Das Nikon F-Bajonett ist mehr als nur ein Objektivanschluss; es ist ein Stück Fotografiegeschichte. Seit seiner Einführung im Jahr 1959 hat es Generationen von Fotografen begleitet und sich als eines der robustesten und vielseitigsten Systeme der Welt etabliert. Mit über sechs Jahrzehnten kontinuierlicher Weiterentwicklung und einer beeindruckenden Anzahl kompatibler Kameras und Objektive hat das F-Bajonett eine einzigartige Stellung in der Welt der Spiegelreflexkameras.

Was ist das Nikon F-Bajonett?
Das F-Bajonett ist ein Objektivanschluss-System, das von Nikon speziell für seine Kleinbild-Spiegelreflexkameras entwickelt wurde. Es debütierte zusammen mit der ikonischen Nikon F Kamera im Jahr 1959. Der Name "F" leitet sich vermutlich von "Re-Flex" ab, da Spiegelreflexkameras zu dieser Zeit oft mit "R" gekennzeichnet wurden, was international jedoch nicht einheitlich ausgesprochen wird.
Charakteristisch für das F-Bajonett sind sein Durchmesser von 44 mm und das Auflagemaß von 46,5 mm. Im Gegensatz zu vielen anderen Bajonetten wird ein F-Bajonett-Objektiv linksdrehend an der Kamera befestigt. Ein besonderes Merkmal dieses Systems ist seine außergewöhnlich lange Lebensdauer und die damit verbundene Kompatibilität über Kameragenerationen hinweg. Es ist eines von nur zwei großen Spiegelreflex-Bajonettsystemen (neben dem Pentax K-Bajonett), das nicht mit der Einführung des Autofokus aufgegeben, sondern stattdessen kontinuierlich weiterentwickelt wurde, um neuen technischen Anforderungen gerecht zu werden.
Eine Reise durch die Geschichte und Entwicklung
Das F-Bajonett hat im Laufe der Jahrzehnte mehrere Evolutionsstufen durchlaufen, um neue Funktionen wie Belichtungsmessung, automatische Blendensteuerung und Autofokus zu integrieren.
Die Anfänge: Mechanik und Blendengabel (Non-AI)
Bei den ersten Kameras wie der Nikon F, F2 und der frühen Nikkormat-Reihe erfolgte die Übertragung des Blendenwerts vom Objektiv zur Kamera rein mechanisch über eine sogenannte Blendengabel. Diese Gabel, im Fotografenjargon auch liebevoll "Hasenohren" genannt, war am Blendenring des Objektivs befestigt und koppelte mit einem Mitnehmer an der Kamera.
- A-Typ (1959-1977): Die ersten Nikkore hatten oft nur einschichtvergütete Linsen und einen Fokussierring aus Metall. Frühe Versionen trugen die Herstellerbezeichnung "Nippon Kokaku Japan" und Brennweiten in cm. Spätere A-Typen wurden dann mit "Nikon" beschriftet und die Brennweiten in mm angegeben.
- C-Typ (ab 1970): Mechanisch ähnlich dem A-Typ, aber mit mehrschichtvergüteten Linsen. Diese waren oft durch ein "·C" in der Bezeichnung gekennzeichnet (z.B. Nikkor-H·C Auto 1:2 f=50mm). Einige Objektive wurden vom A-Typ übernommen, mit Mehrschichtvergütung versehen und so zum C-Typ. Die A- und C-Typen nutzten eine Codierung aus Anfangsbuchstaben griechischer und römischer Zahlwörter, um die Anzahl der Linsenelemente anzuzeigen.
- K-Typ (späte Non-AI): Eine weitere Variante vor der Einführung von Ai.
Diese Objektive (Non-AI Nikkore) erforderten das manuelle Einstellen des Blendenwerts und das Übertragen an die Kamera für die Belichtungsmessung.

Ai und Ai-S: Automatische Indexierung
Ab 1977 wurde das Ai-System (Automatic Indexing) eingeführt. Hierbei wurde die Blendeninformation über eine Nocke am hinteren Teil des Blendenrings an die Kamera übertragen. Dies ermöglichte eine einfachere und schnellere Belichtungsmessung.
Mit Ai-S (ab 1982) wurde die automatische Blendensteuerung durch die Kamera möglich, was Kameras wie die Nikon FA und F-301 unterstützten.
Autofokus-Integration
Die Integration des Autofokus erfolgte in zwei Hauptschritten:
- Erste Generation (1983): Mit der Nikon F3 AF und zwei speziellen Objektiven wurde ein Autofokus realisiert, bei dem der Fokussiermotor im Objektiv selbst eingebaut war.
