Sind 25.000 Auslösungen viel?

Auslösungen: Was bedeuten 20.000?

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Die Frage nach der Anzahl der Auslösungen ist eine der häufigsten, die sich Käufer und Verkäufer von gebrauchten Digitalkameras stellen. Sie ist vergleichbar mit der Laufleistung bei einem Auto: Sie gibt einen Hinweis darauf, wie stark das mechanische Herzstück der Kamera – der Verschluss – beansprucht wurde. Doch wie beim Auto ist die Zahl allein nicht alles. Ob 12.000 oder 20.000 Auslösungen viel sind, lässt sich nicht pauschal beantworten, sondern hängt von verschiedenen Faktoren ab, die wir in diesem Artikel beleuchten.

Sind 20.000 Auslösungen viel?
Wenn eine Kamera auf 200.000 Auslösungen ausgelegt ist, sind 20.000 bis 30.000 relativ wenig. Jedoch kann die gleiche Kamera, je nach Einsatz und Behandlung nach 60.000 Auslösungen noch neuwertig aussehen, während eine andere nach 10.000 Auslösungen schon "abgerockt" ist.19. Feb. 2020

Was sind Auslösungen überhaupt?

Jedes Mal, wenn du mit deiner Digitalkamera ein Foto machst und dabei den mechanischen Verschluss verwendest, zählt dies als eine Auslösung. Der mechanische Verschluss ist ein komplexes Bauteil im Kameragehäuse, das sich für den Bruchteil einer Sekunde öffnet und schließt, um Licht auf den Sensor fallen zu lassen. Dieser Vorgang ist rein mechanisch und unterliegt daher Verschleiß.

Bei modernen Kameras gibt es oft auch die Möglichkeit, mit einem elektronischen Verschluss zu fotografieren (z.B. im Live View Modus oder bei spiegellosen Kameras für geräuschloses Auslösen). Die Nutzung des elektronischen Verschlusses zählt in der Regel *nicht* als mechanische Auslösung und trägt somit nicht zum Verschleiß des mechanischen Verschlusses bei. Wenn von der Lebensdauer des Verschlusses und der Anzahl der Auslösungen die Rede ist, ist fast immer der mechanische Verschluss gemeint.

Warum ist die Anzahl der Auslösungen wichtig?

Der mechanische Verschluss ist eines der Teile in einer Kamera, das aufgrund der ständigen Bewegung und Reibung einer endlichen Lebensdauer unterliegt. Hersteller testen ihre Verschlussmechanismen unter Laborbedingungen und geben eine erwartete Lebensdauer in Form einer Anzahl von Auslösungen an. Dies ist die Anzahl, für die der Verschluss typischerweise ausgelegt ist oder bis zu der er in Tests eine bestimmte Ausfallrate nicht überschreitet.

Wenn ein Verschluss das Ende seiner Lebensdauer erreicht, kann er verschiedene Defekte aufweisen: Er öffnet oder schließt möglicherweise nicht mehr korrekt, liefert ungleichmäßig belichtete Bilder (z.B. mit dunklen Balken) oder funktioniert überhaupt nicht mehr. Ein defekter Verschluss macht die Kamera für die Fotografie unbrauchbar und muss in der Regel vom Hersteller oder einem spezialisierten Reparaturservice ausgetauscht werden. Die Kosten für einen Verschlussaustausch können je nach Kameramodell erheblich sein und liegen oft im Bereich von mehreren hundert Euro, was bei älteren oder günstigeren Modellen schnell unwirtschaftlich sein kann.

Herstellerangaben zur Verschlusslebensdauer

Die meisten Kamerahersteller geben für ihre Modelle eine durchschnittliche oder erwartete Lebensdauer des Verschlusses an. Diese Angabe findest du oft in den technischen Datenblättern oder Handbüchern. Es ist wichtig zu verstehen, dass es sich hierbei um einen statistischen Durchschnittswert handelt, der unter idealen Testbedingungen ermittelt wurde. Formulierungen wie „ausgelegt für“ oder „getestet bis zu“ bedeuten nicht, dass der Verschluss nach genau dieser Anzahl von Auslösungen garantiert ausfällt oder dass er nicht auch deutlich länger halten kann. Es ist eine Art Richtwert für die zu erwartende Haltbarkeit.

Die erwartete Lebensdauer variiert stark zwischen verschiedenen Kameraklassen:

  • Einsteiger- und Consumer-Modelle: Oft ausgelegt für 50.000 bis 100.000 Auslösungen.
  • Mittelklasse- und Semi-Profi-Modelle: Typischerweise ausgelegt für 100.000 bis 150.000 Auslösungen.
  • Professionelle Modelle: Können für 200.000, 300.000 oder sogar mehr als 400.000 Auslösungen ausgelegt sein.

