Wie fotografiert man Kolibris ohne Blitz?

Kolibris & Taubenschwänzchen fotografieren

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Die Welt der Naturfotografie bietet unzählige faszinierende Motive. Doch nur wenige sind so herausfordernd und zugleich lohnend wie die Aufnahme von extrem schnellen Flugkünstlern. In Deutschland denken viele beim Anblick eines winzigen, schwebenden Wesens, das blitzschnell von Blüte zu Blüte eilt, sofort an einen Kolibri. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass echte Kolibris ausschließlich in Amerika beheimatet sind. Was wir hierzulande beobachten, ist meist das faszinierende Taubenschwänzchen, ein Nachtfalter, der tagsüber aktiv ist und eine verblüffende Ähnlichkeit im Flugverhalten aufweist. Beide Arten stellen Fotografen vor ähnliche Herausforderungen, vor allem wegen ihrer unglaublichen Geschwindigkeit und Wendigkeit. Wie gelingt es also, diese winzigen Turbos scharf im Bild festzuhalten?

Kolibri vs. Taubenschwänzchen: Eine wichtige Unterscheidung für Fotografen

Bevor wir uns den Kameraeinstellungen widmen, klären wir die Identität unseres Motivs. In den Gärten und Parks Mitteleuropas treffen wir auf das Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum). Dieser Schwärmerfalter ist ein Meister des Schwirrflugs und kann wie ein Kolibri minutenlang schwebend vor einer Blüte verharren. Echte Kolibris (Trochilidae) sind Vögel und kommen in der Natur nur in Nord- und Südamerika vor.

Welches ist die beste Einstellung, um Kolibris zu fotografieren?
Verwenden Sie eine kurze Verschlusszeit Für ein scharfes Kolibri-Foto benötigen Sie eine Verschlusszeit von etwa 1/1000 oder 1/2000 Sekunde . Experimentieren Sie mit verschiedenen Verschlusszeiten und beobachten Sie die Unterschiede zwischen den Fotos, um herauszufinden, welche am besten funktioniert.

Obwohl es sich um unterschiedliche Tierarten handelt, sind die fotografischen Herausforderungen sehr ähnlich: Beide sind klein, unglaublich schnell und bewegen sich unvorhersehbar. Die Tipps in diesem Artikel sind daher sowohl für die Fotografie des Taubenschwänzchens in Europa als auch für die Fotografie von Kolibris in ihrem natürlichen Lebensraum relevant.

Hier eine kurze Übersicht über die Unterschiede:

MerkmalEchter Kolibri (Vogel)Taubenschwänzchen (Nachtfalter)
ArtVogel (Trochilidae)Insekt (Schmetterling, Schwärmer)
VerbreitungAmerikaEuropa, Asien, Afrika (Wanderfalter, zunehmend in DE überwinternd)
GrößeVariiert stark (oft sehr klein)Mittelgroß (ca. 4-5 cm Flügelspannweite)
NahrungNektar, kleine InsektenNektar
MundwerkzeugLanger SchnabelLanger Saugrüssel (bis zu 3 cm)
FlügelFedernSchuppen (typische Schmetterlingsflügel)
Heimisch in DE?NeinJa (Wanderfalter, überwintert zunehmend)

Wie Sie sehen, sind die Unterschiede bei genauer Betrachtung deutlich. Für die Fotografie ist jedoch das ähnliche Flugverhalten entscheidend.

Vorbereitung ist alles: Wie Sie Ihre Motive anlocken und positionieren

Geduld ist bei der Fotografie dieser schnellen Wesen unerlässlich. Doch Sie können Ihrem Glück auf die Sprünge helfen, indem Sie die Bedingungen optimieren.

