Sicher hast du an deiner Kamera schon mal die Einstellung „ISO“ entdeckt, aber nie so recht gewusst, wozu diese eigentlich gut ist. Nun, neben Blende und Verschlusszeit hat der ISO Wert ebenfalls einen großen Einfluss auf die Belichtung des Bildes. Er steuert die Lichtempfindlichkeit des Sensors in der Kamera. Stell dir die Belichtung als ein Dreieck vor, bei dem Blende, Verschlusszeit und ISO die Eckpunkte bilden. Verändert man einen Wert, muss man oft die anderen anpassen, um die gewünschte Helligkeit zu erhalten.

Der ISO-Wert ist im Grunde ein Maß dafür, wie stark das Signal vom Sensor verstärkt wird. Ein niedriger ISO-Wert bedeutet geringe Verstärkung und somit geringe Lichtempfindlichkeit, während ein hoher ISO-Wert eine starke Verstärkung und hohe Lichtempfindlichkeit bedeutet. Dies ist besonders wichtig, wenn nicht genügend natürliches Licht vorhanden ist.
Was ist ISO und wie funktioniert es? Ein bildlicher Vergleich
Um die Funktion des ISO-Wertes zu veranschaulichen, stellen wir uns den Sensor der Kamera mal als unsere Augen vor. Jeder kennt das: Wenn du abends das Licht ausschaltest, dauert es eine Weile, bis sich deine Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben. Sie werden empfindlicher für das vorhandene Restlicht. Wenn du nun das Licht wieder anschaltest, erscheint eine mitunter harmlose Tischlampe für kurze Zeit extrem grell, und man muss die Augen zusammenkneifen, bis man sich wieder daran gewöhnt hat. Der Grund dafür ist, dass unsere Sehnerven die Lichtempfindlichkeit je nach Helligkeit entsprechend justieren. Sie verstärken das Signal bei wenig Licht und reduzieren die Verstärkung bei viel Licht.
Genau so verhält es sich mit dem Sensor der Kamera, nur dass wir dort dessen Empfindlichkeit via ISO-Einstellung nach Belieben regeln können. Wir können die „Verstärkung“ des Sensorsignals manuell (oder automatisch) steuern. Dies gibt uns enorme Flexibilität, um auf unterschiedliche Lichtverhältnisse zu reagieren, ohne immer Blende oder Verschlusszeit drastisch ändern zu müssen.
ISO-Werte für verschiedene Lichtsituationen
Die Empfindlichkeit des „Sehnervs der Kamera“, des Sensors also, wird dabei in konkreten Zahlen ausgedrückt und eingestellt. ISO-Werte von 100, 200 oder weniger stehen dabei für eine geringe Lichtempfindlichkeit. Derartige Werte sind bestens geeignet, um in Situationen mit ausreichend Licht zu fotografieren, beispielsweise an einem wolkenlosen, sonnigen Tag im Freien. Dies ist oft der sogenannte „Basis-ISO“ Wert deiner Kamera, bei dem der Sensor die geringste Verstärkung benötigt und somit die höchste Bildqualität liefert.
Doch wie der Zufall es so will, ziehen auf einmal mächtig viele große dunkle Wolken vor die Sonne, oder du betrittst einen Innenraum. Um das Bild nun mit ISO 100 noch korrekt zu belichten, müsstest du entweder die Blende weiter öffnen (was die Schärfentiefe reduziert), oder die Belichtungszeit möglicherweise so lang einstellen, dass du ein Stativ benötigst, um verwackelungsfreie Bilder zu bekommen. Wenn beides nicht in Frage kommt oder nicht erwünscht ist, kannst du den ISO-Wert erhöhen, um dem entgegenzuwirken. Denn er sorgt für einen erweiterten Spielraum für das Einstellen unterschiedlicher Zeit-Blenden-Kombinationen. Je höher du den ISO-Wert stellst, desto empfindlicher reagiert der Sensor auf einfallendes Licht.
Werte von 400 bis 800 werden dabei in der Regel für bewölkte Tage oder in Innenräumen, wo nicht viel Licht vorhanden ist, verwendet. Werte ab 1600 können ihre Anwendung bei schlechten Lichtverhältnissen finden, wo kein Blitz verwendet werden kann oder darf (z.B. bei der Eventfotografie auf Konzerten, in Theatern usw.). Das Fotografieren mit ausschließlich vor Ort vorhandenem Licht hat sogar einen eigenen Bereich in der Fotografie bekommen – die Available Light Fotografie – hier benötigt man recht oft Kameras, die auch bei hohen ISO-Werten noch brauchbare Bilder produzieren.
