Das Histogramm stellt eine aussagekräftige grafische Methode dar, um die Verteilung von Datensätzen zu veranschaulichen, die zuvor in spezifische Klassen eingeteilt wurden. Es handelt sich um eine besondere Form des Säulendiagramms, das uns hilft, Muster und Häufigkeiten innerhalb unserer Daten auf einen Blick zu erfassen. In diesem Artikel tauchen wir tief in die Materie ein: Wir erklären, was genau ein Histogramm ist, worauf man bei seiner Erstellung achten muss und vor allem, wie man die darin enthaltenen Informationen korrekt interpretiert.

Was ist ein Histogramm?
Ein Histogramm kann man sich wie ein verfeinertes Säulendiagramm vorstellen. Seine Hauptaufgabe ist die Visualisierung der Häufigkeitsverteilung eines quantitativen, kontinuierlichen Merkmals, das in bestimmte Klassen unterteilt wurde. Auf der horizontalen Achse, auch Abszissenachse genannt, werden die definierten Klassen der Merkmalsausprägungen dargestellt. Die vertikale Achse, die Ordinatenachse, zeigt hingegen die zugehörigen Häufigkeiten oder die Häufigkeitsdichte.

Der entscheidende Unterschied zu einem klassischen Säulendiagramm liegt darin, dass die Daten für ein Histogramm nicht einfach übernommen werden können, sondern zunächst eine notwendige Vorverarbeitung durchlaufen müssen. Diese Vorverarbeitung besteht darin, die Rohdaten zu gruppieren und in sinnvolle Klassen einzuteilen. Jede dieser Klassen wird später durch ein Rechteck oder eine Säule im Histogramm repräsentiert.
Während in einem gewöhnlichen Säulendiagramm die Höhe einer Säule direkt eine Häufigkeit, eine Anzahl oder eine ähnliche Größe abbildet, ist es beim Histogramm anders. Hier repräsentiert die Fläche jeder Säule die absolute oder relative Häufigkeit der jeweiligen Klasse. Die Höhe der einzelnen, direkt aneinandergrenzenden Säulen gibt stattdessen die Häufigkeitsdichte der jeweiligen Klasse wieder. Dies ist ein wichtiger Unterschied, der oft zu Verwirrung führt.
Wenn alle Klassen die gleiche Breite aufweisen, kann zur Vereinfachung der Darstellung statt der Häufigkeitsdichte auch die absolute oder relative Häufigkeit auf der Ordinatenachse abgetragen werden. Dies macht das Diagramm unter Umständen leichter lesbar. Ob ein Histogramm absolute oder relative Häufigkeiten bzw. deren Dichten darstellt, hängt vom gewählten Modell und dem spezifischen Informationsbedarf ab. Für die Erstellung eines Histogramms ist es unerlässlich, dass das untersuchte Merkmal quantitativer Natur, kontinuierlich und in Klassen einteilbar ist.
Klassen im Histogramm
Bevor ein Histogramm gezeichnet werden kann, müssen die zugrundeliegenden Daten in Klassen eingeteilt werden. Die Wahl der Klassen ist ein wichtiger Schritt und beeinflusst das Erscheinungsbild und die Interpretierbarkeit des Histogramms maßgeblich.
Klassenbreite
Die Klassen in einem Histogramm können entweder die gleiche oder unterschiedliche Breiten aufweisen, je nachdem, was für den jeweiligen Anwendungsfall am sinnvollsten ist. Wenn man ein kontinuierliches Merkmal mit gleichmäßigen Abständen in gleich große Gruppen untersuchen möchte – beispielsweise Altersgruppen von 10 Jahren – ist eine identische Klassenbreite, auch äquidistante Klassenbreite genannt, oft die beste Wahl. Sie vereinfacht die Interpretation der Grafik, insbesondere im mittleren Wertebereich.
