Wer hat Kodak Retina-Kameras hergestellt?

Kodak Retina & Retinette: Geschichte & Modelle

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Die Namen Kodak Retina und Retinette stehen für eine beeindruckende Reihe klassischer Kameras, die von Eastman Kodak, genauer gesagt von seiner deutschen Tochtergesellschaft Kodak AG Dr. Nagel Werk in Stuttgart-Wangen, hergestellt wurden. Diese Kameras, die von 1934 bis in die späten 1960er Jahre produziert wurden, sind bis heute bei Fotografen und Sammlern gleichermaßen beliebt. Sie verkörpern eine Ära deutscher Kameratechnik, die für ihre Kompaktheit, hohe Qualität und im Vergleich zu Konkurrenzprodukten oft niedrigere Kosten bekannt war.

Aus welchem ​​Jahr ist die Kodak Retina IIc?
Die Retina IIc ist eine 35-mm-Messsucherkamera, die zwischen 1954 und 1957 von der Kodak AG in Stuttgart hergestellt wurde. Es wurden ungefähr 136.000 Stück hergestellt.

Die Geschichte dieser Kameras ist eng mit dem Namen August Nagel verbunden, einem produktiven Kamerakonstrukteur und Unternehmer. Nagel war Mitbegründer von Zeiss Ikon, verließ das Unternehmen jedoch, um seine eigene Firma, die Nagel Camera Werks AG, zu gründen. Ende 1931 erwarb Kodak die Firma Nagel, und sie wurde zur Kodak AG – Dr. Nagel Werk. Unter Nagels Leitung wurden weiterhin innovative Kameras entwickelt, darunter die faltbaren Retina-Kameras und, was vielleicht noch bedeutender ist, die standardmäßige 135 Filmkassette. Vor dieser Erfindung musste der 35-mm-Film oft vom Benutzer in einer Dunkelkammer oder einem lichtdichten Beutel in proprietäre Kassetten geladen werden. Die von Nagel entwickelte Patrone revolutionierte die Handhabung von 35-mm-Film und wurde zum weltweiten Standard.

Die Kodak Retina Serie: Qualität und Innovation

Die Retina-Linie war die Premium-Serie, die für ihre fortschrittlicheren Funktionen bekannt war. Sie umfasste eine Vielzahl von Modellen, sowohl faltbare als auch nicht faltbare, sowie später auch Spiegelreflexkameras (SLRs). Ein Hauptmerkmal vieler Retina-Modelle war der integrierte oder gekoppelte Entfernungsmesser, eine Funktion, die eine präzisere Fokussierung ermöglichte und den einfacheren Retinette-Modellen fehlte.

Faltbare Retina Kameras

Die ersten Retina-Modelle waren faltbare Kameras mit einem kurzen, selbstaufrichtenden Balgen. Diese Bauweise machte sie sehr kompakt im Transportzustand. Die Produktion der faltbaren Retinas begann 1934 mit der Retina Nr. 117 und lief bis in die späten 1950er Jahre. Es gab verschiedene Generationen und Ausführungen, die sich in Ausstattung, Finish (schwarz lackiert, vernickelt, verchromt) und Funktionen unterschieden.

Die Modellbezeichnungen änderten sich im Laufe der Zeit. Vor dem Krieg wurden Nummern (Nr.) verwendet, während nach dem Krieg Typ-Codes (Type) eingeführt wurden. Wichtige Modelle waren die Retina I (ohne Entfernungsmesser), Retina II (mit Entfernungsmesser) und Retina III (mit Entfernungsmesser und Belichtungsmesser). Die Retina IIc (Type 020) und IIIc (Type 021) führten in den 1950er Jahren ein System mit austauschbaren Frontlinsenelementen ein, das Weitwinkel- (35mm) und Teleobjektive (80mm) ermöglichte, obwohl die Kameras mit diesen Linsen nicht zusammengefaltet werden konnten.

Diese Kameras waren oft mit hochwertigen Objektiven von Schneider-Kreuznach (z. B. Xenar, Xenon) oder Rodenstock (z. B. Ysar, Heligon) ausgestattet. Auch Kodak-eigene Linsen wie Ektar und Anastigmat wurden verwendet. Bei den Verschlüssen kamen meist Compur, Compur-Rapid und später Synchro-Compur zum Einsatz, die teilweise auch Blitzsynchronisation boten.

Wie alt ist die Kodak Retinette?
Kodak Retinette ist eine klassische Kameraserie der Firma Eastman Kodak. Sie wurde 1939 als kostengünstigere Alternative zur Kodak Retina-Serie eingeführt .

