Die berufliche Vorsorge ist ein zentraler Pfeiler der finanziellen Sicherheit in der Schweiz. Für Arbeitgeber und Arbeitnehmer stellt sich dabei immer wieder die Frage: Welche Pensionskasse bietet die beste Leistung, die höchste Sicherheit und die fairsten Kosten? Eine pauschale Antwort ist schwierig, da viele Faktoren eine Rolle spielen. Jährliche Vergleiche und Auszeichnungen bieten jedoch wertvolle Orientierungspunkte, um Licht in den komplexen Markt der beruflichen Vorsorge zu bringen.

Die Pensionskassen Awards 2024: Wer sind die Sieger?
Bereits zum 19. Mal wurden 2024 die renommierten Awards für die besten Sammelstiftungen der Schweiz von «SonntagsZeitung», «Finanz und Wirtschaft» und «Bilan» verliehen. Diese Auszeichnungen basieren auf einem umfassenden Vergleich des Beratungsunternehmens Weibel Hess & Partner AG und würdigen Pensionskassen, die in verschiedenen Kategorien herausragende Ergebnisse erzielt haben.
Ein wichtiger Aspekt ist die Anlagerendite. Über einen Horizont von drei Jahren konnte sich bei den teilautonomen Gemeinschafts- und Sammelstiftungen die Ascaro Vorsorgestiftung an die Spitze setzen. Sie verwies die Profond Vorsorgeeinrichtung und die Asga Pensionskasse auf die weiteren Plätze. In der Kategorie der Vollversicherungen belegte Pax den ersten Rang, gefolgt von Helvetia und Baloise. Diese Ergebnisse zeigen, welche Kassen kurz- bis mittelfristig besonders erfolgreich im Kapitalmarkt agierten.
Die langfristige Perspektive ist ebenso entscheidend. Beim Award für die höchste Verzinsung über zehn Jahre konnte sich Profond erneut durchsetzen. Bereits in den Vorjahren hatte Profond die höchsten Zinsgutschriften an ihre Versicherten gewährt. Etwas weniger, aber immer noch attraktive Zinsen erhielten die Versicherten von Ascaro und der Groupe Mutuel. Bei den Vollversicherern war das Feld sehr dicht beieinander. Hier sicherte sich Allianz Suisse den Spitzenrang, vor Swiss Life und Baloise. Die langfristige Verzinsung ist ein starkes Indiz für die Stabilität und Ertragskraft einer Pensionskasse über verschiedene Marktphasen hinweg.
Ein weiterer kritischer Punkt sind die Kosten. Ein Mystery Shopping Test untersuchte die Risikoprämien und Verwaltungskosten für ein typisches KMU. Die Preisunterschiede waren dabei wiederum beträchtlich. Bei den teilautonomen Gemeinschafts- und Sammelstiftungen reichte TRANSPARENTA das günstigste Angebot ein, gefolgt von der Ambassador Stiftung und der Fondation Patrimonia. Bei den Vollversicherungen war Allianz am günstigsten, vor Helvetia und PAX. Diese Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig ein Vergleich der Kosten für Unternehmen ist.
Auch für Kadervorsorgelösungen (sogenannte 1e-Pläne) gab es einen Kostenvergleich per Mystery Shopping. Hier reichte die Liberty 1e Flex Investstiftung das Angebot mit den tiefsten Risiko- und Verwaltungskosten ein. Sie offerierte im Praxisbeispiel günstiger als Finpension1e und Credit Suisse 1e. Dies ist besonders relevant für Unternehmen, die massgeschneiderte Vorsorgelösungen für höhere Kaderlöhne anbieten.
