Wie füge ich Belichtungsreihen in Lightroom zusammen?

HDR in Lightroom: Belichtungsreihen vereinen

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Hast du schon einmal etwas von dem Ausdruck „HDR“ gehört? Vermutlich ja, denn vor einigen Jahren waren HDR-Bilder so richtig im Trend. Allerdings wurde damals gerne übertrieben an den Reglern gedreht und die HDR-Technik ohne Rücksicht auf Verluste ausgereizt. Mit dem Ergebnis, dass HDRs unter Fotografen mittlerweile einen eher schlechten Ruf haben. Vielleicht erinnerst du dich noch an die knallbunten, übersättigten und kontrastreichen Fotos, die einige Zeit lang Instagram und andere Social Media Kanäle regelrecht überschwemmten? Es gibt unzählige Beispiele für schlechte HDRs und trotzdem hat diese Technik ihre Berechtigung – wenn sie richtig angewandt wird und das Ziel ist, einen natürlichen Bildeindruck zu erzielen. Im heutigen Tutorial möchte ich dir zeigen, wie man eine Belichtungsreihe fotografiert und später mit wenigen Klicks beeindruckende HDR Bilder in Adobe Lightroom erstellen kann.

Natürlich sehen wir uns auch an, warum man die HDR-Technik überhaupt benötigt und bei welchen Motiven sie wirklich Sinn macht. Das Verständnis der Grundlagen ist entscheidend, um die Technik nicht nur anzuwenden, sondern auch ihren Zweck zu verstehen und somit bessere Ergebnisse zu erzielen. HDR ist kein Effekt, sondern ein Werkzeug, um den Dynamikumfang einer Szene besser abzubilden.

Wie füge ich Belichtungsreihen in Lightroom zusammen?
Wenn du deine Belichtungsreihen erfolgreich fotografiert hast, importierst du die Bilder ganz normal in Lightroom und gehst in den Bearbeitungsmodus. Dort wählst du deine Belichtungsreihe bzw. die Fotos, die du gerne als HDR zusammenfügen möchtest, aus und klickst im Menü auf Foto >> Zusammenfügen >> HDR.

Was ist ein HDR Bild?

HDR bedeutet „High Dynamic Range“ und bezeichnet ein Bild mit einem sehr hohen Kontrastumfang. Stell dir eine Szene vor, in der es extrem helle Bereiche (wie den Himmel an einem sonnigen Tag) und gleichzeitig sehr dunkle Bereiche (wie Schatten im Vordergrund) gibt. Eine normale Kameraaufnahme kann oft nicht alle Details in beiden Extremen gleichzeitig festhalten. Das Ergebnis ist entweder ein korrekt belichteter Himmel mit einem komplett dunklen, detailarmen Vordergrund oder ein gut belichteter Vordergrund mit einem „ausgebrannten“, weißen Himmel. Ein HDR-Bild löst dieses Problem, indem es Informationen aus mehreren Aufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungen kombiniert. Das bedeutet, dass sich mehr Details sowohl in den dunklen (Schatten) als auch in den hellen (Lichter) Bildbereichen erkennen lassen als bei einem normalen Einzelfoto. Um ein echtes HDR zu erhalten, muss man mit einem speziellen Programm, wie Adobe Lightroom, mehrere Einzelfotos zu einem Bild verrechnen. Das Ergebnis ist ein Bild, das dem Seheindruck des menschlichen Auges näherkommt, da unser Auge ebenfalls einen sehr hohen Dynamikumfang verarbeiten kann.

Warum benötigt man die HDR-Technik?

