Für viele Fotografen war Olympus über Jahrzehnte hinweg ein Synonym für innovative und kompakte Kameras. Von den revolutionären OM-Spiegelreflexkameras der Vergangenheit bis hin zu den modernen spiegellosen OM-D Modellen hat die Marke einen festen Platz in der Geschichte der Fotografie. Doch in den letzten Jahren gab es Nachrichten, die bei vielen Fans für Unsicherheit sorgten: Olympus zieht sich aus dem Kamerageschäft zurück. Was genau ist passiert, wie geht es weiter und ist das System auch in Zukunft noch relevant?
Der Übergang: Von Olympus zu OM System
Die Nachricht war Ende 2020 offiziell: Olympus verkaufte seine Kamerasparte an die Investmentgesellschaft Japan Industrial Partners (JIP). Dieser Schritt war Teil einer strategischen Neuausrichtung des Olympus-Konzerns, der sich stärker auf sein Kerngeschäft im Medizinbereich konzentrieren wollte. Aus der ehemaligen Olympus Imaging Sparte entstand ein neues Unternehmen: die OM Digital Solutions GmbH.

Mit diesem Übergang ging auch eine wichtige Namensänderung einher. Alle neu entwickelten Systemkameras, Objektive, aber auch Audioprodukte und Ferngläser werden fortan unter dem neuen Markennamen OM System vertrieben. Damit will das Unternehmen signalisieren, dass es weitergeht und dass die Entwicklung neuer Produkte aktiv vorangetrieben wird.
Der Name OM System ist dabei keine willkürliche Wahl. Er ist eine klare Anspielung auf die legendäre 35-mm-Spiegelreflexkamera-Serie „OM“ aus der Geschichte von Olympus. Diese Kameras setzten damals neue Standards in Bezug auf kompakte Abmessungen und geringes Gewicht – Eigenschaften, die auch heute noch ein Markenzeichen des Systems sind. Auch die letzten Kameras, die noch unter dem Namen Olympus vertrieben wurden, trugen die Produktbezeichnungen OM-D. Es bleibt abzuwarten, ob diese Produktbezeichnungen in Zukunft angepasst werden, da Namen wie „OM System OM-D E P7“ etwas sperrig klingen mögen. Es ist denkbar, dass das „OM“ aus der Produktbezeichnung verschwindet und nur noch die Marke „OM System“ verwendet wird.
Die OM System Technologie: Micro Four Thirds und mehr
Ein zentrales Element der OM System Strategie ist das Bekenntnis zum Micro Four Thirds (MFT) Standard. Dieser offene Standard wurde gemeinsam von Olympus und Panasonic entwickelt und zeichnet sich durch kleinere Sensoren und kürzere Auflagemaße im Vergleich zu APS-C oder Vollformat aus. Der Hauptvorteil dieses Systems liegt in der resultierenden Kompaktheit und dem geringen Gewicht sowohl der Kameras als auch der Objektive. Dies macht MFT-Systeme besonders attraktiv für Fotografen, die viel unterwegs sind, reisen oder Wert auf ein leichtes Equipment legen.
OM System wirbt aktiv für diese Vorteile und sieht darin eine Kernkompetenz. Allerdings steht das Unternehmen im Wettbewerb mit anderen Systemen. Während Panasonic als weiterer großer MFT-Player ebenfalls Kameras in diesem Standard anbietet, hat sich Panasonic zusätzlich mit einer ganzen Riege an Vollformatkameras diversifiziert. Auch Fujifilm, ein weiterer wichtiger Hersteller im spiegellosen Markt, setzt neben dem APS-C-Format verstärkt auf die Mittelformatklasse. OM System ist damit der einzige große Hersteller, der sich aktuell ausschließlich auf ein System und eine Sensorgröße konzentriert.
Um langfristig am immer härter werdenden Kameramarkt bestehen zu können, wird OM System vermutlich mehr Mut und Innovationskraft in der Produktentwicklung beweisen müssen. Die Konkurrenz schläft nicht und bietet oft verschiedene Optionen für unterschiedliche Fotografenbedürfnisse an. Das Engagement für den MFT-Standard ist stark, doch die Zukunft wird zeigen, ob dieser Fokus ausreicht, um im globalen Wettbewerb zu bestehen.