Für den schnellen Überblick findest du nachfolgend noch mal die gängigen ISO-Werte mit Beispielen für passende Aufnahmesituationen. Es handelt sich hierbei um grobe Richtwerte für das Fotografieren von Alltagsmotiven ohne Stativ:
| ISO-Wert | Aufnahmesituation | Vorhandene Lichtmenge |
|---|---|---|
| ISO 100-200 | Tagsüber bei „schönem“ Wetter (Sonnenschein, leichte Bewölkung), am Meer, in Gebirgen | Viel Licht |
| ISO 400-800 | Bedeckter Himmel, Nebel, im Schatten, im Wald, in gut ausgeleuchteten Innenräumen | Ausreichend Licht |
| ISO 800-3200 | Bei Dämmerung/Nachts, in schlecht ausgeleuchteten Innenräumen (z.B. Bars, Clubs etc.), Nachtleben in der Stadt | Wenig bis sehr wenig Licht |
| ISO 3200+ | Extrem dunkle Umgebungen, Astrofotografie, spezielle Low-Light-Situationen | Sehr wenig Licht |
Der Nachteil: Bildrauschen bei hoher ISO
Alles klar! Tolle Sache, dieser ISO-Wert! Verschlusszeit zu lang? ISO-Wert rauf! Mit weit geschlossener Blende bei schummrigem Licht fotografieren? ISO-Wert noch höher! Leider hat die Sache wie so oft einen Haken. Abhängig vom jeweiligen Kamera-Modell und der Sensorgröße verschlechtert sich mit steigendem ISO-Wert die Bildqualität teilweise erheblich. Es kommt zu dem sogenannten Bildrauschen und dem Verlust von Details, Schärfe und Farbtreue in der Aufnahme. Bildrauschen äußert sich oft als körnige oder fleckige Struktur im Bild, besonders in dunklen Bereichen.
Dieses Rauschen entsteht, weil bei hoher Verstärkung nicht nur das Lichtsignal, sondern auch die unvermeidlichen elektronischen Störungen (das „Rauschen“) des Sensors mitverstärkt werden. Bei niedrigem ISO-Wert ist das Lichtsignal stark genug, um das Rauschen zu überdecken. Bei hohem ISO-Wert ist das Lichtsignal schwach und das mitverstärkte Rauschen wird deutlich sichtbar.
Warum die Sensorgröße wichtig ist
Wer öfter bei schlechten Lichtverhältnissen ohne Blitz fotografieren möchte, sollte die Sensorgröße seiner Kamera berücksichtigen. Größere Sensoren (wie Vollformat, APS-C, oder Micro Four Thirds) haben in der Regel größere einzelne Pixel (Pixelpitch) als die sehr kleinen Sensoren in Kompaktkameras oder Smartphones. Größere Pixel können mehr Licht sammeln, bevor eine Signalverstärkung (und somit ein höherer ISO-Wert) notwendig wird. Das bedeutet, dass Kameras mit größeren Sensoren bei denselben Lichtverhältnissen oft mit niedrigeren ISO-Werten arbeiten können oder bei gleichem ISO-Wert weniger rauschen.
Eine Faustregel besagt: Je größer der Sensor der Kamera, desto besser ist in der Regel auch das Rauschverhalten bei hohen ISO-Werten. Kameras mit Vollformatsensoren sind hier oft führend, da ihre Sensoren deutlich größer sind als APS-C oder MFT Sensoren. Sie können selbst bei sehr hohen Werten (ISO 6400 und mehr) oft noch erstaunlich saubere Bilder liefern, während kleinere Sensoren schon bei ISO 800 oder 1600 stark rauschen können.
Kameratypen und Rauschverhalten
Spiegelreflexkameras (DSLR) und spiegellose Systemkameras (DSLM) verfügen typischerweise über größere Sensoren (meist APS-C oder Vollformat) als Kompaktkameras oder Bridge-Kameras. Daher bieten sie in der Regel ein besseres Rauschverhalten bei hohen ISO-Werten. Auch viele Einsteiger-Modelle dieser Kameratypen können hier schon überzeugen. Kompaktkameras und ältere Bridge-Kameras rauschen oft schon deutlich sichtbar ab ISO 800.
