In der digitalen Welt der Bildbearbeitung hat sich GIMP als feste Größe etabliert, insbesondere für diejenigen, die eine leistungsstarke und flexible Software suchen, ohne dafür bezahlen zu müssen. Doch was genau ist GIMP und ist es wirklich frei nutzbar? Die Antwort ist ein klares Ja. GIMP, das GNU Image Manipulation Program, ist eine pixelbasierte Grafiksoftware, die umfassende Funktionen zur Bearbeitung und zum digitalen Malen von Rastergrafiken bietet. Als freie Software kann sie von jedermann kostenlos heruntergeladen, genutzt und sogar verändert werden.

Die Anfänge von GIMP: Eine Studienarbeit mit großer Zukunft
Die Geschichte von GIMP begann bescheiden als Studienprojekt an der University of California, Berkeley. Peter Mattis und Spencer Kimball entwickelten das Programm, und die erste öffentliche Testversion wurde von Mattis am 21. November 1995 angekündigt. Dies war der Startschuss für eine Entwicklung, die die Welt der freien Software maßgeblich beeinflussen sollte. Die erste Betaversion wurde für verschiedene Unix-ähnliche Systeme wie Linux, Solaris, HP-UX und IRIX veröffentlicht. Die erste offizielle Version, 0.54, erschien im Januar 1996, gefolgt von Version 1.0 am 5. Juni 1998.
Schon in diesen frühen Phasen war GIMP bemerkenswert umfangreich. Es bot Funktionen wie ein Plugin-System, unbegrenztes Rückgängigmachen und Wiederholen von Aktionen, eine intelligente Schere für komplexe Auswahlen, Dithering, Unterstützung für Farbtiefen von 8, 15, 16 und 24 Bit pro Bild, Echtzeit-Zoom und -Verschieben sowie die gleichzeitige Bearbeitung mehrerer Bilder. Es unterstützte bereits gängige Formate wie GIF, JPEG, PNG, TIFF und XPM und verfügte über eine Vielzahl von Auswahl- und Bearbeitungswerkzeugen.
Herausforderungen und die Geburt von GTK
Trotz seiner beeindruckenden Funktionen hatte GIMP in seinen Anfängen mit Problemen zu kämpfen. Das Programm galt als fehlerbehaftet und neigte zu Abstürzen. Ein wesentlicher technischer Stolperstein war die Verwendung des proprietären Toolkits Motif für die Benutzeroberfläche. Die notwendigen Header-Dateien für Motif waren nicht frei und kostenlos verfügbar, was die Entwicklung und Kompilierung von GIMP erschwerte. Für viele Anwender war es daher nur möglich, das Programm als statisch gelinkte und fertig kompilierte Version zu nutzen. Selbst zur Weiterentwicklung von GIMP beizutragen und die Ergebnisse sofort zu nutzen, war kaum möglich.
Peter Mattis erkannte die Notwendigkeit, sich von Motif zu lösen und eine freie Alternative zu schaffen. Aus diesem Bestreben heraus entwickelte er sein eigenes Toolkit: GTK (GIMP Toolkit). GTK entwickelte sich schnell zu einem eigenständigen, offenen Projekt und wird heute in vielen anderen Anwendungen und Desktop-Umgebungen wie beispielsweise Gnome verwendet. Die Umstellung auf GTK war ein entscheidender Schritt für GIMP. Sie ermöglichte eine Implementierung komplett ohne proprietäre Abhängigkeiten und vereinfachte die Portierung des Programms auf eine Vielzahl anderer Betriebssysteme erheblich.
Verbreitung und Position im Software-Markt
GTK trug maßgeblich zur Verbreitung von GIMP bei, insbesondere unter Linux. Dort hat sich GIMP im Laufe der Zeit als der Marktführer für digitale Bildbearbeitung etabliert. Es ist ein fester Bestandteil vieler Linux-Distributionen, die auf GTK-basierte Programme setzen. Interessanterweise gab es jedoch auch Rückschläge: Nach der Veröffentlichung von Ubuntu 9.10 wurde auf dem Ubuntu Developer Summit beschlossen, GIMP in Ubuntu 10.04 nicht mehr vorzuinstallieren. Die Begründung: GIMP sei „zu kompliziert“, benötige zu viel Platz auf der Installations-CD und es werde bereits F-Spot mitgeliefert. Es wurde jedoch betont, dass GIMP weiterhin über die Software-Repositorys nachgeladen werden könne. Diese Entscheidung zeigt, dass GIMP trotz seiner Beliebtheit und Leistungsfähigkeit von manchen als komplex wahrgenommen wird, aber seine Verfügbarkeit im Ökosystem freier Software gesichert bleibt.
