In der Welt der digitalen Fotografie gibt es eine Vielzahl von Kamerasystemen, die sich in Größe, Technologie und Anwendungsbereich unterscheiden. Zwei oft genannte Systeme sind Four Thirds und Micro Four Thirds. Obwohl sie auf den ersten Blick sehr ähnlich erscheinen und einen gemeinsamen Ursprung haben, gibt es wichtige Unterschiede, die für Fotografen relevant sind. Dieser Artikel beleuchtet die Merkmale beider Systeme und hilft Ihnen zu verstehen, welches für Ihre Bedürfnisse das richtige sein könnte.
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Was ist das Four Thirds System?
Das Four Thirds System wurde speziell für digitale Spiegelreflexkameras (DSLR) entwickelt. Der Name leitet sich von der Verwendung eines 4:3 Bildformats (Seitenverhältnis) ab, im Gegensatz zum traditionellen 3:2 Format vieler anderer Kamerasysteme, das seinen Ursprung in der Kleinbildfotografie (35mm Film) hat. Das System wurde von Olympus und Kodak ins Leben gerufen mit dem Ziel, eine Plattform zu schaffen, die von Grund auf für die digitale Bildgebung optimiert ist.

Ein Kernmerkmal des Four Thirds Systems ist sein kleinerer Sensor im Vergleich zu APS-C oder Vollformatsensoren. Dieser Sensor ist jedoch so konzipiert, dass das Licht optimal auf ihn trifft. Four Thirds konforme Objektive erzeugen einen sogenannten telezentrischen Strahlengang auf der Sensorseite. Das bedeutet, die Lichtstrahlen treffen möglichst senkrecht auf die einzelnen Pixel des Sensors. Dies minimiert Vignettierung (Abdunklung der Bildecken) und Farbverschiebungen, was zu helleren und gleichmäßiger ausgeleuchteten Bildecken führt.
Im Vergleich zu herkömmlichen DSLRs waren Four Thirds Kameras oft schon etwas kompakter, insbesondere die Objektive konnten kleiner gebaut werden, da sie einen kleineren Bildkreis abdecken mussten. Dennoch handelte es sich um Kameras mit Spiegelkasten und optischem Sucher.
Das Micro Four Thirds System: Die Evolution der Kompaktheit
Das Micro Four Thirds (MFT) System ist eine Weiterentwicklung des ursprünglichen Four Thirds Systems. Der entscheidende Unterschied liegt im Wegfall des Spiegelkastens und des optischen Suchers. MFT-Kameras sind spiegellos. Dies ermöglicht eine deutlich kürzere Distanz zwischen Objektivbajonett und Sensor (das sogenannte Auflagemaß). Das Ergebnis: Kameras und Objektive können noch kleiner und leichter konstruiert werden.
Das MFT-System behält das 4:3 Bildformat und die Sensorgröße des Four Thirds Systems bei (obwohl die Sensoren selbst natürlich weiterentwickelt wurden). Die Kompatibilität zwischen den Systemen ist gegeben, wenn auch mit Einschränkungen. Four Thirds Objektive können in der Regel über einen Adapter an Micro Four Thirds Kameras verwendet werden. Dabei kann es jedoch zu Einschränkungen bei der Autofokusgeschwindigkeit oder der Unterstützung bestimmter Funktionen kommen.
Das MFT-System wird hauptsächlich von Olympus (jetzt OM System) und Panasonic unterstützt und bietet eine sehr große Auswahl an Kameras, von Einsteigermodellen bis hin zu professionellen Kameras, sowie ein umfangreiches Objektivportfolio.
Wichtige Unterschiede im Überblick
Obwohl beide Systeme die gleiche Sensorgröße und das gleiche Bildformat teilen, gibt es signifikante Unterschiede, die ihre Handhabung und Eignung für verschiedene Zwecke beeinflussen:
Bauweise: Spiegel vs. Spiegellos
Der fundamentalste Unterschied ist die Bauweise. Four Thirds Kameras sind DSLR-Kameras mit Spiegel und optischem Sucher. Micro Four Thirds Kameras sind spiegellose Systemkameras. Der Wegfall des Spiegels ermöglicht die deutlich kompaktere Bauform des MFT-Systems.
