Seit einiger Zeit mischt Affinity Photo den Markt für Bildbearbeitungssoftware auf. Lange nur für Macs verfügbar, hat es endlich den Sprung auf Windows geschafft. In diesem Artikel werfen wir einen detaillierten Blick auf die Funktionen, vergleichen Vor- und Nachteile im direkten Duell mit Adobe Photoshop und beantworten die entscheidende Frage: Lohnt sich der Wechsel von Photoshop zu Affinity Photo? Begleiten Sie uns auf dieser Entdeckungsreise.
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Hinweis: Dieser Artikel basiert auf der öffentlichen Beta-Version von Affinity Photo für Windows zum Zeitpunkt des Tests. Es handelt sich um eine unabhängige Meinung, die nicht von Serif, dem Hersteller der Software, beeinflusst oder gesponsert wurde. Aufgrund der Beta-Phase und der begrenzten Testzeit konnten nicht alle Funktionen im Detail geprüft werden.
Beeindruckende Funktionen in Affinity Photo
Beim ersten Start von Affinity Photo fällt sofort auf, wie sehr die Benutzeroberfläche und die Bedienung an Photoshop erinnern. Filter, Einstellungsebenen und sogar viele Tastenkombinationen sind ähnlich. Doch es gibt einige Funktionen, die Affinity Photo hervorheben:
Ebenen als Smart Objects per Standard
Eine der angenehmsten Überraschungen ist, dass Ebenen standardmäßig wie Smart Objects in Photoshop agieren. Das bedeutet, Sie können Ebenen vergrößern und verkleinern, ohne dabei an Bildqualität zu verlieren. Dies spart einen zusätzlichen Schritt und macht das Arbeiten flexibler.
Vollständig editierbare Live-Filter
Ähnlich wie Smart Filter in Photoshop bietet Affinity Photo sogenannte Live-Filter. Einmal angewendet, merkt sich die Ebene die Einstellungen des Filters, und Sie können jederzeit zurückkehren, um diese zu ändern oder den Filter komplett zu entfernen. Allerdings gilt dies nicht für alle Filter. Der Dunst-Entfernungs-Filter beispielsweise kann nur als regulärer Filter angewendet werden, was bedeutet, dass eine Anwendung auf einer separaten Ebene ratsam ist, um Flexibilität zu behalten.
Effektive Dunst-Entfernung
Apropos Dunst-Entfernung: Dies ist eine weitere herausragende Funktion. Zwar bieten auch Lightroom und der Camera Raw Filter in Photoshop eine Dunst-Entfernung, doch die Implementierung in Affinity Photo ist deutlich überlegen. Es gibt mehr Parameter zur Steuerung, wie beispielsweise die Distanz-Einstellung. Diese erlaubt es, die Reichweite der Dunst-Entfernung zu definieren. Man kann Dunst nur im Vordergrund entfernen und im Hintergrund belassen oder die Entfernung über die gesamte Szene anwenden.
Die Ergebnisse sind oft besser als bei den Adobe-Produkten. Zwar kann es immer noch zu leichten Halo-Effekten um Kanten kommen, aber diese sind weniger ausgeprägt. Auch die Farbwiedergabe ist überzeugender. Während bei Adobe die Farben bei starker Dunst-Entfernung schnell unnatürlich wirken und Artefakte zeigen können, sind diese Effekte in Affinity Photo reduziert.
RGB/CMYK/LAB Gradationskurven
Eine weitere bemerkenswerte Funktion sind die Gradationskurven (Curves). Affinity Photo erlaubt es, die Kurven im RGB-, aber auch in CMYK- oder LAB-Farbraum anzupassen. Das Besondere daran: Man muss das Dokument nicht in den jeweiligen Farbraum konvertieren, um diese Option zu nutzen. Auch wenn dies vielleicht keine essenzielle Funktion für jeden ist, eröffnet sie doch interessante Möglichkeiten und könnte neue Techniken im Color Grading inspirieren.
Aspekte, die weniger überzeugen
Neben diesen starken Features bietet Affinity Photo viele weitere nützliche Werkzeuge, wie einen Frequenzweichen-Filter oder einen interessanten Lichtfilter. Die Entwickler haben insgesamt eine beeindruckende Software geschaffen.