Ein Beispiel für ein bekanntes faltbares Modell ist die Retina IIc (Type 020), die von 1954 bis 1957 hergestellt wurde. Sie verfügte über ein beschichtetes 50mm f/2.8 Objektiv (Schneider-Kreuznach Retina-Xenon oder Rodenstock Retina-Heligon) und einen Synchro-Compur Verschluss mit Zeiten von 1 bis 1/500 Sekunde plus 'B'. Die IIc nutzte bereits das Belichtungszeit-System (EV-System), bei dem Blende und Verschlusszeit gekoppelt waren.

Retina Reflex Kameras (SLR)

Ab 1957 erweiterte Kodak die Retina-Familie um Spiegelreflexkameras (SLRs) unter dem Namen Retina Reflex. Das erste Modell, die Type 025 Retina Reflex, teilte sich die austauschbaren Frontlinsen der 'C'-Serie mit den Modellen IIc und IIIc. Spätere Modelle wie die Retina Reflex S (Type 034) ab 1959 verwendeten dann 'S'-Type Objektive, bei denen das gesamte Objektiv ausgetauscht wurde, was eine größere Bandbreite an Brennweiten ermöglichte (28mm bis 200mm). Die Retina Reflex Kameras boten eine gekoppelte Belichtungsmessung und waren Kodaks Antwort auf den aufkommenden Markt für japanische SLRs, obwohl sie im Vergleich oft teurer waren.

Nicht-faltbare Retina Kameras

Zwischen 1958 und 1966 produzierte Kodak auch eine Reihe nicht-faltbarer Kameras unter dem Retina-Label. Dazu gehörten Modelle wie die Retina IIIS (Type 027) mit Wechselobjektiven (S-Type), die Retina Automatic-Serie (Automatic I, II, III) mit gekoppelter Belichtungsmessung und die einfacheren Modelle Retina S1 (Type 060) und S2 (Type 061). Die Automatic III war eines der nicht-faltbaren Modelle mit gekoppeltem Entfernungsmesser, während die Automatic I und II sowie die S1/S2 keinen Entfernungsmesser besaßen. Die späten S1 und S2 Modelle waren aus Kunststoff gefertigt und erreichten nicht mehr die hohe Verarbeitungsqualität früherer Retinas.

Die Kodak Retinette Serie: Die erschwingliche Alternative

Die Kodak Retinette Serie wurde 1939 eingeführt und positionierte sich als kostengünstigere Alternative zur Retina Serie. Diese Kameras waren in der Regel einfacher ausgestattet und richteten sich an Amateurfotografen, die eine zuverlässige und kompakte 35-mm-Kamera suchten, aber keinen Entfernungsmesser benötigten.

Die ersten Retinette-Modelle waren ebenfalls faltbar und verwendeten Balgen. Ihre Objektive hatten typischerweise drei Elemente, im Gegensatz zu den komplexeren vier Elementen der Tessar-Objektive, die oft in der Retina-Serie zu finden waren. Häufig verwendete Objektive waren Schneider-Kreuznach Reomar, Rodenstock Reomar (basierend auf dem gleichen Dreielement-Design) oder Kodak Anastigmat Angénieux, insbesondere für den französischen Markt. Als Verschlüsse kamen Modelle wie Compur–Rapid, Pronto, Vero und verschiedene Kodak-eigene Varianten zum Einsatz.

Das erste nicht-faltbare (rigide) Retinette-Modell war die Retinette Model 022, die 1954 eingeführt wurde. Dieses Modell zeichnete sich durch eine Ganzmetallkonstruktion aus und verfügte über einen Filmtransporthebel an der Unterseite der Kamera. Eine Retinette 022 aus dem Jahr 1954 könnte beispielsweise mit einem Schneider-Kreuznach Reomar Objektiv und einem Compur–Rapid Verschluss ausgestattet sein, oft komplett mit Ledertasche und manchmal sogar einem Skylight-Filter.

Wie alt ist die Kodak Retinette?
Kodak Retinette ist eine klassische Kameraserie der Firma Eastman Kodak. Sie wurde 1939 als kostengünstigere Alternative zur Kodak Retina-Serie eingeführt .

Die Retinette IB

Ein spezifisches Modell, das oft gesucht wird, ist die Retinette IB. Unter diesem Namen wurden zwei Varianten nicht-faltbarer 35-mm-Sucherkameras von Kodak AG in Deutschland verkauft:

  • Type 037: Hergestellt von Oktober 1959 bis Februar 1963. Diese Variante besaß einen eingebauten, gekoppelten Selen-Belichtungsmesser von Gossen, dessen Anzeige im Leuchtrahmensucher sichtbar war. Sie war mit einem Rodenstock Reomar 45mm f/2.8 Objektiv und einem Pronto-LK Verschluss mit Zeiten von 1/15 bis 1/500 Sekunde plus 'B' ausgestattet. Der Filmtransporthebel befand sich ungewöhnlicherweise an der Unterseite der Kamera und war aus Kunststoff gefertigt, was ihn anfällig für Brüche machte.
  • Type 045: Hergestellt von Februar 1963 bis 1966. Dieses Modell verfügte über einen Prontor 500 LK Verschluss mit Zeiten bis zu 1/500 Sekunde, einen Blitzschuh und eine Schärfentiefeskala. Die Beschriftung auf der Oberseite wurde von der geschwungenen Schrift des Type 037 zu einer horizontalen, serifenlosen Schrift geändert.

