Der Begriff Displaced Person, kurz DP, ist englisch und bedeutet wörtlich eine „Person, die nicht an diesem Ort beheimatet ist“. Er wurde im Zweiten Weltkrieg vom Hauptquartier der alliierten Streitkräfte (SHAEF) geprägt, um eine Zivilperson zu bezeichnen, die sich kriegsbedingt außerhalb ihres Heimatstaates aufhielt und ohne Hilfe nicht zurückkehren oder sich in einem anderen Land neu ansiedeln konnte. Diese Gruppe umfasste Millionen von Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Hintergründe, deren Leben durch die Kriegswirren entwurzelt wurde.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden als „DPs“ vor allem Zwangsarbeiter und Zwangsverschleppte der nationalsozialistischen Herrschaft verstanden. Sie stammten vornehmlich aus Ost-, aber auch aus Westeuropa und befanden sich bei Kriegsende in Deutschland. Die alliierten Armeen rechneten bereits 1944 mit einer enormen Zahl von 11,3 Millionen DPs, die nach Kriegsende schnelle Hilfe benötigen würden. Unmittelbar nach der Gründung der United Nations Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA) im November 1943 wurde beschlossen, dass diese internationale Hilfsorganisation sich um Unterbringung, Versorgung und Rückführung dieser Menschen kümmern sollte, sobald es die militärische Lage zulassen würde. In einem Memorandum aus dem Sommer 1944 legten die Alliierten erstmals Regelungen für den Umgang mit DPs durch ihre Truppen fest.
Displaced Persons nach dem Zweiten Weltkrieg
Mit dem Ende des Krieges stand Deutschland vor einer humanitären Krise unvorstellbaren Ausmaßes. Millionen von Menschen befanden sich in den besetzten Gebieten, fern ihrer Heimat. Das SHAEF definierte DPs als „alle Zivilisten außerhalb der Grenzen ihrer Heimatstaaten“, die durch Kriegseinwirkung in die Fremde geraten waren und alliierte Hilfe zur Rückkehr oder Neuansiedlung benötigten.
Unterscheidung der DPs
Die Gruppe der Displaced Persons war keineswegs homogen. Sie setzte sich aus verschiedenen Kategorien zusammen:
- Zwangsarbeiter: Während des Krieges zur Arbeit in deutschen Betrieben verpflichtet.
- Kriegsgefangene: Befreite Soldaten der Alliierten.
- Ehemalige Konzentrationslagerhäftlinge: Überlebende der NS-Lager.
- Osteuropäer: Die nach Kriegsbeginn freiwillig in Deutschland Arbeit aufgenommen hatten oder 1944 vor der sowjetischen Armee geflüchtet waren.
Das SHAEF nahm eine weitere grobe Unterteilung vor:
- Angehörige der in den UN zusammengeschlossenen Staaten (UNDPs)
- Angehörige ehemaliger Feindstaaten (ex-enemy DPs) aus Italien, Finnland, Rumänien, Bulgarien und Ungarn
- Angehörige von Feindstaaten (enemy DPs) aus Deutschland, Österreich, Japan
- Staatenlose bzw. Personen, die ihre behauptete Nationalität nicht nachweisen konnten
Es gab auch spezielle Kategorien, wie sowjetische DPs (aufgrund der Jalta-Vereinbarungen), rassisch, religiös oder politisch Verfolgte, Angehörige neutraler Staaten oder nichtdeutsche Kollaborateure (die allerdings nicht als DPs anerkannt wurden).
Eine besonders schutzbedürftige Gruppe waren die jüdischen Flüchtlinge. Circa 300.000 von ihnen flohen 1946/47 nach antisemitischen Exzessen in Polen und Osteuropa (wie dem Pogrom von Kielce) in die westlichen Besatzungszonen Deutschlands und wurden dort als DPs anerkannt.
Das Leben in den DP-Lagern
In den späteren westlichen Besatzungszonen befanden sich zum Ende des Zweiten Weltkriegs etwa 6,5 Millionen DPs. Für ihre Unterbringung wurden zahlreiche Lager eingerichtet, allein in der amerikanischen Besatzungszone gab es 1946 etwa 450 davon. Diese DP-Lager waren oft überfüllt und die Bedingungen anfangs kritisch, wie der Harrison-Report bestätigte. Teilweise wurden ehemalige Zwangsarbeiter- oder sogar Konzentrationslager (wie Bergen-Belsen oder Haid) als Unterkünfte genutzt. Die Befreiten mussten nun an Orten leben, die oft mit traumatischen Erinnerungen verbunden waren. Hinzu kam die Diskriminierung durch die deutsche Bevölkerung und Verwaltung. Aufgrund der unsicheren Zukunftsperspektive wurden in vielen Lagern eigene Strukturen aufgebaut, darunter Bildungseinrichtungen wie Kindergärten und Lehrerseminare, um das Leben zu organisieren und den Wartenden eine Perspektive zu geben.