Doch es gibt auch Punkte, die weniger ideal gelöst sind:
Das Persona-Konzept
Affinity Photo nutzt sogenannte Personas. Dies ist ein etwas unklarer Begriff und beschreibt im Grunde verschiedene Arbeitsbereiche. Man wechselt zwischen der Foto-Persona (dem Haupt-Editor), der Verflüssigen-Persona, der Entwickeln-Persona (für RAW-Bilder), der Tone Mapping-Persona (für HDR) und der Export-Persona. Das Problem ist, dass dieses Konzept nicht immer intuitiv erscheint. Es ist anders als in Lightroom, wo die Module (Bibliothek, Entwickeln etc.) einem typischen Workflow folgen. Die Personas in Affinity Photo wirken eher wie separate Modi, die den gesamten Arbeitsbereich ändern. Manche dieser Funktionen, wie das Verflüssigen, könnten vielleicht auch einfach als Filter im Menü integriert sein, ähnlich wie Photoshop Filtergalerien temporär den Arbeitsbereich ändern.
Der RAW-Editor
Die Entwickeln-Persona, der RAW-Editor von Affinity Photo, ist funktional, aber nicht annähernd so leistungsfähig oder umfangreich wie Adobes Camera Raw Filter. Er bietet die grundlegenden Einstellungen, aber für fortgeschrittene RAW-Bearbeitung stößt er schnell an seine Grenzen.
Kleinere Macken und Bugs
Da die Windows-Version zum Testzeitpunkt eine Beta war, gab es kleinere Ungereimtheiten und potenzielle Bugs. Beispielsweise konnte es beim Anwenden des Lichtfilters vorkommen, dass bestimmte Anpassungen die Lichtquelle automatisch zurück in die linke obere Ecke verschoben. Ein weiteres kleines Ärgernis betraf die Nutzung der Escape-Taste. Normalerweise bricht man Dialoge oder Filtervorgänge damit ab. Bei einigen Filtern in Affinity Photo führte das Drücken der Escape-Taste jedoch zum Anwenden des Filters, als hätte man auf „OK“ geklickt. Es bleibt zu hoffen, dass solche Dinge in der finalen Version behoben sind.
Affinity Photo vs. Photoshop: Sollte man wechseln?
Nun zur entscheidenden Frage: Sollten Sie von Adobe Photoshop zu Affinity Photo wechseln? Für die meisten Anwender lautet die ehrliche Antwort: Nein.
Wenn Sie bereits ein Adobe Creative Cloud Abo haben, insbesondere wenn Sie Lightroom CC nutzen, ist Photoshop CC bereits enthalten. Derzeit ist Affinity Photo nicht so ausgereift wie Photoshop und hat noch einen längeren Weg vor sich, um aufzuschließen. Zwar bieten beide Programme einzigartige Funktionen, doch der Gesamtumfang und die zusätzlichen Features in Photoshop überwiegen die Vorteile von Affinity Photo für viele Anwender.
Photoshop kann weit mehr, als viele nutzen oder wissen. Es bietet Werkzeuge für 3D-Modelle, 3D-Druck, hat umfangreiche Vektor-Tools, mit denen man ganze Projekte erstellen kann, und ermöglicht sogar das Schneiden und Color Grading von Videos.
Für wen ist Affinity Photo dann geeignet?
Wenn Sie keine Lust auf ein Abo-Modell haben und kein Adobe Creative Cloud Abo besitzen, das Photoshop bereits einschließt, dann ist Affinity Photo eine hervorragende Wahl. Langfristig sparen Sie mit dem Einmalpreis von Affinity Photo (zum Zeitpunkt der Korrektur $49.99 USD) erheblich im Vergleich zu einem Photoshop-Abo.
Der Preis ist jedoch nicht alles. Selbst wenn Sie bereits ein CC-Abo haben, könnte Affinity Photo eine sinnvolle Ergänzung sein. Für bestimmte Aufgaben, die Affinity Photo besser löst – wie die Dunst-Entfernung oder die erweiterten Kurven-Optionen – kann sich die Investition lohnen. Bedenken Sie, dass viele Presets und Plugins von Drittanbietern mehr kosten und weniger Funktionalität bieten. Für seinen Preis ist Affinity Photo ein großartiges Angebot, auch wenn Sie nicht jede Funktion nutzen.
