Der Name Voltaire ist untrennbar mit einer der schillerndsten Figuren der europäischen Aufklärung verbunden: dem französischen Schriftsteller, Historiker und Philosophen François-Marie Arouet. Doch während sein Werk und sein Einfluss auf die Geschichte weithin bekannt sind, birgt der Name selbst ein faszinierendes Rätsel. Warum wählte Arouet dieses Pseudonym? Was bedeutet es? Und hat dieser Name eine eigene Geschichte außerhalb des berühmten Philosophen?
Wer war der Mann, der sich Voltaire nannte?
Bevor wir uns dem Namen widmen, ist es wichtig, den Mann dahinter kurz zu beleuchten. François-Marie Arouet, geboren 1694, war ein brillanter, aber auch streitbarer Geist. Seine kritischen Schriften über Religion, Politik und Gesellschaft brachten ihn oft in Konflikt mit den Machthabern und der Kirche in Frankreich. Dies führte zu Verbannungen und Aufenthalten im Ausland, unter anderem in England.

Nach über 25 Jahren Abwesenheit kehrte der inzwischen 83-jährige Voltaire im Februar 1778 nach Paris zurück, um der Eröffnung seiner neuesten Tragödie, Irene, beizuwohnen. Die Reise war beschwerlich, und er glaubte am 28. Februar zu sterben. Er schrieb: „Ich sterbe, indem ich Gott anbete, meine Freunde liebe, meine Feinde nicht hasse und den Aberglauben verabscheue.“ Er erholte sich jedoch und sah im März eine Aufführung von Irene, bei der er vom Publikum als zurückkehrender Held gefeiert wurde. Bald darauf wurde er wieder krank und starb am 30. Mai 1778.
Die Umstände seines Todes sind von zahlreichen, sich widersprechenden Berichten umrankt. Während seine Feinde behaupteten, er habe bereut und die Sterbesakramente eines katholischen Priesters angenommen oder sei in körperlicher und seelischer Qual gestorben, berichteten seine Anhänger von seinem trotzigen Geist bis zum letzten Atemzug. Eine bekannte Anekdote über seine letzten Worte besagt, dass er auf die Aufforderung eines Priesters, dem Satan abzuschwören, geantwortet haben soll: „Dies ist nicht die Zeit, um sich neue Feinde zu machen.“
Aufgrund seiner scharfen Kritik an der Kirche, die er vor seinem Tod nicht zurückziehen wollte, wurde ihm eine christliche Bestattung in Paris verweigert. Freunde und Verwandte schafften es jedoch, seinen Leichnam heimlich in der Abtei von Scellières in der Champagne zu bestatten. Sein Herz und sein Gehirn wurden separat einbalsamiert.
Am 11. Juli 1791, während der Französischen Revolution, die Voltaire als einen ihrer Wegbereiter betrachtete, beschloss die französische Nationalversammlung, seine sterblichen Überreste nach Paris zurückzubringen und im Panthéon beizusetzen. Schätzungsweise eine Million Menschen nahmen an der Prozession teil, die sich durch ganz Paris zog. Es gab eine aufwendige Zeremonie mit eigens dafür komponierter Musik.
Das Pseudonym: Warum nannte sich Arouet „Voltaire“?
Die Entscheidung, das Pseudonym Voltaire anzunehmen, traf François-Marie Arouet im Jahr 1718 nach einer Haftstrafe in der Bastille. Der genaue Grund für die Wahl dieses Namens wurde von Arouet nie endgültig erklärt, was Raum für Spekulationen und Theorien lässt. Dies macht die Geschichte des Namens besonders faszinierend.
Die populärste Theorie besagt, dass „Voltaire“ ein Anagramm der lateinischen Schreibweise seines Nachnamens ist, ergänzt um die Initialen seines Vornamens und Nachnamens. Arouet wurde in der Vergangenheit auch als „Arouet le jeune“ (Arouet der Jüngere) bezeichnet. Die lateinische Form von Arouet le jeune könnte „Arouet, l. j.“ sein. Eine Umstellung der Buchstaben von „Arouet, l. j.“ könnte zu „Voltaire“ führen, insbesondere wenn man das „u“ und das „j“ als „v“ und „i“ (wie im klassischen Latein) behandelt: AROUET L I → AROVET L I → VOLTAIRE. Diese Theorie ist weit verbreitet, bleibt aber unbestätigt.