Erstmals wurde 2024 auch ein Innovationspreis unter den teilnehmenden Gemeinschafts- und Sammelstiftungen vergeben. Der Fokus lag auf der Kommunikation der Pensionskassen. Die Gewinnerin, Profond, überzeugte die Jury mit kreativer Wissensvermittlung. Dies zeigt, dass auch die Art und Weise, wie Pensionskassen mit ihren Versicherten interagieren und komplexe Themen verständlich machen, zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Wichtige Kennzahlen zur Beurteilung einer Pensionskasse: Mehr als nur der Deckungsgrad
Bei der Auswahl der Pensionskasse für das Personal sollten sich Unternehmen nicht allein von attraktiven Prämienangeboten blenden lassen. Eine fundierte Entscheidung erfordert die Betrachtung verschiedener Faktoren und Kennzahlen, die ein verlässlicheres Gesamtbild der finanziellen Lage und der Leistungsfähigkeit einer Kasse liefern. Eine finanzielle Schieflage kann für das Unternehmen und die Versicherten teure Sanierungsmassnahmen nach sich ziehen.
Eine der bekanntesten Kennzahlen in der beruflichen Vorsorge ist der Deckungsgrad. Er gibt das Verhältnis der Vermögenswerte zu den Verpflichtungen einer Pensionskasse an. Die Verpflichtungen umfassen die Vorsorgegelder der aktiv versicherten Personen sowie die notwendigen Kapitalien für die Rentenversprechen der Pensionierten. Die Vermögenswerte bestehen hauptsächlich aus Anlagen wie Aktien, Obligationen, Immobilien und anderen Wertpapieren. Diese Anlagen unterliegen Marktschwankungen, was den Deckungsgrad stark beeinflussen kann.
Ein guter Deckungsgrad per Bilanzstichtag ist wichtig, aber nur die halbe Miete. Er allein sagt noch wenig über die langfristige Stabilität aus. Hohe Deckungsgrade werden oft durch gute Börsenjahre ermöglicht, in denen Wertschwankungsreserven aufgebaut werden können. Ende 2023 wies bei den gelisteten Gemeinschafts- und Sammelstiftungen nur noch Baloise Perspectiva mit 98,2 Prozent eine Unterdeckung auf. Die höchsten Deckungsgrade zeigten Asga mit 113,7 Prozent und Ascaro mit 113,5 Prozent. Solide Wertschwankungsreserven sind entscheidend, um auch in schlechten Börsenzeiten stabil zu bleiben.
Es ist wichtig zu verstehen, dass der Deckungsgrad nicht immer direkt vergleichbar ist. Pensionskassen haben bei der Berechnung ihrer Verpflichtungen Spielraum, insbesondere bei der Kalkulation der Rentnerverpflichtungen. Dies hängt von den verwendeten Sterbetafeln und der Renditeannahme für die Dauer der zukünftigen Rentenzahlungen ab. Diese Renditeannahme wird als technischer Zins bezeichnet. Je tiefer der technische Zins angesetzt wird, desto vorsichtiger kalkuliert eine Kasse und muss mehr Kapital für die Renten zurücklegen, was den Deckungsgrad senkt. Eine Reduktion des technischen Zinssatzes um 0,5 Prozentpunkte kann den Deckungsgrad um bis zu 5 Prozentpunkte senken, abhängig vom Rentneranteil. Kassen wie Noventus koppeln den technischen Zins an den Marktzins, um den Deckungsgrad aussagekräftiger und stabiler zu machen.
Die Struktur der Kasse: Der Rentneranteil als wichtiger Faktor
Neben dem Deckungsgrad ist auch die Struktur einer Pensionskasse von grosser Bedeutung. Insbesondere der Anteil der Rentner im Verhältnis zu den aktiv versicherten Personen (der sogenannte Rentneranteil) beeinflusst den Handlungsspielraum einer Kasse. Die Kapitalien für die Renten müssen jährlich mit dem technischen Zins aufgestockt werden. Weist eine Kasse einen hohen Rentneranteil und einen hohen technischen Zins auf, bleibt oft weniger vom erzielten Anlageertrag für die Verzinsung der Sparguthaben der Aktivversicherten übrig. Zudem dürfen garantierte Rentenzahlungen im Falle einer Unterdeckung nicht gekürzt werden. Für die Sanierung müssen dann die Aktivversicherten und ihre Arbeitgeber aufkommen.
