Welche Bildgestaltung gibt es?

Gestaltungsmittel in Kunst & Fotografie

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In der Welt der Kunst begegnen uns unzählige Formen und Ausdrucksweisen. Doch wie schaffen Künstler diese Wirkungen? Die Antwort liegt in den sogenannten Gestaltungsmitteln. Diese Elemente sind das grundlegende Handwerkszeug jedes Künstlers, sei es in der Malerei, der Bildhauerei oder sogar in der Fotografie. Sie sind nicht nur Werkzeuge zur Schaffung eines Kunstwerks, sondern auch der Schlüssel zu dessen Verständnis und Interpretation. Ohne die Kenntnis der Gestaltungsmittel ist eine tiefgehende Analyse kaum möglich. Sie bilden die Basis, um die Absicht des Künstlers und die Aussage des Werkes zu erschließen.

Welche Gestaltungsmittel gibt es?
Gestaltungsmittel in der Malerei (Gestaltungsmittel Kunst) sind im Wesentlichen die bildnerischen Gestaltungsmitteln: Punkt, Linie, Fläche, Körper, Raum, Perspektive, Licht und Schatten. In der Malerei werden diese Gestaltungsmittel durch die Farbigkeit und Darstellungsweise ergänzt.

Was sind Gestaltungsmittel in der Kunst?

Gestaltungsmittel sind die fundamentalen Bausteine, mit denen Künstler ihre Werke aufbauen und formen. Sie umfassen eine Vielzahl von Elementen, die je nach Kunstgattung unterschiedlich zum Tragen kommen. Ob es sich um ein Gemälde, eine Skulptur, eine Installation oder ein fotografisches Bild handelt, die Anwendung und Kombination dieser Mittel bestimmt das Erscheinungsbild, die Wirkung und letztlich die Bedeutung des Werkes.

Die Auswahl und Anwendung der Gestaltungsmittel erfolgt nach bestimmten Aspekten und Regeln, die der Künstler bewusst oder intuitiv nutzt. Die Gesamtheit dieser Elemente und ihre Anordnung im Werk wird als Komposition bezeichnet. Die Komposition, in der Malerei oft auch Bildaufbau genannt, beschreibt den formalen Aufbau und die Zusammenstellung der einzelnen Gestaltungselemente, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen.

Gestaltungsmittel in der Plastik (Bildhauerei)

Die Plastik, die alle dreidimensionalen Werke der Bildhauerei umfasst – von der klassischen Skulptur über Plastiken, Objektkunst, Installationen bis hin zur Land Art – bietet eine reiche Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten. Die Analyse einer Plastik konzentriert sich stark auf ihre Beziehung zum Raum und die Art und Weise, wie sie diesen gestaltet und von ihm gestaltet wird. Die wichtigsten Gestaltungsmittel in der Plastik lassen sich in verschiedene Bereiche unterteilen:

Plastische Grundformen

Jeder dreidimensionale Gegenstand, und somit jede Plastik, lässt sich auf seine plastischen Grundformen hin untersuchen. Hierbei geht es primär um die Art der Wölbung und die daraus resultierenden Formelemente. Grundsätzlich werden drei Arten der Wölbung unterschieden:

  • Konvexe Form: Eine Wölbung, die sich nach außen richtet. Sie kann als Erhebung, Buckel oder Ausbuchtung beschrieben werden und vermittelt oft ein Gefühl von Spannung oder innerer Formkraft, die sich gegen den Raum drückt.
  • Konkave Form: Eine Wölbung, die sich nach innen richtet, eine Art Höhlung. Sie erscheint als Einbuchtung, Delle, Mulde oder Vertiefung und kann den Eindruck vermitteln, dass der Raum in den Körper eindringt oder eine von außen wirkende Kraft den Körper verformt. Sie gibt nach und wölbt sich einwärts.
  • Ebene Form: Eine glatte, plane Oberfläche ohne Wölbung.

