Im März 2008 erblickte die Sony α 350, auch bekannt als DSLR-A350, das Licht der Welt und brachte frischen Wind in den APS-C DSLR-Markt. Mit einem 14,2-Megapixel-CCD-Sensor positionierte sie sich seinerzeit an der Spitze bezüglich der Auflösung in diesem Segment, nur knapp übertroffen vom CMOS-Sensor der Pentax K20D. Doch es war nicht allein die hohe Pixelzahl, die die A350 auszeichnete; sie führte ein besonderes Feature ein, das sie von vielen Konkurrenten abhob: ein einzigartiges Live View System.

Technische Merkmale und Besonderheiten
Die Sony A350 baute auf dem Fundament der A200 auf, bot aber signifikante Verbesserungen, allen voran den hochauflösenden 14,2-Megapixel-CCD-Sensor. Dieser Sensor im APS-C-Format (23,5 mm x 15,7 mm) lieferte detailreiche Bilder. Unterstützt wurde er vom bewährten Bionz Bildprozessor, der auch in anderen Sony DSLRs dieser Generation zum Einsatz kam. Die Kamera unterstützte neben dem Standard-Seitenverhältnis 3:2 auch ein 16:9-Format, das sich ideal für die Wiedergabe auf Breitbildfernsehern oder Monitoren eignete. Bei Auswahl von 16:9 wurde das Bild entsprechend beschnitten, und der Beschnitt war sowohl im Sucher als auch im Live View sichtbar.

Ein weiteres wichtiges Merkmal war das integrierte Super SteadyShot Stabilisierungssystem. Dieses CCD-Shift-System stabilisierte das Bild direkt im Kameragehäuse und funktionierte somit mit jedem angesetzten Objektiv. Sony gab an, dass dieses System eine Stabilisierung von 2,5 bis 3,5 Blendenstufen erreichen konnte. Auch die Staubentfernung war integriert, eine Kombination aus einer antistatischen Beschichtung des Tiefpassfilters und Vibrationen zur Entfernung von Staubpartikeln.
Die Kamera bot einen ISO-Bereich von 100 bis 3200, wobei Rauschen bei höheren Empfindlichkeiten sichtbar wurde. Eine Rauschunterdrückung für Langzeitbelichtungen (über 1 Sekunde) und hohe ISO-Werte (ab ISO 1600) war vorhanden und konnte manuell deaktiviert werden. Die Dateiformate umfassten RAW (ARW), JPEG sowie RAW+JPEG. Für JPEG-Dateien standen verschiedene Größen und zwei Qualitätsstufen zur Verfügung. Die Serienbildgeschwindigkeit lag bei maximal 2,5 Bildern pro Sekunde im Sucherbetrieb und 2 Bildern pro Sekunde im Live View Modus.
Das Quick AF Live View System
Das herausragendste Merkmal der Sony A350 war zweifellos ihr Live View System, das sich grundlegend von dem vieler Konkurrenten unterschied. Während andere Kameras den Hauptbildsensor für die Live-Vorschau nutzten (was das Hochklappen des Spiegels erforderte und den Phasen-Autofokus blockierte), verwendete die A350 einen separaten, niedrigauflösenden Sensor im Spiegelkasten. Ein teilweise durchlässiger Spiegel leitete einen Teil des Lichts zum Haupt-AF-Sensor unterhalb der Spiegelkammer, während ein anderer Teil über einen kippbaren Spiegel zum sekundären Live View Sensor oberhalb des optischen Suchers gelangte.
Dieses Design ermöglichte den Einsatz des schnellen Phasen-Autofokus-Systems auch im Live View Modus – daher der Name Quick AF Live View. Der Spiegel musste nicht hochgeklappt werden, um eine Live-Vorschau zu ermöglichen, was die Verzögerung bei der Aufnahme (Capture Lag) im Live View erheblich reduzierte und das System im Vergleich zu vielen anderen Live View Implementierungen seiner Zeit deutlich schneller machte. Es unterstützte sogar Fokus-Tracking und prädiktiven Fokus.
Die Live-Vorschau wurde auf einem 2,7-Zoll-LCD-Bildschirm mit einer Auflösung von 230.400 Pixeln dargestellt. Das Besondere an diesem Bildschirm war seine Verstellbarkeit. Er konnte um etwa 40 Grad vom Gehäuse weggezogen und dann um etwa 130 Grad nach oben oder unten geschwenkt werden. Obwohl er nicht vollständig artikuliert war wie bei einigen anderen Kameras, erlaubte diese Neigefunktion das bequeme Fotografieren aus ungewöhnlichen Perspektiven, wie über Kopf, auf Hüfthöhe oder aus Bodennähe.