Auch wenn moderne Kameras immer besser werden und ihr Dynamikumfang stetig zunimmt, ist er im Vergleich zum menschlichen Auge noch immer deutlich geringer. Das bedeutet, dass die Kamera viel weniger Helligkeitsunterschiede erfassen kann, als unser Auge. Dieses Problem zeigt sich besonders bei Motiven mit hohen Kontrasten, also Szenen, die sowohl sehr helle als auch sehr dunkle Bereiche aufweisen. Ein klassisches Beispiel ist ein Sonnenuntergang. Du hast bestimmt schon bemerkt, dass es wahnsinnig schwierig ist, einen Sonnenuntergang so zu fotografieren, wie man ihn selbst wahrnimmt. Entweder ist der Himmel korrekt belichtet und der Vordergrund schwarz und ohne Details oder umgekehrt. Dir ist wahrscheinlich auch schon aufgefallen, dass es fast unmöglich ist, aus einem Innenraum durch ein Fenster nach draußen zu fotografieren und dabei sowohl den Raum als auch die Aussicht korrekt belichtet zu haben. Denn wenn der Raum korrekt belichtet ist, sind die Fensterflächen meist komplett weiß und die Landschaft draußen nicht zu erkennen. Ist die Aussicht korrekt belichtet, versinkt der Innenraum im Schwarz.

Mittels HDR-Technik kann man den eingeschränkten Dynamikumfang der Kamera umgehen und deutlich mehr Details in den Tiefen und Lichtern darstellen. Das funktioniert, indem man von einem kontrastreichen Motiv mehrere Aufnahmen anfertigt und dabei bewusst sowohl über- als auch unterbelichtet. So stellt man sicher, dass sowohl die hellen (Lichter) als auch die dunklen (Tiefen) Bildbereiche zumindest einmal korrekt belichtet und somit mit Zeichnung versehen wurden. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Belichtungsreihe. Die einzelnen Aufnahmen aus dieser Reihe setzt man dann am Computer mit einer speziellen Software, wie Adobe Lightroom, zu einem Bild zusammen. Das Ergebnis ist ein ausdrucksstarkes Foto, in dem sowohl in den hellen als auch den dunklen Bildbereichen ausreichend Zeichnung und Detailtiefe vorhanden ist. Das Ziel sollte dabei immer ein möglichst natürliches Ergebnis sein, das den ursprünglichen Seheindruck widerspiegelt.

Allerdings sollte man, wie eingangs erwähnt, nicht übertreiben. Wer übermotiviert an den Reglern dreht und versucht, das Letzte aus den Bildinformationen herauszuholen, erhält schnell ein surrealistisches Kunstwerk anstelle eines realistischen Fotos. Ein gutes HDR Bild erkennt man oft daran, dass man gar nicht merkt, dass es sich um eine HDR Aufnahme handelt!

Typische Fotosituationen, in denen ein HDR Sinn macht

In folgenden Fotosituationen bietet sich die Anwendung der HDR-Technik besonders an, um den Dynamikumfang der Szene zu bewältigen:

  • Gegenlichtaufnahmen, bei denen das Motiv von hinten beleuchtet wird und der Vordergrund sonst zu dunkel wäre.
  • Landschaften bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, wo der helle Himmel und der oft dunkle Vordergrund einen extremen Kontrast bilden.
  • Motive mit harten Kontrasten bzw. großen Hell-/Dunkel Unterschieden, wie zum Beispiel Architekturaufnahmen, bei denen helle Fassadenteile auf dunkle Schattenbereiche treffen, oder wenn man aus einem Innenraum durch ein Fenster nach draußen fotografiert.
  • Nachtaufnahmen von Städten, bei denen helle Lichter (Straßenlaternen, Fenster) und sehr dunkle Schattenbereiche aufeinandertreffen.

Nicht anwenden sollte man die HDR-Technik hingegen bei Motiven, die sich stark bewegen. Wenn ein Objekt (z.B. ein fahrendes Auto, sich schnell bewegende Menschen, wehende Blätter im Wind) während dem Fotografieren einer Belichtungsreihe seine Position oder Form ändert, kann es zu unschönen Fehlern beim Verrechnen der Bilder kommen, den sogenannten Geistereffekten. Obwohl Lightroom eine Funktion zur Geistereffektbeseitigung bietet, funktioniert diese nicht immer perfekt, besonders bei starken oder großflächigen Bewegungen.

