Der Kamado Grill, oft liebevoll als „Keramikei“ bezeichnet, hat sich in der Welt des Grillens schnell zu einem Favoriten für Enthusiasten entwickelt. Sein charakteristisches Aussehen mag schlicht wirken, doch die eiförmige Keramikkonstruktion birgt ein enormes Potenzial für vielfältige Zubereitungsarten. Anders als herkömmliche Kugelgrills aus Blech, nutzt der Keramikgrill die hervorragenden Isoliereigenschaften der Keramik, um Temperaturen über Stunden präzise zu halten. Ob extremes Low & Slow BBQ oder das Backen einer knusprigen Pizza bei Höchsttemperaturen – der Kamado macht es möglich. Doch um dieses Potenzial voll auszuschöpfen und lange Freude an Ihrem Grill zu haben, ist die Wahl des richtigen Brennstoffs entscheidend. Und genau hier gibt es eine wichtige Regel: Im Kamado verwendet man keine Briketts.

Das Besondere am Keramikgrill
Die Magie des Kamados liegt in seinem Material: der Keramik. Dieses Material besitzt eine wesentlich höhere Wärmekapazität als Metall. Das bedeutet, die Wärme der glühenden Kohlen wird langsam aufgenommen, gespeichert und dann gleichmäßig wieder abgegeben. Dieses Prinzip ermöglicht eine unglaublich konstante Temperatur im Inneren des Grills, sowohl bei niedrigen (um 100°C) als auch bei sehr hohen Temperaturen (über 300°C). Eine Filzdichtung zwischen Deckel und Korpus sowie ein präzises System von Zu- und Abluftventilen sorgen für eine nahezu luftdichte Kammer, in der Sie die Temperatur mit erstaunlicher Genauigkeit steuern können. Ein optionaler Deflektorstein verwandelt den direkten Hitzekessel im Handumdrehen in eine Zone für indirektes Grillen, perfekt für lange Garzeiten. Diese Eigenschaften machen den Kamado zum idealen Werkzeug für Low & Slow Garen, Smoken, Backen und vieles mehr – ein echter kulinarischer Allrounder im Garten.

Kohlewahl im Kamado: Warum keine Briketts?
Die Frage nach dem richtigen Brennstoff ist bei einem Kamado von zentraler Bedeutung. Während Briketts in vielen Kugelgrills eine gängige Option sind, sind sie im Keramikgrill keine Briketts die erste Wahl, ja sogar oft unerwünscht. Der Grund dafür liegt in ihrer Zusammensetzung und ihrem Abbrandverhalten.
Briketts bestehen in der Regel aus gepresstem Kohlestaub und Bindemitteln. Beim Verbrennen dieser Bindemittel können Rückstände entstehen, die sich als unschöner, feiner Aschefilm auf der Innenseite des Keramikgrills ablagern. Dieser Aschefilm kann nicht nur unansehnlich sein, sondern auch einen leicht bitteren Geschmack an Ihr Grillgut abgeben. Zudem erzeugen Briketts oft mehr feine Asche als reine Holzkohle. Diese feine Asche kann die Lüftungsschieber und den Kohlerost verstopfen, was die notwendige Luftzufuhr behindert und die Temperaturkontrolle erschwert oder sogar unmöglich macht. Ein blockierter Luftstrom führt zu ungleichmäßigem Brennen und kann im schlimmsten Fall den Grill zum Erlöschen bringen, gerade bei langen Low & Slow Sessions, bei denen eine konstante, niedrige Temperatur entscheidend ist.
Die klare Empfehlung für den Kamado ist daher die Verwendung von hochwertige Holzkohle oder das Befeuern mit Holzstücken. Reine Holzkohle, hergestellt aus Hartholz, brennt sauberer ab und hinterlässt deutlich weniger Asche. Sie hat eine höhere Energiedichte und ein gleichmäßigeres Abbrandverhalten. Dies ermöglicht es dem Kamado, die gewünschte Temperatur präzise zu erreichen und über sehr lange Zeiträume ohne große Schwankungen zu halten. Hochwertige Holzkohle entgast zudem weniger beim Anzünden, was zu einem reineren Raucharoma führt.

Es mag verlockend sein, günstigere Briketts zu verwenden, aber der Nachteil in Bezug auf Aschebildung, potenzielle Geschmacksbeeinträchtigung und erschwerte Temperaturkontrolle überwiegt bei weitem. Die Investition in gute Holzkohle zahlt sich beim Kamado schnell aus, da der Grill durch seine Effizienz sehr wenig Brennstoff verbraucht. Nutzer berichten oft, dass eine Füllung des Kohlekorbs für 18-20 Stunden oder sogar länger bei niedrigen Temperaturen ausreicht – ein unschlagbarer Verbrauch im Vergleich zu anderen Grilltypen.