Im Live View Modus ersetzte die Kamera das normale 40-Segment-Wabenmuster-Messsystem durch ein präziseres 1200-Zonen-Messsystem, das den dedizierten Live View Sensor nutzte. Zusätzlich gab es im Live View Modus eine Smart Teleconverter Funktion, die eine Art digitaler Zoom war und das Bild um den Faktor 1,4x oder 2x vergrößerte, indem sie den Bildausschnitt beschnitt.
Bildqualität und Leistung
Die Bildqualität der Sony A350 wurde maßgeblich vom verwendeten Objektiv beeinflusst. Mit einem hochwertigen Objektiv, wie dem im Test erwähnten Carl Zeiss Vario-Sonnar T* DT 16-80mm, zeigte die Kamera eine sehr hohe Auflösung über den gesamten ISO-Bereich. Die Farbwiedergabe war generell gut, insbesondere Hauttöne wurden sehr akkurat wiedergegeben. Es gab geringfügige Verschiebungen bei Orange-Rot, Cyan und Lila sowie leichte Sättigungsabweichungen bei Lila und Gelb. Der automatische Weißabgleich zeigte unter Glühlampen- und Leuchtstofflicht leichte Farbstiche, die jedoch mit den Voreinstellungen oder der manuellen Messung gut korrigiert werden konnten.
Das AF-System war für die meisten Motive schnell und präzise, obwohl es bei schwierigen Motiven wie Vögeln im Flug gegen einen blauen Himmel Schwierigkeiten haben konnte, den Fokus zu halten. Die Belichtungsmessung (Multi-Segment, Mittenbetont, Spot) lieferte unter den meisten Lichtbedingungen akkurate Ergebnisse. Das Super SteadyShot System erwies sich als effektiv, insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen, und erlaubte scharfe Aufnahmen bei Belichtungszeiten, die etwa drei Blendenstufen länger waren als ohne Stabilisierung. Das Staubreduzierungssystem war weniger effektiv als bei einigen Konkurrenzmodellen, aber Staubflecken waren in der Regel wenige und leicht in der Nachbearbeitung zu entfernen.
Bei wenig Licht lieferte die A350 eine sehr gute Leistung. Bei Langzeitbelichtungen bis zu 30 Sekunden bei ISO 100 gab es keine sichtbaren Probleme. Rauschen wurde erst ab ISO 800 erkennbar und bei ISO 3200 war Farbrauschen vorhanden, wenn auch auf einem relativ niedrigen Niveau, allerdings gingen dabei einige Details in den Schatten verloren. Die Rauschunterdrückungssysteme reduzierten das Rauschen effektiv, ohne die Bilddetails übermäßig zu beeinträchtigen.
Die Leistung im Live View Modus war, wie erwartet, ein großer Vorteil. Die Auslöseverzögerung (Capture Lag) war im Vergleich zu Live View Systemen, die den Hauptsensor nutzten, vernachlässigbar, was die A350 besonders reaktionsschnell machte. Dies wurde in Vergleichstests mit Kameras wie der Canon EOS 40D, Olympus E-410 und Panasonic L10 bestätigt, bei denen die A350 deutlich schnellere Reaktionszeiten im Live View zeigte.
Bedienung und Handhabung
Die A350 war, ähnlich wie die A200, sehr einfach zu bedienen. Das Gehäuse fühlte sich etwas solider an als das der A200, und der Griff lag gut in der Hand. Der Zugriff auf die verschiedenen Funktionen war intuitiv gestaltet, oft über die Fn.-Taste und das Menüsystem auf dem LCD-Bildschirm. Selbst Fotografen, die den optischen Sucher bevorzugten, profitierten gelegentlich von der Flexibilität des neigbaren Monitors und des Live View Modus.