Diese Zahlen sind nur grobe Schätzungen, aber sie geben einen Rahmen, um die Bedeutung einer bestimmten Anzahl von Auslösungen einschätzen zu können.

Sind 12.000 oder 20.000 Auslösungen viel?

Basierend auf den typischen Herstellerangaben lässt sich sagen, dass 12.000 oder 20.000 Auslösungen in den allermeisten Fällen als eine geringe bis moderate Anzahl betrachtet werden. Selbst bei einer Einsteigerkamera, die vielleicht für 50.000 Auslösungen ausgelegt ist, stellen 20.000 Auslösungen weniger als die Hälfte der erwarteten Lebensdauer dar. Bei einer Mittelklassekamera (100.000-150.000 Auslösungen) sind 20.000 Auslösungen nur ein kleiner Bruchteil der erwarteten Lebensdauer (oft unter 20%). Bei einer professionellen Kamera, die für 200.000 oder mehr Auslösungen konzipiert ist, sind 20.000 Auslösungen sogar verschwindend gering.

Rein statistisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Verschluss bei 12.000 oder 20.000 Auslösungen ausfällt, sehr gering, vorausgesetzt, die Kamera wurde nicht extremen Bedingungen ausgesetzt oder hat einen Materialfehler. Diese Zahlen liegen typischerweise weit innerhalb der von den Herstellern spezifizierten Grenzen.

Mehr als nur die Auslösungszahl: Der Gesamtzustand zählt

Obwohl die Anzahl der Auslösungen ein wichtiger Indikator für die Beanspruchung des Verschlusses ist, ist sie bei weitem nicht das einzige Kriterium, das den Wert und die zu erwartende Zuverlässigkeit einer gebrauchten Kamera bestimmt. Der allgemeine Zustand der Kamera ist ebenso, wenn nicht sogar wichtiger.

Eine Kamera mit 10.000 Auslösungen, die jahrelang unsachgemäß gelagert wurde (feucht, staubig), Stößen ausgesetzt war oder von einem Vorbesitzer rücksichtslos behandelt wurde, kann in einem deutlich schlechteren Zustand sein als eine Kamera mit 50.000 Auslösungen, die sorgfältig gepflegt und nur unter normalen Bedingungen verwendet wurde. Kratzer am Gehäuse, Abnutzungsspuren an Knöpfen und Drehrädern, ein verschmutzter Sensor, Spiel an Bajonett oder Klappen, oder sogar verdeckte elektronische Probleme sind Aspekte, die die Funktionalität und den Wert einer Kamera erheblich beeinflussen und nicht direkt mit der Auslösungszahl korrelieren.

Sind 30000 Auslösungen viel?
Du kannst eigentlich (bei allen mehr oder weniger aktuellen DSLRs) 100.000 bis 150.000 Auslösungen erwarten. Eine gebrauchte mit 50.000 Auslösungen würde ich mir schon sehr gut überlegen. Ich denke jedoch nicht, dass du bei 10.000 einen Fehler machen kannst.

Beim Kauf einer gebrauchten Kamera solltest du daher immer Folgendes prüfen:

  • Die Anzahl der Auslösungen (als einen Faktor).
  • Den optischen Zustand des Gehäuses (Kratzer, Dellen, Abrieb).
  • Die Funktion aller Knöpfe, Drehräder und des Touchscreens (falls vorhanden).
  • Den Zustand des Bajonetts und der Kontakte.
  • Die Sauberkeit des Sensors (mach ein Testfoto von einer hellen Fläche bei kleiner Blende).
  • Die Funktion von Autofokus und Bildstabilisator.
  • Den Zustand des Displays und des Suchers.
  • Den Zustand der Akkus und des Ladegeräts.
  • Ob die Kamera bei Testaufnahmen einwandfrei funktioniert.

Eine Kamera mit einer geringen Auslösungszahl, die aber deutliche Gebrauchsspuren oder Mängel aufweist, kann ein höheres Risiko darstellen als ein Modell mit einer etwas höheren Zahl, das jedoch optisch und technisch makellos ist.

So überprüfst du die Auslösungszahl

Die Anzahl der Auslösungen ist oft in den EXIF-Daten der zuletzt mit der Kamera aufgenommenen Bilder gespeichert. Es gibt verschiedene Wege, diese Information auszulesen:

  • Online-Tools: Es gibt Webseiten, auf die du ein JPG-Foto hochladen kannst (oft das aktuellste), und die dir dann die Auslösungszahl anzeigen. Achte darauf, eine vertrauenswürdige Seite zu nutzen.
  • Desktop-Software: Viele Bildbearbeitungs- oder Verwaltungssoftware (wie Adobe Lightroom, exiftool etc.) können die detaillierten EXIF-Daten auslesen, einschließlich der Auslösungszahl.
  • Kamera-spezifische Software/Methoden: Für einige Modelle oder Hersteller gibt es spezielle Programme oder Tastenkombinationen, um die Auslösungszahl direkt in der Kamera auszulesen. Dies ist jedoch nicht bei allen Modellen möglich.

