Was fotografieren Reisefotografen?

Reisefotografie: Motive, Wege & Objektive

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Die Welt bereisen, neue Kulturen entdecken, atemberaubende Landschaften festhalten und einzigartige Momente für immer bewahren – das ist der Traum vieler Menschen. Für Reisefotografen ist dieser Traum Berufung. Was früher wenigen, oft von Magazinen entsandten Entdeckern vorbehalten war, ist heute dank Internet und sozialer Medien zugänglicher denn je. Doch während es einfach erscheinen mag, mit einer Kamera durch die Welt zu ziehen, steckt hinter erfolgreicher Reisefotografie weit mehr als nur das Reisen. Es erfordert Engagement, Zeit, ständige Weiterentwicklung der Fähigkeiten und die richtige Ausrüstung.

Was fotografieren Reisefotografen?
Zu den beliebten Motiven, die Reisefotografen häufig aufnehmen, gehören Landschaften, Touristenattraktionen, Menschen, Kultur, Essen, Geschichte, Natur, Architektur und vieles mehr.

Was fotografieren Reisefotografen?

Reisefotografie ist ein unglaublich vielfältiges Genre. Sie beschränkt sich nicht nur auf Postkartenmotive bekannter Sehenswürdigkeiten. Ein Reisefotograf dokumentiert das Leben, die Kultur und die Schönheit eines Ortes in all seinen Facetten. Das kann bedeuten:

  • Landschaften: Majestätische Berge, weite Wüsten, dichte Wälder, Küstenlinien oder urbane Skylines. Das Licht spielt hier eine entscheidende Rolle.
  • Menschen: Porträts von Einheimischen, Szenen aus dem täglichen Leben, traditionelle Feste oder einfach nur flüchtige Begegnungen, die die Atmosphäre eines Ortes einfangen.
  • Kultur und Traditionen: Märkte, religiöse Zeremonien, Handwerkskunst, Architektur oder kulinarische Erlebnisse.
  • Wildlife: Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum, von Vögeln bis zu Großkatzen, oft in entlegenen Regionen.
  • Details: Kleine Fundstücke, Texturen, Farben oder ungewöhnliche Perspektiven, die eine Geschichte erzählen und den Charakter eines Ortes unterstreichen.

Im Grunde geht es darum, eine Geschichte zu erzählen und dem Betrachter ein Gefühl für den bereisten Ort zu vermitteln, das über das reine Abbild hinausgeht.

Wie werde ich Reisefotograf?

Der Weg zum professionellen Reisefotografen ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Er erfordert Planung, Lernen und den Aufbau einer persönlichen Marke.

Ziele definieren

Bevor du loslegst, nimm dir Zeit, deine persönlichen und beruflichen Ziele zu klären. Viele angehende Reisefotografen stürzen sich ins Abenteuer, ohne eine klare Vision zu haben. In einem wettbewerbsintensiven Feld ist das jedoch entscheidend. Möchtest du die Reisefotografie zu deinem Hauptberuf machen oder deine Fotografie nutzen, um das Reisen zu finanzieren? Siehst du dich als Nomaden oder bevorzugst du eine feste Basis? Das Definieren solcher Ziele hilft dir, deinen Weg zu gestalten und fokussiert zu bleiben.

Das Handwerk lernen

Erfolgreiche Reisefotografen sind Meister ihres Fachs. Sie beherrschen nicht nur ihre Ausrüstung, sondern verstehen auch Licht, Komposition und den Moment. Während Smartphone-Kameras immer besser werden, reicht ihre Qualität oft nicht für professionelle Ansprüche (z.B. für Magazin-Veröffentlichungen oder hochauflösende Stockfotos). Eine hochwertige DSLR oder spiegellose Systemkamera mit verschiedenen Objektiven ist meist unerlässlich, um Bilder zu schaffen, die wirklich herausstechen.

Das Lernen hört nie auf. Beobachte die Arbeit anderer Profis, nimm an Workshops oder Online-Kursen teil, schaue Tutorials auf YouTube und lies Artikel von erfahrenen Reisefotografen. Experimentiere mit verschiedenen Techniken und finde deinen eigenen Stil. Das Beherrschen der Nachbearbeitung ist ebenfalls ein wichtiger Teil des Handwerks.

