Lohnt sich eine Unterwasserkamera?

Unterwasserfotografie: Die besten Einstellungen

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Die Unterwasserfotografie ist eine faszinierende, aber auch herausfordernde Disziplin. Unter der Oberfläche verhält sich Licht völlig anders als an Land. Farben verschwinden mit zunehmender Tiefe, das Licht wird schwächer und Schwebeteilchen können die Sicht beeinträchtigen. Um dennoch beeindruckende Bilder aufzunehmen, ist es entscheidend, die Kameraeinstellungen anzupassen. Standardeinstellungen, die über Wasser gut funktionieren, führen unter Wasser oft zu enttäuschenden Ergebnissen – meist blaustichigen oder grünen Bildern ohne Kontrast und Farbe.

Welche Unterwasserkameras sind die besten?
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Das Verständnis der Auswirkungen von Wasser auf Licht ist der erste Schritt. Wasser absorbiert Licht selektiv. Zuerst verschwinden die roten Farbtöne, dann Orange, Gelb, Grün und zuletzt Blau. Das bedeutet, dass ohne zusätzliche Lichtquellen oder speziellen Weißabgleich alles schnell sehr blau oder grün aussieht. Die Dichte des Wassers und Schwebeteilchen reduzieren zudem den Kontrast und die Schärfe. Die richtigen Kameraeinstellungen helfen, diese Probleme zu minimieren und das Potenzial deiner Ausrüstung voll auszuschöpfen.

Grundlagen: Das Belichtungsdreieck unter Wasser

Wie an Land basiert die Belichtung unter Wasser auf dem Zusammenspiel von ISO, Blende und Belichtungszeit. Allerdings müssen die Prioritäten und typischen Werte angepasst werden.

ISO-Empfindlichkeit

Die ISO-Einstellung bestimmt, wie empfindlich der Sensor auf Licht reagiert. Unter Wasser ist das Licht oft knapp, was dazu verleiten könnte, eine hohe ISO zu wählen. Allerdings führt eine hohe ISO zu digitalem Rauschen, das unter Wasser, wo der Kontrast ohnehin geringer ist, besonders störend wirken kann. Ziel sollte es sein, die ISO so niedrig wie möglich zu halten, typischerweise zwischen ISO 100 und ISO 400. Wenn du mit Blitzen arbeitest, kannst du die ISO oft sehr niedrig halten, da die Blitze das benötigte Licht liefern. Nur bei Freiwasseraufnahmen mit viel Umgebungslicht oder wenn Blitze nicht erlaubt/möglich sind, musst du die ISO eventuell erhöhen.

Blende (Aperture)

Die Blende steuert die Lichtmenge, die durch das Objektiv fällt, und beeinflusst die Schärfentiefe. Eine kleine Blendenzahl (z.B. f/2.8) bedeutet eine große Blendenöffnung, lässt viel Licht herein und erzeugt eine geringe Schärfentiefe (ideal, um ein Motiv vom Hintergrund abzuheben). Eine große Blendenzahl (z.B. f/16) bedeutet eine kleine Blendenöffnung, lässt wenig Licht herein und erzeugt eine große Schärfentiefe (gut für Landschaftsaufnahmen oder Gruppen). Unter Wasser wird aufgrund der optischen Eigenschaften des Wassers die Schärfentiefe oft geringer wahrgenommen. Viele Unterwasserfotografen bevorzugen daher kleinere Blendenöffnungen (größere Blendenzahlen wie f/8 bis f/16), um eine maximale Schärfe im Bild zu erzielen, insbesondere in der Makrofotografie oder bei Weitwinkelaufnahmen, bei denen der gesamte Riffbereich scharf sein soll. Dies erfordert jedoch mehr Licht, was den Einsatz von Unterwasserblitzen fast unumgänglich macht.

Belichtungszeit (Shutter Speed)

Die Belichtungszeit bestimmt, wie lange der Sensor belichtet wird. Sie beeinflusst die Bewegungsschärfe und die Menge des eingefangenen Umgebungslichts. Um Bewegungen (z.B. von Fischen) einzufangen, sind kurze Belichtungszeiten erforderlich (z.B. 1/125s oder kürzer). Gleichzeitig muss die Belichtungszeit mit der Blitzsynchronzeit der Kamera kompatibel sein (oft zwischen 1/125s und 1/250s). Wenn du hauptsächlich mit Blitzen arbeitest, steuert die Belichtungszeit primär die Belichtung des Hintergrunds (des Umgebungslichts), während die Blitze das Motiv beleuchten. Eine längere Belichtungszeit fängt mehr blaues Umgebungslicht ein, eine kürzere macht den Hintergrund dunkler. Für die meisten Aufnahmen mit Blitzen ist eine Belichtungszeit von 1/125s bis 1/160s ein guter Ausgangspunkt. Wenn du nur mit Umgebungslicht fotografierst, musst du die Belichtungszeit eventuell verlängern, um genug Licht zu bekommen, was aber die Gefahr von Bewegungsunschärfe erhöht.