Größe und Gewicht
Hier spielt das MFT-System seinen größten Vorteil aus. Durch den Wegfall des Spiegelkastens und das kürzere Auflagemaß sind sowohl die Kameragehäuse als auch die Objektive im Durchschnitt deutlich kleiner und leichter als bei Four Thirds oder anderen DSLR-Systemen. Dies macht MFT-Kameras besonders attraktiv für Reise-, Street- und Dokumentarfotografie, wo geringes Gewicht und Unauffälligkeit von Vorteil sind.
Objektivkompatibilität
Beide Systeme nutzen das gleiche Bajonett (Four Thirds Bajonett für FT, Micro Four Thirds Bajonett für MFT), allerdings mit unterschiedlichem Auflagemaß. MFT-Kameras haben ein kürzeres Auflagemaß. Das bedeutet:
- Micro Four Thirds Objektive passen nur an Micro Four Thirds Kameras.
- Four Thirds Objektive passen an Four Thirds Kameras.
- Four Thirds Objektive können über einen Adapter an Micro Four Thirds Kameras verwendet werden. Die Leistung (z.B. Autofokus) kann dabei variieren und ist oft langsamer als mit nativen MFT-Objektiven.
- Micro Four Thirds Objektive können nicht an Four Thirds Kameras verwendet werden, da das Auflagemaß nicht passt.
Die Auswahl an nativen MFT-Objektiven ist sehr groß und deckt alle Brennweitenbereiche ab.
Sucher
Four Thirds Kameras nutzen einen optischen Sucher, der das Bild direkt durch das Objektiv über den Spiegel zeigt. Micro Four Thirds Kameras verwenden in der Regel einen elektronischen Sucher (EVF) oder verlassen sich komplett auf das Live-View-Bild auf dem rückwärtigen Display. Elektronische Sucher haben den Vorteil, dass sie das Bild so anzeigen, wie es der Sensor aufnimmt (inkl. Belichtungsvorschau, Weißabgleich etc.), können aber bei schlechten Lichtverhältnissen rauschen oder eine leichte Verzögerung aufweisen.
Sensorgröße und Crop-Faktor
Sowohl Four Thirds als auch Micro Four Thirds Kameras verwenden Sensoren mit der gleichen Größe (ca. 17,3 x 13 mm). Dieser Sensor hat einen Crop-Faktor von 2x im Vergleich zum Vollformatsensor (36 x 24 mm). Das bedeutet, ein 50mm Objektiv an einer MFT-Kamera hat den gleichen Bildwinkel wie ein 100mm Objektiv an einer Vollformatkamera. Dies ist besonders für Telefotografie vorteilhaft, da man mit kleineren und leichteren Objektiven große Brennweiten erzielt (z.B. ein 300mm MFT-Objektiv entspricht einem 600mm an Vollformat). Für Weitwinkelaufnahmen muss man entsprechend kürzere Brennweiten wählen.
Der Crop-Faktor beeinflusst auch die Schärfentiefe. Bei gleicher Blendenöffnung und gleichem Bildwinkel ist die Schärfentiefe bei einem kleineren Sensor größer als bei einem größeren Sensor. Um die gleiche geringe Schärfentiefe wie bei Vollformat zu erreichen, muss man bei MFT mit offeneren Blenden arbeiten (z.B. f/2.8 bei MFT entspricht etwa f/5.6 bei Vollformat in Bezug auf den Schärfentiefeeindruck bei gleichem Bildwinkel).

Vorteile des MFT-Systems
Das Micro Four Thirds System hat sich in den letzten Jahren stark etabliert und bietet einige klare Vorteile:
- Kompaktheit und geringes Gewicht: Dies ist der wohl größte Vorteil, ideal für Reisen und Situationen, in denen man unauffällig fotografieren möchte.