Marke und Portfolio aufbauen

In der heutigen digitalen Welt, in der jeder fotografiert, ist eine klare Marke entscheidend, um gesehen zu werden. Überlege, was dich und deine Fotografie einzigartig macht. Finde eine Nische, gib deiner Marke einen Namen und ein Logo. Dein Portfolio ist deine Visitenkarte. Es sollte deine besten Arbeiten zeigen und eine Geschichte erzählen – die Geschichte deiner Reisen und deines fotografischen Blicks. Ein gut aufgebautes Portfolio zeigt potenziellen Kunden deine Fähigkeiten und deine Vision.

Achte beim Erstellen deines Online-Portfolios auf ein ansprechendes Design: Bilder sollten gut zur Geltung kommen (z.B. durch skalierte Ansichten oder horizontale Galerien), die Navigation sollte intuitiv sein. Wähle nur deine absolut besten Bilder aus und halte das Portfolio regelmäßig auf dem neuesten Stand.

Welche Objektive eignen sich für die Reisefotografie?

Die Frage nach dem besten Reiseobjektiv lässt sich nicht pauschal beantworten. Sie hängt stark davon ab, welche Motive du auf deinen Reisen hauptsächlich fotografieren möchtest – nicht so sehr vom Reiseziel selbst. Ob du nach Neuseeland, Tansania oder Island reist, ist für die Objektivwahl weniger entscheidend als die Frage, ob du dort weite Landschaften, scheue Tiere oder lebhafte Stadtansichten fotografieren willst.

Bei der Auswahl der Objektive für die Reisefotografie suchen die meisten Fotografen einen Kompromiss zwischen Leistung, Preis und Gewicht. Es gibt oft technisch bessere und lichtstärkere (z.B. f/1.4-Festbrennweiten oder f/2.8-Zooms), die aber deutlich teurer, schwerer und auffälliger sind. Diese lohnen sich meist nur, wenn du spezielle Anforderungen hast, wie z.B. häufiges Fotografieren bei sehr wenig Licht oder den Wunsch nach extrem geringer Tiefenschärfe. Für die meisten reisefotografischen Zwecke sind ausgewogenere Objektive oft die praktischere Wahl.

Der Allrounder: Standardzoom

Viele Fotografen nutzen auf Reisen nur ein einziges Objektiv – und das ist verständlich. Weniger Objektivwechsel bedeuten weniger Aufwand, weniger Gewicht und weniger Risiko, dass Staub in die Kamera gelangt. Standardzooms im Bereich von 24-70mm oder 24-105mm (bezogen auf Vollformat) sind daher extrem beliebt. Sie decken einen weiten Bereich ab, der für etwa 90% der typischen Reisesituationen ausreicht – von weitwinkligen Landschaftsaufnahmen bis hin zu leichten Teleaufnahmen oder Porträts mit etwas Hintergrundunschärfe.

Superzooms wie 28-300mm decken zwar einen noch größeren Bereich ab, gehen aber oft Kompromisse bei der Bildqualität ein. Für beste Ergebnisse ist ein Standardzoom mit einem kleineren Zoombereich meist die bessere Wahl.

Dokumentation & Reportage: Festbrennweiten

Standardzooms sind praktisch, aber oft nicht besonders lichtstark und können recht klobig wirken. Eine Alternative, besonders wenn du einen kreativeren, unaufdringlicheren Stil verfolgst, ist eine Kombination aus zwei oder drei Festbrennweiten. Diese sind oft kleiner, leichter, unauffälliger und bieten eine bessere Lichtstärke und Abbildungsqualität als viele Zooms im gleichen Preisbereich.

Typische Kombinationen für eine dokumentarische Reise sind ein moderates Weitwinkel (z.B. 24mm oder 28mm) zusammen mit einem Standard- oder leichten Teleobjektiv (z.B. 50mm oder 85mm). Mit solchen Brennweiten kannst du sowohl die Weite einer Landschaft oder Stadt als auch intime Porträts oder Details festhalten.

Landschaftsfotografie

Landschaftsfotografen sind oft mit viel Ausrüstung unterwegs. Weite Landschaften verlangen meist nach Weitwinkel, während Details in der Ferne ein Teleobjektiv erfordern. Um einen großen Brennweitenbereich abzudecken, ohne zu viel Gewicht zu schleppen, hat sich eine Kombination aus einem Ultraweitwinkelzoom (z.B. 16-35mm) und einem Telezoom (z.B. 70-200mm) bewährt.