Es gibt jedoch auch Situationen, in denen es sinnvoll ist, unterschiedliche Klassenbreiten zu wählen (nicht-äquidistant). Dies ist beispielsweise der Fall, wenn man die Häufigkeit über bestimmte, aber ungleich große, zusammengehörige Gruppen darstellen möchte, wie etwa verschiedene Einkommensgruppen, bei denen höhere Einkommen oft in breitere Klassen zusammengefasst werden, um die Darstellung übersichtlich zu halten. Ein weiteres Beispiel wäre die Veranschaulichung von Daten über Generationen hinweg, die nicht immer genau gleiche Zeitspannen umfassen.
Bei der Verwendung von ungleichen Klassenbreiten ist es zwingend erforderlich, die Häufigkeitsdichte auf der Ordinatenachse darzustellen. Würde man hier die Klassenhäufigkeiten abbilden, würde dies zu einer fehlerhaften und irreführenden Darstellung führen, da die Flächen nicht mehr proportional zu den Häufigkeiten wären. Bei gleicher Klassenbreite ist das höchste Rechteck dasjenige mit der größten Häufigkeit. Bei ungleicher Klassenbreite hingegen ist das Rechteck mit dem größten Flächeninhalt das relevanteste, da die Fläche die Häufigkeit repräsentiert.
Erstellung eines Histogramms
Die Erstellung eines Histogramms kann auf verschiedene Weisen erfolgen. Wie bei vielen statistischen Auswertungen ist sowohl eine manuelle Berechnung und Zeichnung als auch die Nutzung spezialisierter Software möglich. Im Vergleich zu komplexeren Analysemethoden ist das händische Vorgehen beim Histogramm relativ überschaubar und mit überschaubarem Aufwand umsetzbar.
Schritte zur Erstellung
Der Prozess der Histogrammerstellung lässt sich in wenigen Schritten zusammenfassen:
- Daten klassifizieren: Zuerst wird der vorliegende Datensatz des kontinuierlichen Merkmals in eine sinnvolle Anzahl von Klassen eingeteilt. Die Anzahl der Klassen, ihre Breiten und ob sie gleich oder unterschiedlich sind, kann prinzipiell frei gewählt werden. Die Klassenbreiten werden üblicherweise mit bi bezeichnet.
- Klassenhäufigkeit ermitteln: Im zweiten Schritt wird für jede definierte Klasse gezählt, wie viele Messwerte in sie fallen. Dies ergibt die absolute Klassenhäufigkeit ni.
- Säulenhöhe berechnen: Aus der ermittelten absoluten Klassenhäufigkeit ni und der Klassenbreite bi wird die Höhe der einzelnen Rechtecke (Säulen) im Histogramm berechnet. Die Formel zur Berechnung der Höhe (hi) leitet sich aus der Flächenformel eines Rechtecks (Fläche = Breite × Höhe) ab. Stellt man diese nach der Höhe um, erhält man Höhe = Fläche / Breite. Im Kontext des Histogramms entspricht die Fläche der Häufigkeit (ni) und die Breite der Klassenbreite (bi). Die Formel für die Höhe der Säule, die die Häufigkeitsdichte repräsentiert, lautet somit:
hi = ni / bi
Wenn anstelle der absoluten Klassenhäufigkeit die relative Klassenhäufigkeit verwendet werden soll, muss die absolute Klassenhäufigkeit (ni) zunächst durch die Gesamtzahl aller Messwerte (N) geteilt werden, um die relative Häufigkeit (fi) zu erhalten (fi = ni / N). Die Formel zur Berechnung der Rechteckhöhe unter Verwendung der relativen Häufigkeit ändert sich entsprechend zu:
hi = fi / bi
Im letzten Schritt wird das Histogramm gezeichnet. Zur Überprüfung der Berechnungen kann man die berechnete Säulenhöhe mit der Klassenbreite multiplizieren; das Ergebnis sollte wieder die jeweilige Klassenhäufigkeit (absolut oder relativ) ergeben.
Wichtige Hinweise zum Zeichnen
Beim Zeichnen des Diagramms ist eine angemessene Skalierung der Achsen sowie eine präzise und maßstabsgetreue Beschriftung von großer Bedeutung für die korrekte Interpretation. Ein charakteristisches Merkmal des Histogramms ist, dass die gezeichneten Rechtecke im Gegensatz zu denen eines Säulendiagramms immer direkt aneinandergrenzen. Es gibt keine Abstände zwischen den Säulen, was die kontinuierliche Natur des dargestellten Merkmals unterstreicht.
