Wer hat die Fotografie 1837 erfunden?

Die Geburt der Fotografie: Von Niépce zu Daguerre

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Die Frage, wann genau die Fotografie das Licht der Welt erblickte, ist komplexer als eine einfache Jahreszahl. Es war kein einzelner Moment der Erfindung, sondern eine faszinierende Reise technischer Entwicklung und wissenschaftlicher Neugier, die Jahrhunderte umspannte. Um die Geburt der Fotografie wirklich zu verstehen, müssen wir weit zurückblicken, lange bevor das erste Bild dauerhaft festgehalten werden konnte.

Wer hat die Fotografie erfunden und wann?
Joseph Nicéphore Niépce (auch Nièpce oder Niepce) und Louis Daguerre gelten als die Erfinder der Fotografie: 1826 gelang es Joseph Nicéphore Niépce, das erste beständige Bild aufzunehmen. Dafür belichtete er eine mit Asphalt beschichtete Zinnplatte – und das 8 Stunden lang!

Die Ursprünge führen uns zurück zur Beobachtung eines einfachen Naturphänomens: Licht, das durch ein kleines Loch in einen abgedunkelten Raum fällt und auf der gegenüberliegenden Wand ein spiegelverkehrtes und auf dem Kopf stehendes Bild der Außenwelt projiziert. Dieses Prinzip ist die Grundlage der sogenannten Camera Obscura, zu Deutsch „dunkle Kammer“. Schon im 4. Jahrhundert vor Christus soll sich Gelehrte wie Aristoteles mit diesem Phänomen beschäftigt haben.

Spätere Jahrhunderte brachten weitere Erkenntnisse. Leonardo da Vinci skizzierte detaillierte Darstellungen der Camera Obscura in seinen Notizbüchern und verglich ihre Funktionsweise mit dem menschlichen Auge. Im 17. Jahrhundert entwickelte Johann Zahn die Camera Obscura zu einer tragbaren Kiste weiter, die von Künstlern genutzt wurde, um Landschaften oder Architekturen abzuzeichnen. Doch all diese frühen Formen konnten Bilder nur projizieren – das Festhalten, das Fixieren des Moments, blieb eine ungelöste Herausforderung.

Der erste Schritt: Joseph Nicéphore Niépce und das erste Bild

Der entscheidende Durchbruch hin zur dauerhaften Fotografie ist untrennbar mit dem Namen Joseph Nicéphore Niépce verbunden. Niépce, ein französischer Erfinder, widmete sich leidenschaftlich dem Problem, die flüchtigen Bilder der Camera Obscura haltbar zu machen. Er experimentierte mit verschiedenen lichtempfindlichen Materialien, darunter Silbersalze und Chlorsilberpapier, die sich bei Lichteinwirkung verfärben.

Nach jahrelangen Versuchen gelang ihm schließlich im Jahr 1826 das Unglaubliche: Er schuf das allererste dauerhafte Foto der Welt. Dieses historische Bild, das bis heute erhalten ist (wenn auch unter strengen Bedingungen in einer Argongas-gefüllten Box gelagert), zeigt den Blick aus dem Fenster seines Arbeitszimmers in Le Gras, einem Anwesen im Osten Frankreichs.

Das Verfahren, das Niépce anwandte, war für heutige Verhältnisse extrem aufwendig. Er beschichtete eine Metallplatte mit Asphalt, einem Material, das unter Lichteinwirkung aushärtet. Diese Platte legte er in eine Camera Obscura und belichtete sie sage und schreibe fast 9 Stunden lang unter direkter Sonneneinstrahlung. Bereiche, die weniger Licht erhielten (z.B. Schatten), blieben weicher. Anschließend wusch er die ungehärteten Teile mit Lavendelöl und Terpentin ab, wodurch das Bild fixiert und sichtbar wurde. Das Ergebnis war ein Unikat, ein direktes Positiv, das er Heliograph (Sonnenzeichnung) nannte. Man erkennt Umrisse von Dächern und Gebäuden, doch das Bild ist grobkörnig und die lange Belichtungszeit machte es unmöglich, bewegte Objekte oder Menschen abzubilden.