- Zweite Generation (ab 1986): Das heute bekanntere System, eingeführt mit der Nikon F-501. Hier wird der Fokussiermechanismus durch einen Motor im Gehäuse der Kamera angetrieben, der über eine mechanische Kupplung (ähnlich einem Schlitzschraubendreher) mit dem Objektiv verbunden ist.
Neuere Entwicklungen
- D-Objektive (ab 1992): Übertragen zusätzlich die Entfernung zum Motiv an die Kamera, was die Genauigkeit der Belichtungs- und Blitzmessung verbessert (eingeführt mit der Nikon F90).
- AF-S-Objektive (ab 1996): Diese Objektive besitzen einen eigenen, leisen und schnellen Ultraschallmotor (Silent Wave Motor - SWM) für den Autofokus. Sie benötigen keinen Motor im Kameragehäuse.
- E-Objektive (ab 2013): Verfügen über eine elektromagnetisch gesteuerte Blende für präzisere Belichtung, besonders bei schnellen Bildserien.
- DX-Objektive (ab 1999): Speziell für digitale Kameras mit APS-C Sensor (DX-Format) gerechnet. Sie decken einen kleineren Bildkreis ab als FX (Kleinbild)-Objektive, nutzen aber ebenfalls das F-Bajonett.
Elektrische Kontakte
Mit der Weiterentwicklung wurden auch elektrische Kontakte am Bajonett hinzugefügt, um die Datenübertragung zwischen Kamera und Objektiv zu ermöglichen. Moderne AF-S/E-Objektive nutzen bis zu 10 Pins. Hier eine Übersicht der Belegung basierend auf den Generationen:
| Pin | F3 AF | Ai-P/AF | AF-I/AF-S | Funktion (Beispiel) |
|---|---|---|---|---|
| P1 | Spannungsversorgung (VCC) | Spannungsversorgung (5V DC) | ||
| P2 | Read/Write (RW1) | |||
| P3 | Near to Far Serial Clock (CLK) | Near to Far Serial Clock (CLK) | Near to Far Serial Clock (CLK) | |
| P4 | Far to Near Data (Serial I/O) | Far to Near Data (Serial I/O) | Far to Near Data (Serial I/O) | |
| P5 | x | Hotline, Pulse (RW2) | Hotline, Pulse (RW2) | |
| P6 | Relative Distance | x | Spannungsversorgung AF-S Motor (VCC) | |
| P7 | Masse (GND) | Masse (GND) | Masse (GND) | Masse |
| P8 | x | x | nur bei manchen AF-S Objektiven | Hotline, Pulse |
| P9 | x | x | nur bei manchen AF-S Objektiven | |
| P10 | x | x | nur bei manchen AF-S Objektiven | |
| Mount | Masse (GND) |
(x = Pin nicht vorhanden)
Kameras mit Nikon F-Bajonett: Eine beeindruckende Liste
Das Nikon F-Bajonett wurde in einer riesigen Vielfalt von Kameras über sechs Jahrzehnte hinweg eingesetzt. Dies macht es zum Fundament des größten Systems an Wechselobjektiven für Spiegelreflexkameras in der Geschichte.
Analoge Film-Spiegelreflexkameras
Viele legendäre Filmkameras von Nikon verfügen über das F-Bajonett. Dazu gehören professionelle Modelle, die für ihre Robustheit und Zuverlässigkeit bekannt sind, sowie Modelle für Enthusiasten und Einsteiger.
- Professionelle Modelle: Nikon F, F2, F3, F4, F5, F6. Diese Kameras setzten oft Standards in ihrer Zeit.
- Modelle für Enthusiasten/Einsteiger: Nikon FM-Serie (FM, FM2, FM3A), FE-Serie (FE, FE2, FE10), FA, FG, EM, FM10.
Digitale Spiegelreflexkameras (DSLR)
Die meisten digitalen Spiegelreflexkameras von Nikon nutzen das F-Bajonett. Dies ermöglichte es vielen Fotografen, ihre vorhandenen Objektive weiterzuverwenden, als sie von Film auf Digital umstiegen. Die Kompatibilität kann je nach Kameramodell und Objektivtyp variieren (insbesondere bei sehr alten Non-AI Objektiven oder bei modernen E-Objektiven).

- Professionelle/High-End Modelle: Nikon D1, D2, D3, D4, D5, D6, D100, D200, D300, D500, D700, D800, D810, D850.
- Modelle für Enthusiasten/Mittelklasse: Nikon D70, D80, D90, D7000, D7100, D7200, D7500, D600, D610, D750, D780.