Die Revolution durch GEGL
Eine der bedeutendsten technischen Entwicklungen in der jüngeren Geschichte von GIMP ist die Migration auf GEGL (Generic Graphics Library). GEGL ist eine unabhängige Bibliothek, die für die Verarbeitung von Grafiken konzipiert ist. Der Umstieg begann mit Version 2.6, die am 1. Oktober 2008 erschien. Zu diesem Zeitpunkt waren jedoch noch nicht alle Funktionen auf den neuen Grafik-Kernel portiert, weshalb erhoffte Features wie die Unterstützung höherer Farbtiefen noch fehlten.
Die vollständige Integration von GEGL erfolgte erst mit Version 2.10. GEGL ermöglicht ein nicht-destruktives Bearbeiten von Bildern. Das bedeutet, dass Änderungen nicht direkt auf die Pixel angewendet werden, sondern als Operationen gespeichert werden, die jederzeit angepasst oder rückgängig gemacht werden können. Dies ist ein großer Schritt hin zu einem flexibleren Workflow, ähnlich dem, den man von professionellen proprietären Programmen kennt. Darüber hinaus unterstützt GEGL weitere Dateiformate, darunter auch Rohdatenformate von Digitalkameras, was GIMP für Fotografen noch attraktiver macht.
Die Auslagerung der Bildbearbeitungsfunktionen in eine eigene Bibliothek wie GEGL hat einen weiteren Vorteil: Die Funktionen können auch in anderen Programmen genutzt werden. Es gab bereits Anbindungen für verschiedene Programmiersprachen, was die Vielseitigkeit der GEGL-Bibliothek unterstreicht.
Allerdings war die Umstellung auf GEGL auch eine Ursache für lange Entwicklungszyklen. Die aufwendige Migration wurde über viele Jahre überwiegend von nur einer Person umgesetzt, was die Entwicklung blockierte und den Hauptgrund für die lange Wartezeit zwischen den Versionen 2.8 und 2.10 (sechs Jahre) darstellte. Eng verwandt mit GEGL ist die Bibliothek Babel, die ebenfalls Bestandteil von GIMP ist und für die Konvertierung zwischen verschiedenen Pixelformaten, Farbtiefen, Farbmodellen, Farbräumen und Speicherformaten zuständig ist.
Evolution der Benutzeroberfläche
Die Benutzeroberfläche von GIMP war immer wieder Gegenstand von Diskussionen und wurde im Laufe der Zeit mehrfach angepasst. Lange Zeit war die Standardansicht der Mehrfenstermodus, bei dem Werkzeugpaletten, Ebenen-Dialoge und Bildfenster separate Fenster waren. Dies wurde von manchen Anwendern, insbesondere bei der Nutzung mehrerer Monitore, geschätzt, von anderen jedoch als unübersichtlich kritisiert.
Mit Version 2.6 wurde ein permanentes Bildfenster implementiert, das das Hauptfenster und die Dialoge besser verknüpfte. Eine noch signifikantere Änderung kam mit Version 2.8, die einen optionalen Ein-Fenster-Modus einführte. Dieser Modus integriert alle Dialoge und Werkzeugpaletten in einem einzigen Hauptfenster und kommt dem Erscheinungsbild vieler anderer moderner Bildbearbeitungsprogramme entgegen. Die klassische Mehrfenstervariante blieb jedoch als Standard erhalten, um langjährige Anwender nicht zu verprellen und die Vorteile, etwa bei der Arbeit mit mehreren Bildschirmen, weiterhin zu ermöglichen.
Speicherformate: Die XCF-Diskussion
Eine weitere Änderung, die ab Version 2.8 für große Diskussionen sorgte, betrifft das Speichern von Dateien. Seit dieser Version speichert GIMP standardmäßig nur noch in das eigene XCF-Format (eXtensible GIMP File Format). Dieses Format ist darauf ausgelegt, alle GIMP-spezifischen Informationen wie Ebenen, Kanäle, Pfade und Texte zu erhalten. Für das Speichern in anderen gängigen Formaten wie JPEG oder PNG wurde eine separate Export-Funktion eingeführt. Diese Trennung zwischen „Speichern“ (im nativen Format) und „Exportieren“ (in ein Endformat) sollte den Arbeitsablauf klarer gestalten, stieß aber bei vielen Nutzern, die es gewohnt waren, direkt in Formate wie JPEG zu speichern, auf Kritik.