Software und Workflow: OM Workspace
Ein wichtiger Bestandteil des Systems ist die Software für die Bildbearbeitung. OM Workspace ist die offizielle RAW-Datenentwicklungssoftware von OM Digital Solutions (und ehemals Olympus). Sie steht jedem Besitzer einer kompatiblen Olympus oder OM System Kamera kostenlos zum Download und zur Nutzung zur Verfügung. Als „hauseigene“ Software ist OM Workspace in der Regel die erste und oft für eine gewisse Zeit auch die einzige Software, die volle Kompatibilität mit den RAW-Dateien neu veröffentlichter Kameras bietet.

OM Workspace bietet alle grundlegenden Werkzeuge zur Entwicklung und Bearbeitung von RAW-Dateien, wie Belichtungskorrektur, Weißabgleich, Schärfung und Rauschreduzierung. Darüber hinaus enthält sie kreative Filter und die Möglichkeit, Bildstile anzuwenden.
USB-RAW Processing: Die Kamera als Entwickler
Eine besondere Funktion in OM Workspace ist das sogenannte USB-RAW Processing. Diese Funktion ermöglicht es, die Rechenleistung des Prozessors in der Kamera selbst für die Entwicklung der RAW-Daten zu nutzen, anstatt ausschließlich den Computerprozessor zu verwenden.
Was ist USB-RAW Processing?
Der Prozessor in einer Kamera ist speziell für die Aufgaben optimiert, die bei der Aufnahme und Verarbeitung von Bildern anfallen. Er muss blitzschnell arbeiten, um die Bedienung der Kamera reaktionsschnell zu gestalten und eine verzögerungsfreie Funktion zu gewährleisten. Dazu verfügen Kameraprozessoren über spezielle Bereiche, die ausschließlich für die Bildverarbeitung zuständig sind. Dies kann dazu führen, dass ein Kameraprozessor bestimmte Bildverarbeitungsaufgaben schneller abarbeiten kann als ein auf allgemeine Aufgaben optimierter Computerprozessor.
Mit USB-RAW Processing nutzt OM Workspace diese spezielle Rechenleistung der Kamera. Die RAW-Daten werden vom Computer an die angeschlossene Kamera gesendet, dort vom Kameraprozessor entwickelt und das Ergebnis zurück an den Computer übertragen. Dies kann in bestimmten Szenarien zu einer erheblichen Beschleunigung des Entwicklungsprozesses führen.
Wie kann ich USB-RAW Processing verwenden?
Um diese Funktion nutzen zu können, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein:
- Sie benötigen die Software OM Workspace, die auf Ihrem Computer installiert ist.
- Sie benötigen eine kompatible Kamera (siehe Tabelle unten).
- Die Kamera muss über ein USB-Kabel direkt mit Ihrem Computer verbunden sein (kein USB-Hub verwenden, falls dieser Probleme verursacht).
- Die Kamera muss eingeschaltet sein.
- Die Kamera muss im Modus „RAW/Control“ betrieben werden.
- Idealerweise verbinden Sie die Kamera, mit der Sie die Bilder aufgenommen haben.
Nachdem die Software gestartet ist und die Kamera korrekt angeschlossen und konfiguriert wurde, können Sie USB-RAW Processing entweder über die Menüleiste in OM Workspace aktivieren oder in den Optionen festlegen, dass diese Methode standardmäßig verwendet werden soll.
Wann macht USB-RAW Processing Sinn und wann nicht?
Die Nutzung von USB-RAW Processing ist besonders sinnvoll, wenn Ihr Computerprozessor im Vergleich zum Kameraprozessor relativ langsam ist. Wenn Sie beispielsweise einen älteren Rechner verwenden, kann die Entwicklung von RAW-Dateien über die Kamera deutlich schneller sein. Berichte zeigen, dass die Entwicklung mit dem Kameraprozessor um ein Vielfaches schneller sein kann als mit einem älteren Intel-Prozessor.