In der Landschaftsfotografie, wo HDR gerne benutzt wird, um zu verhindern, dass der Himmel “ausbrennt” oder der Vordergrund zu dunkel bleibt, kann man einen vergleichbaren Effekt übrigens auch mit dem Einsatz eines Verlaufsfilters erreichen. Diese Filter sind physische Filter, die man vor das Objektiv schraubt oder steckt und die im oberen Bereich dunkler sind als im unteren. So wird der helle Himmel abgedunkelt, während der dunklere Vordergrund normal belichtet wird.

Wie fotografiert man eine Belichtungsreihe?

Um ein HDR in Lightroom erstellen zu können, benötigst du als Grundlage eine Belichtungsreihe. Wie bereits erwähnt, bedeutet das, dass du ein Motiv mit verschiedenen Belichtungen fotografierst, um alle Helligkeitsbereiche – von den tiefsten Schatten bis zu den hellsten Lichtern – zumindest einmal korrekt bzw. mit ausreichender Detailzeichnung dargestellt zu haben. Wie viele Fotos man für eine Belichtungsreihe anfertigen sollte, ist motivabhängig und auch Geschmackssache. Für die meisten Fotosituationen reichen drei Bilder mit einer Blendenstufe (EV - Exposure Value) Unterschied normalerweise völlig aus. Das bedeutet, du machst eine Aufnahme, die du als Referenz betrachtest (oft die, bei der die Kamera eine korrekte Belichtung für die Mitteltöne ermittelt hat), und dann zusätzlich eine Aufnahme, die um eine Blendenstufe heller ist (doppelt so lange Belichtungszeit), und eine weitere Aufnahme, die um eine Blendenstufe dunkler ist (halb so lange Belichtungszeit).

Am einfachsten funktioniert das im Modus A/AV (Blendenvorwahl) oder S/TV (Zeitvorwahl) oder natürlich im M (Manuellen) Modus. Im A/AV-Modus stellst du die gewünschte Blende ein, und die Kamera wählt die passende Belichtungszeit. Dann benutzt du die Belichtungskorrektur (+/- Tasten) deiner Kamera. +1 EV bedeutet eine Blendenstufe heller, also doppelt so viel Licht trifft auf den Sensor (die Kamera verlängert die Belichtungszeit entsprechend). -1 EV heißt eine Blendenstufe dunkler, also halb so viel Licht (die Kamera verkürzt die Belichtungszeit). Für eine Reihe von drei Bildern mit +/- 1 EV Unterschied würdest du also die Belichtungen -1 EV, 0 EV (Referenz) und +1 EV aufnehmen. Natürlich kannst du auch manuell fotografieren und die Belichtungszeit für jede Aufnahme selbst anpassen, um die gewünschten Helligkeitsstufen zu erzielen.

Hier siehst du ein Beispiel einer Belichtungsreihe aus 3 Aufnahmen, die eine Szene mit hohem Kontrast abdecken:

Belichtungsreihe Beispiel:

Aufnahme 1: Unterbelichtet (z.B. 1/8 Sekunde, f/20, ISO 200) - Zeigt Details in den hellsten Bereichen (Himmel).

Aufnahme 2: Normal belichtet (z.B. 1/4 Sekunde, f/20, ISO 200) - Zeigt Details in den Mitteltönen.

Aufnahme 3: Überbelichtet (z.B. 1/2 Sekunde, f/20, ISO 200) - Zeigt Details in den dunkelsten Bereichen (Vordergrund).

Wichtig ist, dass sich nur die Belichtungszeit ändert, um die Helligkeit zu steuern, während Blende und ISO konstant bleiben.

Einstellungen & Ausrüstung für Belichtungsreihen

Um am Ende ein HDR in bestmöglicher Qualität, ohne Farbsäume und störende Verschiebungen, zu erhalten, ist es wichtig, die einzelnen Bilder der Belichtungsreihe so sorgfältig wie möglich zu fotografieren. Da die einzelnen Aufnahmen exakt deckungsgleich sein müssen, sollte die Brennweite für alle Bilder gleich bleiben. Ideal wäre die Verwendung eines Stativs, damit der Bildausschnitt sich zwischen den Aufnahmen absolut nicht verändert. Wenn du ohne Stativ fotografierst, kann die automatische Ausrichtungsfunktion in Lightroom helfen, kleine Verschiebungen zu korrigieren, aber ein Stativ liefert die besten Voraussetzungen.

