Der Film „Christus kam nur bis Eboli“ von Francesco Rosi aus dem Jahr 1979 ist eine bewegende Verfilmung des gleichnamigen Buches von Carlo Levi. Das Buch und der Film erzählen von Levis Zeit im Exil in einer abgelegenen Region Süditaliens während des Faschismus. Die atemberaubenden und oft kargen Landschaften dieser Region spielen eine entscheidende Rolle sowohl im Buch als auch im Film und prägen die Atmosphäre und das Gefühl der Isolation. Zwei der markantesten Drehorte, die die Essenz dieser Erzählung einfangen, sind die faszinierende Geisterstadt Craco und das malerische Dorf Aliano. Diese Orte sind nicht nur Schauplätze der Geschichte, sondern auch Zeugnisse einer vergangenen Zeit und beeindruckender Natur.

Craco: Eine Geisterstadt als Filmkulisse
Craco ist ein mittelalterliches Dorf, das auf einem Hügel in der Region Basilikata thront. Seine Geschichte ist eng mit einem dramatischen Ereignis verbunden: Im Jahr 1963 musste das Dorf aufgrund eines erheblichen Erdrutsches evakuiert werden. Seitdem steht Craco verlassen da, eine wahre Geisterstadt, die von einer beeindruckenden und fast schon mondähnlichen Landschaft umgeben ist. Diese Landschaft besteht aus Tonformationen, die als Calanchi bezeichnet werden. Die Calanchi erinnern an Wüstenlandschaften, in denen Stille und Frieden herrschen. Die verlassenen Gebäude und die unwirkliche Umgebung verleihen Craco eine einzigartige und melancholische Schönheit, die es zu einem begehrten Ort für Filmemacher gemacht hat.
Craco im Film
Wie die berühmte Stadt Matera wurde auch Craco als Kulisse für eine Vielzahl von Filmen ausgewählt. Seine dramatische und zeitlose Erscheinung bietet eine perfekte Leinwand für historische Dramen, biblische Erzählungen und atmosphärische Geschichten. Zu den Filmen, die in Craco gedreht wurden, gehört natürlich „Christus kam nur bis Eboli“ von Francesco Rosi (1979), wo die Stadt als wichtiger Hintergrund für die Darstellung des Lebens im Exil diente. Weitere bekannte Produktionen sind „La lupa“ von Alberto Lattuada (1953), „King David“ von Bruce Beresford (1985), „The Big Question“ von Francesco Cabras und Alberto Molinari (2004), „Nativity“ von Catherine Hardwicke (2006) und „Basilicata coast to coast“ von Rocco Papaleo (2010). Auch für Mel Gibsons „The Passion“ wurde Craco genutzt, insbesondere für die Szene der Hinrichtung von Judas. Die Liste der Filme, die die Kulisse von Craco nutzten, ist lang und zeugt von der visuellen Kraft dieses Ortes.
Ein Besuch in der Geisterstadt
Obwohl verlassen, kann Craco im Rahmen einer sicheren Tour besucht werden. Der Besuch führt durch die alten Viertel, über Plätze und Straßen, vorbei an Kirchen und Adelspalästen. Ein gesicherter Weg ermöglicht es den Besuchern, die spätbyzantinische Kirche San Nicola zu erreichen und zur Spitze des normannischen Turms aus dem elften Jahrhundert zu gelangen. Oben auf dem Turm, wo nur die Krähen die surreale Stille durchbrechen, bietet sich ein atemberaubender 360-Grad-Blick. Dieser Blick schweift über die Täler der Flüsse Bradano und Cavone bis hin zur Ionischen Küste. Die Atmosphäre in Craco ist einzigartig; die verlassenen Gebäude und die allgegenwärtige Stille erzählen Geschichten von einer Zeit, als hier noch Leben herrschte, und vermitteln gleichzeitig ein Gefühl der Ewigkeit.
Aliano: Auf den Spuren von Carlo Levi
Der Besuch der Drehorte von „Christus kam nur bis Eboli“ führt weiter nach Aliano. Aliano ist ein kleines Dorf mit etwas mehr als tausend Einwohnern, das wie Craco von den spektakulären Calanchi umgeben ist. Die Landschaft rund um Aliano ist ebenso beeindruckend und prägt das Bild dieses abgelegenen Teils Italiens. Aliano ist jedoch untrennbar mit einer anderen Geschichte verbunden, der des Schriftstellers, Arztes und Malers Carlo Levi.
Carlo Levi in Aliano
Carlo Levi wurde hier von 1935 bis 1936 aus politischen Gründen, während des faschistischen Regimes, in die Verbannung geschickt. In Aliano lebte er, studierte die lokale Kultur und verarbeitete seine Erfahrungen. Seine Erinnerungen und Eindrücke, gesammelt während er durch die Straßen ging, Menschen traf, die Kultur entdeckte und lieben lernte, wurden später in seinem berühmten Buch „Cristo si è fermato a Eboli“ detailliert beschrieben. Das Buch wurde zu einem Klassiker des italienischen Neorealismus und trug maßgeblich dazu bei, die Welt auf die schwierigen Lebensbedingungen und die einzigartige Kultur der ländlichen Bevölkerung Süditaliens aufmerksam zu machen.