Andere Theorien knüpfen ebenfalls an Spitznamen an. Eine besagt, dass „Voltaire“ eine Verbindung zur französischen Phrase „le jeune“ hat, was „der Junge“ bedeutet. Eine weitere Theorie vermutet, dass es sich um eine Anspielung auf einen Spitznamen handelt, den ihm gegebenenfalls gegeben wurde: „le petit volontaire“, was so viel wie „der kleine Entschlossene“ oder „der kleine Freiwillige“ bedeutet. Angesichts von Voltaires bekanntem Eifer und seiner unnachgiebigen Haltung gegenüber Ungerechtigkeit und Dummheit wäre dieser Spitzname durchaus passend gewesen.
Unabhängig von der genauen Herkunft des Pseudonyms war die Annahme eines neuen Namens eine bewusste Entscheidung, die oft von Schriftstellern getroffen wurde, um sich von ihrer bürgerlichen Identität zu lösen, sich neu zu erfinden oder manchmal auch, um sich vor Verfolgung zu schützen. Im Falle Voltaires markierte es den Beginn seiner großen literarischen Karriere unter dem Namen, der in die Geschichte eingehen sollte.
Die Bedeutung des Namens Voltaire
Da „Voltaire“ primär ein Pseudonym ist, hat es keine traditionelle etymologische Bedeutung im Sinne eines überlieferten Vornamens oder Nachnamens. Seine „Bedeutung“ ergibt sich aus den Theorien seiner Entstehung:
- Anagramm von Arouet le jeune (lateinisch): Keine direkte Bedeutung, sondern eine Umformung.
- Verbindung zu „le jeune“: Bezogen auf „der Junge“ oder „der Jüngere“.
- Verbindung zu „le petit volontaire“: Bezogen auf „der kleine Entschlossene“ oder „der kleine Freiwillige“.
In der modernen Namensgebung wird Voltaire manchmal als Vorname verwendet, oft inspiriert von der historischen Figur. Es wird als geschlechtsneutraler Name französischer Herkunft beschrieben. Theorien zur Namensbedeutung, die im Kontext der modernen Namenswahl genannt werden, umfassen „Determined little thing“ (entschlossenes kleines Ding) oder einfach „The young“ (der Junge/die Junge). Diese Interpretationen leiten sich direkt von den Theorien zum Pseudonym ab.
Der Name Voltaire als Nachname in den USA
Interessanterweise existiert der Name Voltaire auch als Nachname, unabhängig vom berühmten Philosophen. Anhand von Volkszählungsdaten kann man die Verbreitung von Familien mit dem Namen Voltaire im Laufe der Zeit verfolgen. Der Familienname Voltaire war in den Vereinigten Staaten zwischen 1840 und 1920 dokumentiert.
Im Jahr 1880 gab es Familien mit dem Namen Voltaire in den USA. Gehen wir noch weiter zurück, finden wir im Jahr 1840 nur eine einzige Familie mit dem Namen Voltaire in Alabama. Diese einzelne Familie machte 100 % aller erfassten Familien mit dem Namen Voltaire in den USA in diesem Jahr aus. Alabama hatte somit 1840 die höchste Zahl von Familien mit diesem Nachnamen.
Solche Volkszählungsregister und Wählerlisten sind wertvolle historische Quellen. Sie ermöglichen es Forschern und Genealogen, zu sehen, wo Familien mit bestimmten Namen lebten. Oft finden sich in diesen Registern detaillierte Angaben wie Namen der Haushaltsmitglieder, deren Alter, Geburtsorte, Wohnorte und Berufe. Dies erlaubt Einblicke in die Migration und das Leben von Familien über Generationen hinweg.
