Wenn wir über Fotografie sprechen, denken viele zuerst an Auflösung, Bildqualität oder Objektive. Doch ein entscheidender Faktor, besonders in spezialisierten Bereichen, ist die Geschwindigkeit. Nicht die Geschwindigkeit des Fotografen beim Auslösen, sondern die Geschwindigkeit, mit der die Kamera Momente festhalten kann – gemessen in Bildern pro Sekunde. Aber was bedeutet 'schnell' wirklich in der Welt der Kameras, und wo liegen die aktuellen Grenzen?

Es gibt verschiedene Arten von 'schnellen' Kameras, je nachdem, wofür sie eingesetzt werden. Eine gängige Digitalkamera kann vielleicht 10 bis 20 Bilder pro Sekunde (FPS) aufnehmen. Eine professionelle spiegellose Kamera kann diese Rate auf über 100 FPS steigern, was für Sportfotografie oder Action-Aufnahmen bereits beeindruckend ist. Doch diese Geschwindigkeiten verblassen im Vergleich zu dem, was im Bereich der wissenschaftlichen oder industriellen Hochgeschwindigkeitsfotografie möglich ist.
Hochgeschwindigkeitsfotografie für Profis: Die i-SPEED 727
Im Bereich der professionellen Hochgeschwindigkeitskameras, die für Industrie, Forschung oder Medienproduktionen eingesetzt werden, geht es oft nicht nur um die reine Bildrate, sondern auch um die Benutzerfreundlichkeit und Vielseitigkeit. Ein Beispiel dafür ist die i-SPEED 727. Diese Kamera wurde entwickelt, um komplexe Bewegungsabläufe mit hoher Präzision zu erfassen.

Was die i-SPEED 727 besonders macht, sind ihre einfachen und intuitiven Steuerungsmöglichkeiten. Anwender haben die Wahl: Sie können die Kamera entweder über die i-SPEED Software Suite 2.0 steuern, die eine umfassende Kontrolle per PC ermöglicht. Diese Software erlaubt nicht nur die Einstellung aller Kameraparameter, sondern auch die Bearbeitung, Analyse und das Teilen der aufgenommenen Videos. Dies ist besonders nützlich für detaillierte Bewegungsstudien oder Fehleranalysen in technischen Prozessen.
Alternativ bietet die Kamera die Steuerung über eine separate Bedienkonsole, die Control Display Unit (CDU). Hierbei handelt es sich um einen 10,8 Zoll großen Touchscreen, der dem Benutzer direkten Zugriff auf die wichtigsten Funktionen gibt. Über die CDU lassen sich wesentliche Kameraeinstellungen wie Fokus und Belichtung direkt anpassen, was Flexibilität beim Einsatz vor Ort bietet. Die Möglichkeit, zwischen Software-Steuerung und dedizierter Hardware-Einheit zu wählen, zusammen mit der feinen Einstellbarkeit, macht die i-SPEED 727 zu einem leistungsfähigen Werkzeug für professionelle Anwendungen, bei denen eine hohe Bildrate in Kombination mit einfacher Handhabung gefragt ist. Die i-SPEED 727 hebt sich durch ihre Vielzahl an Bedien- und Einstellungsmöglichkeiten von vielen anderen Kameras in ihrem Segment ab.
Die schnellste Kamera der Welt: SCARF
Wenn wir jedoch von der absolut schnellsten Kamera der Welt sprechen, verlassen wir den Bereich der kommerziell erhältlichen Produkte und begeben uns in die Welt der Spitzenforschung. Hier haben Wissenschaftler in Kanada ein Kamerasystem entwickelt, das alle bisherigen Rekorde bricht: SCARF.
SCARF steht für „swept-coded aperture real-time femtophotography“. Der Name deutet bereits auf die unglaubliche Geschwindigkeit hin: SCARF kann Aufnahmen mit einer Rate von bis zu 156,3 Billionen (!) Bildern pro Sekunde machen. Das ist eine Geschwindigkeit, die sich unsere Vorstellungskraft kaum fassen kann.
Warum benötigt man solch extreme Geschwindigkeiten? SCARF wurde speziell für Wissenschaftler entwickelt, die mikrofeine Ereignisse untersuchen, die so schnell ablaufen, dass bestehende Sensoren sie einfach nicht erfassen können. Denken Sie an Prozesse auf atomarer oder molekularer Ebene, chemische Reaktionen, die in Femtosekunden (eine Femtosekunde ist ein Billiardstel einer Sekunde) ablaufen, oder die Ausbreitung von Licht selbst.
Mit SCARF konnten bereits ultra-schnelle Ereignisse wie die Absorption in einem Halbleiter oder die Entmagnetisierung einer Metalllegierung festgehalten werden. Solche Phänomene sind für das menschliche Auge und selbst für herkömmliche Hochgeschwindigkeitskameras unsichtbar.
Wie funktioniert SCARF?