Was ist das beste Reiseobjektiv?
Empfehlungen / BeispielkombinationenSystemObjektivGewichtNikon Z (FF)Nikkor Z 24-70mm f/2.8 S*805 gNikon Z (APS-C)Nikkor Z 18-140mm f/3.5-6.3 VR315 gPanasonic / Leica / Sigma (L-Mount)Panasonic Lumix S 20-60mm f/3.5-5.6*350 gPanasonic / Leica / Sigma (L-Mount)Panasonic Lumix S 24-105mm f/4*680 g

Für Landschaftsfotografie ist eine hohe Lichtstärke weniger kritisch, da oft mit kleineren Blenden (hohe Blendenzahl) fotografiert wird, um eine große Tiefenschärfe zu erzielen. Zoomobjektive sind hier praktisch, da sie Flexibilität bieten und oft gegen Staub und Spritzwasser geschützt sind – ideal für Aufnahmen in der Natur. Der Bereich zwischen 35mm und 70mm wird in der reinen Landschaftsfotografie oft weniger genutzt und kann im Notfall durch einen Bildausschnitt aus einer Teleaufnahme abgedeckt werden.

Stadt, Architektur & Portrait

Wer sich auf Reisen auf Städte, Architektur und Porträts konzentriert, wünscht sich oft unauffälligere Objektive als klobige Zooms. Hier kann ein Set aus Festbrennweiten oder eine Kombination aus einem kompakten Zoom und einer oder zwei lichtstarken Festbrennweiten sinnvoll sein. Brennweiten wie 35mm, 50mm und 85mm (bezogen auf Vollformat) sind hier sehr beliebt, da sie natürliche Perspektiven bieten und sich gut für Street Photography, Architekturdetails und Porträts eignen.

Wildlife-Fotografie

Die Fotografie von Wildtieren stellt hohe Anforderungen an die Brennweite – mehr ist oft besser. Doch sehr lange Teleobjektive sind teuer und schwer. Ein guter Kompromiss für die meisten Reisefotografen, die Wildlife begegnen, ist ein Telezoom im Bereich von 100-400mm oder 150-600mm. Diese Brennweiten reichen aus, um Tiere auf Safaris, im Zoo oder in den Bergen formatfüllend abzubilden, ohne extrem nah herankommen zu müssen.

Ein Telezoom bietet Flexibilität und oft eine optische Bildstabilisierung, die bei langen Brennweiten sehr hilfreich ist. Für den „Rest“ der Reise kann ein Standardzoom eine gute Ergänzung sein. Supertele-Festbrennweiten sind meist nur für spezialisierte Wildlife-Fotografen nötig, die stunden- oder tagelang auf ein bestimmtes Motiv warten.

Astrofotografie

Die Fotografie des Sternenhimmels und der Milchstraße ist faszinierend, stellt aber besondere Anforderungen an die Ausrüstung. Typischerweise benötigt man ein Ultraweitwinkelobjektiv, das zugleich sehr lichtstark ist (Offenblende f/2.8 oder besser). Dies ermöglicht es, genügend Licht in kurzer Zeit einzufangen, bevor die Sterne durch die Erdrotation zu wandern beginnen.

Solche Objektive können teuer und schwer sein, aber es gibt auch kompaktere und günstigere Optionen, besonders bei Festbrennweiten für Kameras mit kleineren Sensoren (Crop-Sensoren). Ob man hier ein Ultraweitwinkel-Zoom oder eine Festbrennweite wählt, hängt von der Präferenz ab – das Zoom ist flexibler, die Festbrennweite oft lichtstärker und kompakter.

Objektiv-Kombinationen und Tipps

Die vorgestellten Empfehlungen sind Vorschläge, keine starren Regeln. Viele Fotografen stellen sich ihr Kit individuell zusammen, oft basierend auf einer Kombination für verschiedene Schwerpunkte. Ein Beispiel wäre eine lichtstarke Ultraweitwinkel-Festbrennweite für Astro und Landschaft, ein vielseitiges Standardzoom für den Alltag und eine kompakte 35mm Festbrennweite für Städte und Porträts.