Den Fokus solltest du nach dem einmaligen Fokussieren auf das gewünschte Motiv auf manuell stellen und nicht mehr ändern. So stellst du sicher, dass alle Aufnahmen die gleiche Fokusebene haben. Um minimale Veränderungen des Bildausschnitts durch das Drücken des Auslösers zu verhindern, würde ich dir empfehlen, einen Fernauslöser zu verwenden oder den Selbstauslöser der Kamera zu benutzen. Eine Verzögerung von 2 Sekunden reicht oft schon aus, um Verwacklungen durch das Auslösen zu vermeiden.

Den ISO-Wert und die Blende darfst du bei einer Belichtungsreihe für HDR auf keinen Fall ändern! Warum? Nun, eine veränderte Blende hätte Auswirkungen auf die Tiefenschärfe und somit auf den Schärfebereich des Bildes. Eine veränderte ISO würde die Helligkeit des Bildes beeinflussen, aber auch das Bildrauschen. Für eine konsistente Belichtungsreihe, die sich gut zu einem HDR verrechnen lässt, ist es entscheidend, dass die Helligkeitsunterschiede ausschließlich durch die Variation der Belichtungszeit erzielt werden. Die ISO-Automatik muss man daher unbedingt deaktivieren.

Es ist wichtig zu wissen, dass Belichtungsreihen für HDRs nur über die Anpassung der Verschlusszeit (Belichtungszeit) erstellt werden!

Außerdem ist es unerlässlich, dass du im RAW-Format fotografierst. Das RAW-Format enthält deutlich mehr Bildinformationen als ein komprimiertes JPEG und bietet somit viel größere Spielräume bei der Nachbearbeitung, was für die Erstellung eines hochwertigen HDRs entscheidend ist.

Nehmen wir das Beispiel vom Sonnenuntergang noch einmal auf: Du fotografierst einen Sonnenuntergang mit Blende 8, 1/125 Sekunde Belichtungszeit und ISO 100 (dies sei deine Referenzbelichtung). Wenn du jetzt eine Belichtungsreihe aus 3 Bildern mit jeweils 1 Blendenstufe Abstand anfertigen möchtest, musst du zusätzlich ein Foto mit einer Belichtungszeit von 1/250 Sekunde (eine Stufe dunkler) aufnehmen und ein weiteres Bild mit einer längeren Belichtungszeit von 1/60 Sekunde (eine Stufe heller) machen. Die Einstellungen wären also:

  • Bild 1: Blende 8, 1/250 Sek, ISO 100
  • Bild 2: Blende 8, 1/125 Sek, ISO 100
  • Bild 3: Blende 8, 1/60 Sek, ISO 100

Diese drei Aufnahmen kannst du später am Computer zu einem HDR verrechnen.

Was bedeutet die Bracketing Funktion an meiner Kamera?

Viele Kameras, insbesondere Systemkameras und Spiegelreflexmodelle, verfügen über eine so genannte „Bracketing“ oder „Belichtungsreihen“-Funktion. Diese Funktion ist oft über eine eigene Taste mit der Abkürzung BKT zugänglich. Damit kannst du der Kamera im Voraus die gewünschte Anzahl an Bildern (meist 3, 5, 7 oder mehr) und die Differenz der Belichtungsstufen (z.B. 0.7 EV, 1 EV, 2 EV) vorgeben. Wenn du dann den Auslöser drückst (oder bei Verwendung eines Selbstauslösers oder Fernauslösers einmalig auslöst), fertigt die Kamera die gesamte Belichtungsreihe automatisch nacheinander an. Das spart enorm viel Zeit und vermeidet Fehler, da das manuelle Umrechnen der Verschlusszeiten und das Einstellen an der Kamera entfallen.

