Das Objektivbajonett ist das Herzstück jeder Systemkamera – die entscheidende Schnittstelle, die das Objektiv mit dem Kameragehäuse verbindet. Es ist nicht nur eine mechanische Verriegelung, sondern auch der Übertragungsweg für Steuerbefehle, Belichtungsinformationen und in modernen Systemen sogar für Strom und komplexe Daten. Canon hat im Laufe seiner Geschichte verschiedene Bajonettsysteme entwickelt, die jeweils den technologischen Fortschritt ihrer Zeit widerspiegelten. Zwei der prominentesten, wenn auch unterschiedlich genutzten, sind das ältere FD-Bajonett, das auf Kameras wie der historischen Canon EF zum Einsatz kam, und das hochmoderne RF-Bajonett der aktuellen spiegellosen EOS R Serie. Dazwischen liegt die lange Ära des EF-Bajonetts, das die Welt der Autofokus-Spiegelreflexkameras prägte.

Die Verwirrung beginnt oft beim Namen: Die historische Canon EF-Kamera, die 1973 erschien, nutzte das Canon FD-Bajonett. Das später eingeführte und viel bekanntere Canon EF-Bajonett kam erst 1987 mit der EOS-Serie auf den Markt und war ein komplett neues System, das auf elektronische Kommunikation setzte. Dieser Artikel beleuchtet die Entwicklung, beginnend mit der Technologie, die in der Canon EF-Kamera mit ihrem FD-Bajonett steckte, über den Übergang zum EF-System (basierend auf den Unterschieden zum RF-System im Text) bis hin zum fortschrittlichen RF-Bajonett.
Das Canon FD-Bajonett und die Kamera EF
Die Canon EF-Kamera von 1973 war in vielerlei Hinsicht ein Meilenstein, insbesondere durch die Einführung der eingebauten, vollautomatischen Belichtungssteuerung in Form einer Blendenautomatik. Diese Funktion wurde durch die 1971 eingeführten FD-Objektive ermöglicht. Das FD-Bajonett war ein mechanisches System, bei dem ein von der Kamera errechneter Blendenwert mechanisch an das Objektiv übertragen wurde, um die Springblende entsprechend zu schließen. Dies war eine bedeutende Weiterentwicklung gegenüber früheren Systemen.
Die EF-Kamera gehörte zur F-Serie und basierte auf dem robusten Aluminiumgehäuse der Canon F-1. Obwohl das Bajonett an der Unterseite ergonomisch abgeschrägt war, konnte kein motorischer Filmtransport angesetzt werden, was ein Merkmal der F-Serie war, das bei der EF weggelassen wurde. Der Filmtransport erfolgte mit einem Aufzugshebel, der sich um 120° bewegte. Eine praktische Neuerung war, dass bei neu eingelegtem Film nicht nach jedem Aufzug der Auslöser betätigt werden musste, um zum ersten Bild zu gelangen; mehrfaches Aufziehen bis zum Blockieren genügte. Für Mehrfachbelichtungen gab es einen speziellen Knopf, der den Filmtransport auskuppelte.
Im Sucher der EF-Kamera wurden unten die Verschlusszeiten und rechts die Blendenwerte angezeigt. Die Mattscheibe verfügte in der Mitte über ein Feld mit Mikroprismenraster, spätere Modelle hatten einen Mikroprismenring und einen Schnittbildentfernungsmesser, was die Helligkeit im Sucher verbesserte. Im Gegensatz zur professionellen F-1 konnten Sucher und Mattscheibe bei der EF nicht gewechselt werden.
Die Belichtungsmessung erfolgte mit einer Siliziumzelle, die auch bei Dunkelheit trägheitsfrei arbeitete. Der Messbereich war für die damalige Zeit beachtlich und reichte von 30 Sekunden bei f/1,4 bis 1/1000 Sekunde bei Blende 8 (bei ISO 25). Am Verschlusszeitenrad konnten Zeiten bis zu 30 Sekunden eingestellt werden. Ein MOS-Verstärker-IC ermöglichte die Messung mit dem schwachen Strom der Siliziumzelle. Die Blende wurde per Zeiger im Sucher angezeigt und über den Blendensimulator auf das FD-Objektiv übertragen. Die eingestellte Belichtungszeit war ebenfalls im Sucher am unteren Bildrand ablesbar. Die Filmempfindlichkeit konnte von ISO 12 bis 3200 eingestellt werden. Die gemessenen AE-Werte konnten fixiert werden („AE memory lock“).
