Welche Kameraeinstellung Handy für Polarlichter?

Polarlichter fotografieren: Die besten Einstellungen

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Das Polarlicht, auch Aurora Borealis genannt, ist zweifellos eines der faszinierendsten Naturschauspiele unseres Planeten. Wenn der Himmel in den Polarregionen zu tanzen beginnt und in leuchtenden Farben erstrahlt, ist das ein Anblick, den man nie vergisst. Für uns Fotografinnen und Fotografen bietet sich hier eine einzigartige Gelegenheit, diese himmlische Performance mit der Kamera festzuhalten. Doch die Fotografie bei extrem wenig Licht und oft eisigen Temperaturen stellt besondere Anforderungen an die Ausrüstung und vor allem an die Kameraeinstellungen. Dieser Artikel führt Sie durch die wichtigsten Aspekte, damit Ihre Polarlichtfotos genauso beeindruckend werden wie das Erlebnis selbst.

Welche Kameraeinstellung Handy für Polarlichter? DAS SIND DIE KAMERA-EINSTELLUNGEN UM POLARLICHT FOTOGRAFIEREN ZU KÖNNEN:Modus M.Manueller Fokus.ISO1600.Belichtungszeit 5s.Blende ganz auf! f/3.5 oder kleiner.Brennweite < 18mm.Stativ + Fernauslöser.[/caption]

Was sind Polarlichter und wann sieht man sie am besten?

Wie Sie wissen, entstehen Polarlichter, wenn elektrisch geladene Teilchen von der Sonne, die als Sonnenwind zur Erde gelangen, auf das Magnetfeld und die Atmosphäre unseres Planeten treffen. Diese Teilchen, hauptsächlich Elektronen und Protonen, werden entlang der Magnetfeldlinien zu den Polarregionen gelenkt. Dort kollidieren sie in etwa 80 bis 1000 Kilometern Höhe mit Gasmolekülen in der oberen Atmosphäre – hauptsächlich Sauerstoff und Stickstoff. Bei diesen Kollisionen wird Energie freigesetzt, die wir als Licht wahrnehmen. Die Farbe des Lichts hängt von der Art des Gases und der Höhe der Kollision ab. Sauerstoff verursacht in höheren Lagen rotes Licht und in niedrigeren, häufigeren Lagen das typische Grün. Stickstoff erzeugt blaues oder violettes Licht. Die Intensität und Form der Polarlichter variiert stark und hängt von der Aktivität der Sonne ab.

Die beste Zeit, um Polarlichter zu beobachten, ist während der Wintermonate, typischerweise von Ende September bis Anfang April. In dieser Zeit sind die Nächte in den nördlichen Regionen am längsten und dunkelsten. Die ideale geografische Lage liegt im sogenannten Polarlichtoval, einer Zone, die die magnetischen Pole der Erde umgibt. Länder wie Norwegen, Schweden, Finnland, Island, Kanada, Alaska und Grönland liegen in dieser Zone und bieten hervorragende Beobachtungsmöglichkeiten. Innerhalb der Saison gelten die Monate um die Tagundnachtgleichen im März und September oft als besonders aktiv, da dann die Interaktion zwischen Sonnenwind und Erdmagnetfeld begünstigt wird. Wichtig sind auch klare, wolkenlose Nächte und ein Ort fernab von Städten und deren Lichtverschmutzung.

Die richtige Ausrüstung für die Polarlichtfotografie

Bevor wir zu den Einstellungen kommen, ist die Ausrüstung entscheidend. Bei Dunkelheit und oft niedrigen Temperaturen braucht man zuverlässiges Equipment:

  • Kamera: Eine Kamera mit manuellem Modus (M) ist unerlässlich. Spiegelreflexkameras (DSLR) oder spiegellose Systemkameras (Mirrorless) sind ideal, da sie gute Leistung bei hohen ISO-Werten bieten.
  • Objektiv: Ein weitwinkliges Objektiv mit einer großen maximalen Blendenöffnung (kleine f-Zahl wie f/2.8 oder f/4) ist stark empfohlen. Weitwinkelobjektive erfassen mehr vom Himmel und der Landschaft, während eine große Blende mehr Licht in kürzerer Zeit zum Sensor lässt.
  • Stativ: Ein stabiles Stativ ist absolut notwendig. Da Sie mit langen Belichtungszeiten arbeiten werden, muss die Kamera absolut ruhig stehen, um Verwacklungen zu vermeiden. Achten Sie auf ein Modell, das auch bei Wind und auf unebenem Untergrund stabil bleibt.
  • Fernauslöser oder Timer: Um die Kamera beim Auslösen nicht zu erschüttern, verwenden Sie einen Kabel- oder Funkauslöser. Alternativ können Sie den Selbstauslöser der Kamera (z.B. 2-Sekunden-Verzögerung) nutzen.
  • Ersatzakkus: Kälte entlädt Akkus extrem schnell. Nehmen Sie immer mehrere voll geladene Ersatzakkus mit und bewahren Sie diese warm (z.B. in einer Innentasche Ihrer Jacke) auf.
  • Warme Kleidung: Sie werden lange draußen in der Kälte stehen. Packen Sie sich warm ein! Mütze, Handschuhe, warme Stiefel und Schichten sind Pflicht.
  • Stirnlampe: Eine kleine Lampe mit Rotlichtfunktion ist hilfreich, um Einstellungen an der Kamera vorzunehmen, ohne Ihre Nachtsicht oder die anderer Fotografen zu stören.

Die entscheidenden Kameraeinstellungen

Jetzt zum Kern der Sache: Welche Einstellungen benötigen Sie, um die magischen Polarlichter einzufangen? Da die Lichtverhältnisse extrem sind und sich die Aurora bewegen kann, ist der manuelle Modus (M) Ihrer Kamera der einzige Weg, um die volle Kontrolle zu haben.

1. Blende (Aperture)

Die Blende steuert, wie viel Licht durch das Objektiv auf den Sensor fällt und beeinflusst die Schärfentiefe. Für Polarlichter möchten Sie so viel Licht wie möglich einfangen. Stellen Sie die Blende auf den kleinsten möglichen Wert ein, den Ihr Objektiv bietet (die größte Öffnung). Das ist typischerweise f/2.8, f/4 oder f/5.6 bei Kit-Objektiven. Eine kleinere f-Zahl bedeutet eine größere Blendenöffnung und damit mehr Licht. Eine offene Blende reduziert allerdings die Schärfentiefe, was bei Weitwinkelobjektiven für Landschaftsaufnahmen aber meist unproblematisch ist, da der Fokus auf Unendlich liegt.

2. ISO-Wert

Der ISO-Wert bestimmt, wie empfindlich der Sensor auf Licht reagiert. Ein höherer ISO-Wert ermöglicht kürzere Belichtungszeiten bei schwachem Licht, führt aber auch zu mehr digitalem Rauschen (Bildgrieß). Beginnen Sie mit einem Wert wie ISO 800 oder ISO 1600. Je nach Kamera und ihrer Leistung bei hohen ISO-Werten können Sie auch bis auf ISO 3200 oder sogar höher gehen. Machen Sie Testaufnahmen und prüfen Sie das Rauschen. Das Ziel ist ein Kompromiss zwischen ausreichender Helligkeit, einer nicht zu langen Belichtungszeit (um Bewegung einzufangen oder einzufrieren) und akzeptablem Rauschen. Moderne Kameras haben oft eine gute Rauschunterdrückung, aber zu hohe ISO-Werte sollten vermieden werden.