Ob es eine Verbindung zwischen diesen Nachnamensträgern und dem berühmten französischen Philosophen gibt, ist aus den vorliegenden Daten nicht ersichtlich. Es ist durchaus möglich, dass der Nachname unabhängig entstanden ist oder von Einwanderern aus anderen Regionen getragen wurde.
Voltaires Ansichten und ihr Einfluss
Auch wenn die genaue Herkunft seines Namens ein Rätsel bleibt, steht das Pseudonym Voltaire für einen Mann mit starken Überzeugungen, die er furchtlos vertrat. Seine Schriften deckten ein breites Spektrum ab.
Religiöse und philosophische Ansichten: Voltaire war ein scharfer Kritiker des Dogmatismus und der Intoleranz, insbesondere der organisierten Religion seiner Zeit. Er setzte sich für Religionsfreiheit und Toleranz ein, auch wenn seine eigenen Ansichten komplex waren und oft als deistisch beschrieben werden. Er glaubte an einen Gott, der das Universum erschaffen hat, griff aber die Lehren und Praktiken der Kirche an.
Ansichten zu Rasse und Sklaverei: Voltaires Positionen zu diesen Themen sind Gegenstand historischer Diskussionen. Einerseits finden sich in seinen Werken kritische Passagen, wie in „Candide“, wo er die Grausamkeit der Sklaverei anprangert: Der Protagonist ist entsetzt, als er erfährt, „zu welchem Preis wir in Europa Zucker essen“, nachdem er in Französisch-Guayana auf einen versklavten Mann trifft, dem für einen Fluchtversuch Gliedmaßen amputiert wurden. Der Sklave bemerkt ironisch, dass sie alle Cousins seien, wenn die Bibel recht habe, und fragt sich, wie man Verwandte so grausam behandeln könne. Voltaire kritisierte auch die „Weißen und Christen, die Neger billig kaufen, um sie in Amerika teuer zu verkaufen.“ Andererseits vertrat er polygenistische Ansichten (die Idee, dass verschiedene Rassen getrennt entstanden sind) und einige Historiker interpretieren seine Schriften als Ausdruck rassistischer Stereotypen. Es gibt auch Hinweise darauf, dass er in Kolonialunternehmen investiert war, die am Sklavenhandel beteiligt waren. Die Zuschreibung eines bestimmten Briefes, der die Unterstützung des Sklavenhandels nahelegt, wird jedoch von einigen Forschern angezweifelt.
Voltaire war ein Verfechter des liberalen Pluralismus, insbesondere in seiner Herangehensweise an Geschichte und nicht-europäische Kulturen. Er kritisierte die europäische Arroganz und Ignoranz gegenüber Zivilisationen wie der chinesischen oder indischen und forderte dazu auf, „die schändliche Gewohnheit aufzugeben, alle Sekten zu verleumden und alle Nationen zu beleidigen!“
Voltaire und Rousseau: Eine komplexe Beziehung
Die Beziehung zwischen Voltaire und seinem jüngeren Zeitgenossen Jean-Jacques Rousseau war von gegenseitigem Respekt, aber auch von scharfer intellektueller Rivalität geprägt. Rousseau anerkannte den Einfluss von Voltaires „Briefe über die Engländer“ auf seine eigene Entwicklung. Zunächst gab es einen höflichen Austausch, doch ihre philosophischen Unterschiede führten bald zu Konflikten.
Als Rousseau Voltaire eine Kopie seines „Diskurs über die Ungleichheit“ schickte, antwortete Voltaire trocken: „Niemand hat jemals so viel Verstand eingesetzt, um die Menschen dazu zu überreden, Bestien zu sein. Beim Lesen Ihres Werkes überkommt einen der Wunsch, auf allen Vieren zu gehen. Da ich diese Gewohnheit jedoch seit mehr als sechzig Jahren verloren habe, empfinde ich es leider als unmöglich, sie wieder aufzunehmen.“
Voltaire spottete über Rousseaus Roman „Julie oder Die neue Heloise“ und meinte, die erste Hälfte sei in einem Bordell und die zweite Hälfte in einer Irrenanstalt geschrieben worden. Er kritisierte Rousseaus Grammatik und bezeichnete dessen Werk „Emile oder Über die Erziehung“ als „ein Mischmasch einer albernen Amme in vier Bänden, mit vierzig Seiten gegen das Christentum, unter den kühnsten, die je bekannt wurden.“ Er bewunderte jedoch den Abschnitt „Glaubensbekenntnis des savoyischen Vikars“. Trotz ihrer Differenzen verteidigte Rousseau Voltaire, als ein Priester ihn verleumdete, und sagte: „Er hat so viele gute Dinge gesagt und getan, dass wir den Vorhang über seine Unregelmäßigkeiten ziehen sollten.“ Beide Philosophen starben 1778 im Abstand von nur einem Monat und wurden später beide im Panthéon beigesetzt.