Das Problem der Belichtungszeit und eine schicksalhafte Partnerschaft

Die extrem lange Belichtungszeit von Niépces Verfahren war ein gravierendes Problem, das eine praktische Anwendung der Fotografie stark einschränkte. Bilder von Menschen oder Tieren waren undenkbar, da diese sich während der stundenlangen Aufnahme unweigerlich bewegen würden.

Niépce erkannte dies und suchte nach Wegen, die Lichtempfindlichkeit seiner Schichten zu erhöhen und so die Belichtungszeiten zu verkürzen. Er trat in Kontakt mit Louis Daguerre, einem erfolgreichen Theatermaler und Erfinder des populären Dioramas in Paris. Daguerre war von Niépces Konzept fasziniert und die beiden gingen 1829 eine Partnerschaft ein, um das fotografische Verfahren gemeinsam weiterzuentwickeln.

Tragischerweise verstarb Niépce bereits vier Jahre später im Jahr 1833. Daguerre führte die Forschungen alleine fort und machte entscheidende Fortschritte. Er experimentierte ebenfalls mit Silbersalzen auf polierten, versilberten Kupferplatten.

Die Revolution der Daguerreotypie

Daguerres Hartnäckigkeit und ein glücklicher Zufall führten zu einer bahnbrechenden Entdeckung. Eines Tages musste er eine zu kurz belichtete Platte aufgrund schlechten Wetters abbrechen und stellte sie in seinen Chemikalienschrank. Später stellte er fest, dass sich auf dieser Platte, die eigentlich kein sichtbares Bild zeigen sollte, ein deutliches Bild entwickelt hatte. Um herauszufinden, welche Substanz dafür verantwortlich war, wiederholte er das Experiment und isolierte nacheinander die Chemikalien im Schrank. Es stellte sich heraus, dass Quecksilberdämpfe das latente, unsichtbare Bild auf der belichteten Silberplatte sichtbar machten – ein Prozess, der als Entwicklung bekannt wurde.

Dieses Verfahren, das er nach sich selbst Daguerreotypie nannte, war eine Sensation. Es reduzierte die notwendige Belichtungszeit dramatisch. Anfangs waren noch etwa 15 Minuten Belichtungszeit nötig, was Porträtaufnahmen unter optimalen Bedingungen ermöglichte, wenn die Person stillsitzen konnte. Mit der Weiterentwicklung der Objektive konnte die Belichtungszeit sogar auf unter eine Minute, teilweise bis zu 45 Sekunden, gesenkt werden. Dies war ein Quantensprung im Vergleich zu Niépces Stunden.

Wer hat die Fotografie 1837 erfunden?
Als Geburtsjahr der Fotografie gilt das Jahr 1839, als Louis Jacques Mandé Daguerre seine Erfindung in Paris öffentlich machte. Die ältesten Aufnahmen aus Deutschland stammen von Franz von Kobell und werden in den Sammlungen des Deutschen Museums aufbewahrt.28. Mai 2024

Die öffentliche Geburtsstunde: Der 19. August 1839

Nachdem Daguerre sein Verfahren perfektioniert hatte, war es reif für die Öffentlichkeit. Durch die Vermittlung des renommierten Physikers, Astronomen und Politikers François Arago wurde die Daguerreotypie am 7. Januar 1839 erstmals der französischen Akademie der Wissenschaften vorgestellt. Die offizielle und umfassende Präsentation vor einer breiten Öffentlichkeit, die oft als die eigentliche Geburtsstunde der praktischen Fotografie gilt, fand am 19. August 1839 statt. An diesem Tag verkündete Arago im Namen der französischen Regierung, dass diese die Rechte an Daguerres Verfahren erworben hatte, um es der Welt als freies Geschenk zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug erhielten Daguerre und Isidore Niépce (der Sohn von Nicéphore Niépce) eine lebenslange Rente.

Dieser Akt der französischen Regierung war entscheidend für die schnelle Verbreitung der Fotografie. Das Wissen war nun frei zugänglich, und die Daguerreotypie erlebte weltweit einen rasanten Aufstieg. Es entstanden Daguerreotypie-Studios, in denen sich Menschen porträtieren ließen – eine Möglichkeit, die zuvor dem Adel und wohlhabenden Bürgertum durch Gemälde vorbehalten war.

