Die Nacht hat ihren ganz eigenen Zauber. Wenn die Sonne untergeht und die Lichter der Stadt erwachen oder der Sternenhimmel in seiner vollen Pracht erscheint, bietet sich Fotografen ein Meer an faszinierenden Motiven. Doch wer schon einmal versucht hat, bei Dunkelheit zu fotografieren, weiß: Es ist eine ganz andere Herausforderung als am Tag. Die gleichen Einstellungen wie tagsüber führen meist zu pechschwarzen oder hoffnungslos verwackelten Bildern. Das kann frustrierend sein, besonders wenn man versucht, die Magie des Nachthimmels oder die Atmosphäre einer beleuchteten Straße einzufangen.

Um bei Nacht erfolgreich zu sein, benötigen Sie spezielle Kameraeinstellungen. Es gibt nicht die eine perfekte Einstellung, da die Wahl stark vom Motiv abhängt – fotografieren Sie Sterne oder eine statische Szene mit Lichtern? Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Einstellungen für beide Szenarien und hilft Ihnen, beeindruckende Nachtaufnahmen zu erstellen.
Die Blende in der Nachtfotografie
Die Blende (Aperture) ist eine der zentralen Einstellungen in der Fotografie, da sie die Lichtmenge steuert, die auf den Sensor trifft, und gleichzeitig die Schärfentiefe beeinflusst. Ihre Wahl in der Nacht hängt stark davon ab, was Sie fotografieren möchten:
Blende für Sternenfotografie und Milchstraße
Sind Sie ein Landschaftsfotograf, der tagsüber oft mit kleiner Blende (hoher Blendenzahl wie f/8, f/11 oder f/16) arbeitet, um maximale Schärfentiefe zu erzielen? Bei der Fotografie von Sternen ist das Gegenteil der Fall. Um möglichst viel Licht in kurzer Zeit auf den Sensor zu bekommen (was bei Sternen wichtig ist, um Sternspuren zu vermeiden), benötigen Sie eine große Blende (niedrige Blendenzahl).
Die beste Blende für die Fotografie von Sternen und der Milchstraße ist in der Regel f/2.8 oder sogar noch weiter geöffnet. Weitwinkelobjektive mit einer solch großen Anfangsblende sind ideal für dieses Genre. Sie sammeln viel Licht und ermöglichen relativ kurze Belichtungszeiten.
Ich weiß, dass Objektive mit einer maximalen Blende von f/2.8 oft deutlich teurer sind als solche mit f/4. Wenn Ihr Objektiv maximal f/4 bietet, können Sie es dennoch für die Sternenfotografie verwenden. Der Nachteil ist, dass Sie eine höhere ISO-Einstellung wählen müssen, um den Lichtverlust durch die kleinere Blendenöffnung auszugleichen. Dies kann zu mehr Bildrauschen führen.
Was ist mit der Schärfentiefe? Eine sehr große Blende (z. B. f/2.8) führt zu einer geringeren Schärfentiefe. Wenn Sie einen Vordergrund im Bild haben, kann dieser unscharf werden, während die Sterne scharf sind (oder umgekehrt, wenn Sie auf den Vordergrund fokussieren). Eine Lösung hierfür ist das sogenannte Focus Stacking. Dabei machen Sie mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Fokusebenen (eine für den Vordergrund, eine für die Sterne) und fügen diese später in der Bildbearbeitung zusammen. Dies erfordert etwas Übung, ermöglicht aber ein Bild, das von vorne bis hinten scharf ist, selbst bei Offenblende.
Blende für Stadtansichten und beleuchtete Gebäude
Wenn Ihr Motiv eine beleuchtete Stadt, Gebäude oder andere statische Szenen mit Lichtern sind (wie z. B. bei einem Lichterfestival), gelten andere Regeln. Hier ist es oft wünschenswert, eine hohe Schärfentiefe zu erreichen, damit sowohl der Vordergrund als auch weiter entfernte Gebäude oder Details scharf abgebildet werden. Außerdem möchten Sie möglicherweise die Lichter als strahlenförmige Sterne darstellen, was bei kleineren Blendenöffnungen passiert.
Für solche Motive können Sie eine kleinere Blende (höhere Blendenzahl) wählen. Werte zwischen f/8 und f/13 sind hier oft gut geeignet. Durch die kleinere Blende gelangt weniger Licht auf den Sensor, was längere Belichtungszeiten erforderlich macht. Da Ihr Motiv aber statisch ist und Sie ein Stativ verwenden (was bei langen Belichtungszeiten unerlässlich ist), stellt dies kein Problem dar.