Locken Sie Ihre Flugkünstler an

Sowohl Kolibris als auch Taubenschwänzchen werden von Nektarquellen angezogen. Für Taubenschwänzchen in Deutschland sind bestimmte Blumen besonders attraktiv. Pflanzen Sie Sorten mit tiefen Blütenkelchen, da ihr langer Rüssel hier einen Vorteil bietet. Beliebt sind beispielsweise:

  • Phlox
  • Sommerflieder (Buddleja)
  • Geranien
  • Lichtnelken
  • Fuchsien

Taubenschwänzchen fliegen diese Blüten im Schwirrflug an, um Nektar zu saugen. Für Kolibris in Amerika sind spezielle Futterspender eine sehr effektive Methode, sie anzulocken. Auch rote, pinke oder orangefarbene Blüten mit Röhrenform sind besonders anziehend.

Wählen Sie den richtigen Standort

Stellen Sie sicher, dass die von Ihnen gewählten Blüten oder Futterspender an einem Ort stehen, der ausreichend Licht erhält. Sonnenlicht ist entscheidend, da wir später mit sehr kurzen Belichtungszeiten arbeiten werden, die viel Licht erfordern. Vermeiden Sie schattige Bereiche, wenn möglich.

Achten Sie auf den Hintergrund

Bevor das Motiv erscheint, nehmen Sie sich Zeit, den Bildausschnitt zu prüfen. Stellen Sie die Kamera auf die Blüte oder den Futterspender scharf, als wäre das Tier bereits da. Betrachten Sie nun den Hintergrund. Gibt es störende Elemente? Helle Flecken, Reflexionen (z.B. in Fenstern) oder unruhige Muster können vom Hauptmotiv ablenken. Versuchen Sie verschiedene Aufnahmepositionen, um einen möglichst ruhigen und unscharfen Hintergrund zu erhalten, der das Tier hervorhebt. Eine offene Blende (kleine f-Zahl) hilft ebenfalls, den Hintergrund in Unschärfe zu tauchen.

Ist ein Taubenschwänzchenstich gefährlich?
Können Taubenschwänzchen stechen oder beißen? Einige Menschen fragen sich, ob das Taubenschwänzchen stechen kann und gefährlich ist. Manche verwechseln den Saugrüssel mit dem Stechwerkzeug einer Mücke. Das Taubenschwänzchen kann also weder beißen, noch stechen.

Geduld, Stille und Beobachtung: Der Weg zum perfekten Moment

Diese Tiere sind scheu und reagieren empfindlich auf schnelle Bewegungen. Finden Sie eine bequeme Position in der Nähe der Futterquelle oder der Blumen. Ein Stuhl oder Hocker kann hilfreich sein, besonders wenn Sie längere Zeit warten. Minimieren Sie Ihre Bewegungen. Wenn Sie das Tier versehentlich verschrecken, bleiben Sie einfach still. Oft kehrt es nach kurzer Zeit zurück, angelockt vom Nektar.

Beobachten Sie das Verhalten der Tiere. Taubenschwänzchen oder Kolibris verharren oft kurz im Schwirrflug, bevor sie landen oder weiterfliegen. Sie saugen oft in mehreren Zyklen an einer Blüte. Wenn Sie diese Muster erkennen, können Sie besser vorhersagen, wann und wo Sie Ihre Kamera ausrichten und den Auslöser betätigen müssen. Das Beobachten hilft Ihnen, den besten Moment abzupassen.

Die richtige Technik: Kameraeinstellungen für den Schwirrflug

Hier liegt der Schlüssel zur Schärfe bei diesen extrem schnellen Motiven.

Belichtungszeit: Der entscheidende Faktor

Um die Flügelbewegung einzufrieren und das Tier scharf abzubilden, benötigen Sie eine extrem kurze Belichtungszeit. Werte wie 1/1000 Sekunde sind oft nur ein Anfang. Um den Flügelschlag wirklich einzufrieren, sind Belichtungszeiten von 1/2000 Sekunde, 1/2500 Sekunde oder sogar 1/4000 Sekunde nötig. Experimentieren Sie mit verschiedenen Werten und prüfen Sie die Ergebnisse. Sie werden sehen, wie sich die Darstellung der Flügel verändert.