Kassen mit einem einstelligen und damit sehr tiefen Rentneranteil haben hier oft mehr Flexibilität. Dazu gehören beispielsweise Avanea und die jüngeren Stiftungen der Lebensversicherer wie Pax DuoStar, Helvetia BVG Invest, Baloise Perspectiva und AXA Professional Invest. Auch die durchschnittliche Betriebsgrösse der angeschlossenen Firmen kann Hinweise geben. Gemini, mit durchschnittlich 107 Mitarbeitenden pro Firma, bietet ein Modell mit individuellen Deckungsgraden, das sich eher für grössere Betriebe eignet.
Was kostet eine Pensionskasse? Ein Blick auf Verwaltung und Vermögensverwaltung
Die Kosten der beruflichen Vorsorge sind ein vieldiskutiertes Thema. Pensionskassen müssen in einem Umfeld steigender regulatorischer Anforderungen und Kundenbedürfnisse ihre Verwaltungskosten tief halten. Diese Kosten müssen durch Prämieneinnahmen und Vermögenserträge gedeckt werden.

Die Verwaltungskosten sorgen oft für Aufsehen, da sie die Renten der Versicherten schmälern können. Ein Vergleich mit den Verwaltungskosten der AHV ist jedoch kaum sinnvoll, da die berufliche Vorsorge wesentlich komplexere Aufgaben erfüllt (individuelle Kontenführung, Anlage des Vermögens, etc.). Zur Beurteilung der Effizienz kann man die gesamten Verwaltungsaufwände durch die Anzahl der versicherten Personen teilen. Die durchschnittlichen Verwaltungskosten pro Kopf lagen 2023 bei 1426 Franken pro Jahr. Dabei sind allgemeine Verwaltungskosten, Marketing-, Vertriebskosten und Kostenanteile aus Rückversicherungsverträgen enthalten. Die mit Abstand tiefsten Durchschnittskosten pro Kopf weist Spida mit nur 83 Franken aus. Dies liegt daran, dass Spida auch als Ausgleichskasse tätig ist und Synergien nutzen kann.
Der Löwenanteil der Gesamtkosten entfällt jedoch auf die Vermögensverwaltungskosten. Diese lagen 2021 bei über 6 Milliarden Franken. Kritiker vergleichen diese Kosten oft mit den niedrigeren Kosten des AHV-Ausgleichsfonds (0,2% vs. durchschnittlich 0,48% bei Pensionskassen). Die Gründe für den Unterschied liegen in der Grösse (AHV-Fonds profitiert von Skaleneffekten) und den Anlagestrategien. Pensionskassen investieren oft in illiquide, aber potenziell renditestärkere Anlagen wie Immobilien oder Private Equity, die höhere Gebühren verursachen. Bei liquid handelbaren Wertschriften wie Aktien und Obligationen ist der Preiswettbewerb dagegen sehr intensiv.
Untersuchungen zeigen eine sehr breite Spanne bei den Vermögensverwaltungskosten, die zwischen 0,14 und 1,23 Prozentpunkten variieren können. Interessanterweise korrelierten in den letzten Jahren höhere Kosten oft mit einer besseren Performance, insbesondere weil Anlagen in Schweizer Immobilien, die zu den teureren Anlagen gehören, sehr gut liefen. Die Top-Performer hatten oft einen höheren Anteil an Immobilien im Portfolio. Langfristig ist dieser Zusammenhang zwischen hohen Kosten und hoher Rendite jedoch nicht garantiert. Wichtig ist immer, das Verhältnis von Kosten und der erzielten Rendite sowie der gebotenen Leistung zu betrachten.
Welche Leistungen deckt die Pensionskasse ab?
Die Pensionskasse hat das Ziel, zusammen mit der AHV den gewohnten Lebensstandard im Alter zu sichern. Sie deckt jedoch nicht nur die Altersvorsorge ab, sondern sichert auch Leistungen bei Invalidität infolge Krankheit und im Todesfall ab. Diese Risikoleistungen sind ein wichtiger Bestandteil der beruflichen Vorsorge und bieten finanzielle Sicherheit für die versicherte Person und ihre Hinterbliebenen.
Die berufliche Vorsorge besteht aus einem obligatorischen und einem überobligatorischen Teil. Der obligatorische Teil versichert Lohnanteile bis zu einem gesetzlich festgelegten Maximum gemäss dem Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG). Lohnanteile, die über diesem Maximum liegen, können im überobligatorischen Teil versichert werden. Die Leistungen im überobligatorischen Bereich sind von Kasse zu Kasse unterschiedlich und bieten Gestaltungsspielraum.
