Der Ofenpass, auf Rätoromanisch auch Pass dal Fuorn genannt, stellt eine der malerischsten Verbindungen in den Schweizer Alpen dar. Er schlängelt sich über eine Distanz von etwa 35 Kilometern und verbindet dabei die charmanten Orte Zernez im Engadin mit Santa Maria im Val Müstair. Für viele Reisende, ob mit dem Auto, Motorrad oder Fahrrad unterwegs, ist die Frage nach der Befahrbarkeit entscheidend. Die gute Nachricht vorweg: Der Ofenpass gilt als hervorragend ausgebaut und in einem sehr guten Zustand, was die Fahrt über diese Alpenquerung zu einem angenehmen Erlebnis macht.

Die Straße über den Ofenpass ist modern und sicher gestaltet. Besonders die Fahrt auf der Südrampe bietet ein besonderes Vergnügen. Hier reihen sich zahlreiche, gut ausgebaute Serpentinen aneinander, die nicht nur fahrerischen Spaß garantieren, sondern auch immer wieder spektakuläre Ausblicke auf die umliegende Bergwelt freigeben. Der Ofenpass ist nicht nur wegen seiner Straße beliebt, sondern auch wegen seines Klimas. Die Region rund um den Pass zeichnet sich durch ein bemerkenswert mildes Klima aus und gehört zu den niederschlagsärmsten Gebieten im Schweizer Hochgebirge. Diese klimatischen Bedingungen, kombiniert mit einer vergleichsweise hohen Schneegrenze, tragen maßgeblich dazu bei, dass der Ofenpass im Normalfall ganzjährig befahren werden kann. Während andere Pässe in den Alpen oft monatelang gesperrt sind, bietet der Ofenpass eine verlässliche Route, die das ganze Jahr über zugänglich ist, auch wenn extreme Wetterlagen natürlich kurzfristige Einschränkungen mit sich bringen können.
Doch der Reiz des Ofenpasses liegt nicht nur in seiner modernen Infrastruktur und seiner guten Befahrbarkeit. Der Pass hat eine lange und faszinierende Geschichte, die sich bereits in seinem Namen widerspiegelt. Die Frage „Warum heißt der Ofenpass Ofenpass?“ führt uns zurück in eine Zeit, in der die Region von intensivem Bergbau geprägt war. Der Name leitet sich von den Schmelzöfen ab, die hier einst in Betrieb waren, um Eisenerze aus den umliegenden Bergwerken zu verarbeiten. Bis ins späte Mittelalter und darüber hinaus war die Eisenproduktion eine wichtige wirtschaftliche Aktivität in dieser alpinen Region.
Die Geschichte des Bergbaus am Ofenpass reicht weit zurück. Bereits im Jahr 1332 erteilte der Bischof von Chur, Ulrich von Lenzburg, der einflussreichen Familie von Planta das Recht, in der Gegend des Ofenpasses am Munt Buffalora Bergbau zu betreiben. Dies markierte den Beginn einer Ära, in der die Landschaft durch die Suche und Verarbeitung von Eisenerz geformt wurde. Mit Schlägel und Eisen, und später auch durch das Anlegen von Feuern (Feuersetzen), wurden Stollen in die Berge getrieben. Die Gesamtlänge dieser alten Stollen wird heute auf beeindruckende 14 Kilometer geschätzt, ein Zeugnis des Ausmaßes der damaligen Aktivitäten.
Wo Bergbau betrieben wurde, entstanden Siedlungen. Auf der heutigen Weide der Alp Buffalora befand sich einst eine Siedlung, die etwa 20 Gebäude umfasste. Hier lebten nicht nur die Bergleute selbst, sondern auch all jene, deren Gewerke direkt mit dem Bergbau verbunden waren: Köhler, die Holzkohle für die Öfen herstellten, Waldarbeiter, die das benötigte Holz schlugen, Eisenschmelzer, die das Erz verarbeiteten, und Transportarbeiter, die das Erz und das Eisen bewegten. Es war ein komplexes System, das auf die Ressourcen der Berge und Wälder angewiesen war.
Spätere Versuche, den Bergbau wiederzubeleben, gab es ebenfalls. Im Jahr 1489 gründete Sigismondo de Zenoni aus Bormio ein weiteres Unternehmen im Bereich von Murteras da Grimmels. Dieser Versuch war jedoch weniger erfolgreich und musste nach nur sechs Jahren wegen mangelnder Ausbeute eingestellt werden. Der Schwabenkrieg brachte den Bergbau ab 1499 vorübergehend vollständig zum Erliegen.
Ein wichtiger technologischer Fortschritt kennzeichnete den Bergbauversuch im Jahr 1580 unter Johannes von Salis-Samedan. Statt der älteren Rennöfen wurden nun Hochöfen eingesetzt, was die Produktion von flüssigem Roheisen ermöglichte. Allerdings standen die lokalen Erzvorkommen am Munt Buffalora und Murteras da Grimmels nun kurz vor der Erschöpfung oder waren nicht mehr ergiebig genug. Dies führte dazu, dass das benötigte Erz über weite Strecken aus dem Raum Bormio zum Ofenpass transportiert werden musste. Der Grund für diesen aufwendigen Transport lag in der Verfügbarkeit von Holz. Während im Raum Bormio die Wälder für die Köhlerei bereits stark dezimiert waren, gab es am Ofenpass zu dieser Zeit noch ausreichende Holzvorkommen für die Verhüttung. Doch mit der Zeit erwies sich dieser Transport als unrentabel, und die Verhüttung wurde Anfang des 17. Jahrhunderts erneut eingestellt.