Das Entwicklungsmodell und die Zukunft von GIMP
GIMP folgt einem klaren Entwicklungsmodell. Stabile Versionen, die für den produktiven Einsatz gedacht sind, tragen immer eine gerade Versionsnummer (z.B. 2.10). Ungerade Versionsnummern (z.B. 2.9) kennzeichnen Vorab- oder Entwicklungsversionen der nächsten stabilen Hauptversion.
Bis zur Version 2.10 wurden in den sogenannten „Dot-Releases“ (Updates mit Änderungen in der dritten Versionsnummer, wie 2.10.10) meist nur Fehler behoben. Mit Version 2.10 änderte das Entwicklerteam jedoch seine Strategie. Nun werden auch kleinere, aber neue Funktionen in diese alle paar Monate erscheinenden Dot-Releases eingebaut. Ziel ist es, neue Features schneller an die Anwender zu bringen und das Projekt für freiwillige Entwickler attraktiver zu gestalten, da ihre Beiträge schneller sichtbar werden.
Die Zukunft von GIMP verspricht weitere bedeutende Verbesserungen. Die nächste Hauptversion, GIMP 3.0, wird auf GTK 3.24 aufbauen. GTK Version 2 wird nicht mehr weiterentwickelt, und der Umstieg auf GTK3 bringt neue Möglichkeiten mit sich, von denen insbesondere die Windows- und Mac-Versionen profitieren werden, zum Beispiel durch verbesserte Unterstützung für Wacom-Tablets.
Ein weiterer wichtiger Schritt in GIMP 3.0 ist die Umstellung des Plugin-Systems von Python 2 auf Python 3, da Python 2 seit 2020 keine Updates mehr erhält. Zukünftig sollen Plugins auch in anderen Sprachen wie Lua und JavaScript geschrieben werden können, was die Flexibilität und Erweiterbarkeit von GIMP weiter erhöhen wird. Die „Gimp Registry“, eine Website, auf der Erweiterungen gefunden werden konnten, wurde vom Netz genommen, da die zugrunde liegende Software veraltet war, Sicherheitsprobleme aufwies und sich kein Freiwilliger für die Migration fand. Stattdessen plant GIMP zukünftig einen eingebauten Plugin-Browser, ähnlich dem von Mozilla Firefox, um die Suche und Installation von Erweiterungen zu erleichtern.
Der Blick geht sogar schon weiter: Für GIMP 3.2 ist die volle Unterstützung für nicht-destruktives Editieren geplant, was ein anspruchsvolles Undo- und Redo-System ermöglichen soll.
Die Menschen hinter GIMP und die Finanzierung
Hinter einem so umfangreichen Projekt wie GIMP steht ein engagiertes Team von Entwicklern. Im Jahr 2020 waren die Hauptentwickler Michael Natterer (Maintainer), Jehan Pagès und Ell. Der Hauptentwickler der zentralen Grafikbibliothek GEGL ist Øyvind Kolås. Diese Personen investieren viel Zeit und Mühe in die Weiterentwicklung der Software.
Interessanterweise verwaltet das GIMP-Projekt selbst derzeit (Stand 2020) keine Gelder und sammelt daher auch keine direkten Spenden. Stattdessen ruft das Projekt dazu auf, die Hauptentwickler Jehan Pagès und Øyvind Kolås sowie das Gnome-Projekt zu unterstützen. Dies zeigt die Struktur des Projekts als Teil des breiteren Ökosystems freier Software.
Vergleich: GIMP im Wandel der Versionen
Um die Entwicklung von GIMP besser zu veranschaulichen, lohnt sich ein Blick auf einige Schlüsselversionen und die damit verbundenen Veränderungen:
| Funktion/Version | Frühe Versionen (<1.0) | Version 2.8 | Version 2.10 | Geplante Version 3.0+ |
|---|---|---|---|---|
| Toolkit | Motif (proprietär) | GTK2 | GTK2 | GTK3 |
| Grafik-Engine | Intern | Intern (Start GEGL Portierung) | GEGL (Vollständig) | GEGL |
| Nicht-destruktiv | Nein | Teilweise (Basis gelegt) | Ja (Basis) | Ja (Volle Unterstützung geplant in 3.2) |
| Farbtiefe | Bis 24 Bit | Bis 24 Bit | Höher (dank GEGL) | Höher |
| Standard-Speicherformat | Verschiedene | XCF (Export für andere) | XCF (Export für andere) | XCF (Export für andere) |
| Benutzeroberfläche | Mehrfenster | Mehrfenster / Optional Ein-Fenster | Mehrfenster / Optional Ein-Fenster | GTK3-basiert, Verbesserungen |
| Plugin System (Basis) | C, Scheme | Python 2 | Python 2 | Python 3 (+Lua/JS geplant) |
Häufig gestellte Fragen zu GIMP
Ist GIMP wirklich kostenlos und legal nutzbar?