SCARF unterscheidet sich grundlegend von früheren Systemen für ultra-schnelle Fotografie. Bisherige Methoden nahmen oft einzelne Frames nacheinander auf und setzten diese dann zu einem Film zusammen, um das Ereignis zu rekonstruieren. Das Team um Professor Jinyang Liang am Research Centre Institut national de la recherche scientifique (INRS) in Quebec, Kanada, nutzte stattdessen eine Technik namens „passive femtosecond imaging“. Dies ermöglichte das T-CUP-System (Trillion-frame-per-second compressed ultrafast photography), das tatsächlich Billionen von Frames pro Sekunde erfassen kann.
Professor Jinyang Liang gilt als Pionier der Ultra-Hochgeschwindigkeitsbildgebung, und seine bahnbrechende Arbeit aus dem Jahr 2018 legte den Grundstein für dieses jüngste Projekt. Das Problem bei vielen früheren Systemen, die auf komprimierter Ultra-Hochgeschwindigkeitsfotografie basieren, war oft eine reduzierte Datenqualität oder ein Kompromiss bei der Tiefe des Sichtfelds. „Diese Einschränkungen“, erklärt Miguel Marquez, Postdoktorand und Co-Erstautor der Studie, „sind auf das Funktionsprinzip zurückzuführen, das ein gleichzeitiges Scheren der Szene und der codierten Apertur erfordert.“
SCARF umgeht diese Probleme. Das System initiiert „gechirpte“ ultrakurze Laserpulse mit einer Frequenz von 156,3 Billionen Mal pro Sekunde, die durch das untersuchte Objekt wandern. Die Kamera nutzt eine sogenannte „Computational Imaging Modality“, eine Art rechnergestützte Bildgebung. Dabei wird räumliche Information erfasst, indem das Licht zu leicht unterschiedlichen Zeitpunkten auf den Sensor trifft. Die Daten werden dann von einem Computeralgorithmus verarbeitet, der die zeitlich versetzten Eingaben dekodiert und ein vollständiges Bild rekonstruiert.
Nach Angaben des Teams ermöglicht diese Methode, dass einzelne Pixel auf einem Sensor, der typischerweise ein CCD (Charge-Coupled Device) ist, vollständige Sequenz-Kodierungsgeschwindigkeiten von bis zu 156,3 THz (TeraHertz) empfangen können – was den 156,3 Billionen Bildern pro Sekunde entspricht.
Besonders bemerkenswert ist, dass das Team SCARF „unter Verwendung handelsüblicher und passiver optischer Komponenten“ gebaut haben soll. Dies deutet darauf hin, dass die Innovation weniger in exotischen, teuren Einzelteilen liegt, sondern im cleveren Arrangement und der Nutzung der Rechenleistung zur Bildrekonstruktion. Die Forschungsergebnisse wurden im renommierten Fachmagazin Nature veröffentlicht.

Mögliche Anwendungen von SCARF
Professor Liang weist darauf hin, dass Phänomene wie Femtosekunden-Laserablation (das Abtragen von Material durch ultrakurze Laserpulse), die Wechselwirkung von Schockwellen mit lebenden Zellen oder optisches Chaos mit SCARF untersucht werden können – was mit früheren Ultra-Hochgeschwindigkeitskamerasystemen nicht möglich war. Dies eröffnet völlig neue Möglichkeiten in der Physik, Chemie, Biologie und Materialwissenschaft.
Vergleich: Professionelle Highspeed vs. Wissenschaftliche Ultrafast
Es ist wichtig zu verstehen, dass die i-SPEED 727 und SCARF für sehr unterschiedliche Zwecke konzipiert sind. Hier ein einfacher Vergleich:
| Merkmal | Professionelle Highspeed (z.B. i-SPEED 727) | Wissenschaftliche Ultrafast (z.B. SCARF) |
|---|---|---|
| Anwendung | Industrie, Forschung, Medien, Produktentwicklung (Analyse von Bewegungsabläufen, Stürzen, Explosionen) | Grundlagenforschung (Studium von Femtosekunden-Prozessen, Lichtausbreitung, atomare/molekulare Ereignisse) |
| Typische Bildrate | Tausende bis Zehntausende FPS (können variieren je nach Auflösung) | Billionen FPS (THz-Bereich) |
| Benutzerfreundlichkeit | Hoch, konzipiert für einfache Bedienung und Steuerung | Komplex, erfordert spezialisiertes Wissen und Laborumgebung |
| Technologie | Fortgeschrittene Sensor- und Aufnahmetechniken, traditionelle Frame-Erfassung | Innovative Computational Imaging Modality, passive Femtosekunden-Techniken (T-CUP) |
| Zugänglichkeit | Kommerziell erhältlich (sehr teuer) | Experimentelles Forschungssystem (nicht kommerziell erhältlich) |
| Erfasste Ereignisse | Schnelle, aber makroskopische oder mikroskopische Bewegungen | Extrem schnelle, mikroskopische/atomare Ereignisse |
Dieser Vergleich macht deutlich: Während eine Highspeedkamera wie die i-SPEED 727 ein leistungsstarkes Werkzeug für professionelle Anwendungen ist, bei denen es um die Analyse schneller Bewegungen geht, ist SCARF ein wissenschaftliches Instrument, das die Grenzen dessen verschiebt, was wir sehen und verstehen können, indem es Ereignisse im Femtosekunden-Bereich zugänglich macht.