Vergleichstabelle: Affinity Photo vs. Photoshop (Basierend auf vorliegenden Informationen)
| Funktion | Affinity Photo | Photoshop |
|---|---|---|
| Kostenmodell | Einmaliger Kauf | Abo (Creative Cloud) |
| Ebenen (Standard) | Verhalten sich wie Smart Objects (nicht-destruktiv skalierbar) | Standard-Ebenen (destruktiv skalierbar, Smart Objects müssen explizit erstellt werden) |
| Live-Filter / Smart Filter | Ja (editierbar, aber nicht alle Filter) | Ja (editierbar, viele Filter unterstützt) |
| Dunst-Entfernung | Sehr gut, mehr Parameter (Distanz), bessere Ergebnisse | Gut (im Camera Raw Filter), weniger Parameter, kann zu Artefakten führen |
| Gradationskurven | RGB/CMYK/LAB ohne Dokument-Farbmoduswechsel | RGB/CMYK/LAB (oft Farbmoduswechsel des Dokuments nötig) |
| RAW-Bearbeitung | Basic (Entwickeln-Persona) | Fortgeschritten (Camera Raw Filter) |
| Arbeitsbereiche | Personas (wechselt komplette Oberfläche) | Module / Panels / Filtergalerien (oft integrierter) |
| Zusatzfunktionen | Frequenzweichen-Filter, Lichtfilter etc. | 3D, Vektor-Tools, Video-Bearbeitung, umfangreicher |
| Stabilität / Bugs (Beta) | Kleinere Macken/Bugs möglich (im Beta-Test festgestellt) | Sehr stabil (ausgereifte Software) |
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Ist Affinity Photo so gut wie Photoshop?
Derzeit bietet Photoshop einen deutlich größeren Funktionsumfang und ist in vielen Bereichen ausgereifter. Affinity Photo hat jedoch einige sehr gute und teils überlegene Einzel-Funktionen, wie die Dunst-Entfernung oder die Handhabung von Ebenen.
Ist Affinity Photo günstiger als Photoshop?
Ja, deutlich. Affinity Photo wird als Einmal-Kauf angeboten, während Photoshop nur im Rahmen eines (oft monatlichen oder jährlichen) Abonnements verfügbar ist. Langfristig ist Affinity Photo die wesentlich günstigere Option.
Sollte ich Affinity Photo kaufen, wenn ich schon Photoshop CC habe?
Das hängt von Ihren Bedürfnissen ab. Wenn Sie bestimmte Funktionen von Affinity Photo, wie die überlegene Dunst-Entfernung oder die flexiblen Kurven, häufig benötigen und nutzen möchten, kann der Kauf eine sinnvolle Ergänzung sein, auch wenn Sie Photoshop als Hauptprogramm verwenden.
Ist Affinity Photo für professionelle Fotografen geeignet?
Affinity Photo ist für viele professionelle Aufgaben geeignet, insbesondere wenn der Fokus auf Bildbearbeitung liegt. Wenn Sie jedoch Funktionen wie 3D, umfangreiche Vektor-Integration oder die fortgeschrittenen Möglichkeiten des Camera Raw Filters benötigen, bleibt Photoshop oft die bessere Wahl als Hauptwerkzeug.
Wie unterscheidet sich die RAW-Bearbeitung in Affinity Photo von Photoshop?
Die Entwickeln-Persona in Affinity Photo bietet grundlegende RAW-Anpassungen. Adobes Camera Raw Filter in Photoshop ist jedoch deutlich leistungsfähiger und bietet mehr Kontrolle und Optionen für die Entwicklung von RAW-Dateien.
Fazit
Affinity Photo ist zweifellos eine beeindruckende und leistungsstarke Software, die eine sehr attraktive Alternative darstellt, insbesondere für Anwender, die das Abo-Modell von Adobe meiden möchten. Es bietet einige innovative und gut umgesetzte Funktionen. Für die meisten Nutzer von Adobe Creative Cloud, die bereits Photoshop im Abo haben, bietet Photoshop jedoch nach wie vor einen umfassenderen Werkzeugkasten und eine höhere Reife. Wer aber auf der Suche nach einer preiswerten, fähigen und zukunftsträchtigen Bildbearbeitungssoftware ist oder spezifische Funktionen von Affinity Photo nutzen möchte, trifft mit dem Kauf eine ausgezeichnete Wahl.
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