Beispiel: Klausurergebnisse
Um die Vorgehensweise zur Erstellung eines Histogramms zu verdeutlichen, betrachten wir ein einfaches hypothetisches Beispiel: die Ergebnisse einer Statistik-Klausur von 20 Studenten.
Zunächst teilen wir die erzielten Punkte in Klassen von jeweils 20 Punkten Breite ein und zählen, wie viele Studenten in jede Klasse fallen (absolute Häufigkeit ni). Die Klassenbreite bi beträgt hier für alle Klassen 20 Punkte.

| Klasse (Punkte) | Klassenbreite (bi) | Absolute Häufigkeit (ni) | Relative Häufigkeit (fi) | Höhe (Häufigkeitsdichte hi = ni/bi) |
|---|---|---|---|---|
| 0 - unter 20 | 20 | 0 | 0/20 = 0 | 0/20 = 0 |
| 20 - unter 40 | 20 | 3 | 3/20 = 0,15 | 3/20 = 0,15 |
| 40 - unter 60 | 20 | 5 | 5/20 = 0,25 | 5/20 = 0,25 |
| 60 - unter 80 | 20 | 10 | 10/20 = 0,50 | 10/20 = 0,50 |
| 80 - unter 100 | 20 | 2 | 2/20 = 0,10 | 2/20 = 0,10 |
Anhand dieser Tabelle können wir das Histogramm zeichnen. Wie aus der Tabelle und dem daraus abgeleiteten Diagramm (hier nur beschrieben) ersichtlich wird, hat in diesem Beispiel kein Student weniger als 20 Punkte erreicht. Die zweithöchste Häufigkeit liegt mit 5 Studenten in der Klasse von 40 bis unter 60 Punkten. Die höchste Häufigkeit mit 10 von 20 Messwerten (50% der Studenten) findet sich in der Klasse von 60 bis unter 80 Punkten. Die zugehörige Häufigkeitsdichte beträgt hier 0,50. Dieses Beispiel verdeutlicht, wie das Histogramm schnell die Verteilung der Ergebnisse sichtbar macht.
Das MACD-Histogramm
Neben der Verwendung in der allgemeinen Statistik gibt es auch spezielle Anwendungen von Histogrammen in anderen Bereichen, wie zum Beispiel in der Finanzanalyse. Technische Analysten nutzen das MACD-Histogramm, um Veränderungen im Momentum eines Finanzinstruments zu erkennen.
Das MACD-Histogramm stellt grafisch die Differenz zwischen der MACD-Linie und der Signallinie dar. Wenn beispielsweise ein Unterschied von 5 US-Dollar zwischen den beiden Linien besteht, wird dies durch einen Balken im Histogramm visualisiert. Dieses Diagramm wird direkt unter dem Kurschart gezeichnet, um Tradern die Einschätzung des momentanen Momentums zu erleichtern.
Ein Balken des MACD-Histogramms ist positiv (oberhalb der Nulllinie), wenn die MACD-Linie über der Signallinie liegt. Er ist negativ (unterhalb der Nulllinie), wenn die MACD-Linie unter der Signallinie liegt. Ein ansteigendes MACD-Histogramm, bei dem die Balken länger werden, deutet auf ein zunehmendes Aufwärtsmomentum hin. Ein fallendes Histogramm, bei dem die Balken kürzer werden, signalisiert ein nachlassendes oder zunehmendes Abwärtsmomentum.
Traden mit dem MACD-Histogramm
Eine bekannte Schwäche bei der alleinigen Verwendung der MACD-Linie und der Signallinie ist die Verzögerung der generierten Signale. Wenn die MACD-Linie die Signallinie kreuzt, um ein Kauf- oder Verkaufssignal zu geben, ist die Preisbewegung oft bereits im Gange. Dies liegt daran, dass beide Linien auf gleitenden Durchschnitten basieren, die per Definition verzögert auf Preisänderungen reagieren. Trader verpassen dadurch oft einen Teil der anfänglichen Kursbewegung.