Wer höchste Ansprüche an die Bildqualität bei wenig Licht stellt, muss oft zu Kameras mit Vollformatsensor greifen. Diese sind jedoch in der Anschaffung meist teurer als Kameras mit kleineren Sensoren. Aber auch bei diesen und noch besseren Modellen gilt die Regel: Weniger ist mehr! Es empfiehlt sich immer, erst mit geringen ISO-Werten das Fotografieren zu beginnen und den Wert erst dann anzuheben, wenn die benötigte Zeit-Blenden-Kombination beim besten Willen nicht mehr realisierbar ist.
Wann sollte ich die ISO erhöhen? Der Kompromiss
Nun lässt es sich nicht immer vermeiden, mit hohem ISO-Wert zu hantieren. Ein Beispiel: Du fotografierst mit offener Blende bei ISO 800 ohne Stativ und ohne Blitz auf einer Party. Du benötigst daher eine möglichst kurze Verschlusszeit, die nicht geringer als ca. 1/40 oder 1/60 Sekunde sein sollte, um Bewegungsunschärfe (bei sich bewegenden Personen) und Verwackelungsunschärfe (durch das Halten der Kamera) zu vermeiden. Wenn die Verschlusszeit nun so lang eingestellt werden muss, dass deine Bilder verwackeln, bringt dir das geringste Bildrauschen nichts. Ein unscharfes Bild ist meist unbrauchbarer als ein Bild mit etwas Rauschen.
In dieser Situation kannst du den ISO-Wert ruhig auf 1600 oder gar 3200 anheben und im Gegenzug die Verschlusszeit wieder verkürzen. Besser verrauschte Bilder als total verwackelte oder unscharfe! Natürlich musst du je nach Lichtsituation versuchen, den besten Kompromiss zwischen den drei Elementen der Belichtung – Blende, Verschlusszeit und ISO – zu finden. Manchmal ist auch eine Kombination hilfreich: Nutze die offenste Blende, die für deine gewünschte Schärfentiefe akzeptabel ist, wähle die längste Verschlusszeit, die du noch ruhig halten kannst (oder nutze ein Stativ, wenn möglich), und erhöhe dann erst die ISO, um die Belichtung zu komplettieren.
Es ist auch wichtig zu erkennen, wann die Grenzen erreicht sind. Denn wo kein Licht ist, kann auch kein Bild entstehen. Du erinnerst dich an den Vergleich mit dem Auge? Wo keinerlei Licht ist, können wir auch nichts sehen. In dem Fall bleibt einem dann nichts anderes übrig, als die Kamera wegzustecken, ein stärkeres Objektiv mit größerer Blendenöffnung zu verwenden oder einen Blitz bzw. eine alternative Lichtquelle zu nutzen.
RAW-Format: Mehr Kontrolle über Bildrauschen
Manche Bridge-Kameras und so gut wie alle Spiegelreflex- und spiegellosen Systemkameras bieten dir die Möglichkeit, deine Fotos im Rohdatenformat, dem sogenannten RAW-Format auszulesen. Diese RAW-Daten sind anders ausgedrückt die „digitalen Negative“ deiner Bilder. Sie bleiben anders als die von deiner Kamera erstellten JPEGs vollkommen unbearbeitet in Bezug auf Standardanpassungen wie Schärfe, Kontrast, Sättigung und Rauschunterdrückung. Bei der Umwandlung deiner Bilder in JPEGs bearbeitet die Software in der Kamera die Bilder nämlich – es wird Helligkeit, Kontrast und Sättigung hinzugefügt sowie Bildrauschen mit diversen Filtern entfernt. Leider arbeiten letztere oft sehr stark, und Bildinformationen werden unwiderruflich zerstört, was zu einem „plastischen“ oder detailarmen Aussehen führen kann.