- Große Objektivauswahl: Durch die Zusammenarbeit von OM System (Olympus) und Panasonic gibt es ein sehr breites und ausgereiftes Angebot an Objektiven für das MFT-Bajonett.
- Bildstabilisierung: Viele MFT-Kameras (insbesondere von OM System) verfügen über eine exzellente kamerainterne Bildstabilisierung, die es ermöglicht, auch bei längeren Belichtungszeiten oder mit Teleobjektiven ohne Stativ scharfe Bilder zu erhalten.
- Telezentrische Objektive: Wie beim ursprünglichen Four Thirds System sind die Objektive für den digitalen Sensor optimiert, was zu einer guten Bildqualität bis in die Ecken führt.
- Preis: Oft sind MFT-Systeme, insbesondere Einsteiger- und Mittelklassemodelle, günstiger als vergleichbare DSLR- oder spiegellose Kameras mit größeren Sensoren.
Wann ist MFT die richtige Wahl?
Das MFT-System eignet sich hervorragend für Fotografen, die Wert auf eine leichte und kompakte Ausrüstung legen, ohne dabei auf Systemflexibilität und gute Bildqualität verzichten zu wollen. Es ist ideal für:
- Reisefotografie: Das geringe Gewicht macht es zum perfekten Begleiter auf längeren Touren.
- Street- und Dokumentarfotografie: Unauffällige Kameras ermöglichen natürlichere Aufnahmen.
- Videografie: Panasonic hat das MFT-System stark im Videobereich positioniert.
- Natur- und Tierfotografie: Der Crop-Faktor ermöglicht große "Reichweite" mit moderaten Teleobjektiven.
- Allround-Fotografie: Mit der breiten Objektivauswahl ist man für fast jede Situation gerüstet.
Für wen das ursprüngliche Four Thirds System (DSLR) noch interessant ist, ist heute eher eine akademische Frage, da die Entwicklung bei den meisten Herstellern hin zu spiegellosen Systemen gegangen ist und neue Four Thirds DSLR-Kameras kaum noch auf den Markt kommen. Gebrauchte FT-Kameras und Objektive sind jedoch weiterhin verfügbar.
Bildqualität: Ein oft diskutiertes Thema
Die Frage nach der Bildqualität im Vergleich zu Kameras mit größeren Sensoren wird oft gestellt. Technisch bedingt haben größere Sensoren (APS-C, Vollformat) potenziell Vorteile bei sehr hohen ISO-Werten (weniger Rauschen) und bieten eine einfachere Möglichkeit, sehr geringe Schärfentiefe zu erzielen. In der Praxis sind die Unterschiede bei normalem Licht und moderaten ISO-Werten jedoch oft marginal, insbesondere bei modernen MFT-Sensoren. Für die meisten Anwendungsfälle und Ausgabegrößen (Drucke bis DIN A4/A3, Web) liefern MFT-Kameras eine hervorragende Bildqualität.
Wie in der persönlichen Erfahrung des anderen Textes beschrieben, sind die Unterschiede in den fertigen Bildern oft nur bei genauester Betrachtung (Pixel-Peeping) erkennbar. Für viele Fotografen überwiegen die praktischen Vorteile der Kompaktheit und des Gewichts die theoretischen Nachteile der Sensorgröße.