Das MACD-Histogramm kann hier helfen, dieses Signal-Lag-Problem zu mindern, indem es potenziell frühere Einstiegssignale liefert. Trader können die Länge der Histogrammbalken beobachten, während sie sich von der Nulllinie entfernen und wieder nähern. Sie könnten ein Handelssignal in Betracht ziehen, wenn ein Histogrammbalken kürzer ist als der unmittelbar vorhergehende Balken, insbesondere wenn dies nach einer längeren Phase zunehmender Balkenlänge geschieht. Wenn der kleinere Balken fertiggestellt ist, könnten Trader eine Position in Richtung der vermuteten Momentumabnahme eröffnen.
Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass das MACD-Histogramm, wie die meisten technischen Indikatoren, idealerweise in Verbindung mit anderen Analysewerkzeugen verwendet werden sollte, um die Zuverlässigkeit der Signale zu erhöhen. Zudem sollten Risikomanagement-Strategien wie das Setzen von Stop-Loss-Orders angewendet werden, falls sich der Kurs nicht wie erwartet entwickelt.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Histogramme ein wertvolles Werkzeug zur Visualisierung von klassierten absoluten oder relativen Häufigkeiten sind. Sie unterscheiden sich von Säulendiagrammen durch die Bedeutung der Fläche der Säulen (für die Häufigkeit) und der Höhe (für die Häufigkeitsdichte) sowie durch die direkt aneinandergrenzenden Balken. Durch die Einteilung der Daten in Klassen, die Ermittlung der Klassenhäufigkeiten und die Berechnung der Säulenhöhen kann ein Histogramm erstellt und interpretiert werden. Es zeigt uns schnell die Verteilungsmuster in einem Datensatz, wie das Beispiel der Klausurergebnisse verdeutlicht. Auch in spezialisierten Bereichen wie der technischen Finanzanalyse findet es Anwendung, beispielsweise als MACD-Histogramm zur Analyse von Momentum. Die Fähigkeit, ein Histogramm zu lesen und zu verstehen, ist eine grundlegende Fertigkeit für die Datenanalyse in verschiedenen Disziplinen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist ein Histogramm in einfachen Worten?
Ein Histogramm ist ein Diagramm, das numerische Daten mithilfe von Rechtecken anzeigt. Die Höhe eines Rechtecks (vertikale Achse) repräsentiert, wie oft ein bestimmter Wert oder eine Gruppe von Werten (eine Klasse) in den Daten vorkommt. Die Breite des Rechtecks (horizontale Achse) repräsentiert den Bereich der Werte, die diese Klasse abdeckt (z. B. Altersspannen, Punktbereiche).
Was ist der Unterschied zwischen einem Histogramm und einem Säulendiagramm?
Der Hauptunterschied liegt in der Art der dargestellten Daten und der Interpretation der Grafik. Ein Histogramm stellt die Häufigkeitsverteilung von kontinuierlichen, in Klassen eingeteilten Daten dar. Die Fläche der Säulen ist proportional zur Häufigkeit, und die Säulen grenzen direkt aneinander. Ein Säulendiagramm vergleicht diskrete oder kategoriale Variablen. Die Höhe der Säulen repräsentiert direkt einen Wert (Häufigkeit, Menge etc.), und zwischen den Säulen gibt es normalerweise Abstände. Beim Histogramm hat sowohl Höhe als auch Breite der Säulen eine spezifische Bedeutung; beim Säulendiagramm ist es primär die Höhe.
Wann sollte ein Histogramm verwendet werden?
Ein Histogramm sollte generell verwendet werden, wenn die Verteilung numerischer Daten über verschiedene Intervalle oder Bereiche hinweg verglichen und visualisiert werden soll. Sie sind besonders nützlich, um schnell und einfach die zentralen Tendenzen, die Streuung und die Form der Verteilung großer Datenmengen zu erkennen. Dies kann beispielsweise bei der Analyse von Messergebnissen, Bevölkerungsdaten oder Finanzdaten hilfreich sein.
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