Besitzen Sie hingegen einen sehr modernen und leistungsstarken Computer (wie z. B. neuere Apple Silicon Macs mit hoher Rechenleistung), ist der Geschwindigkeitsvorteil durch die Kamera oft gering oder nicht existent. In diesem Fall macht die Nutzung des Kameraprozessors hauptsächlich dann Sinn, wenn Sie exakt dieselbe Bildqualität und denselben Look erzielen möchten, wie sie die Kamera selbst intern bei der JPEG-Erstellung liefern würde.
Um herauszufinden, ob es für Ihre spezifische Hardware-Konfiguration sinnvoll ist, können Sie einen einfachen Test durchführen: Entwickeln Sie eine RAW-Datei einmal nur mit dem Computerprozessor und einmal mit aktiviertem USB-RAW Processing und vergleichen Sie die benötigte Zeit.
Kompatible Kameras für USB-RAW Processing
| Kameramodell | Kompatibilität |
|---|---|
| Olympus OM-D E-M1 Mark III | Ja |
| Olympus OM-D E-M1 Mark II | Ja |
| Olympus OM-D E-M1X | Ja |
| OM System OM-1 | Ja |
Ist OM System/Olympus noch eine gute Wahl? Eine Zukunftsbetrachtung
Nach der Ankündigung des Verkaufs der Kamerasparte kamen bei vielen Fotografen Zweifel auf, ob Olympus (und nun OM System) noch eine gute Marke ist und ob sich eine Investition in das System lohnt. Die Unsicherheit in der Presse und Community war spürbar. Doch ist diese Skepsis berechtigt?
Das Ausgliedern und Verkaufen von Geschäftsbereichen ist ein normaler Vorgang in der Wirtschaft, insbesondere wenn ein Bereich nicht mehr optimal zum Kerngeschäft eines großen Konzerns passt. Es bedeutet nicht zwangsläufig das Ende des Bereichs. Im Gegenteil, oft wird ein Verkauf getätigt, weil der Investor das Potenzial sieht, den Bereich profitabel zu gestalten.
Es ist wahrscheinlicher, dass die OM Digital Solutions GmbH unter der Führung von JIP darauf abzielt, die Kamerasparte profitabel zu machen, anstatt sie einfach abzuwickeln. Dies könnte bedeuten, dass unrentable Märkte verlassen oder weniger profitable Produktlinien (wie möglicherweise bestimmte Audio- oder Ferngläser) eingestellt werden, um sich auf das Kernangebot zu konzentrieren.
Die Zukunft des gesamten Kameramarktes ist generell von Unsicherheit geprägt. Viele Marken stehen vor Herausforderungen, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass nicht alle aktuellen Player langfristig am Markt bleiben werden. Diese Unsicherheit teilt OM System mit Marken wie Pentax, Nikon, Fujifilm und Lumix. Die Zukunft von OM System ist nach dem Verkauf nicht per se ungewisser als die vieler anderer Marken.
Ein entscheidender Vorteil des Micro Four Thirds Systems, den OM System mit Panasonic teilt, ist die Kompatibilität der Objektive. Sollte OM System wider Erwarten doch einmal das Kamerageschäft einstellen, könnten MFT-Nutzer theoretisch zu Panasonic wechseln und ihre vorhandenen Objektive weiterverwenden. Die Spekulation, dass Panasonic das MFT-System aufgeben würde, falls OM System scheitert, erscheint unwahrscheinlich. Ein Unternehmen würde kaum ein System verlassen, gerade wenn der Hauptkonkurrent wegfällt und der Marktanteil für die verbleibenden Spieler potenziell wächst.

Letztendlich hängt die Frage, ob OM System (oder jede andere Marke) die richtige Wahl ist, stark von den individuellen Bedürfnissen des Fotografen ab. Die wichtigste Frage sollte immer sein: „Was möchte ich fotografieren?“
Wenn Mobilität, geringes Gewicht und kompakte Ausrüstung entscheidend sind, bietet das MFT-System von OM System (und Panasonic) erhebliche Vorteile. Für andere Anwendungsbereiche, wie beispielsweise reine Studiofotografie ohne Mobilitätsbedarf, mag Vollformat die passendere Wahl sein. Fujifilm bietet einen interessanten Mittelweg mit APS-C und Mittelformat sowie einer oft gelobten Bedienung.