Der erste Schritt: Einbrennen des Keramikgrills
Bevor Sie Ihr neues Keramikei zum ersten Mal richtig befeuern, ist ein wichtiger Schritt notwendig: das sogenannte Einbrennen. Dies hat nichts mit dem Brennprozess der Keramik bei der Herstellung zu tun, sondern dient dazu, eventuelle Produktionsrückstände und in den Keramikporen gespeicherte Feuchtigkeit zu entfernen. Wird ein neuer, nicht eingebrannter Kamado zu schnell und zu stark erhitzt, kann die schlagartige Ausdehnung der Feuchtigkeit oder der Keramik selbst zu Rissen führen. Das wollen Sie unbedingt vermeiden!
Der Einbrennprozess ist einfach, erfordert aber Geduld. Füllen Sie die Feuerschale etwa zur Hälfte mit Holzkohle. Zünden Sie die Kohle an (am besten mit einem elektrischen Anzünder oder Anzündwolle, keine chemischen Anzünder!) und lassen Sie sie bei geöffnetem Deckel kurz anbrennen. Schließen Sie dann den Deckel und öffnen Sie die Zu- und Abluftventile nur einen kleinen Spalt weit. Ziel ist es, den Grill langsam auf eine Temperatur von etwa 120-150°C zu bringen und diese für etwa eine Stunde zu halten. Dies ermöglicht es der Keramik, sich langsam an die Wärme zu gewöhnen und restliche Feuchtigkeit schonend zu verdampfen.
Nach der ersten Stunde öffnen Sie die Ventile langsam weiter, um die Temperatur schrittweise zu erhöhen. Steuern Sie auf eine Zieltemperatur von etwa 270-300°C zu. Bei diesen hohen Temperaturen findet die sogenannte Pyrolyse statt – ein Prozess, bei dem organische Rückstände durch Hitze zersetzt werden. Halten Sie diese Temperatur für weitere 30-60 Minuten. Lassen Sie den Grill anschließend vollständig abkühlen, bevor Sie ihn zum ersten Mal richtig nutzen. Dieser Prozess entfernt nicht nur Produktionsrückstände, sondern bereitet die Keramik optimal auf zukünftige Grillsessions vor.

Kamado richtig anheizen
Nachdem der Kamado eingebrannt ist, steht dem ersten Grillvergnügen nichts mehr im Wege. Das Anheizen eines Keramikgrills unterscheidet sich etwas von dem eines Kugelgrills. Füllen Sie die Feuerschale etwa zu zwei Dritteln mit hochwertiger Holzkohle. Verwenden Sie ausschließlich natürliche Anzünder wie Holzwolle oder elektrische Anzünder. Platzieren Sie den Anzünder in der Mitte der Kohle und zünden Sie ihn an.
Lassen Sie die Kohle bei geöffnetem Deckel für einige Minuten anbrennen, bis ein kleines Glutnest entsteht und die ersten Rauchgase entweichen. Schließen Sie dann den Deckel und öffnen Sie den unteren Luftschieber vollständig. Regulieren Sie den Luftzug am oberen Ventil. Durch das geschlossene System entsteht ein Kamineffekt, der die Kohlen schnell zum Glühen bringt. Beobachten Sie die Temperaturanzeige im Deckel. Keramik braucht etwas Zeit, um sich aufzuheizen, aber sobald sie die gewünschte Temperatur erreicht hat, hält sie diese sehr stabil. Regulieren Sie die Temperatur, indem Sie die Zu- und Abluftventile weiter öffnen (heißer) oder schließen (kälter). Denken Sie daran: Kleine Anpassungen haben oft große Auswirkungen.
Sicherheitstipps für das Grillen mit dem Kamado
Das Grillen mit einem Kamado ist sicher und unkompliziert, wenn Sie einige grundlegende Regeln beachten. Die hohe Wärmespeicherung und das geschlossene System bringen spezifische Sicherheitshinweise mit sich:
- Vorsicht beim Öffnen des Deckels: Die Stichflamme! Dies ist der vielleicht wichtigste Sicherheitshinweis. Im geschlossenen Kamado herrscht wenig Sauerstoff. Wenn Sie den Deckel plötzlich und vollständig aufreißen, strömt schlagartig Sauerstoff ein und kann eine gefährliche Stichflamme verursachen. Öffnen Sie den Deckel immer langsam und nur einen kleinen Spalt weit, um Luft entweichen und langsam neue Luft einströmen zu lassen. Erst dann können Sie den Deckel vollständig anheben. Halten Sie dabei immer etwas Abstand und stellen Sie sich seitlich zum Grill.