Es ist wichtig zu beachten, dass bei sehr kleinen Blenden (z. B. f/16 oder kleiner) die Bildschärfe aufgrund von Beugung leiden kann. Ein Kompromiss zwischen Schärfentiefe und Gesamtschärfe ist oft bei Blenden um f/8 bis f/13 zu finden.
Die ISO-Empfindlichkeit in der Nacht
Die ISO-Einstellung bestimmt, wie empfindlich der Kamerasensor auf Licht reagiert. Eine höhere ISO-Zahl bedeutet, dass der Sensor empfindlicher ist und weniger Licht für eine korrekte Belichtung benötigt wird. Dies ermöglicht kürzere Belichtungszeiten. Der Nachteil einer hohen ISO ist jedoch ein erhöhtes Bildrauschen (Grain oder Körnung), das die Bildqualität mindert.
Auch hier gibt es wieder Unterschiede je nach Motiv:
ISO für Sternenfotografie
Wie Sie gelernt haben, ist die Sternenfotografie in vielerlei Hinsicht das Gegenteil der üblichen Landschaftsfotografie. Tagsüber wird eine niedrige ISO (z. B. 100 oder 200) bevorzugt, um Rauschen zu minimieren. Nachts ist es jedoch oft stockdunkel, und mit den gleichen Einstellungen wie am Tag erhalten Sie – richtig geraten – pechschwarze Bilder.
Deshalb müssen wir bei der Sternenfotografie Kompromisse eingehen. Da wir die Belichtungszeit begrenzen müssen, um Sternspuren zu vermeiden (mehr dazu im nächsten Abschnitt), ist eine höhere ISO notwendig, um genug Licht einzufangen.
Je nach Mondphase und vorhandenem Umgebungslicht liegt die ideale ISO für die Sternenfotografie oft zwischen ISO 1600 und ISO 6400. Ein guter Ausgangspunkt ist oft ISO 3200. Sie können diesen Wert anpassen, wenn das Bild zu hell oder zu dunkel ist. Moderne Kameras kommen mit höherer ISO besser zurecht als ältere Modelle, aber Rauschen wird immer ein Faktor sein, den man in der Nachbearbeitung reduzieren muss.
ISO für Stadtansichten und beleuchtete Gebäude
Bei der Fotografie von statischen Szenen mit Lichtern, bei denen sehr lange Belichtungszeiten möglich sind (da sich das Motiv nicht bewegt), können Sie die ISO-Empfindlichkeit niedrig halten. Eine niedrige ISO minimiert das Bildrauschen und liefert sauberere Ergebnisse.
Stellen Sie den kleinsten verfügbaren Wert ein, oft ISO 100 oder ISO 200. Das Bild wird dadurch nicht künstlich aufgehellt, Sie erhalten ein klares Schwarz in den Schattenbereichen und vermeiden störendes Rauschen. Die notwendige Belichtung wird hier hauptsächlich über die Belichtungszeit gesteuert.
Die Belichtungszeit in der Nacht
Die Belichtungszeit (Shutter Speed) gibt an, wie lange der Kamerasensor dem Licht ausgesetzt ist. Sie ist neben Blende und ISO der dritte entscheidende Faktor für die Helligkeit eines Bildes.
Belichtungszeit für Sternenfotografie
Vielleicht fragen Sie sich jetzt: Warum kann ich nicht einfach eine niedrige ISO und kleine Blende verwenden und stattdessen eine sehr lange Belichtungszeit wählen? Das sollte doch genug Licht auf den Sensor bringen.
Die Antwort ist einfach und wichtig: Je länger die Belichtungszeit, desto unschärfer werden Ihre Sterne. Dies liegt an der Erdrotation, die dazu führt, dass sich die Sterne scheinbar über den Himmel bewegen. Bei zu langer Belichtung werden aus den Sternen Sternspuren (Star Trails).

Manche Fotografen nutzen diesen Effekt bewusst für kreative Aufnahmen mit Belichtungszeiten von mehreren Minuten oder sogar Stunden. Wenn Sie die Sterne jedoch als scharfe Punkte abbilden möchten, müssen Sie die Belichtungszeit begrenzen.