Es gibt heute im Grunde keine „schlechte“ Kamera mehr. Man kann sich lediglich für die persönlich unpassende entscheiden. Die Kamera, die sich in den Händen gut anfühlt, deren Bedienkonzept zusagt und die den eigenen Anforderungen entspricht, hat die besten Chancen, die richtige Wahl zu sein – unabhängig vom Markennamen oder kurzfristigen Marktgerüchten.
Die Empfehlung, auf Spiegelreflexkameras (DSLR) zu setzen, erscheint angesichts der Marktentwicklung (starker Trend zu spiegellosen Systemen) für eine langfristige Investition weniger ratsam. Auch das APS-C-Format, das oft als Einsteigerformat gesehen wird, steht vor Herausforderungen, da Vollformatkameras günstiger werden und viele ambitionierte Fotografen direkt zu Vollformat greifen.
Die Zukunft eines Systems ist wichtig, aber die Eignung für die eigenen fotografischen Bedürfnisse ist oft entscheidender. Systemwechsel sind in der Fotografie nicht ungewöhnlich und geschehen meist aus Gründen der Unzufriedenheit mit dem aktuellen System oder weil sich die eigenen Anforderungen geändert haben, nicht primär wegen der Schließung einer Marke (Ausnahmen bestätigen die Regel, z.B. Samsung). Für Fotografen, die ohnehin nicht planen, einen riesigen Objektivpark aufzubauen, sondern eine Kamera mit ein oder zwei Objektiven kaufen möchten, ist die Frage nach der langfristigen Zukunft des Systems ohnehin weniger kritisch. Sie können mit nahezu jedem aktuellen System gut bedient sein.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Ja, Olympus als Kamerasparte existiert nicht mehr in der alten Form, aber unter dem Namen OM System wird die Produktion fortgesetzt. Das Unternehmen setzt weiterhin auf das Micro Four Thirds System und entwickelt neue Produkte. Für viele Anwendungsbereiche, insbesondere dort, wo Kompaktheit und Gewicht eine Rolle spielen, bleibt OM System eine absolut empfehlenswerte Option. Die Entscheidung sollte immer auf den individuellen Bedürfnissen und dem Gefühl für die Kamera basieren, nicht nur auf Spekulationen über die Zukunft einer Marke.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
- Was ist mit der Olympus Kamerasparte passiert?
Die Kamerasparte wurde Ende 2020 vom Olympus Konzern an die Investmentgesellschaft Japan Industrial Partners (JIP) verkauft und agiert nun unter dem Namen OM Digital Solutions GmbH mit der Marke OM System. - Wie heißt die neue Marke für Kameras und Objektive?
Die neue Marke ist OM System. Zuvor unter Olympus veröffentlichte Kameras und Objektive werden unter diesem neuen Namen oder mit Produktbezeichnungen wie OM-D, PEN und ZUIKO weitergeführt. - Werden noch Olympus Kameras produziert?
Ja, die Kameras und Objektive werden weiterhin produziert und entwickelt, allerdings unter dem Dach der neuen Firma OM Digital Solutions GmbH und der Marke OM System. - Kann ich meine alten Olympus Micro Four Thirds Objektive an OM System Kameras verwenden?
Ja, da OM System weiterhin auf den Micro Four Thirds Standard setzt, sind alte Olympus MFT-Objektive voll kompatibel mit neuen OM System MFT-Kameras und umgekehrt. - Ist OM Workspace kostenlos?
Ja, die Software OM Workspace ist für Besitzer einer kompatiblen Olympus oder OM System Kamera kostenlos nutzbar. - Was bringt USB-RAW Processing in OM Workspace?
USB-RAW Processing nutzt den Prozessor der Kamera zur Entwicklung von RAW-Daten. Dies kann den Entwicklungsprozess auf Computern mit relativ langsamer CPU erheblich beschleunigen.
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