- Tragen Sie feuerfeste Handschuhe: Der Kamado wird außen sehr heiß. Tragen Sie immer feuerfeste Handschuhe, wenn Sie am Grill arbeiten, Zubehör wechseln oder den Deckel öffnen und schließen.
- Achten Sie auf heißen Rauch: Schauen Sie niemals direkt von oben in das geöffnete Abluftventil. Der austretende Rauch und die Hitze sind extrem heiß und können zu Verbrennungen führen.
- Low & Slow bedeutet Deckel zu lassen: Bei langen Garzeiten wie beim Low & Slow BBQ sollten Sie den Deckel so selten wie möglich öffnen. Jedes Öffnen bringt neuen Sauerstoff herein, der die Temperatur kurzfristig ansteigen lässt und das Garklima stört.
Vielseitigkeit: Was kann der Kamado alles?
Der Kamado ist weit mehr als nur ein Grill. Dank seiner präzisen Temperaturkontrolle und der hervorragenden Wärmespeicherung ist er ein echtes Multifunktionstalent. Hier sind einige der Zubereitungsarten, die ein Kamado meistert:
- Direktes Grillen: Klassisches scharfes Anbraten von Steaks, Würstchen oder Gemüse direkt über der Glut bei hohen Temperaturen.
- Indirektes Grillen: Mit einem Deflektorstein wird die direkte Hitze abgeschirmt. Ideal für größere Fleischstücke, Geflügel oder Fisch, die schonend garen sollen.
- Low & Slow BBQ: Bei niedrigen Temperaturen (ca. 100-130°C) über viele Stunden garen. Perfekt für Pulled Pork, Spare Ribs oder Brisket. Die Keramik hält diese Temperaturen mühelos.
- Smoken und Räuchern: Durch Hinzufügen von Räucherchips oder Chunks zur Glut können Sie Ihrem Grillgut herrliche Raucharomen verleihen. Die dichte Keramikkammer hält den Rauch optimal im Garraum.
- Backen: Mit einem Pizzastein wird der Kamado zum Hochtemperatur-Backofen für Pizza, Brot oder Flammkuchen. Aber auch Kuchen und Aufläufe gelingen dank der gleichmäßigen Hitze hervorragend.
- Schmoren und Braten: Schmortöpfe oder Dutch Ovens können direkt auf den Rost gestellt werden, um Eintöpfe, Gulasch oder Braten zuzubereiten.
Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt, was den Kamado zu einer vollwertigen Outdoor-Küche macht.
Reinigung und Pflege für ein langes Kamado-Leben
Die Reinigung eines Kamados ist dank der hohen Temperaturen oft einfacher als bei anderen Grills. Ein Großteil der Essensreste und Fette verbrennt bei hohen Temperaturen durch Pyrolyse von selbst. Dennoch gibt es einige wichtige Punkte zu beachten:
- Ascheentfernung: Entfernen Sie vor jeder neuen Grillsession die Asche aus der Aschelade oder dem Boden des Grills. Eine volle Aschelade behindert die Luftzufuhr und damit die Temperaturkontrolle.
- Pyrolyse zur Reinigung: Heizen Sie den Grill nach Bedarf auf hohe Temperaturen (ca. 270-300°C) auf und lassen Sie ihn ausbrennen. Die meisten Rückstände verkohlen und können nach dem Abkühlen einfach abgebürstet werden.
- Keine chemischen Reiniger innen: Die unbeschichtete Keramik im Inneren darf nicht mit chemischen Reinigern behandelt werden, da diese einziehen und den Geschmack beeinträchtigen oder die Keramik beschädigen können. Ein trockenes Tuch oder eine Bürste reichen meist aus.
- Grillrost reinigen: Den Rost bürsten Sie am besten direkt nach dem Grillen, solange er noch warm ist. Reiben Sie ihn vor jeder Benutzung mit einem hitzebeständigen Öl (z.B. Erdnussöl) ein, um Anhaften zu verhindern.