Um die maximale Belichtungszeit zu berechnen, bevor Sternspuren sichtbar werden, gibt es Faustregeln wie die 500er-Regel (oder 300er-Regel für Kameras mit APS-C-Sensor). Teilen Sie die Zahl 500 (Vollformat) oder 300 (APS-C) durch die Brennweite Ihres Objektivs:
- 14mm (Vollformat): 500 / 14 = ca. 35 Sekunden
- 14mm (APS-C): 300 / 14 = ca. 21 Sekunden
- 20mm (Vollformat): 500 / 20 = 25 Sekunden
- 20mm (APS-C): 300 / 20 = 15 Sekunden
- 24mm (Vollformat): 500 / 24 = ca. 20 Sekunden
- 24mm (APS-C): 300 / 24 = 12.5 Sekunden
Nutzen Sie diese Formel, um die maximale Belichtungszeit für Ihr Objektiv zu berechnen, um die Sterne scharf zu halten. Ich persönlich finde oft, dass eine Belichtungszeit von 15 Sekunden bei einem 14mm-Objektiv ein guter Kompromiss ist, der Sternspuren sicher vermeidet, aber dennoch genug Licht sammelt. Die 500er-Regel ist ein guter Ausgangspunkt, aber eine leicht komplexere und oft genauere Methode ist die NPF-Regel, die auch die Blende berücksichtigt. Apps wie PhotoPills können Ihnen helfen, beide Regeln einfach anzuwenden.
Belichtungszeit für Stadtansichten und beleuchtete Gebäude
Bei der Fotografie von statischen Motiven in der Stadt, insbesondere wenn Sie eine kleine Blende (f/8-f/13) und niedrige ISO (100-200) verwenden, benötigen Sie deutlich längere Belichtungszeiten, um das Bild korrekt zu belichten. Diese können von einigen Sekunden bis zu mehreren Minuten reichen.
Hier ist das Ziel nicht, die Belichtungszeit kurz zu halten, sondern lange genug zu belichten, um alle Details und Lichter korrekt einzufangen. Eine Langzeitbelichtung kann auch dazu genutzt werden, Bewegung im Bild darzustellen, z. B. Lichtspuren von fahrenden Autos oder verwischtes Wasser. Da das Motiv statisch ist, entstehen keine unschönen Bewegungsunschärfen am Hauptobjekt.
Zusätzliche wichtige Tipps für die Nachtfotografie
Neben Blende, ISO und Belichtungszeit gibt es weitere Aspekte, die für gelungene Nachtaufnahmen entscheidend sind:
Stativ verwenden
Egal ob Sie Sterne oder eine Stadt fotografieren, bei den notwendigen Belichtungszeiten (die oft länger als eine Sekunde sind) ist ein stabiles Stativ absolut unerlässlich. Schnappschüsse aus der Hand führen bei Nacht so gut wie immer zu verwackelten Bildern. Stellen Sie Ihre Kamera fest auf das Stativ. Wenn Sie kein Stativ haben, suchen Sie eine stabile Unterlage wie eine Mauer oder einen Tisch.
Selbstauslöser oder Fernauslöser nutzen
Auch wenn die Kamera auf einem Stativ steht, kann das bloße Drücken des Auslösers zu einer leichten Verwacklung führen, die bei langer Belichtungszeit sichtbar wird. Nutzen Sie daher den Selbstauslöser Ihrer Kamera (z. B. 2 oder 10 Sekunden Verzögerung) oder einen Fernauslöser. So stellen Sie sicher, dass die Kamera beim Belichtungsvorgang absolut ruhig steht.
Manueller Fokus
Der Autofokus vieler Kameras hat Schwierigkeiten, bei sehr wenig Licht korrekt zu fokussieren. Schalten Sie auf manuellen Fokus um. Bei Sternen fokussieren Sie auf einen hellen Stern oder stellen den Fokus auf unendlich (oft durch Drehen des Fokusrings bis zum Anschlag – testen Sie dies am Tag!). Bei Stadtansichten können Sie auf ein hell beleuchtetes Objekt in mittlerer Entfernung fokussieren.
Bildstabilisator ausschalten
Wenn Ihre Kamera oder Ihr Objektiv über einen Bildstabilisator verfügt, schalten Sie diesen aus, wenn Sie vom Stativ fotografieren. Der Stabilisator kann versuchen, nicht vorhandene Bewegungen auszugleichen und dabei selbst leichte Unschärfen verursachen.
Weißabgleich und RAW-Format
Der Weißabgleich kann bei Nacht, besonders in Städten mit unterschiedlichen Lichtquellen (Natriumdampflampen, LEDs etc.), schwierig sein und zu Farbstichen führen. Fotografieren Sie im RAW-Format. Dieses Format speichert mehr Bildinformationen und ermöglicht es Ihnen, den Weißabgleich und andere Einstellungen wie Belichtung und Rauschen in der Nachbearbeitung verlustfrei anzupassen.
Blaue Stunde nutzen
Für Stadtansichten ist die sogenannte „Blaue Stunde“ oft ideal. Das ist die Zeit kurz nach Sonnenuntergang oder kurz vor Sonnenaufgang, wenn der Himmel eine tiefe blaue Farbe hat und die künstlichen Lichter der Stadt gerade angehen. Der Kontrast ist geringer als in stockfinsterer Nacht, und die Stimmung ist oft besonders reizvoll.