Generell gilt in der Reisefotografie oft: Weniger ist mehr. Mehr als drei Objektive können schnell zur Last werden. Je unbeschwerter du reist, desto flexibler bist du und desto mehr kannst du dich auf das Fotografieren konzentrieren. Das kann zu ideenreicheren und abwechslungsreicheren Fotos führen.

Sich auf die wirklich relevanten Brennweiten zu beschränken, hat auch einen finanziellen Vorteil. Kamerasysteme mit vielen Wechselobjektiven können sehr teuer sein. Wenn dein Budget begrenzt ist, kann eine gute Kompaktkamera, die bereits einen vielseitigen Brennweitenbereich abdeckt, eine hervorragende Alternative sein, um tolle Reisefotos zu machen.

Fragen und Antworten

Was ist das beste Objektiv für die Reisefotografie?
Es gibt nicht DAS eine beste Objektiv. Die Wahl hängt stark davon ab, welche Motive du hauptsächlich fotografieren möchtest (Landschaft, Menschen, Tiere etc.) und welchen Kompromiss du bei Gewicht, Preis und Leistung eingehen möchtest.

Brauche ich eine teure Kamera, um Reisefotograf zu werden?
Für professionelle Ansprüche ist eine gute Kamera (oft eine DSLR oder spiegellose Systemkamera) mit hochwertigen Objektiven empfehlenswert. Aber wichtiger als die teuerste Ausrüstung sind deine Fähigkeiten, dein Blick und deine Fähigkeit, Geschichten zu erzählen.

Wie viele Objektive sollte ich auf Reisen mitnehmen?
Viele erfahrene Reisefotografen beschränken sich auf ein bis drei Objektive, um Gewicht zu sparen und flexibel zu bleiben. Ein Standardzoom ist ein guter Anfang, der oft mit einer weiteren Spezialbrennweite (z.B. Ultraweitwinkel oder Tele) ergänzt wird.

Sind Superzoom-Objektive (z.B. 18-200mm oder 28-300mm) gut für Reisen?
Sie bieten eine hohe Flexibilität und decken viele Brennweiten ab, gehen aber oft Kompromisse bei der Bildqualität ein, besonders an den Enden des Zoombereichs. Für höchste Bildansprüche sind Objektive mit kleinerem Zoombereich oder Festbrennweiten meist überlegen.

Kann ich mit nur einem Objektiv auf Reisen gehen?
Absolut! Ein vielseitiges Standardzoom (wie 24-70mm oder 24-105mm) deckt die meisten Situationen ab und ermöglicht es dir, dich voll auf das Fotografieren und das Reiseerlebnis zu konzentrieren, ohne ständig Objektive wechseln zu müssen.

Objektiv-Empfehlungen nach Motiv-Schwerpunkt (Beispiele für Vollformat-Brennweiten)

Fotografie-SchwerpunktEmpfohlene BrennweitenTypische ObjektiveVorteileNachteile
Allrounder24-70mm oder 24-105mmStandardzoomSehr vielseitig, deckt viele Situationen ab, wenig ObjektivwechselOft nicht sehr lichtstark, kann sperrig sein
Dokumentation / Reportage24mm, 35mm, 50mm, 85mmFestbrennweitenKompakt, leicht, unauffällig, gute Lichtstärke, hohe BildqualitätFlexibilität geringer, erfordert Objektivwechsel
Landschaft16-35mm und 70-200mmUltraweitwinkel-Zoom + TelezoomDeckt extreme Brennweiten ab, Flexibilität bei Komposition, wettergeschütztLücke im Normalbereich, Gewicht
Stadt / Architektur / Portrait28mm, 35mm, 50mm, 85mm (oft als Festbrennweiten)Festbrennweiten oder kompakte ZoomsUnauffällig, gute Lichtstärke für Innenräume/Porträts, natürliche PerspektivenKann mehrere Objektive erfordern
Wildlife100-400mm oder 150-600mmTelezoomErreicht weit entfernte Motive, flexibel durch Zoom, oft stabilisiertGroß und schwer, teurer
Astro14-24mm (f/2.8 oder schneller)Lichtstarkes Ultraweitwinkel (Zoom oder Festbrennweite)Fängt viel Licht ein, weites GesichtsfeldSpezialobjektiv, oft teuer und groß, begrenzte Einsatzbereiche

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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