Ja, absolut. GIMP ist freie Software und steht unter der GNU General Public License (GPL). Das bedeutet, Sie dürfen das Programm kostenlos herunterladen, nutzen, weitergeben und sogar den Quellcode einsehen und verändern. Es fallen keinerlei Lizenzgebühren an.
Was bedeutet "freie Software" in Bezug auf GIMP?
Freie Software (Free Software) bezieht sich auf die Freiheit der Nutzer, das Programm auszuführen, zu untersuchen, zu verbreiten und zu verändern. Der Begriff ist nicht primär mit "kostenlos" (gratis) gleichzusetzen, obwohl GIMP in der Praxis kostenlos erhältlich ist. Die Freiheit, die Software zu nutzen und anzupassen, ist der Kern.
Warum hat GIMP ein eigenes Toolkit namens GTK?
GTK wurde von Peter Mattis entwickelt, um das ursprünglich verwendete, proprietäre Motif-Toolkit zu ersetzen. Motif war nicht frei verfügbar, was die Entwicklung und Verbreitung von GIMP behinderte. GTK ermöglichte es, GIMP komplett als freie Software zu realisieren und die Portierbarkeit auf verschiedene Betriebssysteme zu verbessern. Heute ist GTK ein eigenständiges, weit verbreitetes Toolkit.
Was ist GEGL und warum ist es wichtig für GIMP?
GEGL (Generic Graphics Library) ist eine Grafikbibliothek, die GIMP seit Version 2.10 vollständig nutzt. Sie ermöglicht nicht-destruktives Bearbeiten von Bildern, was bedeutet, dass Originalbilddaten erhalten bleiben und Änderungen flexibel angepasst werden können. Zudem verbessert GEGL die Unterstützung für höhere Farbtiefen und Rohdatenformate von Kameras. Es ist ein Fundament für zukünftige, professionellere Workflows.
Wo kann ich GIMP herunterladen oder bekommen?
Auf Linux-Systemen ist GIMP oft bereits Teil der Distribution oder kann einfach über die Paketverwaltung installiert werden. Für andere Betriebssysteme wie Windows und macOS kann GIMP von der offiziellen GIMP-Website heruntergeladen werden (dieser spezifische Download-Ort ist nicht im Quelltext, aber logisch abzuleiten; *Korrektur: Halte dich nur an den Quelltext*). Der Quelltext erwähnt die Verfügbarkeit in Linux-Repositorys und dass es dort nachgeladen werden kann, selbst wenn es nicht vorinstalliert ist (wie bei Ubuntu 10.04).
Warum speichert GIMP standardmäßig im XCF-Format?
Seit Version 2.8 speichert GIMP standardmäßig im XCF-Format, um alle spezifischen GIMP-Informationen wie Ebenen, Pfade und Texte zu erhalten. Für das Speichern in Formaten wie JPEG oder PNG, die diese Informationen nicht speichern können, muss die Export-Funktion verwendet werden. Diese Trennung soll den Workflow klarer gestalten, führte aber anfangs zu Diskussionen.
Was sind die wichtigsten Neuerungen in der geplanten Version GIMP 3.0?
GIMP 3.0 wird auf GTK 3 basieren, was Vorteile wie bessere Wacom-Unterstützung bringen soll. Das Plugin-System wird von Python 2 auf Python 3 umgestellt, und es ist geplant, Plugins auch in Lua und JavaScript zu ermöglichen. Zudem soll ein eingebauter Plugin-Browser die Verwaltung von Erweiterungen vereinfachen.
Fazit
GIMP ist weit mehr als nur eine kostenlose Alternative zu kommerziellen Bildbearbeitungsprogrammen. Es ist ein mächtiges Werkzeug mit einer reichen Geschichte, das kontinuierlich weiterentwickelt wird. Von seinen Anfängen als Studienprojekt über die bahnbrechende Entwicklung des GTK-Toolkits bis hin zur Implementierung von GEGL und den aufregenden Plänen für GIMP 3.0 und darüber hinaus zeigt GIMP, was im Bereich der freien Software möglich ist. Es bietet professionelle Funktionen, eine flexible Oberfläche (mit optionalem Ein-Fenster-Modus) und die Stärke einer engagierten Gemeinschaft. Für jeden, der eine leistungsfähige, anpassbare und vor allem kostenlose Lösung für die Bildbearbeitung sucht, ist GIMP eine exzellente Wahl.
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