Der Schlüssel zur Farbe: Weißabgleich und Blitze

Weißabgleich (White Balance)

Der Weißabgleich ist eine der wichtigsten Einstellungen unter Wasser, wenn du ohne Blitze oder Filter fotografierst. Die Kamera versucht, Farbstiche zu neutralisieren, aber der starke Blaustich unter Wasser überfordert die Automatik oft. Es gibt mehrere Optionen:

  • Automatischer Weißabgleich (AWB): Funktioniert selten gut unter Wasser, besonders in größerer Tiefe.
  • Unterwasser-Presets: Manche Kameras bieten spezielle Modi für Unterwasser. Diese können ein guter Startpunkt sein, sind aber oft nicht perfekt für alle Bedingungen.
  • Manueller Weißabgleich: Dies ist oft die beste Methode, um natürlich aussehende Farben ohne Blitze zu erzielen. Richte die Kamera auf einen weißen oder grauen Gegenstand in der gleichen Tiefe und setze den Weißabgleich manuell. Dies muss bei signifikanten Tiefenänderungen wiederholt werden, da sich die Lichtzusammensetzung ändert.
  • Kelvin-Einstellung: Erfahrene Fotografen stellen die Farbtemperatur manuell in Kelvin ein. Unter Wasser musst du niedrigere Kelvin-Werte wählen, um Rot hinzuzufügen (was intuitiv kontraintuitiv ist, da niedrige Kelvin-Werte an Land blaue Töne verstärken). Typische Werte liegen zwischen 5.000K und 10.000K oder mehr, je nach Tiefe und Wasserbedingungen.
  • Post-Processing (RAW): Indem du im RAW-Format fotografierst, kannst du den Weißabgleich in der Nachbearbeitung verlustfrei anpassen. Dies bietet die größte Flexibilität und ist für ernsthafte Unterwasserfotografen sehr empfehlenswert.

Unterwasserblitze (Strobes)

Unterwasserblitze (oder Strobes) sind die effektivste Methode, um Farben und Kontrast wiederherzustellen. Sie liefern ein volles Lichtspektrum, das vom Wasser nicht absorbiert wurde. Die Positionierung der Blitze ist entscheidend, um Rückstreuung (Backscatter – Lichtreflexionen an Schwebeteilchen) zu vermeiden. Blitze sollten nicht direkt auf das Motiv gerichtet sein, sondern leicht nach außen und vorne, weg vom Objektiv. Die Stärke der Blitze kann TTL (automatisch) oder manuell gesteuert werden. Manuelle Steuerung gibt dir mehr Kontrolle und Konsistenz, erfordert aber Übung. Mit Blitzen kannst du eine niedrige ISO und eine kleinere Blende verwenden, um scharfe, farbenfrohe Bilder zu erhalten.

Fokussierung unter Wasser

Die Fokussierung kann unter Wasser schwieriger sein. Der Autofokus hat oft Probleme mit geringem Kontrast oder schnell bewegten Motiven. Die Verwendung eines einzelnen Fokuspunktes ist oft effektiver als der automatische Bereich. Für die Makrofotografie kann der manuelle Fokus präzisere Ergebnisse liefern, erfordert aber eine ruhige Hand und ein stabiles Motiv.

Belichtungsmodi

Welcher Belichtungsmodus ist der beste?

  • Manuell (M): Bietet die vollständige Kontrolle über ISO, Blende und Belichtungszeit. Dies ist der bevorzugte Modus für viele erfahrene Unterwasserfotografen, insbesondere wenn mit Blitzen gearbeitet wird, da er die konsistentesten Ergebnisse liefert.
  • Zeitautomatik (A/Av): Du wählst Blende und ISO, die Kamera wählt die Belichtungszeit. Nützlich, wenn die Schärfentiefe die oberste Priorität hat (z.B. bei Makro).
  • Blendenautomatik (S/Tv): Du wählst Belichtungszeit und ISO, die Kamera wählt die Blende. Weniger gebräuchlich unter Wasser, es sei denn, die Kontrolle über die Bewegungsschärfe ist das Hauptziel.
  • Programmautomatik (P) / Vollautomatik: Unter Wasser aufgrund der komplexen Lichtverhältnisse und der Notwendigkeit, Blitze zu integrieren, in der Regel nicht empfohlen.