- Modelle für Einsteiger: Nikon D40, D50, D60, D3000, D3100, D3200, D3300, D3400, D3500, D5000, D5100, D5200, D5300, D5500, D5600.
Einige spezielle Modelle wie die Nikon Df wurden sogar bewusst so konzipiert, dass sie eine besonders hohe Kompatibilität mit älteren Non-AI-Objektiven aufweisen.
Spiegellose Kameras (mit Adapter)
Mit der Einführung des spiegellosen Z-Systems im Jahr 2018 hat Nikon ein neues Bajonett (das Z-Bajonett) eingeführt. Dennoch ist die Nutzung von F-Bajonett-Objektiven weiterhin möglich und sehr populär. Dies geschieht über den FTZ-Adapter (F to Z).
- Nikon Z-Kameras: Z7, Z6, Z50, Z7 II, Z6 II, Z5, Z fc, Z 50, Z 9, Z 8 etc.
Der Adapter ermöglicht es, die riesige Auswahl an F-Bajonett-Objektiven an den modernen spiegellosen Z-Kameras zu verwenden. Die Funktionalität (Autofokus, Bildstabilisator im Objektiv, Blendensteuerung) hängt dabei vom jeweiligen Objektiv und der Kamera ab. Moderne AF-S und AF-P Objektive funktionieren in der Regel sehr gut, während ältere Objektive möglicherweise nur manuell fokussiert werden können oder Einschränkungen bei der Belichtungsmessung haben.
Kameras von Drittanbietern
Neben Nikon selbst haben auch andere Hersteller Kameras mit Nikon F-Bajonett produziert:
- Fujifilm: Digitale Spiegelreflexkameras wie die FinePix S1 Pro bis S5 Pro.
- Kodak: Digitale Spiegelreflexkameras wie die DCS Pro 14n und DCS Pro SLR/n.
Kompatible Objektive: Eine riesige Vielfalt
Das F-Bajonett-System umfasst über 400 verschiedene Nikkor-Objektive, ganz zu schweigen von der Vielzahl an Objektiven von Drittanbietern. Diese Vielfalt ist einer der Hauptgründe für die anhaltende Relevanz des Systems.
Nikkor-Objektive
Die Palette reicht von extremen Weitwinkeln bis hin zu Super-Teleobjektiven, von Makroobjektiven bis zu speziellen PC-E (Perspective Control) Objektiven. Die verschiedenen Generationen (Non-AI, Ai, Ai-S, AF, AF-I, AF-S, D, G, E, DX) bieten unterschiedliche Funktionen und Kompatibilitätsgrade.

Objektive von Drittanbietern
Auch viele unabhängige Hersteller produzieren Objektive mit Nikon F-Bajonett. Diese bieten oft spezielle Brennweiten, Lichtstärken oder sind preislich attraktiver. Bekannte Hersteller sind:
- Sigma
- Tamron
- Tokina (oft mit Autofokus)
- Carl Zeiss (oft manuell)
- Samyang (oft manuell)
- Schneider-Kreuznach (oft spezielle Objektive wie Tilt-Shift)
- Voigtländer
- Walimex
Kompatibilität im Detail: Nicht immer alles möglich
Obwohl das F-Bajonett für seine Kompatibilität bekannt ist, bedeutet dies nicht, dass jede Kombination aus Kamera und Objektiv den vollen Funktionsumfang bietet. Die Kompatibilität hängt von der Generation des Objektivs und der Kamera ab:
- Non-AI Objektive an modernen Kameras: An vielen modernen DSLRs (insbesondere Einsteigermodellen) können Non-AI Objektive zwar montiert werden, die Belichtungsmessung funktioniert jedoch nicht oder nur eingeschränkt. An einigen Kameras (wie Df, D300s, D5, D6) ist die volle Belichtungsmessung mit Non-AI Objektiven möglich, wenn die Objektivdaten manuell eingegeben werden.
- Ai/Ai-S Objektive an modernen Kameras: An den meisten DSLRs funktioniert die Belichtungsmessung, aber der Autofokus fehlt natürlich, da diese Objektive keinen AF-Motor haben. Die Blende muss manuell am Objektiv eingestellt werden, außer an Kameras, die Ai-S voll unterstützen und automatische Belichtung (Modi A und P) ermöglichen.
- AF-D Objektive an Kameras ohne Fokusmotor: Objektive, die den Autofokus über den Kameramotor nutzen (AF, AF-D), funktionieren an Kameras ohne eingebauten Fokusmotor (z.B. D3xxx, D5xxx, Z-Kameras mit FTZ-Adapter) nur mit manuellem Fokus.