Oft treten diese Wölbungen in Kombination auf und bilden spezifische Formelemente:

FormelementBeschreibungWölbungs-Kombination
FurcheEine Vertiefung, oft langgezogen.Zusammentreffen einer in die gleiche Richtung verlaufenden konvexen und konkaven Form.
GratEine scharfe Kante oder ein Rücken.Abrupter Wechsel zwischen zwei konkaven Formen.
FalteEine weiche oder scharfe Faltung.Abrupter Wechsel zwischen zwei konvexen Formen.

Die dominanten Formen in einer Plastik beeinflussen stark ihre Wirkung. Überwiegend runde Formen können als angenehm weich, schwungvoll, prall oder aufgebläht empfunden werden. Eckige Formen hingegen wirken oft straff, stabil, hart, spröde, technisch oder kristallen.

Erscheinungsformen der Plastik

Die Erscheinungsform beschreibt, wie die Plastik aus ihrem Material hervortritt oder in ihm versenkt ist. Hier wird generell zwischen erhabenen und versenkten Formen unterschieden:

  • Relief: Ein Bindeglied zwischen Fläche und Raum, bei dem die Form aus einer Grundplatte hervortritt oder in sie versenkt ist, aber immer mit ihr verbunden bleibt. Es gibt verschiedene Arten:
    • Versenktes Relief
    • Flachrelief
    • Halbrelief
    • Hochrelief
    • Relief mit Hinterschneidung (Hier dehnt sich eine konkave Form so weit in die Grundplatte aus, dass die Figur sich scheinbar von der Platte löst.)
  • Vollplastik: Eine Plastik, die keinen Kontakt mehr zur Grundplatte hat und somit als eigenständiger Körper im Raum steht. Sie kann von mehreren Seiten betrachtet werden.

Je nach Konzeption für den Ausstellungsort kann eine Plastik für die Betrachtung unterschiedlich ausgerichtet sein:

  • Einansichtige Plastik: Konzipiert für die Betrachtung von nur einer Hauptseite (z.B. eine Nischenplastik).
  • Mehransichtige Plastik: Kann von mehreren Seiten betrachtet werden, besitzt aber oft eine Hauptseite, die die zentrale Aussage vermittelt.
  • Allansichtige Plastik: Muss für das vollständige Verständnis tatsächlich von allen Seiten betrachtet werden.

Präsentationsformen

Die Art und Weise, wie eine Plastik präsentiert wird, beeinflusst maßgeblich ihre Wirkung auf den Betrachter. Gängige Präsentationsformen sind:

  • Sockel: Eine Erhöhung, auf der die Plastik steht. Dient dem Schutz und erhöht die Wertigkeit. Zwingt den Betrachter oft zur Untersicht, was die Plastik dominant und überlegen wirken lassen kann.
  • Postament: Ein spezieller Sockel, der selbst figürliche Darstellungen tragen kann.
  • Plinthe: Eine flache Platte, meist aus demselben Material wie die Plastik, die diese leicht vom Boden abhebt und schützt. Deutlich niedriger als ein Sockel.
  • Bodenplastik / Bodenskulptur: Steht direkt auf dem Boden, ohne Sockel oder Plinthe. Der Betrachter befindet sich auf gleicher Ebene, oft ergibt sich eine Draufsicht.
  • Bauplastik: Fest mit einem Gebäude verbunden, z.B. in Türrahmen oder an Fassaden.

Die Wahl der Präsentationsform ist ein bewusstes Gestaltungsmittel, das die Beziehung der Plastik zum Betrachter und zum umgebenden Raum definiert.

Plastik-Raum-Beziehung

Da Plastiken dreidimensional sind, nehmen sie Raum ein und stehen immer in Beziehung zu diesem. Die Erscheinungsform und die Präsentation beeinflussen, wie diese Raumbeziehung wahrgenommen wird:

  • Raumoffen: Plastiken, die dynamisch wirken und den Raum aktiv einbeziehen oder sich in ihn auszudehnen scheinen. Dies trifft oft auf Figuren mit vertikalen Ausdehnungen oder auf Plastiken mit abwechselnd konvexen und konkaven Formen zu, die Vielseitigkeit und Bewegung suggerieren.
  • Raumgreifend: Plastiken, die massiv und blockhaft wirken und den Raum eher füllen und dominieren. Dies ist häufig bei kantigen, kompakten Formen der Fall.