Die letzte bekannte Periode des Bergbaus am Ofenpass begann 1684, wiederum unter einem Mitglied der Familie von Planta, Johann Heinrich von Planta. Er ließ bei Il Fuorn, auf den Grundmauern eines älteren Ofens, einen neuen Hochofen errichten. Auch diesmal stammten die Erze hauptsächlich aus Bormio. Es wird angenommen, dass auch dieser letzte Versuch nur wenige Jahre Bestand hatte. Als stummes Zeugnis dieser vergangenen Zeit ist die Ruine des Ofens von 1684 bis heute erhalten geblieben und erinnert an die industrielle Geschichte des Passes.

Neben dem Bergbau hat sich auch der Verkehrsweg über den Ofenpass im Laufe der Jahrhunderte stark gewandelt. Der ursprüngliche Weg war ein einfacher Saumpfad, der noch Mitte des 19. Jahrhunderts auf der Nordwestrampe von Ova Spin über Champlönch zur Passhöhe Süsom Givé führte. Diese Pfade waren für den Transport von Gütern mit Lasttieren ausgelegt und entsprachen nicht den Anforderungen des modernen Verkehrs.
Ein entscheidender Schritt in der Entwicklung des Ofenpasses war der Bau der heutigen Fahrstraße im Jahr 1871. Diese neue Straße folgte, wenn auch exponiert, nun mit deutlich geringerer Steigung dem Haupttal und dem Fluss Ova dal Fuorn, was wörtlich „Ofenbach“ bedeutet und ebenfalls auf die historische Nutzung der Region verweist. Der Bau dieser modernen Straße stand im größeren Kontext der infrastrukturellen Entwicklung der Region. Er erfolgte im Zusammenhang mit dem Bau der modernen Engadiner Talstraße von 1865, der heutigen Hauptstraße 27, und dem Bau der Flüelapassstraße von 1867. Diese Projekte verbesserten die Anbindung des Engadins und der angrenzenden Täler erheblich und erleichterten den Handel und den Reiseverkehr.
Interessante, wenn auch nie realisierte Pläne gab es ebenfalls für den Ofenpass. In der Zeit von 1895 bis 1914 wurden Ideen für den Bau einer Ofenbergbahn diskutiert. Diese Bahn sollte das Schweizer Unterengadin über den Ofenpass mit dem Südtiroler Vinschgau verbinden. Obwohl die Pläne nie umgesetzt wurden, zeigen sie die strategische Bedeutung, die dem Ofenpass als Verbindungsweg stets beigemessen wurde.
Ein weiteres prägendes Element der Region um den Ofenpass ist der Schweizerischer Nationalpark. Dieses Schutzgebiet wurde 1914 gegründet und umfasst weite Teile der umliegenden Landschaft. Das Gebiet war historisch reich an Wildtieren und wurde bis Ende des 19. Jahrhunderts von Wölfen und Bären bevölkert, bevor diese in der Schweiz ausgerottet wurden. Ein Abschnitt der Passstraße, nämlich der Teil von Ova Spin über Il Fuorn bis Buffalora auf der Nordwestrampe, ist als einzige Straße des Parks Teil des heutigen Schweizerischer Nationalparkes. Die Passhöhe selbst und die Südostrampe liegen außerhalb der Parkgrenzen. Der Park dient dem Schutz der alpinen Flora und Fauna und bietet einzigartige Einblicke in unberührte Naturlandschaften.
Die Natur rund um den Ofenpass birgt zudem einige bemerkenswerte Besonderheiten. Im Jahr 2004 wurde hier der größte Hallimaschklon Europas entdeckt. Dieser riesige Pilz, dessen Alter auf etwa 1000 Jahre geschätzt wird, erstreckt sich über einen beeindruckenden Durchmesser von 500 bis 800 Metern unter der Erde. Ein faszinierendes Beispiel für die verborgene Vielfalt des Ökosystems. Eine weitere beachtenswerte Beobachtung erfolgte im Juli 2005, als am Pass der Braunbär JJ2 gesichtet wurde. Dies war ein bedeutendes Ereignis, da Bären in der Schweiz seit 1904 als ausgestorben galten. Die Rückkehr einzelner Exemplare wie JJ2 zeigt das Potenzial für die Wiederbesiedlung durch ehemals heimische Arten und unterstreicht die Bedeutung von Schutzgebieten wie dem nahegelegenen Nationalpark.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Ofenpass weit mehr ist als nur eine gut ausgebaute Straße, die zwei Täler verbindet. Seine exzellente Befahrbarkeit, oft ganzjährig gewährleistet durch das milde Klima und die hohe Schneegrenze, macht ihn zu einer attraktiven Route. Doch es ist seine reiche Geschichte des Bergbaus, die bis heute sichtbaren Zeugnisse der Vergangenheit, seine Lage am Rande des Schweizerischer Nationalparkes und die einzigartigen Naturphänomene, die ihn zu einem Ziel mit tieferer Bedeutung machen. Die Fahrt über den Pass ist eine Reise durch Zeit und Natur, die dem Besucher nicht nur Serpentinenspaß, sondern auch Einblicke in die kulturelle und ökologische Geschichte der Alpen bietet.
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