- AF-S/AF-P Objektive an alten Kameras: Moderne Objektive mit eigenem Motor (AF-S, AF-P) funktionieren an älteren Kameras möglicherweise nicht vollumfänglich oder gar nicht, da die elektrische Datenübertragung nicht kompatibel ist. E-Objektive mit elektromagnetischer Blende benötigen ebenfalls eine kompatible Kamera für die Blendensteuerung.
- DX Objektive an FX Kameras: DX Objektive können an FX (Kleinbild)-Kameras montiert werden. Die Kamera schaltet dann oft automatisch in den DX-Crop-Modus, der nur den zentralen Bereich des Sensors nutzt, da das Objektiv den gesamten Kleinbildsensor nicht ausleuchten kann.
Das vergleichsweise große Auflagemaß des F-Bajonetts (46,5 mm) erschwert die Adaption von Objektiven anderer Systeme (mit kleinerem Auflagemaß) an Nikon F-Kameras, ohne dass ein optisches Ausgleichselement benötigt wird, das die Bildqualität mindern kann oder den Fokus auf Unendlich verhindert.
Tabelle: Wichtige Spezifikationen des F-Bajonetts
| Spezifikation | Wert |
|---|---|
| Einführung | 1959 |
| Kamera zur Einführung | Nikon F |
| Durchmesser | 44 mm |
| Auflagemaß | 46,5 mm |
| Anschlussrichtung | Linksdrehend |
| Anzahl elektrischer Kontakte (modern) | Bis zu 10 |
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Können alte F-Bajonett-Objektive an modernen digitalen Nikon Kameras verwendet werden?
Ja, in den meisten Fällen können sie montiert werden. Die volle Funktionalität (insbesondere Belichtungsmessung und Autofokus) hängt jedoch stark vom spezifischen Objektiv (Non-AI, Ai, AF-D etc.) und der Kamera ab. Neuere Kameras ohne Fokusmotor im Gehäuse können AF-D Objektive nicht automatisch fokussieren. Die Belichtungsmessung mit Non-AI Objektiven ist oft nur an höherwertigen Modellen mit manueller Objektivdaten-Eingabe möglich.
Passen F-Bajonett-Objektive an Nikon Z-Kameras?
Ja, Nikon Z-Kameras (die ein neues Z-Bajonett haben) können F-Bajonett-Objektive über den Nikon FTZ-Adapter verwenden. Die Leistung und Kompatibilität (z.B. Autofokus) hängt vom jeweiligen Objektiv ab. Moderne AF-S und AF-P Objektive funktionieren in der Regel sehr gut.
Was bedeuten die Bezeichnungen Ai, AF, AF-S, DX bei Nikon Objektiven?
- Ai (Automatic Indexing): Mechanisches System zur Übertragung der Blendeninformation an die Kamera (ab 1977).
- AF (Autofokus): Objektive mit Autofokus. AF-D Objektive übertragen zusätzlich Entfernungsinfos. Benötigen Fokusmotor in der Kamera.
- AF-S (Autofokus-Silent Wave Motor): Objektive mit eingebautem, leisem Fokusmotor. Funktionieren auch an Kameras ohne Fokusmotor im Gehäuse.
- DX: Objektive, die speziell für Kameras mit kleinerem APS-C Sensor (DX-Format) gerechnet sind. Sie leuchten keinen Kleinbildsensor (FX-Format) vollständig aus.
Warum hat Nikon das F-Bajonett so lange beibehalten?
Die lange Beibehaltung und Weiterentwicklung des F-Bajonetts ermöglichte eine beeindruckende Abwärtskompatibilität und schuf das größte Objektivsystem für Spiegelreflexkameras. Dies band viele Fotografen an das System, da sie ihre vorhandenen Objektivsammlungen weiter nutzen konnten. Es war eine strategische Entscheidung, die über Jahrzehnte erfolgreich war, bis die spiegellose Technologie ein grundlegend neues Design (das Z-Bajonett) erforderte.
Fazit
Das Nikon F-Bajonett ist ein Eckpfeiler der modernen Fotografie. Seine über 60-jährige Geschichte zeugt von Innovation, Robustheit und einer beeindruckenden Anpassungsfähigkeit. Von den frühen mechanischen Kameras mit Blendengabel bis hin zu modernen digitalen Spiegelreflexkameras und sogar spiegellosen Systemen per Adapter hat das F-Bajonett eine unvergleichliche Rolle gespielt. Die riesige Auswahl an kompatiblen Nikkor- und Drittanbieter-Objektiven macht es zu einem System, das auch heute noch für viele Fotografen relevant ist und eine reiche Geschichte sowie eine breite Palette an kreativen Möglichkeiten bietet.
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