Tipp: Besonders wenn du viele Belichtungsreihen fotografierst und zwischendurch auch normale Einzelfotos machst, kann es helfen, Zettel mit den Hinweisen „Belichtungsreihe Anfang“ und „Belichtungsreihe Ende“ abzufotografieren, bevor du mit der Serie beginnst und nachdem du sie beendet hast. So kommst du später am Computer nicht durcheinander und siehst auf einen Blick, welche Fotos zusammengehören und als HDR verrechnet werden sollen.

Wie erstellt man ein HDR Bild in Lightroom?

Wenn du deine Belichtungsreihen erfolgreich fotografiert und auf deinen Computer übertragen hast, importierst du die Bilder ganz normal in Adobe Lightroom Classic (oder Lightroom, je nach Version) und wechselst in das Modul „Entwickeln“ (oder bleibst in der Bibliothek, das Verrechnen geht auch dort). Dort wählst du deine Belichtungsreihe bzw. die Fotos, die du gerne als HDR zusammenfügen möchtest, aus. Du kannst dies tun, indem du das erste Bild anklickst, die Shift-Taste gedrückt hältst und das letzte Bild anklickst, um alle Bilder der Reihe auszuwählen. Mit gedrückter Strg- (Windows) oder Cmd-Taste (Mac) kannst du auch einzelne Bilder auswählen. Sobald die Bilder ausgewählt sind, klickst du im Menü auf Foto >> Zusammenfügen >> HDR. Alternativ kannst du auch einen Rechtsklick auf die ausgewählten Bilder machen und im Kontextmenü „Zusammenfügen“ >> „HDR“ auswählen. Es ist wichtig zu beachten: Bearbeite die Fotos der Belichtungsreihe nicht einzeln vor dem Zusammenfügen zum HDR, da die meisten Einstellungen, die du an den Einzelbildern vornimmst, sowieso verloren gehen oder ignoriert werden würden, da Lightroom eine komplett neue Datei erstellt.

Nachdem du die Option ausgewählt hast, öffnet sich ein Fenster und eine Vorschau deines potenziellen HDRs wird erstellt. Dieser Prozess kann je nach Anzahl der Bilder, deren Dateigröße (RAWs sind groß) und der Geschwindigkeit deines Rechners etwas dauern, da hier sehr große Datenmengen verarbeitet und komplexe Berechnungen durchgeführt werden.

Im Vorschaufenster siehst du das vorläufige Ergebnis und hast verschiedene Optionen, die das finale HDR beeinflussen:

Automatisch ausrichten:

Diese Option ist standardmäßig aktiviert und macht vor allem Sinn, wenn du ohne Stativ fotografiert hast. Lightroom analysiert die einzelnen Bilder und versucht, kleine Kamerabewegungen zwischen den Aufnahmen zu korrigieren, damit die Bilder perfekt übereinanderliegen. Falls du ein Stativ benutzt hast und sicher bist, dass sich nichts bewegt hat, musst du das Häkchen hier nicht setzen, da das Ausrichten Rechenzeit kostet und potenziell minimale Qualitätsverluste mit sich bringen kann, auch wenn diese meist vernachlässigbar sind. Für auf dem Stativ aufgenommene Reihen kann das Deaktivieren dieser Option den Prozess leicht beschleunigen.

Automatische Tonwertkorrektur:

Auch diese Option ist oft standardmäßig aktiv. Sie bedeutet nichts anderes, als dass Lightroom nach dem Zusammenfügen der HDR-Datei automatisch eine grundlegende Anpassung der Tonwerte vornimmt. Das Ergebnis ist oft ein guter Ausgangspunkt, der das Bild bereits ausgewogener aussehen lässt. Dasselbe würde passieren, wenn du später im Entwickeln-Modul im Feld Grundeinstellungen >> Tonwert auf “Auto” klicken würdest. Wenn du noch nicht viel Erfahrung in der Bildbearbeitung hast, kann das Ergebnis ein hilfreicher Startpunkt für deine eigene Bearbeitung sein. Normalerweise macht es aber mehr Sinn und gibt dir mehr Kontrolle, diese Option zu deaktivieren und die Regler (Belichtung, Kontrast, Lichter, Tiefen, Weiß, Schwarz) selbst anzupassen und das Bild nach deinen eigenen Vorstellungen zu bearbeiten. Für maximale Kontrolle empfehle ich, diese Option auszuschalten.