Eine literarische Reise in Aliano
Aliano ermöglicht eine wahre „literarische Reise“ auf den Spuren von Carlo Levi und seinen Geschichten. Der Weg führt zum Haus, in dem der Schriftsteller während seiner Verbannung lebte, studierte und malte. Hier können Besucher in die Welt von Levi eintauchen und nachvollziehen, wie er seine Zeit in Aliano verbrachte. Auf dieser Reise kann man auch das Museum der Bauernkultur besuchen, das Einblicke in das traditionelle Leben der Region gibt, sowie die Gemäldegalerie, die voller schöner Gemälde von Carlo Levi ist. Natürlich gehören auch die wichtigsten Orte, die in Levis Buch Erwähnung finden, zum Besuchsprogramm. Dazu zählen die „Fossa del Bersagliere“, die Polizeistation, das Postamt und die Kirche San Luigi Gonzaga. Indem man diese Orte besucht, kann man versuchen, Levis eigene Gefühle und Erinnerungen wahrzunehmen und seine Erfahrungen nachzuvollziehen.
Ein Ort, an dem die Zeit stillzustehen scheint
In Aliano stellt man fest, dass das Land in vielerlei Hinsicht in der ländlichen Dimension verblieben ist, die Levi in seinem Buch beschrieb. Dies vermittelt ein Gefühl des Wunders, eine Erfahrung der Vergangenheit, als ob die Zeit stehengeblieben wäre und die Innovation, der städtische und soziale Fortschritt, diesen Ort nicht erreicht hätten. Es ist ein Ort, der eine tiefe Verbindung zu seiner Geschichte und seinen Traditionen bewahrt hat. Carlo Levi selbst entschied sich, hier bestattet zu werden, ein Beweis für die tiefe emotionale Bindung, die er zu diesem Ort entwickelte. Er wurde 1975 in Aliano beigesetzt und ruht nun in der Erde, die ihm einst als Verbannungsort diente und die er doch so sehr zu verstehen lernte.
Die Verbindung zwischen Film, Buch und Orten
Der Film „Christus kam nur bis Eboli“ nutzt die authentischen Schauplätze von Craco und Aliano, um die im Buch beschriebene Atmosphäre und die Erlebnisse von Carlo Levi lebendig werden zu lassen. Die visuellen Elemente der Calanchi-Landschaft, die verlassenen Gassen von Craco und die einfachen Gebäude von Aliano tragen entscheidend zur Glaubwürdigkeit und emotionalen Tiefe des Films bei. Sie ermöglichen es dem Zuschauer, die Isolation und die Entdeckungen Levis nachzuempfinden. Die Drehorte sind somit nicht nur Kulissen, sondern integrale Bestandteile der Erzählung, die die harte Realität des Lebens in dieser Region und die menschlichen Begegnungen, die Levi prägten, unterstreichen.
Häufig gestellte Fragen
Warum ist Craco eine Geisterstadt?
Craco wurde 1963 aufgrund eines großen Erdrutsches evakuiert. Die Bewohner mussten das Dorf verlassen und es wurde seitdem nicht wieder besiedelt.
Welche Verbindung hat Aliano zu Carlo Levi?
Carlo Levi wurde von 1935 bis 1936 aus politischen Gründen nach Aliano verbannt. Seine Erfahrungen und Eindrücke während dieser Zeit bildeten die Grundlage für sein berühmtes Buch „Cristo si è fermato a Eboli“.
Wurde nur „Christus kam nur bis Eboli“ in Craco gedreht?
Nein, Craco diente als Kulisse für viele Filme, darunter „La lupa“, „King David“, „Nativity“ und Szenen aus „The Passion“.
Was kann man in Aliano besuchen?
In Aliano kann man das Haus von Carlo Levi, das Museum der Bauernkultur, die Gemäldegalerie mit Werken von Levi sowie verschiedene Orte besuchen, die in seinem Buch erwähnt werden, wie die Fossa del Bersagliere oder die Kirche San Luigi Gonzaga. Man kann auch das Grab von Carlo Levi besuchen.
Was sind Calanchi?
Calanchi sind beeindruckende Tonformationen, die durch Erosion in trockenen Gebieten entstehen. Sie bilden eine karge, oft als mondähnlich beschriebene Landschaft, die sowohl Craco als auch Aliano umgibt.
Kann man Craco besuchen?
Ja, Craco kann im Rahmen einer geführten und gesicherten Tour besucht werden, die durch die alten Teile des Dorfes und zum normannischen Turm führt.
Was macht die Landschaft um Craco und Aliano besonders?
Die Landschaft ist geprägt von den Calanchi-Formationen, die eine einzigartige, fast wüstenartige oder mondähnliche Szenerie schaffen. Diese Landschaft vermittelt ein Gefühl von Isolation, Stille und zeitloser Schönheit.
Wann wurde Carlo Levi in Aliano bestattet?
Carlo Levi wurde 1975 in Aliano bestattet.
Die Drehorte von „Christus kam nur bis Eboli“, insbesondere Craco und Aliano, sind weit mehr als nur Hintergründe für eine Filmproduktion. Sie sind Orte von tiefer historischer und kultureller Bedeutung, die die Geschichte des süditalienischen Landlebens, die politischen Verhältnisse der Zeit und die persönlichen Erfahrungen eines bemerkenswerten Mannes widerspiegeln. Ein Besuch dieser Orte ist eine Reise in die Vergangenheit, eine Begegnung mit einer einzigartigen Landschaft und eine Hommage an ein wichtiges Werk der italienischen Literatur und Filmgeschichte. Die Stille von Craco und die literarische Präsenz von Levi in Aliano machen diese Orte zu unvergesslichen Zielen für jeden, der sich für Fotografie, Film, Geschichte oder einfach nur für außergewöhnliche Orte interessiert.
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