Wichtig ist, dass du ein unverändertes Originalbild direkt aus der Kamera verwendest, da die Auslösungszahl beim Bearbeiten oder Exportieren aus manchen Programmen verloren gehen kann.

Vergleichstabelle: Typische Verschlusslebensdauer nach Kameraklasse

KameraklasseTypische Auslegungszahl (ungefähr)Bedeutung von 20.000 Auslösungen
Einsteiger DSLR/Systemkamera50.000 - 100.000Ca. 20-40% der erwarteten Lebensdauer
Mittelklasse DSLR/Systemkamera100.000 - 150.000Ca. 13-20% der erwarteten Lebensdauer
Semi-Profi DSLR/Systemkamera150.000 - 200.000Ca. 10-13% der erwarteten Lebensdauer
Profi DSLR/Systemkamera200.000 - 400.000+Oft unter 10% der erwarteten Lebensdauer

Diese Tabelle verdeutlicht, dass 20.000 Auslösungen bei den meisten Kameras weit unter der statistischen Lebensdauer liegen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist eine hohe Auslösungszahl immer ein Problem?

Nicht unbedingt. Eine Kamera mit einer hohen Auslösungszahl (z.B. über der Herstellerangabe) hat ein erhöhtes Risiko für einen Verschlussdefekt. Wenn der Preis der Kamera dies jedoch widerspiegelt und der allgemeine Zustand sehr gut ist, kann sie immer noch ein guter Kauf sein – man sollte sich aber des potenziellen Risikos bewusst sein.

Kann ich vorhersagen, wann der Verschluss ausfällt?

Nein, das ist unmöglich. Die Herstellerangabe ist ein Durchschnittswert. Ein Verschluss kann auch weit vor der angegebenen Zahl ausfallen (z.B. durch Materialfehler oder unsachgemäße Behandlung) oder die angegebene Zahl weit überschreiten.

Zählt Videoaufzeichnung zu den Auslösungen?

Nein, in der Regel nicht. Die Auslösungszahl bezieht sich auf die Betätigungen des mechanischen Verschlusses für die Aufnahme von Standbildern. Video verwendet den Sensor kontinuierlich, ohne den mechanischen Verschluss bei jeder Bildrate zu bewegen.

Lohnt sich ein Verschlussaustausch?

Das hängt stark vom Kameramodell und den Reparaturkosten ab. Bei teuren Profimodellen kann sich die Reparatur lohnen, da der Wiederbeschaffungswert hoch ist. Bei günstigeren oder älteren Modellen übersteigen die Reparaturkosten oft den aktuellen Marktwert der Kamera.

Wo finde ich die Auslegungszahl für mein spezifisches Kameramodell?

Suche im Handbuch, auf der Hersteller-Website unter den technischen Daten deines Modells oder in Online-Datenbanken und Foren, die sich mit Kameraspezifikationen beschäftigen. Oft findet man diese Information, indem man nach "[Kameramodell] shutter life expectancy" oder "[Kameramodell] Auslösungen Lebenserwartung" sucht.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass 12.000 oder 20.000 Auslösungen bei einer Digitalkamera aus technischer Sicht eher wenig sind und weit unter der typischen Lebenserwartung des Verschlusses liegen, insbesondere bei Mittelklasse- oder Profimodellen. Die Wahrscheinlichkeit eines baldigen Verschlussdefekts ist bei dieser Anzahl sehr gering.

Dennoch ist die Auslösungszahl nur ein Puzzleteil bei der Beurteilung einer gebrauchten Kamera. Der allgemeine Zustand, die Pflege, die die Kamera erfahren hat, und die Bedingungen, unter denen sie genutzt wurde, spielen eine ebenso wichtige Rolle. Eine Kamera mit 20.000 Auslösungen kann in einem hervorragenden Zustand sein und noch viele Jahre zuverlässig funktionieren, während ein anderes Exemplar mit weniger Auslösungen, aber schlechter Behandlung, bereits Probleme aufweisen kann. Beim Kauf einer gebrauchten Kamera solltest du daher immer die Auslösungszahl als einen Faktor betrachten, aber niemals isoliert vom gesamten Zustand des Geräts.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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