Was haben Bernd und Hilla Becher fotografiert?

Die Welt der Tassen und Becher

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Tassen und Becher sind allgegenwärtige Begleiter in unserem Alltag, oft unscheinbar, doch mit einer reichen Geschichte und überraschender Vielfalt. Sie sind mehr als nur einfache Gefäße; ihre Form, ihr Material und sogar ihr Name erzählen Geschichten aus fernen Ländern und vergangenen Zeiten. Was unterscheidet eine Tasse wirklich von einem Becher, und woher stammen diese vertrauten Begriffe überhaupt?

Die Etymologie der Wörter Tasse und Becher ist aufschlussreich und führt uns auf eine Reise durch verschiedene Sprachen und Kulturen. Das Wort Tasse ist ein Lehnwort, das im 16. Jahrhundert aus dem Französischen (tasse) ins Deutsche kam. Seine Wurzeln reichen weiter zurück ins Arabische (ṭās oder ṭāssa, „Schälchen, Napf“), welches wiederum auf das persische Wort tašt („Becken, Schale“) zurückgehen soll. Interessanterweise bezeichnete tāsa im Arabisch-Persischen auch eine flache Kesseltrommel. Die Verbindung zum Porzellanhandel aus China wird vermutet, da Porzellan der ursprüngliche Grund für solche Gefäße war. Im deutschen Sprachraum wird Tasse meist für das Oberteil, die Obertasse, verwendet, während der Untersatz Untertasse genannt wird. In Österreich und Süddeutschland kann Tasse jedoch auch die Untertasse oder ein kleines Serviertablett im Wiener Kaffeehaus meinen. Eine regionale Variante ist Tatz(e) oder Tatzl, die aus dem italienischen tazza stammt und ebenfalls einen Untersatz bezeichnet.

Wann ist ein Becher ein Becher?
Im Kaffeeservice sind Tassen kleine, flache Trinkgefäße mit 125 ml. Solche werden auch als Schale bezeichnet. Große, hohe Tassen mit einem Fassungsvermögen von 250 ml oder mehr gelten auch als Becher oder Häferl.

Das Wort Becher und seine Verkleinerungsform Häferl (oder Haferl) haben andere Wurzeln. Häferl ist die Verkleinerungsform des alten Wortes Hafen (oder Häfen), das für einen steinernen Topf, ein Gefäß oder eine Einfassung stand. Häferl sind typischerweise größere Tassen mit Henkel, deren Wände gerade nach oben verlaufen.

Eine Reise durch die Geschichte der Trinkgefäße

Die Geschichte der Tasse, wie wir sie heute kennen, ist eng mit der Entwicklung des Porzellans verbunden. Ihre Ursprünge liegen in China zur Zeit der Tang-Dynastie (618–906 n. Chr.), als das feine Porzellan erfunden wurde. Nach Europa gelangte die Tasse Überlieferungen zufolge um 1610 n. Chr. durch portugiesische Händler, die gleichzeitig den ersten Tee nach England importierten. Da Tee und Porzellan anfangs sehr rar und teuer waren, war der Genuss heißer Getränke aus solchen Gefäßen lange Zeit nur wohlhabenden Schichten vorbehalten.

In Europa gab es lange Zeit Schwierigkeiten, Porzellan in ähnlicher Qualität wie in China herzustellen; europäische Versuche zersprangen oft bei Kontakt mit heißem Wasser. Das erste brauchbare europäische Porzellan wurde schließlich vom Alchemisten Johann Friedrich Böttger in Meißen entwickelt, einer Stadt, die bis heute für ihr Porzellan berühmt ist. Mit der Zeit ließ die Nachfrage nach Teeschalen und Tassen in Kontinentaleuropa nach, und ab etwa 1750 entwickelte sich England zum Zentrum der Keramik- und Porzellanproduktion. Dort wurde auch die Tasse mit dem charakteristischen Henkel erfunden, die heute weit verbreitet ist. Später gab es im 20. Jahrhundert die Tradition der Sammeltasse und in Preußen die Ehrung Hundertjähriger mit einer speziellen Hundertjahrtasse.

Materialvielfalt und Verwendungszwecke

Tassen und Becher werden hauptsächlich zum Servieren heißer Getränke wie Tee, Kaffee oder Kakao verwendet. Die klassische Tasse besteht traditionell aus Porzellan, Steinzeug, Irdenware oder Steingut und wird meist auf einer Untertasse serviert. Historische Schokoladentassen hatten oft sogar einen Deckel.

Es gibt jedoch eine große Vielfalt an Materialien jenseits der klassischen Keramik: Holz, Glas, Blech, Kunststoff oder Pappe sind ebenfalls gebräuchlich. Die Form und Größe variieren je nach Getränk und Tradition. Eine Teetasse ist oft flacher, weiter und dünnwandiger als eine Kaffeetasse. Ein Kaffeeservice für sechs Personen umfasst typischerweise 21 Teile: eine Kanne, einen Milchgießer, eine Zuckerdose sowie je sechs Ober- und Untertassen und sechs Kuchenteller. Bei einem Teeservice kann die Zusammenstellung leicht abweichen.

Über die reine Funktion als Trinkgefäß hinaus dienen Tassen im Haushalt auch als einfaches Schöpfmaß für flüssige oder trockene Zutaten wie Mehl oder Zucker. In deutschen Rezepten entspricht „1 Tasse“ meist einem Achtelliter (125 ml). Bei Rezepten aus dem englischsprachigen Raum ist Vorsicht geboten, da die Maßeinheit „cup“ deutlich größer ist und eher einem Viertelliter (ca. 236-284 ml) entspricht.