Besonders nützlich war der Live View Modus für Aufnahmen aus ungewöhnlichen Winkeln oder bei Makroaufnahmen am Boden. Auch im Studiobetrieb auf einem Stativ konnte er hilfreich sein, solange keine absolut präzise Bildkomposition bis zum Rand erforderlich war (da Live View nur etwa 90% des Bildfelds zeigte). Das System funktionierte sowohl bei horizontaler als auch bei vertikaler Kamerahaltung gut. Die Integration der Menüeinstellungen und AF-Indikatoren im Live View Display verbesserte die Benutzerfreundlichkeit weiter.
Vergleich mit Geschwistermodellen (A200, A700)
Um die Position der A350 im damaligen Sony Alpha Line-up zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf ihre direkten Verwandten, die A200 und die A700. Die A200 war das Einsteigermodell, die A350 das Mittelklassemodell mit Live View und höherer Auflösung, und die A700 das höherwertige Modell für Enthusiasten.
| Merkmal | Sony DSLR-A200 | Sony DSLR-A350 | Sony DSLR-A700 |
|---|---|---|---|
| Effektive Auflösung | 10,2 MP | 14,2 MP | 12,24 MP |
| Sensorgröße Photosite | 6,09 µm | 5,12 µm | 5,50 µm |
| Seitenverhältnisse | 3:2 | 3:2 und 16:9 | 3:2 |
| Bildgrößen (Pixel, max.) | 3872 x 2592 | 4592 x 3056 | 4272 x 2848 |
| Kürzeste Belichtungszeit | 1/4000 s | 1/4000 s | 1/8000 s |
| ISO-Bereich | 100-3200 | 100-3200 | 100-1600 (exp. 80, 2000) |
| Serienbildrate (max.) | 3 fps | 2,5 fps (Sucher), 2 fps (LV) | 5 fps |
| AF-Punkte | 9 | 9 | 11 |
| Sucher Typ | Penta-Dach-Spiegel | Penta-Dach-Spiegel | Pentaprisma |
| Monitor Größe/Auflösung | 2,7 Zoll / 230.400 Px | 2,7 Zoll / 230.400 Px | 3,0 Zoll / 921.600 Px |
| Live View | Nein | Ja (Quick AF) | Nein |
| Abmessungen (BxHxT) | 130,8 x 98,5 x 71,3 mm | 130,8 x 98,5 x 74,7 mm | 141,7 x 104,8 x 79,9 mm |
| Gewicht (Body) | 532 g | 582 g | 690 g |
Die Tabelle zeigt, dass die A350 eine höhere Auflösung als sowohl die A200 als auch die A700 bot und das einzigartige Live View System besaß. Die A700 punktete hingegen mit einer schnelleren Serienbildrate, einem besseren Sucher (Pentaprisma statt Spiegel), einem höherauflösenden Monitor und einer kürzeren minimalen Belichtungszeit.
Akkulaufzeit und Zubehör
Die Sony A350 wurde mit dem Akku NP-FM500H betrieben. Die Akkulaufzeit unterschied sich je nach Nutzung des Suchers oder des Live View Modus erheblich. Mit dem optischen Sucher waren etwa 730 Aufnahmen pro Ladung möglich. Bei intensiver Nutzung des Live View Modus reduzierte sich die Anzahl der Aufnahmen auf rund 410. Für Fotografen, die längere Shootings planten, gab es den optionalen Hochformatgriff VG-B30AM, der zwei Akkus aufnehmen konnte und die Ausdauer auf bis zu 1460 Aufnahmen (820 im Live View) verlängerte.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wann wurde die Sony A350 eingeführt?
Die Sony Alpha 350 wurde im März 2008 in Japan vorgestellt und kam kurz darauf auf den Markt.
Wie viel Megapixel hat die Sony A350?
Die Kamera verfügt über einen 14,2 Megapixel effektiven CCD-Sensor.

Hat die Sony A350 Live View?
Ja, die Sony A350 war mit einem innovativen Quick AF Live View System ausgestattet.
Wie unterscheidet sich das Live View System der A350 von anderen?
Das Quick AF Live View System der A350 nutzte einen separaten Sensor für die Live-Vorschau, was den Einsatz des schnellen Phasen-Autofokus ermöglichte, ohne den Spiegel hochklappen zu müssen. Dies führte zu einer deutlich geringeren Auslöseverzögerung im Live View Modus.
Ist die Sony A350 heute noch empfehlenswert?
Für Einsteiger, die in die DSLR-Fotografie einsteigen möchten, oder für Fotografen mit kleinem Budget kann die A350 als Gebrauchtmodell eine Option sein. Ihre Auflösung ist für viele Zwecke noch ausreichend, und das Live View System ist für eine Kamera dieses Alters bemerkenswert schnell und nützlich. Für optimale Bildqualität wird jedoch empfohlen, sie mit einem besseren Objektiv als dem damaligen Kit-Objektiv zu kombinieren. Moderne Kameras bieten natürlich neuere Technologien, höhere ISO-Leistung und oft schnellere Prozessoren und bessere Videofunktionen, aber die A350 war für ihre Zeit gut ausgestattet.
Fazit
Die Sony Alpha 350 war bei ihrer Einführung eine interessante und wettbewerbsfähige Kamera, die besonders für Umsteiger von Kompaktkameras und Foto-Enthusiasten attraktiv war. Ihre Kombination aus hoher Auflösung für die damalige Zeit, dem einzigartigen und schnellen Quick AF Live View System und dem neigbaren Bildschirm boten eine Flexibilität, die in dieser Preisklasse nicht selbstverständlich war. Obwohl das Kit-Objektiv seine Grenzen hatte, konnte die A350 mit besseren Objektiven eine sehr gute Bildqualität liefern.
Sie stellte einen deutlichen Fortschritt gegenüber der A200 dar und bot viele Funktionen des höher positionierten Modells A700, ergänzt um das innovative Live View. Auch wenn sie heute natürlich nicht mehr mit modernen Digitalkameras mithalten kann, bleibt die A350 ein Beispiel für Sonys Bestreben, den DSLR-Markt mit innovativen Features aufzumischen und bot für ihre Zeit ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
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