Vergleichstabelle: Four Thirds vs. Micro Four Thirds
| Merkmal | Four Thirds System | Micro Four Thirds System |
|---|---|---|
| Kameratyp | DSLR (mit Spiegel) | Spiegellos |
| Sensorgröße | Ca. 17,3 x 13 mm | Ca. 17,3 x 13 mm |
| Bildformat | 4:3 | 4:3 |
| Auflagemaß | Länger (mit Spiegelkasten) | Kürzer (ohne Spiegelkasten) |
| Systemgröße & Gewicht | Kompakter als traditionelle DSLRs, aber größer als MFT | Sehr kompakt und leicht |
| Objektiv Bajonett | Four Thirds | Micro Four Thirds (weiterentwickelt) |
| Objektivkompatibilität (natativ) | Four Thirds Objektive | Micro Four Thirds Objektive |
| Objektivkompatibilität (mit Adapter) | Keine MFT Objektive | Four Thirds Objektive (mit Adapter, ggf. Funktionseinschränkungen) |
| Sucher | Optisch | Elektronisch (EVF) oder Display |
| Crop-Faktor (im Vergleich zu Vollformat) | 2x | 2x |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Sind Micro Four Thirds Kameras günstiger?
Oft ja, insbesondere im Vergleich zu spiegellosen Kameras oder DSLRs mit größeren Sensoren (APS-C oder Vollformat) in ähnlichen Leistungsklassen. Sowohl Kameras als auch Objektive können preiswerter sein.
Welches System liefert die bessere Bildqualität?
Beide Systeme können exzellente Bildqualität liefern. Bei extremen Bedingungen (sehr hohe ISO-Werte) haben Systeme mit größeren Sensoren theoretische Vorteile beim Rauschen. Für die meisten alltäglichen Anwendungen und Druckgrößen sind die Unterschiede jedoch gering. Die Qualität hängt stark vom spezifischen Kameramodell und Objektiv ab.
Kann ich meine alten Four Thirds Objektive an einer neuen Micro Four Thirds Kamera verwenden?
Ja, in der Regel ist dies mit einem passenden Adapter möglich. Beachten Sie jedoch, dass die Leistung, insbesondere der Autofokus, möglicherweise nicht so schnell oder präzise ist wie mit nativen MFT-Objektiven. Manche Objektivfunktionen werden eventuell nicht unterstützt.
Ist das MFT-System für Profis geeignet?
Absolut. Viele professionelle Fotografen nutzen MFT-Systeme, insbesondere in Bereichen wie Natur-, Makro-, Street- oder Videofotografie, wo die Vorteile der Kompaktheit, des Gewichts und der Bildstabilisierung zum Tragen kommen. Kameras wie die OM System OM-1 oder Panasonic GH6 sind leistungsstarke Werkzeuge für professionelle Anwendungen.
Was bedeutet der Crop-Faktor 2x in der Praxis?
Er bedeutet, dass die effektive Brennweite eines Objektivs verdoppelt wird, wenn man den Bildwinkel betrachtet. Ein 25mm Objektiv an MFT hat den gleichen Bildwinkel wie ein 50mm Objektiv an Vollformat. Dies ist vorteilhaft für Teleaufnahmen (man erreicht große "Reichweite" mit kleineren Objektiven) und weniger vorteilhaft für Weitwinkelaufnahmen (man braucht sehr kurze Brennweiten für einen weiten Blickwinkel).
Fazit
Das ursprüngliche Four Thirds System hat den Weg für digitale Optimierung und kompaktere Designs geebnet. Das Micro Four Thirds System hat diese Entwicklung konsequent fortgesetzt und durch den Wegfall des Spiegels eine noch nie dagewesene Kompaktheit im Bereich der Systemkameras erreicht. Während Four Thirds heute eher eine historische Rolle spielt, ist Micro Four Thirds ein lebendiges und ausgereiftes System mit einer riesigen Auswahl an Kameras und Objektiven.
Die Entscheidung für MFT hängt stark von Ihren Prioritäten ab. Wenn geringes Gewicht, Kompaktheit, hervorragende Bildstabilisierung und eine große Auswahl an relativ erschwinglichen Objektiven ganz oben auf Ihrer Liste stehen, ist das Micro Four Thirds System eine ausgezeichnete Wahl. Es beweist, dass man keine riesige oder schwere Ausrüstung braucht, um hochwertige Fotos zu machen, und bietet eine Flexibilität, die es für viele Arten der Fotografie attraktiv macht.
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