Geistereffektbeseitigung (Deghosting):

Der dritte wichtige Punkt betrifft die Geistereffekt Beseitigung. Wie bereits erwähnt, können Bewegungen in den Einzelbildern (z.B. von Personen, Fahrzeugen, wehenden Ästen) zu unschönen Doppelkonturen oder transparenten Bereichen im fertigen HDR führen. Mit Hilfe der Geistereffekt Beseitigung versucht Lightroom, diese Bewegungen zu erkennen und aus den Einzelbildern so herauszurechnen, dass ein möglichst sauberes und unbewegtes Foto generiert wird. Du kannst die Stärke dieser Korrektur vor dem Zusammenfügen bestimmen: Keine, Gering, Mittel, Hoch. Wie bei allen automatisierten Korrekturen gilt oft das Prinzip “weniger ist mehr”. Eine zu starke Korrektur kann manchmal zu unnatürlichen Ergebnissen führen. Um herauszufinden, ob in deinem Bild überhaupt ein Geistereffekt auftritt und wo genau, kannst du im Vorschaufenster das Häkchen bei „Geistereffekt-Überlagerung anzeigen“ setzen. Lightroom zeigt dir dann die betroffenen Bildbereiche rot an. In dem Beispiel aus dem Text waren es beispielsweise fahrende Autos. Basierend auf dieser Anzeige kannst du die passende Stärke der Geistereffektbeseitigung wählen. Oft reicht eine geringe oder mittlere Einstellung.

Sobald du deine Optionen gewählt hast, klickst du auf „Zusammenfügen“. Lightroom verrechnet nun die Einzelbilder zu einer neuen Aufnahme, die nach den drei Originalfotos im Katalog aufscheint und mit „-HDR“ im Dateinamen gekennzeichnet ist. Alternativ kannst du die Aufnahmen auch stapeln lassen, dann wird das HDR-Bild automatisch mit den Originalen gruppiert, was für Ordnung im Katalog sorgt. Der große Vorteil vom HDR erstellen in Lightroom ist, dass du als Ergebnis eine DNG-Datei erhältst. DNG steht für Digital Negative und ist ein offenes RAW-Format. Diese DNG-Datei enthält den erweiterten Dynamikumfang und alle Informationen der Original-RAWs, sodass du sie unabhängig von den Ausgangsfotos im Entwickeln-Modul bearbeiten kannst, genau wie ein normales RAW-Bild. Du hast volle Kontrolle über alle Regler und kannst das Bild nach deinen Vorstellungen entwickeln.

Dadurch entstehen sehr natürlich anmutende Bilder, die nichts mit den gängigen, oft übertriebenen HDR Klischees zu tun haben. Das Ziel ist die Darstellung aller Details, nicht ein surrealistischer Look.

Meine Kamera erstellt automatisch HDRs, wozu brauche ich Lightroom?

Viele moderne Kameras, sei es Bridge-, System- oder sogar einige Spiegelreflexkameras, verfügen über eine integrierte HDR-Funktion. Das heißt, sie können eine Belichtungsreihe selbst aufnehmen und diese automatisch zu einem HDR direkt in der Kamera verarbeiten. Dazu schießt die Kamera meist 3 bis 5 Bilder sehr schnell hintereinander und rechnet diese intern zu einem neuen Foto zusammen. Auch viele Smartphones bieten einen HDR-Modus, der die Bilder automatisch verrechnet. Das ist oft ein Grund, warum viele Handybilder auf den ersten Blick bereits sehr ausgewogen und ansprechend aussehen, da sie automatisch einen erweiterten Dynamikumfang nutzen.