Vollplastiken haben aufgrund ihrer Loslösung von einer Grundplatte in der Regel eine stärkere raumgreifende oder raumoffene Wirkung als Reliefs, die an ihre Platte gebunden sind.

Gestaltungsmittel in der Malerei

In der Malerei kommen andere, primär bildnerische Gestaltungsmittel zum Einsatz. Diese werden auf einer zweidimensionalen Fläche angewendet, um Illusionen von Raum, Form und Licht zu erzeugen. Die wichtigsten bildnerischen Gestaltungsmittel sind:

  • Punkt: Das kleinste Gestaltungselement. Kann als einzelnes Element Aufmerksamkeit erregen oder in Gruppen Flächen und Texturen bilden.
  • Linie: Kann Umrisse definieren, Richtungen anzeigen, Bewegung suggerieren oder als Struktur dienen. Die Art der Linie (dick, dünn, gerade, geschwungen) beeinflusst die Wirkung.
  • Fläche: Ein zweidimensionaler Bereich, definiert durch Linien oder Farbunterschiede. Flächen können Formen bilden und Räume definieren.
  • Körper: Die Darstellung dreidimensionaler Formen auf der zweidimensionalen Fläche, oft durch Schattierung und Perspektive erreicht.
  • Raum: Die Illusion von Tiefe und Räumlichkeit auf der flachen Bildfläche, erzeugt durch Perspektive, Größenunterschiede, Überlagerung und atmosphärische Effekte.
  • Perspektive: Techniken zur Darstellung von Raum und Tiefe, z.B. Zentralperspektive oder Farbperspektive.
  • Licht und Schatten: Modellieren Formen, schaffen Atmosphäre, bestimmen die Stimmung und lenken den Blick des Betrachters. Der Kontrast zwischen hell und dunkel ist ein mächtiges Gestaltungsmittel.

Diese bildnerischen Mittel werden in der Malerei durch zwei entscheidende Aspekte ergänzt:

  • Farbigkeit: Die Auswahl und Kombination von Farben ist ein primäres Gestaltungsmittel. Farben können Emotionen hervorrufen, Räume definieren, Formen modellieren und symbolische Bedeutungen tragen. Farbkontraste und Harmonien spielen eine große Rolle.
  • Darstellungsweise: Bezieht sich auf den Stil der Malerei, z.B. realistisch, abstrakt, impressionistisch etc. Die Darstellungsweise beeinflusst, wie die bildnerischen Mittel und die Farbigkeit eingesetzt werden und wie das Werk als Ganzes wirkt.

Die Komposition: Das Zusammenspiel aller Mittel

Die Komposition ist das übergeordnete Prinzip, das alle einzelnen Gestaltungsmittel in einem Kunstwerk zusammenfügt. Sie ist die bewusste oder unbewusste Anordnung der Elemente auf der Fläche (Malerei) oder im Raum (Plastik), um eine bestimmte Struktur, Balance, Rhythmus und visuelle Spannung zu erzeugen. Eine gelungene Komposition lenkt den Blick des Betrachters durch das Werk, hebt wichtige Elemente hervor und trägt maßgeblich zur Gesamtaussage bei. Der Bildaufbau in der Malerei kann beispielsweise durch die Platzierung von Figuren, Objekten und Linien bestimmt werden, während die Komposition einer Plastik durch die Anordnung von Massen, Hohlräumen und die Ausrichtung im Raum geprägt ist.

Warum sind Gestaltungsmittel wichtig für die Analyse?