Vergleich der frühen fotografischen Verfahren

Um die Entwicklung besser zu verstehen, lohnt sich ein Vergleich der beiden Pioniere:

MerkmalNiépces HeliographDaguerres Daguerreotypie
Erstes erfolgreiches Bild18261837 (Verfahren entwickelt)
Öffentliche BekanntmachungNicht öffentlich verbreitet1839
Lichtempfindliches MaterialAsphalt auf MetallplatteSilberbeschichtete Kupferplatte
EntwicklungAuswaschen der ungehärteten TeileQuecksilberdämpfe (chemische Entwicklung)
BelichtungszeitMehrere StundenMinuten bis Sekunden
ErgebnisUnikat (Positiv), geringe DetailtiefeUnikat (Positiv), hohe Detailtiefe

Daguerres Erbe und der Weg in die Zukunft

Louis Daguerre wurde für seine Erfindung hoch geehrt und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Er verstarb 1851, doch sein Verfahren lebte weiter. Die Daguerreotypie dominierte die Fotografie für etwa zwei Jahrzehnte, insbesondere in Europa und den USA. Das berühmte Porträt Abraham Lincolns von 1864, das heute den amerikanischen 5-Dollar-Schein ziert, ist eine Daguerreotypie.

Obwohl die Daguerreotypie selbst später von neueren, günstigeren und flexibleren Verfahren wie dem Kollodium-Nassplatten-Verfahren abgelöst wurde, legte sie den Grundstein für die moderne Fotografie. Daguerres Name ist bis heute mit der Geschichte der Fotografie verbunden, nicht nur durch die Benennung des Verfahrens, sondern auch durch bleibende Ehrungen wie seinen Namen auf dem Eiffelturm.

Die Reise von der dunklen Kammer über Niépces mühsame Stundenbelichtung bis hin zu Daguerres revolutionärer Methode zeigt, wie wissenschaftlicher Fortschritt, Beharrlichkeit und manchmal auch der Zufall zusammenwirken, um die Welt zu verändern und uns ein Werkzeug an die Hand zu geben, mit dem wir Momente für die Ewigkeit festhalten können.

Häufig gestellte Fragen zur Entstehung der Fotografie

Wer hat die Fotografie erfunden?

Die Fotografie wurde nicht von einer einzelnen Person auf einmal erfunden. Sie war das Ergebnis einer langen Entwicklung. Joseph Nicéphore Niépce gelang 1826 das erste dauerhafte Foto. Louis Daguerre entwickelte darauf basierend ein deutlich praktischeres Verfahren, die Daguerreotypie, die 1839 öffentlich gemacht wurde. Beide gelten als Pioniere.

Wann wurde die allererste Fotografie aufgenommen?

Das allererste dauerhafte Foto der Welt wurde im Jahr 1826 von Joseph Nicéphore Niépce aufgenommen. Es zeigt den Blick aus seinem Arbeitszimmer.

Wann wurde die Daguerreotypie öffentlich bekannt gemacht?

Das von Louis Daguerre entwickelte Verfahren, die Daguerreotypie, wurde am 19. August 1839 von der französischen Regierung der Öffentlichkeit präsentiert. Dieses Datum gilt oft als die öffentliche Geburtsstunde der praktischen Fotografie.

Was war die Camera Obscura?

Die Camera Obscura (dunkle Kammer) ist ein Vorläufer der Kamera. Sie war ein abgedunkelter Raum oder Kasten mit einem kleinen Loch, durch das Licht fiel und ein auf dem Kopf stehendes Bild auf die gegenüberliegende Fläche projizierte. Sie wurde lange vor der Erfindung der Fotografie genutzt, um Bilder abzuzeichnen.

Warum ist das Jahr 1839 so wichtig für die Fotografie?

Obwohl das erste Foto älter ist (1826), markiert 1839 die öffentliche Bekanntmachung eines praktikablen fotografischen Verfahrens (der Daguerreotypie), das die Belichtungszeiten drastisch verkürzte und die Fotografie für eine breitere Anwendung zugänglich machte. Die französische Regierung stellte das Verfahren der Öffentlichkeit als Geschenk zur Verfügung.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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