Der offensichtliche Vorteil dieses integrierten HDR-Modus in der Kamera liegt auf der Hand: Man erspart sich das manuelle Fotografieren der Belichtungsreihe (die Kamera macht das automatisch beim einmaligen Auslösen) und die Nachbearbeitung am Computer in Lightroom. Das Ergebnis ist sofort verfügbar und kann direkt verwendet oder geteilt werden. Der Nachteil ist jedoch, dass man meist nur ein fertiges JPEG-Bild aus der Kamera erhält. Das JPEG-Format ist ein komprimiertes Bildformat mit einem begrenzten Dynamikumfang und geringeren Bearbeitungsreserven im Vergleich zum RAW-Format. Die Möglichkeiten zur weiteren Nachbearbeitung und Feinabstimmung des Bildes sind daher stark beschränkt. Wenn du das Endergebnis nach deinen eigenen Vorstellungen gestalten möchtest und maximale kreative Kontrolle benötigst, ist der integrierte HDR-Modus der Kamera oft nicht ausreichend.

Ich würde den automatischen HDR-Funktion der Kamera also nur empfehlen, wenn es sehr schnell gehen muss, du keine Zeit oder Lust auf Nachbearbeitung hast und das Foto direkt hochladen oder verschicken möchtest. Auch wenn du absolut keinen Bock auf Nachbearbeitung hast und ein akzeptables Ergebnis direkt aus der Kamera wünschst, macht das automatisch erstellte HDR Sinn.

Wer mehr Kontrolle über das Endergebnis haben möchte, das Bild detailreich und nach seinen individuellen Vorstellungen ausarbeiten will und das volle Potenzial der Aufnahmen nutzen möchte, sollte aber, wie in diesem Beitrag beschrieben, eine manuelle Belichtungsreihe im RAW-Format aufnehmen und daraus das HDR Foto in Lightroom erstellen. Die Bearbeitungsfreiheit einer DNG-Datei in Lightroom ist hier der entscheidende Vorteil.

Beispiele für natürliche HDR Bilder aus Lightroom

Abschließend möchte ich dir noch drei Beispiele zeigen, wie natürliche HDR-Aufnahmen aussehen können, wenn sie in Lightroom erstellt werden. Das Ziel war hier nicht, einen übertriebenen Effekt zu erzielen, sondern die Szene so abzubilden, wie sie mit dem menschlichen Auge wahrgenommen wurde, mit Details in Lichtern und Schatten.

Beispiel 1: Bei diesem Sonnenaufgang in Salzburg habe ich ein HDR erstellt, um die Zeichnung und Farben im hellen Himmel zu erhalten, während gleichzeitig der dunkle Vordergrund (Stadt, Bäume) nicht im Schwarz versinkt. Eine Einzelaufnahme hätte entweder einen ausgebrannten Himmel oder einen unterbelichteten Vordergrund gezeigt.

Beispiel 2: Der Kontrast zwischen dem sehr hellen Himmel und der dunklen Hütte im Vordergrund wäre für die Kamera in einer Einzelaufnahme viel zu hoch gewesen. Ein HDR half, die Zeichnung sowohl in den hellen Wolken als auch den dunklen Holzwänden der Hütte zu erhalten und somit ein ausgewogenes Bild zu schaffen.

Beispiel 3: Mein liebstes HDR stammt aus Patagonien. Man sieht sehr deutlich die Zeichnung und Struktur in den dunklen Steinen im Vordergrund, obwohl der Himmel darüber nicht ausgebrannt ist und ebenfalls Details zeigt. Diese Balance zwischen extremen Hell- und Dunkelbereichen gelingt oft nur mit Hilfe eines HDRs, das die Informationen aus mehreren Belichtungen vereint.

HDR Bilder in Lightroom erstellen – mein Fazit

Ich persönlich bin ein großer Fan von HDRs, vor allem in der Landschaftsfotografie, wo man oft mit extremen Lichtsituationen konfrontiert ist. Diese Technik, richtig angewandt, ist ein mächtiges Werkzeug, um den Dynamikumfang einer Szene realistisch abzubilden. Sie erspart mir oft das Schleppen von unhandlichen Filtersystemen wie Verlaufsfiltern und bringt auch in den Bergen, wo Verlaufsfilter wegen des oft nicht geraden Horizonts an ihre Grenzen geraten, tolle Ergebnisse. Dank Lightroom ist das Verrechnen der Belichtungsreihen mit wenigen Klicks erledigt und selbst für Einsteiger ein Kinderspiel. Der resultierende DNG-File bietet alle Freiheiten der RAW-Bearbeitung.