3. Belichtungszeit (Shutter Speed)

Die Belichtungszeit bestimmt, wie lange der Sensor Licht sammelt. Dies ist die Einstellung, die am meisten variieren wird, je nachdem, wie hell und wie schnell sich die Polarlichter bewegen. Als Ausgangspunkt können Sie mit 15 bis 20 Sekunden beginnen. Wenn die Aurora sehr hell und schnell ist, möchten Sie vielleicht eine kürzere Belichtungszeit (z.B. 5-10 Sekunden), um die Strukturen und Bewegungen besser einzufrieren. Wenn die Aurora schwächer ist oder sich kaum bewegt, benötigen Sie möglicherweise eine längere Belichtungszeit (z.B. 25-30 Sekunden) um genug Licht einzufangen. Längere Belichtungen als 30 Sekunden führen bei Weitwinkelobjektiven oft zu sichtbaren Sternspuren statt Punkten (aufgrund der Erdrotation), was für Polarlichtaufnahmen meist nicht gewünscht ist. Machen Sie Testaufnahmen und passen Sie die Belichtungszeit an, bis die Lichter gut belichtet sind, ohne überstrahlt zu wirken.

4. Fokus

Im Dunkeln hat der Autofokus Schwierigkeiten, einen Punkt zu finden. Wechseln Sie unbedingt in den manuellen Fokus (MF) am Objektiv und an der Kamera. Stellen Sie den Fokus manuell auf Unendlich ein. Bei vielen Objektiven gibt es eine Unendlich-Markierung (∞). Seien Sie vorsichtig, diese Markierung ist nicht immer exakt. Ein besserer Weg ist, im Live-View-Modus (falls vorhanden) auf einen hellen Stern zu zoomen und den Fokus manuell so lange anzupassen, bis der Stern so klein und scharf wie möglich ist. Sobald der Fokus eingestellt ist, berühren Sie den Fokusring nicht mehr und fixieren ihn eventuell sogar mit Klebeband, damit er sich nicht versehentlich verstellt.

5. Weißabgleich (White Balance)

Der automatische Weißabgleich (AWB) kann bei Polarlichtaufnahmen zu unvorhersehbaren Ergebnissen führen. Um konsistente und natürliche Farben zu erhalten, stellen Sie den Weißabgleich manuell ein. Die Voreinstellung 'Tageslicht' oder 'Bewölkt' kann gute Ergebnisse liefern. Für mehr Kontrolle können Sie auch einen spezifischen Kelvin-Wert wählen, z.B. zwischen 3500K und 4500K, um die kühle, blaue oder grünliche Tönung der Polarlichter hervorzuheben. Fotografieren im RAW-Format ist hier besonders nützlich, da Sie den Weißabgleich später in der Nachbearbeitung verlustfrei anpassen können.

Zusammenfassung der Einstellungen (Ausgangspunkte)

Hier ist eine Tabelle mit empfohlenen Ausgangspunkten für Ihre Einstellungen. Denken Sie daran, dies sind nur Richtlinien, die je nach Situation angepasst werden müssen:

EinstellungEmpfehlung (Ausgangspunkt)Anmerkung
ModusManuell (M)Volle Kontrolle über Belichtung, ISO, Blende.
BlendeKleinste f-Zahl (z.B. f/2.8 - f/4)Größte Öffnung für maximales Licht.
ISOISO 800 - 3200Kompromiss zwischen Lichtempfindlichkeit und Rauschen.
Belichtungszeit15 - 20 SekundenAnpassen je nach Helligkeit und Bewegung der Aurora (5-30 Sek.).
FokusManuell auf Unendlich (∞)Autofokus funktioniert im Dunkeln nicht zuverlässig.
WeißabgleichManuell (z.B. Tageslicht, Bewölkt, 3500K-4500K)Für konsistente Farben. RAW nutzen!