Die Blendenautomatik (AE) der EF ermöglichte es, die Belichtungszeit vorzuwählen. Die Kamera ermittelte dann die passende Blende, die beim Auslösen automatisch am Objektiv eingestellt wurde. Eine Noppe am FD-Objektiv übermittelte der Kamera die größte mögliche Blende des Objektivs, was für die Unter-/Überbelichtungswarnung im Sucher genutzt wurde. Das Einstellrad für die Verschlussgeschwindigkeit war extra groß und überragte das Gehäuse, was eine bequeme Bedienung mit dem Zeigefinger erlaubte.
Die EF war auch für ihre Funktionsfähigkeit bei tiefen Temperaturen bis zu -20 °C bekannt. Ihr Metall-Schlitzverschluss war ein weiteres Highlight, vertikal ablaufend und ermöglichte eine kürzeste Blitzsynchronzeit von 1/125 Sekunde, im Gegensatz zur F-1 (mit horizontalem Verschluss), die längere Synchronzeiten hatte. Die kürzeste Verschlusszeit lag bei 1/1000 Sekunde. Der Verschluss arbeitete im Bereich von 1/2 Sekunde bis 1/1000 Sekunde mechanisch und benötigte dafür keine Batterie. Längere Zeiten bis 30 Sekunden sowie Bulb wurden elektronisch gesteuert, was durch eine blinkende rote LED auf dem Gehäusedeckel signalisiert wurde.
Die Kamera benötigte zwei Quecksilber-Zink-Batterien vom Typ PX 625. Dank eines Spannungsreglers konnte sie aber auch mit 1,5-V-Knopfzellen betrieben werden. Da die Elektronik im eingeschalteten Zustand relativ viel Strom verbrauchte und die EF keine automatische Abschaltung besaß, erinnerte ein Schriftzug neben dem Hauptschalter daran, die Kamera nach Gebrauch auszuschalten.
Die EF unterstützte die CAT-Blitzautomatik mit dem Canon Speedlight 133 D und einem passenden Objektiv mit Blitzkuppler. Dabei übertrug der Blitzkuppler die Entfernung vom Objektiv zum Blitzgerät, und das Blitzgerät teilte der Kamera über zusätzliche Kontakte im Blitzschuh die benötigte Blende mit.
Die Canon EF wurde bis 1978 produziert, aber bereits ab 1976, mit dem Erscheinen der günstigeren und kompakteren Canon AE-1 (die ebenfalls Blendenautomatik bot), sanken die Verkaufszahlen deutlich. Die AE-1 wurde mit 5 Millionen Exemplaren ein großer Erfolg, obwohl man auf einige professionelle Merkmale der EF (wie den Metallverschluss und die 1/125s Synchronzeit) verzichten musste. Die A-1, die 1978 die EF ablöste, behielt viele Eigenschaften bei, verlor aber ebenfalls den Metallverschluss und die schnelle Blitzsynchronzeit. Erst die Canon T90 von 1986 übertraf mit 1/250 Sekunde die Synchronzeit der EF.
In Bezug auf Objektive war die EF mit allen Objektiven mit Canon FD-Bajonett sowie den älteren Canon FL- und R-Bajonetten kompatibel. Auch M42-Objektive konnten mit einem Adapter genutzt werden. Die komfortable TTL-Belichtungsmessung mit offener Blende und die Blendenautomatik waren jedoch nur mit dem FD-Bajonett möglich. Das Angebot an Canon FD-Objektiven war zur Zeit der EF bereits sehr umfangreich und deckte viele Brennweiten ab.
Das moderne Canon RF-Bajonett
Nach der Ära der mechanischen FD-Objektive und Kameras führte Canon mit dem EOS-System das EF-Bajonett ein, das auf elektronische Kommunikation zwischen Kamera und Objektiv setzte. Obwohl der uns vorliegende Text keine Details zum EF-Bajonett selbst liefert, erwähnt er es im direkten Vergleich zum modernen RF-Bajonett, insbesondere im Hinblick auf die Anzahl der Kontakte.