Bedenken Sie: Eine sehr kurze Belichtungszeit bedeutet, dass weniger Licht auf den Sensor Ihrer Kamera fällt.

Blende und Licht: Kompensation für kurze Zeiten

Um den Lichtverlust durch die kurze Belichtungszeit auszugleichen, ist ausreichend Licht unerlässlich. Wie bereits erwähnt, ist ein sonniger Standort ideal. Zusätzlich sollten Sie eine möglichst offene Blende (kleiner f-Wert, z.B. f/4 oder f/5.6, je nach Objektiv) wählen. Eine offene Blende lässt mehr Licht auf den Sensor und hilft zusätzlich, den Hintergrund unscharf zu gestalten (geringe Schärfentiefe).

ISO-Empfindlichkeit: Der letzte Ausweg

Wenn trotz offener Blende und gutem Licht die Belichtung nicht ausreicht, müssen Sie die ISO-Empfindlichkeit Ihrer Kamera erhöhen. Moderne Kameras liefern auch bei höheren ISO-Werten (z.B. ISO 800, 1600 oder höher) gute Ergebnisse, aber achten Sie auf das entstehende Bildrauschen. Viele Fotografen nutzen die Auto-ISO-Einstellung im manuellen Modus oder in der Zeitautomatik, um sicherzustellen, dass die Belichtung korrekt ist, während sie die Belichtungszeit und Blende kontrollieren.

Soll man Taubenschwänzchen melden?
Wer Taubenschwänzchen oder andere Wanderfalter wie Admiral, Großer Fuchs, Distelfalter, Gammaeule oder Windenschwärmer sieht, kann seine Beobachtungen online im NABU-Naturgucker.de melden.

Kameramodus: Kontrolle ist wichtig

Ein guter Startpunkt ist der Modus Zeitautomatik (oft mit S oder Tv gekennzeichnet). Hier wählen Sie die gewünschte kurze Belichtungszeit, und die Kamera wählt automatisch eine passende Blende und ggf. den ISO-Wert (wenn Auto-ISO aktiviert ist). Für maximale Kontrolle können Sie auch im manuellen Modus (M) fotografieren, bei dem Sie sowohl Belichtungszeit als auch Blende festlegen und die ISO-Einstellung anpassen, bis die Belichtung stimmt.

Autofokus: Schnelligkeit zählt

Diese Tiere sind unglaublich schnell. Der Autofokus muss mithalten können. Verwenden Sie den kontinuierlichen Autofokus (AF-C bei Nikon, AI Servo bei Canon), der das Motiv verfolgt, solange Sie den Auslöser halb gedrückt halten. Eine Funktion zur Motivverfolgung kann ebenfalls hilfreich sein. Stellen Sie Ihre Kamera auf eine schnelle Serienbildfunktion ein (hohe Bilder pro Sekunde), um den entscheidenden Moment nicht zu verpassen. Oft sind nur wenige Bilder aus einer Serie wirklich scharf.

Objektivwahl: Abstand halten, nah rankommen

Eine lange Brennweite (ein Teleobjektiv) ist empfehlenswert. Sie ermöglicht es Ihnen, aus einer gewissen Entfernung zu fotografieren (um die Tiere nicht zu stören) und sie dennoch groß im Bild abzubilden. Experimentieren Sie, wie nah Sie herankommen können, ohne dass die Tiere scheu werden. Eine Brennweite von 300mm oder mehr (äquivalent) ist oft hilfreich.

Fortgeschrittene Tipps für den Erfolg

Aus der Hand oder mit Stativ?

Viele erfahrene Fotografen bevorzugen bei diesen Motiven das Fotografieren aus der Hand. Das gibt Ihnen die nötige Flexibilität, schnell auf die Bewegungen des Tieres zu reagieren. Ein Stativ kann Sie hier manchmal einschränken. Wenn Ihr Objektiv sehr schwer ist, kann ein Einbeinstativ eine gute Unterstützung bieten und dennoch etwas Flexibilität erhalten.