Häufig gestellte Fragen zur Pensionskasse
Ist der Deckungsgrad das einzige Kriterium für eine gute Pensionskasse?
Nein, der Deckungsgrad ist eine wichtige Momentaufnahme der finanziellen Lage, aber er ist nicht das einzige Kriterium. Ebenso entscheidend sind die Anlagestrategie und ihre Performance, die Kostenstruktur, die Struktur der Versicherten (z.B. Rentneranteil) und die Qualität der angebotenen Leistungen und des Services. Eine ganzheitliche Betrachtung ist notwendig.

Die Pensionskasse sichert Leistungen bei Invalidität und Todesfall infolge Krankheit ab. Zusammen mit der AHV hat die berufliche Vorsorge zum Ziel, den gewohnten Lebensstandard im Alter zu sichern. Die berufliche Vorsorge besteht aus einem obligatorischen und einem überobligatorischen (freiwilligen) Teil. Sind hohe Kosten bei einer Pensionskasse immer schlecht?
Nicht zwingend. Während niedrige Kosten grundsätzlich wünschenswert sind, können höhere Kosten mit bestimmten Anlagestrategien verbunden sein, die potenziell höhere Renditen erzielen, wie beispielsweise Investitionen in Immobilien oder alternative Anlagen. Wichtig ist, das Verhältnis zwischen Kosten und der tatsächlich erzielten Rendite sowie der gebotenen Leistung zu bewerten. In den letzten Jahren korrelierten höhere Kosten teilweise mit besserer Performance, dies ist aber kein langfristiges Gesetz.
Welche Pensionskasse hatte 2024 die beste Anlagerendite laut Awards?
Bei den teilautonomen Kassen über 3 Jahre die Ascaro Vorsorgestiftung und über 10 Jahre Profond. Bei den Vollversicherungen über 3 Jahre Pax und über 10 Jahre Allianz Suisse.
Welche Kasse hatte 2024 die niedrigsten Kosten laut Mystery Shopping?
Im KMU-Test bei den teilautonomen Kassen TRANSPARENTA und bei den Vollversicherungen Allianz. Bei der Kadervorsorge Liberty 1e Flex Investstiftung. Bei den durchschnittlichen Verwaltungskosten pro Kopf sticht Spida heraus.
Was ist der Unterschied zwischen obligatorisch und überobligatorisch in der Pensionskasse?
Der obligatorische Teil versichert Lohnanteile bis zum gesetzlich definierten BVG-Maximum. Der überobligatorische Teil versichert Lohnanteile, die über diesem Maximum liegen. Die Leistungen im überobligatorischen Bereich sind flexibler gestaltbar und nicht gesetzlich vorgeschrieben.
Fazit
Die Suche nach der «besten» Pensionskasse in der Schweiz ist eine komplexe Aufgabe. Es gibt nicht die eine Pensionskasse, die in allen Belangen für jeden die optimale Lösung darstellt. Die Awards 2024 zeigen, dass verschiedene Kassen in unterschiedlichen Kategorien Stärken haben – sei es bei der Anlagerendite, der langfristigen Verzinsung, den Kosten oder der Innovation. Wichtige Kennzahlen wie der Deckungsgrad, der technische Zins und der Rentneranteil geben Einblicke in die finanzielle Stabilität und Struktur. Die Kosten, insbesondere die Vermögensverwaltungskosten, sind relevant, müssen aber im Kontext der erzielten Renditen betrachtet werden.
Für Unternehmen und Einzelpersonen ist es ratsam, die eigene berufliche Vorsorge und die gewählte Pensionskasse regelmässig zu überprüfen. Ein Vergleich verschiedener Angebote unter Berücksichtigung von Performance, Kosten, Stabilität und Leistungen ist essenzieller Bestandteil einer verantwortungsvollen Vorsorgeplanung. Nur so kann sichergestellt werden, dass die zweite Säule ihren Zweck – die Sicherung des gewohnten Lebensstandards im Alter sowie bei Invalidität und Tod – bestmöglich erfüllt.
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