Weitere Tipps für gelungene Polarlichtaufnahmen

  • Komposition: Suchen Sie nach interessanten Vordergrundelementen wie Bäumen, Bergen, Häusern oder einer spiegelnden Wasseroberfläche, um Ihrem Bild Tiefe zu verleihen und die Größe des Himmelsphänomens zu betonen.
  • Standortwahl: Wählen Sie einen Ort weit weg von Stadtlichtern. Lichtverschmutzung kann die Sichtbarkeit der Aurora stark beeinträchtigen und die Belichtung der Landschaft erschweren.
  • Himmel beobachten: Die Aurora kann plötzlich erscheinen und verschwinden. Seien Sie geduldig und beobachten Sie den Himmel. Nutzen Sie Apps oder Websites, die den Kp-Index (ein Maß für geomagnetische Aktivität) und die Wettervorhersage anzeigen.
  • Testaufnahmen machen: Machen Sie immer wieder Testaufnahmen und überprüfen Sie das Histogramm auf der Kamera, um sicherzustellen, dass Sie die Lichter richtig belichten und die Tiefen nicht absaufen. Zoomen Sie ins Bild, um die Schärfe zu prüfen.
  • Kälte schützen: Nicht nur Sie, sondern auch Ihre Kamera braucht Schutz. Lagern Sie die Kamera bei extremen Temperaturwechseln (z.B. beim Betreten warmer Räume) in einer Tasche, um Kondensation zu vermeiden, die die Elektronik beschädigen kann.

Häufig gestellte Fragen zur Polarlichtfotografie

Kann ich Polarlichter mit meinem Smartphone fotografieren?

Moderne Smartphones mit guten Nachtmodi können unter sehr hellen Bedingungen und bei wenig Bewegung der Aurora einfache Aufnahmen machen. Für wirklich beeindruckende, detailreiche Fotos mit langen Belichtungszeiten und voller Kontrolle ist jedoch eine dedizierte Kamera mit manuellem Modus und einem Stativ unerlässlich.

Welches Objektiv ist am besten geeignet?

Ein weitwinkliges Objektiv mit einer großen Blendenöffnung (z.B. 14mm, 20mm, 24mm mit f/2.8 oder f/4) ist ideal. Es ermöglicht Ihnen, viel Himmel einzufangen und lässt gleichzeitig viel Licht herein.

Wie kalt wird es und wie schütze ich meine Ausrüstung?

In den Polarregionen im Winter können die Temperaturen weit unter den Gefrierpunkt fallen. Schützen Sie sich mit warmer Kleidung in Schichten. Bewahren Sie Ersatzakkus am Körper auf. Lassen Sie die Kamera nach dem Fotografieren langsam anwärmen (z.B. in einer geschlossenen Kameratasche), um Kondenswasser zu vermeiden.

Wie finde ich heraus, ob und wann Polarlichter zu sehen sind?

Nutzen Sie Online-Vorhersagen und Apps, die den Kp-Index (ein Maß für die Intensität der geomagnetischen Aktivität) anzeigen. Ein höherer Kp-Wert (z.B. 3 oder höher) bedeutet eine höhere Chance, Polarlichter zu sehen, eventuell auch in südlicheren Regionen. Achten Sie auch auf die Wettervorhersage – ein wolkenloser Himmel ist entscheidend.

Muss ich die Kamera den ganzen Abend draußen lassen?

Wenn die Aurora aktiv ist, ja. Das ständige Hinein- und Herausnehmen in die Wärme führt zu Kondensation, die gefährlich für Ihre Ausrüstung ist. Halten Sie die Kamera (auf dem Stativ) draußen bereit, solange Sie aktiv fotografieren.

Fazit

Die Fotografie von Polarlichtern erfordert Vorbereitung, Geduld und das Wissen um die richtigen Kameraeinstellungen. Mit einem stabilen Stativ, einem lichtstarken Weitwinkelobjektiv und der manuellen Kontrolle über Blende, ISO und Belichtungszeit sind Sie gut gerüstet. Denken Sie daran, den Fokus manuell auf Unendlich zu stellen und den Weißabgleich anzupassen. Aber neben all der Technik vergessen Sie nicht, den Moment zu genießen. Das Polarlicht ist ein Erlebnis, das weit über das perfekte Foto hinausgeht. Mit diesen Tipps haben Sie jedoch die besten Chancen, nicht nur eine Erinnerung, sondern auch beeindruckende Bilder dieses unvergesslichen Naturphänomens mit nach Hause zu nehmen. Viel Erfolg und klare Nächte!

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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