Formen und Definitionen: Tasse vs. Becher

Die Unterscheidung zwischen Tasse und Becher kann manchmal fließend sein, aber es gibt typische Merkmale. Im Kaffeeservice sind Tassen oft kleine, flache Gefäße mit etwa 125 ml Fassungsvermögen, manchmal auch als Schale bezeichnet. Große, hohe Gefäße ab 250 ml gelten oft als Becher oder Häferl. Während Becher meist einfach zylindrisch oder konisch geformt sind und ihre Höhe oft größer ist als ihr Durchmesser, sind Tassen in ihrer Form variabler (zylindrisch, konisch, bauchig oder gerade) und oft künstlerischer gestaltet. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist der Henkel: Eine Tasse hat immer einen Henkel, während ein Becher keinen haben muss.

Die Größe hängt auch vom Inhalt ab. Eine Espressotasse ist sehr klein, passend zur geringen Menge des starken Kaffees. Eine Tasse für Milchkaffee ist dagegen deutlich größer. Französische Schalen für Café au lait, genannt Bol, haben typischerweise keinen Henkel.

Was haben Bernd und Hilla Becher fotografiert?
Die renommierten deutschen Künstler Bernd und Hilla Becher (1931–2007; 1934–2015) veränderten die Fotografie des späten 20. Jahrhunderts grundlegend. Als seltenes Künstlerpaar konzentrierten sie sich auf ein einziges Thema: die verschwindende Industriearchitektur Westeuropas und Nordamerikas, die die Moderne prägte .

Moderne „Mugs“ (aus dem Englischen für „Henkelbecher“) sind größer als klassische Kaffeetassen, werden oft ohne Untertasse verwendet und besitzen in der Regel einen Henkel. Manche Mugs sind doppelwandig oder haben einen Deckel, um die Temperatur des Inhalts länger zu halten. Es gibt auch sehr spezielle Formen, die an bestimmte Bedürfnisse angepasst sind, wie die Barttasse, die Schnabeltasse oder die Kapillar-Kaffeetasse für die Schwerelosigkeit. Eine Suppentasse unterscheidet sich durch zwei Henkel. Eine Zaubertasse überrascht mit einem Motiv, das sich durch Wärme ändert.

Die Kunst hat sich ebenfalls des Themas angenommen, wie die berühmte Pelztasse von Meret Oppenheim aus dem Jahr 1936 zeigt.

Vergleich verschiedener Gefäßtypen

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über typische Merkmale einiger Tassen- und Becherklassen:

TassenklasseHöhe-Breite-Verhältnis (ca.)HenkelUntertasseInhalt (l)
Mug3:10 (1)00,33–0,4
Becher2:1000,3–0,4
Häferl (Henkelbecher)2:1100,3–0,4
Kaffeetasse1:1110,2–0,25
Teetasse1:21 (0)10,2–0,25
Bol1:2000,35–0,5
Suppentasse1:320 (1)0,35–0,5

Tassen in der Sprache

Interessanterweise hat das Wort Tasse auch Eingang in verschiedene sprachliche Wendungen gefunden, bei denen es nicht das eigentliche Trinkgefäß meint:

  • „Hoch die Tassen!“ ist eine zeremonielle Aufforderung, die Gläser, Becher oder Krüge zum Anstoßen zu erheben, auch wenn es sich dabei oft um Bierkrüge oder andere Gefäße für Kaltgetränke handelt.
  • „Fliegende Untertassen“ bezeichnet runde, flache Lichtphänomene unbekannter Flugobjekte (UFOs) und nutzt die Form der Untertasse als sprachliche Analogie.
  • Die Metapher „Nicht alle Tassen im Schrank haben“ ist eine umgangssprachliche, abfällige Bemerkung, die die geistige Gesundheit oder Kompetenz einer Person in Frage stellt.
  • „Trübe Tasse“ ist ein umgangssprachlicher, eher abwertender (manchmal scherzhaft verwendeter) Ausdruck für einen langweiligen oder dummen Menschen. Dieser Ausdruck leitet sich nicht vom Trinkgefäß ab, sondern vom jiddischen Wort toshia, was „Verstand“ bedeutet.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Hauptunterschied zwischen einer Tasse und einem Becher?
Der entscheidende Unterschied ist in der Regel der Henkel. Eine Tasse hat typischerweise immer einen Henkel, während ein Becher keinen haben muss. Auch die Form unterscheidet sich oft: Becher sind eher hoch und zylindrisch/konisch, Tassen können variabler geformt sein und sind oft flacher im Verhältnis zum Durchmesser.

Woher stammt das Wort „Tasse“?
Das Wort „Tasse“ stammt aus dem Französischen (tasse), das wiederum aus dem Arabischen (ṭās(s)a) kommt. Die Wurzeln reichen bis ins Persische (tašt) zurück.

Aus welchen Materialien können Tassen und Becher bestehen?
Traditionell aus Porzellan, Steinzeug oder Steingut. Es gibt aber auch Gefäße aus Glas, Holz, Metall, Kunststoff oder Pappe.

Was bedeutet die Redewendung „Nicht alle Tassen im Schrank haben“?
Diese umgangssprachliche Redewendung bedeutet, dass jemand als verrückt oder nicht ganz bei Verstand gilt.

Wofür steht „Trübe Tasse“?
„Trübe Tasse“ ist ein Ausdruck für einen langweiligen oder uninteressanten Menschen. Die Bedeutung leitet sich nicht vom Trinkgefäß ab, sondern vom jiddischen Wort toshia (Verstand).

Die unscheinbaren Tassen und Becher unseres Alltags bergen also eine Fülle von Geschichte, kulturellen Verbindungen und sprachlichen Eigenheiten. Sie sind ein schönes Beispiel dafür, wie selbst die einfachsten Gegenstände eine tiefe und facettenreiche Geschichte erzählen können.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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