Das Erkennen und Beschreiben der verwendeten Gestaltungsmittel ist der erste und grundlegendste Schritt bei der Analyse eines Kunstwerks. Es ermöglicht uns, über den bloßen Inhalt hinaus die Form und Struktur des Werkes zu erfassen. Durch die Untersuchung, wie der Künstler Formen, Farben, Licht, Raum oder Materialien eingesetzt hat, gewinnen wir Einblicke in seine Technik, seinen Stil und seine gestalterischen Entscheidungen. Diese formale Analyse bildet die unverzichtbare Grundlage für die Interpretation.

Erst wenn wir verstehen, *wie* etwas dargestellt ist – ob eine Form massiv oder dynamisch wirkt, ob die Farben harmonisch oder kontrastreich sind, ob die Komposition ausgewogen oder spannungsgeladen ist – können wir beginnen, die mögliche Aussage oder Botschaft des Kunstwerks zu entschlüsseln. Die Gestaltungsmittel sind somit nicht nur Mittel zum Zweck der Herstellung, sondern auch Träger von Bedeutung.

Häufig gestellte Fragen zu Gestaltungsmitteln

Hier beantworten wir einige gängige Fragen rund um das Thema Gestaltungsmittel in der Kunst:

Was ist der Unterschied zwischen Gestaltungsmitteln in Malerei und Plastik?
Der Hauptunterschied liegt in der Dimension. Malerei arbeitet primär mit bildnerischen Mitteln auf einer zweidimensionalen Fläche, um eine Illusion von Raum zu erzeugen. Plastik arbeitet mit dreidimensionalen Formen im realen Raum und gestaltet diesen direkt.

Muss jedes Kunstwerk alle Gestaltungsmittel nutzen?
Nein, Künstler wählen bewusst diejenigen Mittel aus, die für ihre künstlerische Aussage und das gewählte Material am geeignetsten sind. Eine minimalistische Skulptur mag sich auf wenige Grundformen beschränken, während ein komplexes Gemälde eine Vielzahl von Mitteln kombiniert.

Wie erkenne ich Gestaltungsmittel in einem Werk?
Beginnen Sie mit einer genauen Beschreibung dessen, was Sie sehen. Achten Sie auf Formen (rund, eckig, konvex, konkav), Linien, Farben (helle, dunkle, warme, kalte), wie Licht und Schatten eingesetzt werden, wie Raum dargestellt ist und wie die einzelnen Elemente zueinander angeordnet sind (Komposition).

Sind Gestaltungsmittel nur in der bildenden Kunst wichtig?
Nein, Gestaltungsmittel sind in vielen kreativen Bereichen relevant, z.B. in der Fotografie, im Design, in der Architektur oder sogar in der Musik (Komposition). Die Prinzipien der Form, des Raums, des Lichts und der Komposition sind universell.

Was bedeutet 'Raumgreifend' bei einer Plastik?
Eine raumgreifende Plastik wirkt massiv, blockhaft und füllt den umgebenden Raum stark aus oder beansprucht ihn optisch für sich. Sie vermittelt oft ein Gefühl von Gewicht und Präsenz.

Was ist der Unterschied zwischen Sockel und Plinthe?
Ein Sockel ist eine deutliche Erhöhung, die die Plastik vom Boden abhebt und oft zu einer Untersicht führt. Eine Plinthe ist eine flache Platte, die nur minimal erhöht und meist aus demselben Material ist. Sie dient primär dem Schutz und einer leichten Abgrenzung vom Untergrund.

Fazit

Die Gestaltungsmittel sind das Vokabular der Kunst. Sie zu kennen und zu verstehen, wie Künstler sie einsetzen, eröffnet einen tieferen Zugang zu Kunstwerken. Sie ermöglichen es uns, nicht nur zu sehen, *was* dargestellt ist, sondern auch *wie* es dargestellt ist und welche Wirkung dadurch erzielt wird. Ob es die Wölbung einer Plastik, der Strich einer Linie oder die Wahl einer Farbe ist – jedes Element trägt zur Gesamtaussage bei und macht das Kunstwerk zu dem, was es ist. Die Analyse der Gestaltungsmittel ist somit der erste und spannendste Schritt auf dem Weg zur Interpretation und zum vollen Genuss der Kunst.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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