Vergleichstabelle: Einstellungen für verschiedene Nachtmotive
Um die Unterschiede zusammenzufassen, hier eine Übersicht der empfohlenen Einstellungen für die zwei Hauptarten der Nachtfotografie:
| Einstellung | Sterne & Milchstraße | Stadt & Beleuchtete Gebäude |
|---|---|---|
| Blende | Groß (Niedrige Zahl): f/2.8 oder weiter (f/4 als Kompromiss) | Klein (Hohe Zahl): f/8 bis f/13 |
| ISO | Hoch: ISO 1600 - 6400 (Start bei 3200) | Niedrig: ISO 100 - 200 |
| Belichtungszeit | Begrenzt (Kurz): 10 - 30 Sekunden (je nach Brennweite, 500er-Regel) | Lang: Mehrere Sekunden bis Minuten |
| Fokus | Manuell (auf Sterne oder Unendlich) | Manuell (auf ein beleuchtetes Detail) |
| Stativ | Unbedingt notwendig | Unbedingt notwendig |
| Format | RAW empfohlen | RAW empfohlen |
Häufig gestellte Fragen zur Nachtfotografie
Warum kann ich bei Sternen keine lange Belichtungszeit mit niedriger ISO und kleiner Blende verwenden?
Wie bereits erwähnt, führt eine lange Belichtungszeit bei der Fotografie des Sternenhimmels zu Sternspuren. Die Erde dreht sich, und diese Bewegung wird bei Belichtungen von mehr als etwa 20-30 Sekunden (je nach Brennweite und Sensorgröße) sichtbar. Wenn Sie die Sterne als scharfe Punkte abbilden möchten, müssen Sie die Belichtungszeit begrenzen und dies durch eine größere Blende und/oder höhere ISO ausgleichen.
Muss ich wirklich eine teure Kamera oder ein teures Objektiv für Nachtfotografie haben?
Eine Kamera, die bei höherer ISO wenig rauscht, und ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv (große Blende) erleichtern die Sternenfotografie erheblich. Aber auch mit günstigerer Ausrüstung oder sogar einem Smartphone mit manuellen Einstellungen und einer stabilen Unterlage können Sie gute Ergebnisse erzielen, insbesondere bei statischen Szenen in der Stadt. Das Wichtigste ist, die Prinzipien der Belichtung bei wenig Licht zu verstehen und ein Stativ zu verwenden.
Was ist die Blaue Stunde und warum ist sie für Stadtfotografie so beliebt?
Die Blaue Stunde ist die Zeitspanne nach Sonnenuntergang (oder vor Sonnenaufgang), in der der Himmel eine tiefe, gesättigte blaue Farbe annimmt. Sie dauert oft 30 Minuten bis zu zwei Stunden, je nach geografischer Breite und Jahreszeit. In dieser Zeit ist der Himmels noch hell genug, um Details zu zeigen, aber dunkel genug, dass die künstlichen Lichter der Stadt leuchten. Dies schafft einen ausgewogenen Kontrast und eine stimmungsvolle Atmosphäre, die viele Fotografen lieben.
Was ist Lightpainting?
Lightpainting oder Lichtmalerei ist eine kreative Technik, bei der während einer Langzeitbelichtung Lichtquellen verwendet werden, um Muster, Formen oder Spuren im Bild zu erzeugen. Man kann mit Taschenlampen, bunten Lichtern oder sogar Handys „malen“. Dies erfordert eine lange Belichtungszeit (oft 30 Sekunden oder mehr) und ein Stativ. Es ist eine tolle Möglichkeit, bei Nacht kreativ zu werden und einzigartige Bilder zu schaffen.
Fazit
Nachdem Sie diesen Artikel gelesen haben, sollten Sie eine klare Vorstellung davon haben, welche Kameraeinstellungen für die Nachtfotografie wichtig sind und dass die „besten“ Einstellungen stark von Ihrem Motiv abhängen. Ob Sie die unendlichen Weiten der Milchstraße oder die funkelnden Lichter einer Stadt einfangen möchten – die richtige Kombination aus Blende, ISO und Belichtungszeit ist entscheidend.
Für Sterne: Große Blende (f/2.8), hohe ISO (1600-6400) und begrenzte Belichtungszeit (unter 30 Sekunden, je nach Brennweite). Für Stadtansichten: Kleine Blende (f/8-f/13), niedrige ISO (100-200) und lange Belichtungszeit (Sekunden bis Minuten).
Vergessen Sie nicht die unverzichtbaren Helfer: ein Stativ und den Selbstauslöser. Übung macht den Meister, also gehen Sie raus und experimentieren Sie mit den Einstellungen. Die Nacht wartet darauf, von Ihnen entdeckt und fotografiert zu werden!
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