Das Canon RF-Bajonett, das mit der spiegellosen EOS R Serie eingeführt wurde, stellt einen signifikanten Sprung in der Technologie dar. Im Gegensatz zum EF-Bajonett mit 8 Polen ist das RF-Bajonett mit einer 12-poligen Verbindung ausgestattet. Diese erhöhte Anzahl von Kontakten ermöglicht eine wesentlich schnellere und bandbreitenstärkere Kommunikation zwischen Objektiv und Kamera. Dies eröffnet den Entwicklern immense Freiheit für zukünftige Funktionen und Verbesserungen.

Einer der direkten Vorteile dieser verbesserten Kommunikation sind die erweiterten Steuerungsoptionen direkt am Objektiv. Alle RF-Objektive verfügen über einen zusätzlichen Steuerungsring, der neben den Standardringen für Fokus und Zoom genutzt werden kann. Dieser Ring lässt sich individuell konfigurieren, um wichtige Einstellungen wie Verschlusszeit, Blende, Belichtungskompensation oder ISO zu steuern. Dies bietet eine schnelle, taktile Methode, Parameter anzupassen, ohne den Blick vom Sucher nehmen zu müssen.
Einige RF-Objektive sind zusätzlich mit Objektivfunktionstasten ausgestattet, die ebenfalls mit verschiedenen Steuerungen belegt werden können. Beispielsweise verfügen das RF 24-105mm F2.8L IS USM Z und das RF 200-800mm F6.3-9 IS USM über zwei dieser Tasten, die standardmäßig zum Stoppen des Autofokus im Servo-AF-Modus dienen, aber über das Kameramenü angepasst werden können.
Eine weitere Neuerung, insbesondere bei den sogenannten RF Hybrid-Objektiven wie dem RF 24-105mm F2.8L IS USM Z und dem RF 35mm F1.4L VCM, ist ein spezieller Blendenring. Dieser ermöglicht bei Videoaufnahmen äußerst sanfte und gleichmäßige Anpassungen der Blende in feinen 1/32-Schritten, was zu nahtlosen Übergängen bei der Belichtung führt. Für Fotoaufnahmen kann dieser Ring einrasten, sodass die Blende wie gewohnt über die Kamera gesteuert wird.
Die hohe Kommunikationsgeschwindigkeit und Bandbreite des RF-Bajonetts ermöglichen auch fortschrittliche kamerainterne Korrekturen optischer Aberrationen und die digitale Objektivoptimierung (DLO) in Echtzeit. Während Nutzer früher Korrekturdaten für neue Objektive herunterladen und registrieren mussten, können die DLO-Daten nun direkt in den RF-Objektiven gespeichert und automatisch von der Kamera ausgelesen werden. Dank der leistungsstarken Bildprozessoren der EOS R Kameras können diese Korrekturen sogar während schneller Serienaufnahmen ohne Einschränkungen angewendet werden.
Vergleich der Bajonette: Von Mechanik zu Hochgeschwindigkeits-Daten
Der Vergleich zwischen dem historischen FD-Bajonett (repräsentiert durch die Kamera EF) und dem modernen RF-Bajonett zeigt die enorme Entwicklung in der Kameratechnologie. Das FD-System war primär mechanisch, mit einigen elektronischen Hilfen in der Kamera (wie bei der EF). Das EF-System (das hier nur kurz im Vergleich zum RF-System erwähnt wird) brachte die elektronische Kommunikation für Autofokus und Belichtungssteuerung. Das RF-System hebt dies auf eine neue Stufe mit deutlich höherer Datenübertragung und erweiterten Interaktionsmöglichkeiten.