Da mir persönlich wichtig ist, dass meine HDRs nicht als solche zu erkennen sind, sondern natürlich wirken und einfach den erweiterten Dynamikumfang zeigen, reichen mir die Bearbeitungsoptionen in Lightroom völlig aus. Wer noch stärkere Eingriffsmöglichkeiten wünscht und den Bildeindruck noch mehr beeinflussen möchte, um künstlerische oder surrealistische Ergebnisse zu erzielen, sollte sich nach Spezialprogrammen, wie Photomatix Pro oder HDR-Effex Pro (Teil der Nik Collection) umsehen, die oft noch spezifischere Werkzeuge für HDR-Effekte bieten.

Übrigens, in Lightroom lassen sich nicht nur HDRs, sondern auch beeindruckende Panoramaaufnahmen anfertigen, indem man mehrere Einzelbilder nahtlos zusammenfügt. Wie das geht, ist ein weiteres spannendes Thema der Bildbearbeitung.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu HDR in Lightroom

Was ist der Dynamikumfang in der Fotografie?

Der Dynamikumfang beschreibt die Spanne zwischen dem hellsten und dem dunkelsten Punkt einer Szene oder eines Bildes, in der noch Details erkennbar sind. Das menschliche Auge hat einen sehr großen Dynamikumfang, Kameras einen deutlich geringeren.

Wie viele Bilder brauche ich für eine Belichtungsreihe?

Für die meisten Situationen reichen 3 Bilder mit jeweils einer Blendenstufe (1 EV) Unterschied aus (z.B. -1 EV, 0 EV, +1 EV). Bei extrem hohen Kontrasten können auch 5 oder mehr Bilder mit kleineren Abständen (z.B. 0.7 EV) nötig sein.

Muss ich ein Stativ verwenden?

Ein Stativ wird dringend empfohlen, um sicherzustellen, dass alle Bilder der Belichtungsreihe exakt den gleichen Bildausschnitt haben. Wenn du kein Stativ verwendest, hilft die automatische Ausrichtungsfunktion in Lightroom, kann aber bei größeren Verschiebungen an ihre Grenzen stoßen.

Kann ich die einzelnen Bilder vor dem Zusammenfügen bearbeiten?

Nein, das wird nicht empfohlen und ist oft auch nicht sinnvoll. Lightroom erstellt aus den Original-RAWs eine komplett neue HDR-Datei (DNG). Bearbeite immer erst die fertige HDR-Datei.

Was ist der Geistereffekt und wie vermeide ich ihn?

Der Geistereffekt tritt auf, wenn sich Objekte in der Szene zwischen den einzelnen Aufnahmen der Belichtungsreihe bewegen. Lightroom hat eine Funktion zur Geistereffektbeseitigung, die diese Bewegungen erkennen und korrigieren kann. Vermeiden lässt er sich am besten, indem man Motive ohne Bewegung wählt oder sehr kurze Belichtungszeiten verwendet (was aber bei dunklen Bereichen schwierig sein kann).

Ist das fertige HDR-Bild in Lightroom ein RAW oder JPEG?

Lightroom erstellt standardmäßig eine neue DNG-Datei, ein offenes RAW-Format. Diese Datei vereint die Informationen der Original-RAWs und bietet volle Bearbeitungsfreiheit im Entwickeln-Modul, genau wie ein normales RAW.

Warum sehen manche HDRs so unnatürlich aus?

Oft liegt das an einer zu starken Bearbeitung der fertigen HDR-Datei, bei der Regler wie Sättigung, Klarheit oder Kontrast übertrieben eingesetzt wurden. Ein gutes HDR sollte natürlich wirken und einfach nur den erweiterten Dynamikumfang der Szene zeigen.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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