Die Herausforderung der Repatriierung
Die Repatriierung, die organisierte Rückführung entwurzelter Menschen in ihren Heimatstaat, war eine der vordringlichsten Aufgaben der Alliierten. Die Streitkräfte begannen damit auf Grundlage der in Jalta getroffenen Vereinbarungen. Da viele Menschen zunächst auf eigene Faust durchs Land zogen, wurden sie in Auffanglagern gesammelt und versorgt. Die Hauptlast der Versorgung und Organisation wurde bald von der UNRRA übernommen, später von ihrer Nachfolgeorganisation International Refugee Organization (IRO), unter der Aufsicht der Militärverwaltungen.
Die genaue Zahl der von den Alliierten befreiten DPs wird auf zwischen 6,5 und 12 Millionen geschätzt. Ein großer Teil konnte relativ schnell in ihre Ursprungsländer zurückgeführt werden. Insbesondere die Rückkehr von Staatsangehörigen der westlichen Alliierten sowie von Zwangsarbeitern aus Nord-, West- und Südeuropa verlief zügig. Bis September 1945 konnten alle bis auf ungefähr 1,2 Millionen DPs repatriiert werden.
Herausforderungen bei der Repatriierung aus Osteuropa
Besonders schwierig gestaltete sich die Heimführung von Fremdarbeitern aus Osteuropa, insbesondere der Ukraine und dem Baltikum. Dies hatte mehrere Gründe:
Zum einen gab es logistische Hürden. So konnten polnische Zwangsarbeiter erst Ende 1945 heimkehren, da die Sowjetunion zunächst auf der Rückführung aller sowjetischen Bürger bestand, bevor sie den Transit durch ihre Besatzungszone für andere DPs erlaubte.
Zum anderen gab es erheblichen Widerstand gegen die Rückkehr, insbesondere bei Menschen aus den nun kommunistisch regierten Ländern oder Gebieten, die von der Sowjetunion annektiert worden waren (wie der Ostteil Polens). Viele ehemalige polnische Zwangsarbeiter wollten nicht in ihre Heimat zurück. Unter den sowjetischen Zwangsarbeitern herrschte zudem große Furcht, in der Sowjetunion für ihre Zwangsarbeit beim deutschen Gegner bestraft zu werden. Diese Sorge war begründet, da es tatsächlich umfangreiche Repressalien gab. Von den repatriierten Sowjetsoldaten wurden beispielsweise 157.000 wegen Verdachts der Kollaboration hingerichtet.
Die sowjetische Perspektive und Filtration
In der Sowjetunion waren zunächst die rückwärtigen Stellen der Roten Armee für die Rückführung zuständig, waren aber schnell überfordert. Im Oktober 1944 wurde eine eigene Repatriierungsbehörde unter General Filipp Iwanowitsch Golikow eingerichtet. Ihre Aufgabe war nicht nur die Organisation der Rückführung, sondern auch die politische „Filtration“ der Betroffenen durch das Innenministerium und den Militärgeheimdienst SMERSch. Die Filtration in Auffanglagern war oft in den vorgesehenen zehn Tagen nicht zu leisten. Spätestens im Sommer 1945 wurde daher oft zuerst die Rückführung in die Heimat und erst danach eine Filtration durchgeführt.
Zwischen 1944 und Juli 1945 kehrten rund 1,5 Millionen Menschen in sowjetisch kontrollierte Gebiete zurück. Danach folgte eine kaum organisierte Welle von rund drei Millionen Rückkehrern bis November 1945. Viele wurden nicht erfasst oder entgegen den Vorgaben behandelt. Insbesondere ehemalige Zwangsarbeiter wurden teilweise erneut zwangsweise als Zivilarbeiter verpflichtet, eine Praxis, die erst im August 1946 untersagt wurde. Weibliche DPs waren zudem häufig Opfer sexueller Gewalt durch Soldaten der Roten Armee.

Insgesamt kehrten von 1944 bis 1946 rund 4,2 Millionen Staatsbürger in die Sowjetunion zurück. Die Filtration führte dazu, dass 6,5 % von ihnen, vor allem Kriegsgefangene (14,7 %), aber auch Zivilisten (1,8 %), verhaftet wurden. Ein Großteil der vormaligen Kämpfer auf Seiten der Achsenmächte wurde zunächst für sechs Jahre in Lager eingewiesen. 14,5 % der Rückgeführten wurden für Monate in Arbeitsbataillone eingegliedert und erneut überprüft. Rund 58 % der Rückkehrer, mehrheitlich Frauen, wurden sofort entlassen, wobei viele Angehörige ethnischer Minderheiten zwangsweise einen Wohnort zugewiesen bekamen.