- Das "Bleeding Egg" Phänomen: Bei sehr häufigem Low & Slow Garen kann sich Fett in der Keramik ansammeln. Wenn Sie dann wieder bei hohen Temperaturen grillen, kann dieses Fett schmelzen und durch die Poren austreten (das "Bleeding Egg"). Dies ist meist harmlos, aber unschön. Regelmäßiges Ausbrennen bei hohen Temperaturen (Pyrolyse) beugt dem vor.
- Thermofilz Dichtung: Halten Sie die Dichtung am Deckel sauber. Bei Verschleiß kann sie ausgetauscht werden, um die Luftdichtheit zu erhalten.
- Lagerung und Schimmel: Lagern Sie den Kamado idealerweise überdacht mit einer Abdeckhaube. Lassen Sie die Zu- und Abluftventile bei Nichtgebrauch offen, um Luftzirkulation zu gewährleisten und Schimmelbildung vorzubeugen. Sollte sich dennoch Schimmel bilden, verbrennt er beim nächsten Anheizen vollständig und ist unbedenklich.
- Metallteile: Reiben Sie bewegliche Metallteile wie Scharniere und Gestell gelegentlich mit Öl ein, um sie vor Korrosion zu schützen.
Mit dieser einfachen Pflege kann ein hochwertiger Kamado Grill gut und gerne 15-20 Jahre oder sogar länger halten.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Was ist das Besondere an einem Kamado Grill?
Das Besondere ist seine Konstruktion aus massiver Keramik. Diese speichert Wärme extrem effizient und ermöglicht eine sehr präzise und konstante Temperaturkontrolle über lange Zeiträume. Er ist dadurch vielseitiger als viele andere Grilltypen.
Wie funktioniert ein Kamado Grill?
Er funktioniert wie ein Konvektionsofen. Holzkohle wird in der Feuerschale entzündet. Die Zuluft wird über ein Ventil am Boden geregelt, die Abluft über ein Ventil im Deckel. Die Keramik absorbiert und strahlt die Wärme gleichmäßig ab, wodurch ein stabiles Garklima entsteht. Die Temperatur wird durch die Regulierung des Luftstroms gesteuert.
Welche Kohle sollte ich im Kamado verwenden?
Verwenden Sie ausschließlich hochwertige, reine Holzkohle oder Holz. Vermeiden Sie keine Briketts, da diese viel Asche produzieren, die die Luftzufuhr behindert, und Rückstände hinterlassen können, die den Geschmack beeinträchtigen.

Was kann man alles im Kamado Grill machen?
Die Möglichkeiten sind vielfältig: Direktes und indirektes Grillen, Low & Slow BBQ, Smoken, Backen (Pizza, Brot, Kuchen), Schmoren und Braten. Er ist ein echter Alleskönner.
Wie brenne ich einen neuen Kamado richtig ein?
Heizen Sie den Grill langsam auf etwa 120-150°C für eine Stunde auf, um Feuchtigkeit zu entfernen. Erhöhen Sie dann die Temperatur langsam auf 270-300°C für weitere 30-60 Minuten zur Pyrolyse von Produktionsrückständen. Lassen Sie ihn danach vollständig abkühlen.
Wie heize ich den Kamado richtig an?
Füllen Sie Holzkohle ein, zünden Sie sie mit natürlichen Anzündern an, lassen Sie sie kurz anbrennen, schließen Sie den Deckel und öffnen Sie den unteren Luftschieber komplett. Regulieren Sie die Temperatur dann mit dem oberen Ventil. Heizen Sie langsam auf die gewünschte Temperatur auf.

Wie vermeide ich die Stichflamme beim Öffnen?
Öffnen Sie den Deckel immer langsam und nur einen Spalt weit, um Luft langsam einströmen zu lassen und eine Stichflamme durch plötzlichen Sauerstoffüberschuss zu vermeiden. Halten Sie Abstand und stellen Sie sich seitlich zum Grill.
Wie lange hält ein Keramikgrill?
Bei richtiger Pflege und Wartung kann ein hochwertiger Kamado Grill problemlos 15 bis 20 Jahre oder sogar noch länger halten. Achten Sie auf die Herstellergarantie.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Kamado Grill ein fantastisches Werkzeug für ambitionierte Griller ist, das eine unglaubliche Vielseitigkeit und präzise Kontrolle bietet. Die Beachtung der einfachen Regel, keine Briketts zu verwenden und stattdessen auf hochwertige Holzkohle zu setzen, sowie die richtige Einbrenn-, Anheiz- und Pflegetechnik sind die Schlüssel zu einem langanhaltenden und genussvollen Grillerlebnis mit Ihrem Keramikei.
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