Was bedeutet FPS (Frames Per Second) und THz (TeraHertz)?
Um die Geschwindigkeit von SCARF wirklich zu würdigen, ist es hilfreich, die Einheiten zu verstehen:
- FPS (Frames Per Second): Bilder pro Sekunde. Eine normale Videokamera nimmt typischerweise 24, 25, 30 oder 60 FPS auf. Eine Highspeedkamera im Profibereich erreicht schnell mehrere Tausend oder Zehntausend FPS.
- THz (TeraHertz): TeraHertz ist eine Frequenzeinheit, die Billionen von Zyklen pro Sekunde bedeutet. Im Kontext von SCARF bezieht sich die Geschwindigkeit von 156,3 THz auf die Rate, mit der die Daten für jeden Pixel kodiert und empfangen werden können, was effektiv einer Aufnahme von 156,3 Billionen Bildern pro Sekunde gleichkommt. 1 THz = 1.000.000.000.000 Hz.
Die Kluft zwischen Tausenden von FPS und Billionen von Bilder pro Sekunde ist astronomisch groß und zeigt den Unterschied zwischen dem Festhalten sichtbarer Bewegungen und dem Erfassen subatomarer Prozesse.
Häufig gestellte Fragen
Hier beantworten wir einige Fragen, die sich ergeben könnten:
Was ist der Hauptunterschied zwischen einer normalen Kamera und einer Highspeedkamera?
Der Hauptunterschied liegt in der Geschwindigkeit, mit der Bilder aufgenommen werden können (FPS). Normale Kameras sind für die menschliche Wahrnehmung oder typische Videoanwendungen optimiert (bis ca. 60 FPS). Highspeedkameras nehmen Hunderte, Tausende oder sogar Millionen von Bildern pro Sekunde auf, um Bewegungen zu verlangsamen und analysierbar zu machen.
Kann ich eine SCARF-Kamera kaufen?
Nein, SCARF ist derzeit ein experimentelles Forschungssystem, das am INRS in Kanada entwickelt wurde. Es ist nicht kommerziell erhältlich.
Wofür wird eine Kamera wie die i-SPEED 727 eingesetzt?
Die i-SPEED 727 wird in Bereichen eingesetzt, wo schnelle Bewegungsabläufe detailliert analysiert werden müssen. Dazu gehören Crashtests in der Automobilindustrie, die Analyse von Produktionsprozessen, Forschung und Entwicklung, ballistische Studien oder auch die Erstellung von Super-Slow-Motion-Aufnahmen für Dokumentationen oder Werbespots.
Was ist Femtosekunden-Imaging?
Femtosekunden-Imaging bezieht sich auf Techniken, die es ermöglichen, Ereignisse zu erfassen, die im Bereich von Femtosekunden ablaufen. Dies sind extrem kurze Zeiträume (10-15 Sekunden), in denen z.B. Licht Materie durchdringt oder chemische Bindungen aufgebrochen werden. Es erfordert spezielle Methoden, da herkömmliche elektronische Sensoren nicht schnell genug reagieren können.
Wie funktioniert die rechnergestützte Bildgebung (Computational Imaging) bei SCARF?
Anstatt ein direktes Bild auf den Sensor zu projizieren, nutzt Computational Imaging mathematische Algorithmen, um ein Bild aus Daten zu rekonstruieren, die nicht direkt als Bild aufgenommen wurden. Bei SCARF werden die Informationen über das Geschehen im Objekt zeitlich kodiert, während sie den Sensor erreichen. Der Computer dekodiert dann diese zeitlich versetzten Daten, um das endgültige Bild der ultra-schnellen Sequenz zu erstellen.
Fazit
Die Welt der schnellen Kameras ist faszinierend und reicht von leistungsstarken Werkzeugen für die Industrie bis hin zu bahnbrechenden wissenschaftlichen Instrumenten, die uns Einblicke in die allerschnellsten Prozesse der Natur ermöglichen. Kameras wie die i-SPEED 727 bieten professionellen Anwendern die Möglichkeit, schnelle Bewegungen mit hoher Detailtreue und einfacher Bedienung zu erfassen.
Auf der anderen Seite verschiebt das SCARF-System die Grenzen des technisch Machbaren und erreicht Geschwindigkeiten von Trillionen von Bildern pro Sekunde, um Phänomene auf Femtosekundenskala zu untersuchen, die bisher völlig unsichtbar waren. Diese Entwicklungen zeigen, dass die Fotografie, weit über das einfache Festhalten eines Moments hinaus, ein mächtiges Werkzeug für Wissenschaft und Technologie ist, das uns hilft, die Welt um uns herum – auch die unglaublich schnelle – besser zu verstehen.
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