Zwangsrepatriierung und Widerstand
Gemäß den Vereinbarungen von Jalta unterzeichneten die westlichen Regierungen am 11. Februar 1945 ein Abkommen mit der Sowjetunion, das festlegte, wer zwangsweise zu repatriieren war. Kriterien waren unter anderem: Wohnsitz auf sowjetischem Territorium am 1. September 1939, in westalliierte Hand geraten am 22. Juni 1941 oder später, dienstpflichtig in der Roten Armee, Gefangennahme in deutscher Uniform oder Nachweis für Kollaboration. Dieses Abkommen führte zu Fällen von Zwangsrückführungen, auch wenn die Mehrheit der Rückkehrer freiwillig ging. Viele Sowjetbürger wollten auf keinen Fall zurück und es kam zu tragischen Ereignissen wie Massenselbstmorden, beispielsweise bei der Lienzer Kosakentragödie. Die Zwangsrepatriierung stieß auch in den westalliierten Truppen sowie in Politik und Öffentlichkeit auf Widerspruch. Ein Vorfall im Januar 1946 in Dachau, bei dem sich ehemalige sowjetische SS-Angehörige der Repatriierung widersetzten und US-Truppen gewaltsam vorgingen, wobei sich 14 Gefangene das Leben nahmen, fand breites Presseecho.
Neuansiedlung: Resettlement
Im Winter 1945/1946 kam die Repatriierung fast zum Erliegen. Die verbliebenen DPs wurden großteils als nicht repatriierbar bezeichnet. Ab Anfang 1947 wurde versucht, diese Menschen in anderen Ländern anzusiedeln. Dieser Prozess wurde als Resettlement bezeichnet. Zu den Aufnahmeländern gehörten unter anderem Großbritannien, Kanada, Belgien, USA, Frankreich und Australien. Obwohl als humanitäre Maßnahme gedacht, glich die Ansiedlung oft der Anwerbung dringend benötigter ausländischer Arbeitskräfte, da arbeitsfähige und alleinstehende Personen bevorzugt wurden. Die legale und illegale Auswanderung jüdischer DPs nach Palästina beschleunigte 1948 die Gründung des Staates Israel. Für viele DPs, beispielsweise Tuberkulose-Kranke, blieb eine Neuansiedlung verwehrt, da einige Länder sie nicht aufnahmen.
Das Schicksal der Verbliebenen
Die DPs, die weder repatriiert noch im Ausland neu angesiedelt werden konnten, verblieben oft jahrelang in den Lagern. Dort wurden sie von der UNRRA, später der IRO, und von jüdischen Organisationen wie dem Joint Distribution Committee betreut. Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde ihre Rechtsstellung 1951 in einem eigenen „Gesetz zur Rechtsstellung heimatloser Ausländer“ geregelt. Viele von ihnen blieben staatenlos. Das letzte DP-Lager in Deutschland, Föhrenwald in Oberbayern, in dem hauptsächlich jüdische Holocaustüberlebende untergebracht waren, wurde erst 1958 geschlossen.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet die Abkürzung DP?
- DP steht für Displaced Person, eine Person, die kriegsbedingt nicht an ihrem Heimatort ist.
Wer waren die Displaced Persons nach dem Zweiten Weltkrieg?
- Es waren Zivilisten, die sich außerhalb ihres Heimatstaates befanden und ohne Hilfe nicht zurückkehren oder sich neu ansiedeln konnten. Dazu gehörten Zwangsarbeiter, ehemalige Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge und Flüchtlinge.
Wie viele DPs gab es nach dem Krieg?
- Die Zahlen variieren, Schätzungen reichen von 6,5 bis 12 Millionen von den Alliierten befreiten DPs. Allein in den westlichen Besatzungszonen Deutschlands gab es bei Kriegsende etwa 6,5 Millionen DPs.
Was war die Repatriierung?
- Die organisierte Rückführung der DPs in ihren Heimatstaat.
Warum konnten nicht alle DPs nach Hause zurückkehren?
- Gründe waren unter anderem die Zerstörung der Heimat, politische Veränderungen (kommunistische Regime, Gebietsverluste), die Furcht vor Verfolgung (insbesondere in der Sowjetunion) und der Wunsch, nicht in die frühere Heimat zurückzukehren.
Was geschah mit den DPs, die nicht repatriiert wurden?
- Sie wurden in DP-Lagern untergebracht und versorgt. Ab 1947 wurde versucht, sie im Ausland neu anzusiedeln (Resettlement). Viele verblieben jedoch in Deutschland und erhielten später einen besonderen rechtlichen Status.
| Kategorie (SHAEF) | Beschreibung | Beispiele |
|---|---|---|
| UNDPs | Angehörige von UN-Staaten | Franzosen, Belgier, Niederländer |
| ex-enemy DPs | Angehörige ehemaliger Feindstaaten | Italiener, Finnen |
| enemy DPs | Angehörige von Feindstaaten | Deutsche, Österreicher |
| Staatenlose | Keine nachweisbare Nationalität | Personen aus unklaren Gebieten, bestimmte Verfolgte |
| Spezielle Kategorien | Besondere Gruppen | Juden, rassisch/religiös Verfolgte, sowjetische DPs |
Das Schicksal der Displaced Persons ist ein wichtiges Kapitel der Nachkriegsgeschichte, das die immensen menschlichen Kosten des Krieges und die komplexen Herausforderungen bei der Wiederherstellung von Ordnung und Menschenwürde nach einem globalen Konflikt verdeutlicht.
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