Antizipieren Sie den Schwirrflug

Beobachten Sie, wo das Tier typischerweise vor einer Blüte oder einem Futterspender im Schwirrflug verharrt. Dies ist oft ein kleiner Bereich einige Zentimeter davor. Richten Sie Ihre Kamera auf diesen Punkt aus und stellen Sie manuell oder per Autofokus darauf scharf, bevor das Tier kommt. Wenn es dann in diesen Bereich fliegt, können Sie sofort auslösen.

Die 'beide Augen offen'-Technik

Diese Technik erfordert etwas Übung, kann aber sehr effektiv sein. Schauen Sie mit einem Auge durch den Sucher (der auf den erwarteten Schwirrflug-Bereich gerichtet ist), halten Sie aber das andere Auge offen, um das gesamte Geschehen zu überblicken. So sehen Sie das Tier bereits, wenn es sich nähert, und können den Auslöser im richtigen Moment betätigen, sobald es im Schärfebereich ist.

Welches ist die beste Einstellung, um Kolibris zu fotografieren?
Verwenden Sie eine kurze Verschlusszeit Für ein scharfes Kolibri-Foto benötigen Sie eine Verschlusszeit von etwa 1/1000 oder 1/2000 Sekunde . Experimentieren Sie mit verschiedenen Verschlusszeiten und beobachten Sie die Unterschiede zwischen den Fotos, um herauszufinden, welche am besten funktioniert.

Häufig gestellte Fragen

Hier beantworten wir einige typische Fragen zu diesen faszinierenden Motiven.

Sind Kolibris in Deutschland heimisch?
Nein, echte Kolibris leben nur in Amerika. Die Tiere, die in Deutschland kolibriähnlich fliegen und Nektar saugen, sind meist Taubenschwänzchen, eine Nachtfalterart.

Was ist der Hauptunterschied zwischen Kolibri und Taubenschwänzchen?
Der Kolibri ist ein Vogel, das Taubenschwänzchen ist ein Schmetterling (Nachtfalter). Sie unterscheiden sich in ihrer Art, Größe, ihrem Mundwerkzeug (Schnabel vs. Rüssel) und ihrer Verbreitung, teilen aber die Fähigkeit zum schnellen Schwirrflug.

Benötige ich einen Blitz, um sie zu fotografieren?
Ein Blitz kann helfen, die Bewegung einzufrieren und das Motiv aufzuhellen, erfordert aber oft eine komplexe Einrichtung und kann die Tiere stören. Mit den hier beschriebenen Techniken (schnelle Belichtungszeit, offene Blende, viel Licht) ist es gut möglich, beeindruckende Aufnahmen ohne Blitz zu machen.

Welche Blumen locken Taubenschwänzchen besonders an?
Taubenschwänzchen bevorzugen Blüten mit tiefen Kelchen, aus denen sie mit ihrem langen Rüssel Nektar saugen können. Dazu gehören Phlox, Sommerflieder, Geranien, Lichtnelken und Fuchsien.

Ist ein Taubenschwänzchen gefährlich oder kann es stechen?
Nein, Taubenschwänzchen sind völlig harmlos. Was wie ein Stachel aussieht, ist ihr langer Saugrüssel, den sie ausschließlich zur Nahrungsaufnahme (Nektar) nutzen.

Fazit

Die Fotografie von Kolibris oder dem heimischen Taubenschwänzchen ist zweifellos eine Herausforderung, die Geduld, schnelles Reaktionsvermögen und die richtige Kameraeinstellung erfordert. Mit einer sehr kurzen Belichtungszeit, einer offenen Blende, ausreichend Licht und dem Wissen um das Verhalten der Tiere können Sie jedoch beeindruckende Aufnahmen dieser faszinierenden Flugkünstler erzielen. Nehmen Sie sich Zeit für die Vorbereitung, beobachten Sie genau und seien Sie bereit, im Bruchteil einer Sekunde zu handeln. Viel Erfolg bei Ihrer Jagd nach dem perfekten Bild!

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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