Die Retinette IA war ein ähnliches Modell wie die IB, jedoch ohne Belichtungsmesser. Wichtig ist, dass keine der Retinette-Kameras jemals einen Entfernungsmesser hatte.

Retina vs. Retinette: Die Hauptunterschiede

Der grundlegendste Unterschied zwischen den Retina- und Retinette-Serien liegt in ihrer Positionierung und Ausstattung. Retinas waren die höherwertigen Modelle, die oft über Funktionen wie einen Entfernungsmesser, hochwertigere Objektive (oft mit mehr Elementen) und komplexere Verschlüsse verfügten. Spätere Retina-Modelle boten auch fortschrittliche Belichtungsmesser und bei einigen Modellen sogar Wechselobjektive.

Retinettes hingegen waren die erschwinglicheren, einfacheren Modelle. Sie waren primär Sucherkameras ohne Entfernungsmesser. Ihre Objektive waren meist Dreilinser (Triplet) wie das Reomar. Sie boten grundlegende Funktionen für den Amateurgebrauch, aber nicht die fortgeschrittenen Merkmale der Retina-Serie.

MerkmalKodak Retina (typisch)Kodak Retinette (typisch)
PositionierungHöherwertigErschwinglicher
EntfernungsmesserOft vorhanden (Retina II, III, einige nicht-faltbare)Nie vorhanden
BelichtungsmesserOft vorhanden (Retina III, einige IB, IIC, IIIC, Reflex, Automatic)Manchmal vorhanden (z.B. Retinette IB)
ObjektiveOft höherwertig (z.B. Tessar, Xenon, Heligon - 4 oder mehr Elemente)Einfacher (z.B. Reomar - 3 Elemente)
WechselobjektiveBei einigen Modellen (z.B. IIc, IIIc, Reflex, IIIS)Nie vorhanden
BauweiseFaltbar, Rigid, SLRFaltbar, Rigid

Häufig gestellte Fragen

Wie alt ist die Kodak Retinette?

Die Kodak Retinette Serie wurde erstmals 1939 eingeführt. Das erste nicht-faltbare (rigide) Modell, die Retinette 022, kam 1954 auf den Markt.

Wann kam die Kodak Retinette 1B heraus?

Die Retinette IB erschien in zwei Varianten: Der Type 037 wurde von Oktober 1959 bis Februar 1963 hergestellt, der verbesserte Type 045 von Februar 1963 bis 1966.

Wann kam die Kodak Retinette 1B heraus?
Der Name Retinette IB wird für zwei starre 35-mm-Sucherkameras der Retinette-Serie der Kodak AG in Deutschland verwendet. Die Kamera Typ 037 wurde zwischen Oktober 1959 und Februar 1963 hergestellt.

Wer hat Kodak Retina-Kameras hergestellt?

Die Kodak Retina und Retinette Kameras wurden von der deutschen Tochtergesellschaft von Eastman Kodak, der Kodak AG Dr. Nagel Werk in Stuttgart-Wangen, Deutschland, hergestellt. Dieses Werk wurde 1931 von Kodak durch die Übernahme der Firma von August Nagel erworben.

Aus welchem Jahr ist die Kodak Retina IIc?

Die Kodak Retina IIc (Type 020) wurde von 1954 bis 1957 hergestellt.

Hatten Kodak Retinette Kameras einen Entfernungsmesser?

Nein, keine der Kameras der Kodak Retinette Serie war mit einem Entfernungsmesser ausgestattet. Diese Funktion war den höherwertigen Modellen der Kodak Retina Serie vorbehalten.

Sind Kodak Retina oder Retinette Kameras heute noch nützlich oder wertvoll?

Ja, viele dieser Kameras sind auch heute noch voll funktionsfähig und können für die Aufnahme von Filmen verwendet werden. Darüber hinaus sind sie aufgrund ihrer Geschichte, Qualität und oft attraktiven Bauweise begehrte Sammlerstücke. Ihr Wert hängt stark vom spezifischen Modell, seinem Zustand und eventuellem Zubehör ab.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kodak Retina und Retinette Kameras ein wichtiges Kapitel in der Geschichte der Kleinbildfotografie darstellen. Sie zeugen von deutscher Ingenieurskunst und Innovation, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung des 135-mm-Filmsystems. Ob als Werkzeug für die analoge Fotografie oder als Ausstellungsstück in einer Sammlung, diese Kameras haben ihren Platz in der Welt der Fotografiegeschichte fest etabliert.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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