezeichnungen, die man am häufigsten antrifft und die die gängigen Größen definieren.
Zwei Stativgewinde sind in der Fotografie weit verbreitet:
- 1/4" - 20 UNC (kleines Fotogewinde)
- 3/8" - 16 UNC (großes Fotogewinde)
Das kleinere Stativgewinde wird primär bei Messsucherkameras, Spiegelreflexkameras, Mittelformatkameras, Blitzschienen, Schnellwechselplatten und Stativköpfen verwendet. Es ist der Standard für die meisten kleineren und mittleren Kameras. Im Gegensatz dazu kommt das größere Stativgewinde bei den meisten Mittelformat- und nahezu allen Großformatkameras zum Einsatz, sowie bei den meisten Verbindungen zwischen Stativen und Stativköpfen. Es bietet eine robustere Verbindung für schwerere Ausrüstung.
Um die Unterschiede und Anwendungen klar darzustellen, hier eine kleine Tabelle:
| Gewinde | Bezeichnung | Nenndurchmesser | Steigung (Gewindegänge pro Zoll) | Typische Verwendung |
|---|---|---|---|---|
| 1/4" - 20 UNC | Kleines Fotogewinde | ca. 6,35 mm | 20 | Spiegelreflexkameras, Systemkameras, Kompaktkameras, Blitzschienen, Stativköpfe (Kameraanschluss) |
| 3/8" - 16 UNC | Großes Fotogewinde | ca. 9,525 mm | 16 | Mittelformatkameras, Großformatkameras, Stative (Kopfanschluss), schwere Stativköpfe |
Es ist wichtig zu wissen, dass viele Stative und Stativköpfe sowohl 1/4"- als auch 3/8"-Schrauben nutzen oder mit Adaptern (oft in Form einer Reduzierbuchse) geliefert werden, um Kompatibilität zwischen verschiedenen Größen zu gewährleisten.
Das Objektivgewinde: Ein Spezialist mit Geschichte
Kameras mit wechselbaren Objektiven, wie Spiegelreflexkameras oder moderne Systemkameras, benötigen einen Mechanismus, um das Objektiv sicher am Kameragehäuse zu befestigen. Diese Verbindung muss stabil sein, da ein Herunterfallen oder Verrutschen des Objektivs erhebliche Schäden verursachen kann. Darüber hinaus sollte dieser Wechsel schnell und unkompliziert vonstattengehen, um im täglichen Einsatz praktisch zu sein.

M39, M40 und M42 Objektivgewinde
Früher wurden Objektive stets über ein Schraubgewinde am Kameragehäuse befestigt. Besonders bekannt ist das M39-Objektivgewinde, oft als Leica-Gewinde bezeichnet, da es durch die legendären Kameras dieses Herstellers populär wurde. Aber auch M40 und vor allem das M42-Gewinde (bekannt durch Kameras wie Praktica) waren weit verbreitet. Diese historisch bedeutenden Objektivgewinde sind heutzutage außerhalb der analogen Fotografie und bei Sammlern seltener anzutreffen. Für die meisten Zwecke wurden Objektivgewinde durch Bajonettanschlüsse ersetzt. Bajonette zeichnen sich durch ihre Benutzerfreundlichkeit aus. Sie erlauben Fotografen, Objektive schnell und mit einer einzigen Handbewegung zu wechseln, indem das Objektiv nur eingesteckt und leicht gedreht wird, anstatt es mehrfach schrauben zu müssen. Dies spart wertvolle Zeit in dynamischen Aufnahmesituationen.
Spezifische Schraubgewinde für Objektive, die noch relevant sind
Obwohl die traditionellen Objektivgewinde weitgehend Bajonettanschlüssen gewichen sind, gibt es Bereiche, in denen Schraubverbindungen weiterhin bevorzugt werden oder Standard sind.
C-Mount Gewinde für Kameraobjektive
Der C-Mount ist ein standardisiertes Objektivgewinde, das in den 1920er Jahren für die Filmtechnik eingeführt wurde und bis heute weit verbreitet ist, insbesondere bei Überwachungskameras, Industrieanwendungen und wissenschaftlichen Kameras. Das Gewinde hat einen Außendurchmesser von 1 Zoll (25,4 mm) und eine Steigung von 1/32 Zoll (ca. 0,794 mm). Ein entscheidendes Maß ist das Auflagemaß (Flange Focal Distance), das bei 17,526 mm liegt. Dieses Maß ist kritisch, da es sicherstellt, dass das Objektiv korrekt fokussieren kann, insbesondere auf unendlich.
CS-Mount Gewinde
Abgeleitet vom C-Mount-Objektivgewinde ist der CS-Mount. Dieses Gewinde hat den gleichen Durchmesser und die gleiche Steigung wie der C-Mount, unterscheidet sich aber durch ein kürzeres Auflagemaß von 12,526 mm. CS-Mount-Objektive können nicht an C-Mount-Kameras verwendet werden, da das Auflagemaß nicht passt. C-Mount-Objektive können jedoch oft über einen Adapter an CS-Mount-Kameras genutzt werden, wobei der Adapter die fehlende Auflagemaß-Differenz ausgleicht.