RAW vs. JPEG

Wir haben es bereits erwähnt, aber es ist wichtig zu wiederholen: Fotografiere im RAW-Format! RAW-Dateien enthalten viel mehr Bildinformationen als JPEGs. Dies ist unter Wasser von unschätzbarem Wert, da du in der Nachbearbeitung den Weißabgleich, die Belichtung, den Kontrast und die Farben viel flexibler und verlustfreier anpassen kannst. Die Rettung eines potenziell blauen Bildes ist in RAW deutlich einfacher.

Einstellungen für verschiedene Szenarien

Die optimalen Einstellungen hängen stark davon ab, was du fotografierst.

SzenarioBlendeBelichtungszeitISOBlitz/StrobeFokusWeißabgleich
Weitwinkel (Riff, große Tiere)f/8 - f/16 (für Schärfentiefe)1/125s - 1/250s (Blitzsynchro, Umgebungslicht)100 - 400Ja (für Farbe & Kontrast)Autofokus (Einzelpunkt)Manuell/RAW (für Umgebungslicht)
Makro (kleine Tiere)f/8 - f/16 (für Schärfentiefe, kann kleiner sein für Bokeh)1/125s - 1/250s (Blitzsynchro)100 - 200Ja (essentiell für Licht & Farbe)Manuell/Autofokus (präzise)Blitzlicht (Strobes liefern volles Spektrum)
Umgebungslicht (Nah am Oberfläche, klares Wasser)Je nach gewünschter SchärfentiefeLänger (z.B. 1/30s - 1/125s)Kann höher sein (400 - 800+)NeinAutofokusManueller WB/Preset/RAW

Häufig gestellte Fragen

Warum sind meine Unterwasserfotos so blau oder grün?
Das liegt daran, dass Wasser rote und gelbe Farbtöne absorbiert. Deine Kameraautomatik kann dies nicht ausreichend korrigieren. Du musst den Weißabgleich manuell einstellen, einen Unterwasserfilter verwenden oder am besten mit Unterwasserblitzen fotografieren, um die Farben wiederherzustellen.

Sollte ich mit Automatik-Modus fotografieren?
Nein, das ist in der Unterwasserfotografie fast nie empfehlenswert. Die Lichtverhältnisse sind zu komplex und verändern sich ständig. Die manuelle Steuerung (Modus M) oder zumindest die Zeitautomatik (Modus A) gibt dir die notwendige Kontrolle, um gute Ergebnisse zu erzielen.

Wie vermeide ich Rückstreuung (Backscatter)?
Rückstreuung wird durch Licht verursacht, das von Schwebeteilchen im Wasser zurück ins Objektiv reflektiert wird. Dies wird meist durch den Blitz verursacht. Positioniere deine Unterwasserblitze seitlich, leicht hinter dem Objektiv und nach außen gerichtet, nicht direkt auf das Motiv. Dies lenkt das Licht von den Teilchen weg, die sich zwischen Objektiv und Motiv befinden.

Ist RAW wirklich so wichtig?
Ja, absolut. RAW-Dateien speichern viel mehr Farbinformationen, insbesondere in den Tiefen und Lichtern. Dies ermöglicht es dir, den Weißabgleich und die Belichtung in der Nachbearbeitung viel effektiver zu korrigieren und das Beste aus deinen Unterwasserbildern herauszuholen.

Welche Blende soll ich für Makro verwenden?
Das hängt davon ab, wie viel Schärfentiefe du möchtest. Für eine sehr geringe Schärfentiefe (um das Auge eines Fisches hervorzuheben), nutze f/2.8 - f/5.6. Für mehr Schärfe über das gesamte Motiv hinweg (z.B. ein gesamter Nacktkiemer), nutze f/8 - f/16. Da du fast immer Blitze verwendest, ist Licht kein limitierender Faktor.

Fazit

Die Unterwasserfotografie verlangt ein Umdenken bei den Kameraeinstellungen. Das Beherrschen von Weißabgleich (oder der Einsatz von Blitzen), das Verständnis des Belichtungsdreiecks im Hinblick auf die speziellen Bedingungen unter Wasser und die Nutzung des RAW-Formats sind entscheidend. Experimentiere mit den Einstellungen, übe viel und beobachte, wie sich das Licht in verschiedenen Tiefen und Bedingungen verhält. Mit der Zeit wirst du ein Gefühl dafür entwickeln, welche Einstellungen die besten Ergebnisse liefern, um die faszinierende Welt unter der Oberfläche in all ihrer Farbenpracht festzuhalten.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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