Häufig gestellte Fragen zum Namen Voltaire
Hier sind Antworten auf einige häufige Fragen, die sich im Zusammenhang mit dem Namen Voltaire ergeben:
War Voltaire sein richtiger Name?
Nein, Voltaire war das Pseudonym von François-Marie Arouet. Er nahm den Namen im Jahr 1718 an.
Warum wählte François-Marie Arouet das Pseudonym Voltaire?
Der genaue Grund ist nicht bekannt, da er es nie endgültig erklärte. Die populärsten Theorien sind, dass es sich um ein Anagramm der lateinischen Schreibweise seines Namens (Arouet le jeune) handelt, oder dass es von Spitznamen wie „le jeune“ (der Junge) oder „le petit volontaire“ (der kleine Entschlossene) abgeleitet ist.
Was bedeutet das Wort Voltaire?
Als Pseudonym hat es keine traditionelle Bedeutung. Die theorisierten Bedeutungen, die sich aus den Entstehungstheorien ableiten, sind „der Junge“ oder „der kleine Entschlossene“. Als moderner Vorname werden Bedeutungen wie „entschlossenes kleines Ding“ oder „der/die Junge/Jüngere“ genannt.
Gibt es den Namen Voltaire auch als Nachnamen?
Ja, der Name Voltaire existiert auch als Nachname, wie historische Volkszählungsdaten in den USA zeigen. Es ist unklar, ob es eine direkte Verbindung zum Philosophen gibt.
Wo lebten Familien mit dem Nachnamen Voltaire in den USA historisch?
Laut US-Volkszählungsdaten war der Name zwischen 1840 und 1920 präsent. Im Jahr 1840 gab es eine Familie in Alabama, was zu dieser Zeit 100 % der erfassten Voltaire-Familien in den USA ausmachte. 1880 gab es ebenfalls Familien mit diesem Namen in den USA.
Zusammenfassung
Der Name Voltaire ist weit mehr als nur das Pseudonym eines der bedeutendsten Denker der Aufklärung. Er ist ein Name, der ein Rätsel birgt, dessen genaue Herkunft unter Historikern und Linguisten diskutiert wird. Ob abgeleitet von einem cleveren Anagramm oder einem treffenden Spitznamen, er wurde zum Synonym für intellektuelle Schärfe, Kampf gegen Unwissenheit und Aberglauben sowie für den unermüdlichen Einsatz für Toleranz und Vernunft.
Gleichzeitig existiert der Name auch als Nachname mit seiner eigenen, separaten Geschichte, dokumentiert in historischen Registern wie den US-Volkszählungen. Auch wenn diese Familien vielleicht keine direkte Verbindung zum berühmten Philosophen haben, tragen sie doch einen Namen, der in seiner Bekanntheit und seinem historischen Gewicht einzigartig ist.
Die Geschichte des Namens Voltaire zeigt, wie Namen entstehen, sich entwickeln und welche unterschiedlichen Wege sie nehmen können – als bewusst gewähltes Pseudonym, als überlieferter Familienname oder sogar als seltener Vorname. Das Mysterium um seine Herkunft trägt nur zur Faszination dieser herausragenden historischen Figur und des Namens, den er wählte, bei.
Voltaire, ob als Mann oder als Name, bleibt ein Symbol für den Geist der Aufklärung und die Macht des Wortes.
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