| Merkmal | Canon FD (z.B. an EF-Kamera) | Canon EF (Erwähnt im Vergleich) | Canon RF |
|---|---|---|---|
| Einführung | 1971 (Objektiv), 1973 (EF-Kamera) | 1987 | 2018 |
| Kommunikation | Primär mechanisch | Elektronisch (8 Pins) | Elektronisch (12 Pins) |
| Fokus | Manuell (AF-Objektive selten) | Autofokus | Autofokus |
| Blendensteuerung | Mechanische Übertragung vom Gehäuse | Elektronisch | Elektronisch (optional mit speziellem Ring) |
| Steuerungsring am Objektiv | Nein | Nein | Ja (konfigurierbar) |
| Objektivfunktionstasten | Nein | Teilweise bei L-Objektiven | Ja (konfigurierbar) |
| Datenübertragung | Begrenzt (mechanische Werte) | Moderat | Hoch (für DLO, etc.) |
| Typische Kameras | Canon EF, F-1, AE-1, A-1 | EOS-Spiegelreflexkameras | EOS R spiegellose Kameras |
Das RF-Bajonett profitiert stark davon, dass es für spiegellose Kameras entwickelt wurde. Der geringere Abstand zwischen Bajonett und Sensor (Auflagemaß) ermöglicht neue optische Konstruktionen, die bei Spiegelreflexkameras mit ihrem notwendigen Spiegelkasten nicht möglich waren. Dies führt zu kompakteren, leichteren und oft auch optisch leistungsfähigeren Objektiven.
Häufig gestellte Fragen zu Canon Bajonetten
Hier beantworten wir einige häufige Fragen basierend auf den uns vorliegenden Informationen:
Was war das Besondere an der Canon EF-Kamera?
Die Canon EF-Kamera (von 1973) war die erste Canon Systemkamera mit eingebauter, vollautomatischer Belichtungssteuerung (Blendenautomatik). Sie nutzte das FD-Bajonett, hatte einen robusten Metallverschluss mit schneller 1/125s Blitzsynchronzeit und war für ihre Zeit sehr fortschrittlich, wenn auch teuer.Welche Objektive konnten an der Canon EF-Kamera verwendet werden?
Die Canon EF war kompatibel mit Objektiven des Canon FD-Bajonetts, den älteren Canon FL- und R-Bajonetten sowie mit Adaptern auch M42-Objektiven. Die volle Funktionalität der Belichtungsautomatik und TTL-Messung war jedoch nur mit FD-Objektiven gegeben.Was unterscheidet das Canon RF-Bajonett von früheren Canon Bajonetten?
Das RF-Bajonett verfügt über eine 12-polige elektronische Verbindung, was eine deutlich schnellere und bandbreitenstärkere Kommunikation zwischen Kamera und Objektiv ermöglicht als bei den früheren EF- (8 Pins) oder FD-Bajonetten (mechanisch/begrenzte Elektronik). Dies erlaubt fortschrittliche Funktionen wie konfigurierbare Steuerungsringe und Tasten am Objektiv sowie integrierte optische Korrekturdaten.Was sind Canon RF Hybrid-Objektive?
RF Hybrid-Objektive sind eine spezielle Art von RF-Objektiven, die zusätzlich zum Steuerungsring einen dedizierten Blendenring besitzen. Dieser Blendenring ermöglicht insbesondere bei Videoaufnahmen sehr feine und stufenlose Anpassungen der Blende für sanfte Belichtungsübergänge.Speichern RF-Objektive Korrekturdaten?
Ja, RF-Objektive können Daten für die digitale Objektivoptimierung (DLO) speichern. Dank der schnellen Kommunikation über das 12-polige Bajonett kann die Kamera diese Daten automatisch auslesen und optische Korrekturen in Echtzeit durchführen, sogar während schneller Serienaufnahmen.
Fazit
Die Geschichte der Canon Bajonette spiegelt die rasante Entwicklung der Fototechnologie wider. Vom mechanisch geprägten FD-Bajonett, das in der innovativen Canon EF-Kamera seine Blütezeit erlebte und fortschrittliche Automatikfunktionen ermöglichte, ging der Weg über das elektronische EF-Bajonett hin zum hochmodernen RF-Bajonett. Das RF-System mit seiner schnellen 12-poligen Verbindung bietet eine beispiellose Kommunikation zwischen Kamera und Objektiv, erschließt neue Möglichkeiten in der Objektivkonstruktion und verbessert die Bedienung durch konfigurierbare Elemente direkt am Objektiv. Diese Entwicklung zeigt, wie die Schnittstelle zwischen Kamera und Objektiv von einer reinen mechanischen Verbindung zu einem komplexen digitalen Datenhub geworden ist, der die Leistung und Flexibilität heutiger Kamerasysteme maßgeblich beeinflusst.
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