S-Mount Gewinde für Mini-Objektive
Ein weiteres gängiges Gewinde ist das S-Mount, das für Mini- oder Board-Objektive verwendet wird. Diese Objektive sind oft sehr klein und finden Anwendung in Überwachungskameras, Webcams, Action-Kameras oder anderen Geräten, bei denen der Platz begrenzt ist. Das S-Mount ist ebenfalls ein Schraubgewinde und ermöglicht sehr kompakte Bauweisen. Die Spezifikationen können variieren, aber oft wird ein M12x0,5 Gewinde verwendet (12 mm Durchmesser, 0,5 mm Steigung).
Filtergewinde für professionelle Ausrüstung
Dann gibt es noch die Filtergewinde. Filter sind dünne Glas- oder Kunststoffplatten, die vor das Objektiv geschraubt werden, um bestimmte Effekte zu erzielen – analog zu den digitalen Filtern in Apps wie Instagram, aber in physischer Form. Gängige Filter sind UV-Filter (Schutz und leichte UV-Reduzierung), Polfilter (Reduzierung von Reflexionen, Verstärkung von Farben) oder Neutraldichtefilter (ND-Filter zur Reduzierung der Lichtmenge für längere Belichtungszeiten). Filtergewinde sind in der Regel recht kurz und benötigen nur 1,5 bis 2 Umdrehungen zur Befestigung. Filter sollen leicht wechselbar sein und sind naturgemäß leichtgewichtig. Das Filtergewinde befindet sich am vorderen Ende des Objektivs und der Durchmesser des Gewindes hängt vom Durchmesser des Objektivs ab. Es gibt eine Vielzahl von gängigen Filtergewindedurchmessern, z. B. 49mm, 52mm, 58mm, 62mm, 67mm, 72mm, 77mm, 82mm, um nur einige zu nennen. Die Steigung ist in der Regel sehr fein.
Häufige Fragen zu Kameragewinden
- Warum gibt es zwei Stativgewindegrößen? Die zwei Größen (1/4" und 3/8") dienen der Anpassung an unterschiedliche Ausrüstungsgrößen und -gewichte. Das kleinere Gewinde ist ausreichend für leichtere Kameras, während das größere Gewinde mehr Stabilität und Tragfähigkeit für schwere Kameras und große Objektive bietet und oft für die Verbindung zwischen Stativbein und Stativkopf genutzt wird.
- Was ist der Unterschied zwischen Schraub- und Bajonettanschluss bei Objektiven? Ein Schraubanschluss wird, wie der Name sagt, aufgeschraubt und benötigt mehrere Umdrehungen. Ein Bajonettanschluss wird eingesteckt und mit einer kurzen Drehung verriegelt. Bajonette ermöglichen einen deutlich schnelleren Objektivwechsel und bieten oft auch Kontakte für elektronische Kommunikation zwischen Kamera und Objektiv.
- Was bedeutet Auflagemaß und warum ist es wichtig? Das Auflagemaß ist der Abstand zwischen der Auflagefläche des Objektivs am Kameragehäuse und der Bildebene (Sensor oder Film). Es ist entscheidend für die korrekte Fokussierung, insbesondere um unendlich scharf stellen zu können. Unterschiedliche Auflagemaße bei verschiedenen Kamerasystemen machen Objektive oft nicht direkt kompatibel, ohne Adapter zu verwenden, die das Auflagemaß ausgleichen.
- Sind Filtergewinde genormt? Ja, die Durchmesser der Filtergewinde sind standardisiert und entsprechen dem Durchmesser des Objektivs, an das sie passen. Die Steigung ist ebenfalls standardisiert, meist als M x 0,75 mm oder M x 0,5 mm bei kleineren Durchmessern.
Werkzeuge für Spezialgewinde
Egal, ob Sie professioneller Fotograf sind und eine absolut sichere Verbindung zwischen Kamera und Stativ wünschen, oder ob Sie als Hobbyist an alter analoger Ausrüstung schrauben – die erste Frage ist oft, wo man die notwendigen Werkzeuge findet. Im Onlineshop des Gewindewerkzeug-Herstellers BAER finden Sie Werkzeuge für seltene und einzigartige Gewindestandards. Seien es Spezialgewinde in der Fotografie wie Stativ- oder Objektivgewinde – BAER hat die passenden Gewindebohrer und Schneideisen für Sie. Diese Werkzeuge sind unerlässlich, wenn Gewinde beschädigt sind und repariert werden müssen, oder wenn kundenspezifische Adapter oder Halterungen gefertigt werden sollen, die maximale Präzision erfordern. Entdecken Sie unser Angebot und sorgen Sie dafür, dass Ihre Fotoausrüstung immer perfekt verschraubt ist!
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