Nicht so beim RAW-Format. Damit hast du einerseits die Möglichkeit, durch spätere Bildbearbeitung am Computer mit spezieller Rauschfilter-Software wesentlich mehr Bildrauschen zu entfernen, und andererseits mehr Details und Schärfe in den Fotos zu bewahren, da du die Kontrolle über den Grad der Rauschunterdrückung behältst. Du kannst selektiv Rauschen reduzieren, ohne wichtige Bilddetails zu opfern. Das RAW-Format bietet noch weitere Vorteile, ist aber arbeitsintensiver in der Nachbearbeitung und sehr speicherhungrig (bis zu 40MB pro Bild oder mehr).
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur ISO-Einstellung
Hier beantworten wir einige gängige Fragen rund um das Thema ISO und wenig Licht:
Was ist der „Basis-ISO“ meiner Kamera?
Der Basis-ISO ist der niedrigste ISO-Wert, den deine Kamera nativ unterstützt (oft ISO 100 oder ISO 200). Bei diesem Wert erzeugt der Sensor das sauberste Signal mit dem geringsten Rauschen, da keine oder nur minimale elektronische Verstärkung angewendet wird. Für die beste Bildqualität solltest du, wenn möglich, immer mit dem Basis-ISO fotografieren.
Kann ich immer die Auto-ISO-Funktion verwenden?
Die Auto-ISO-Funktion ist sehr praktisch, da die Kamera den ISO-Wert automatisch an die Lichtverhältnisse anpasst, um eine korrekte Belichtung zu gewährleisten, während du Blende und/oder Verschlusszeit vorgibst. Das ist toll für Schnappschüsse oder sich schnell ändernde Lichtverhältnisse. Allerdings solltest du die Einstellungen von Auto-ISO überprüfen (z.B. maximalen ISO-Wert festlegen), um nicht versehentlich in Bereiche zu gelangen, in denen das Rauschen unerträglich wird. Für maximale Kontrolle und beste Bildqualität ist die manuelle ISO-Einstellung oft vorzuziehen.
Wie kann ich Bildrauschen in der Nachbearbeitung reduzieren?
Spezialisierte Software wie Adobe Lightroom, Photoshop oder DxO PhotoLab bieten leistungsstarke Werkzeuge zur Rauschreduzierung. Beim Bearbeiten von RAW-Dateien hast du hier die größte Flexibilität. Du kannst Luminanzrauschen (Helligkeitsrauschen) und Farbrauschen separat steuern. Sei aber vorsichtig: Zu aggressive Rauschreduzierung kann Details weichzeichnen. Ein guter Kompromiss ist oft nötig.
Ist Rauschen immer etwas Schlechtes?
In den meisten Fällen möchte man Rauschen vermeiden, da es die Bildqualität mindert. Manchmal kann leichtes Rauschen jedoch auch einen künstlerischen Effekt haben, ähnlich dem Korn bei analogem Film. Manche Fotografen fügen ihren digitalen Bildern in der Nachbearbeitung sogar bewusst leichtes Rauschen oder Filmkorn hinzu, um einen bestimmten Look zu erzielen.
Was ist die höchste ISO-Einstellung, die ich verwenden kann?
Das hängt stark von deiner Kamera ab. Kameras mit größeren, moderneren Sensoren (insbesondere Vollformat) können deutlich höhere ISO-Werte liefern, bevor das Rauschen störend wird, als ältere Kameras oder Kameras mit kleinen Sensoren. Was „stark störend“ ist, hängt aber auch von deinem persönlichen Anspruch und dem Verwendungszweck des Bildes ab (Web vs. großer Print). Es gibt keine feste Zahl; du musst die Leistung deiner spezifischen Kamera bei verschiedenen ISO-Werten testen und für dich entscheiden, welches Rauschen noch akzeptabel ist.
Fazit
Der ISO-Wert ist ein mächtiges Werkzeug in deinem fotografischen Arsenal, besonders wenn du bei wenig Licht unterwegs bist. Er ermöglicht dir, unter schwierigen Bedingungen zu fotografieren, wo Blende und Verschlusszeit allein nicht ausreichen würden. Während hohe ISO-Werte unweigerlich zu Bildrauschen führen, ist es oft der beste Kompromiss, um ein scharfes, korrekt belichtetes Bild zu erhalten, anstatt ein verwackeltes oder zu dunkles. Verstehe die Zusammenhänge mit Blende, Verschlusszeit und Sensorgröße, experimentiere mit deiner Kamera und lerne, wann und wie du den ISO-Wert am besten einsetzt. Deine Fotos werden es dir danken!
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