In einer Welt, in der das Smartphone zum ständigen Begleiter geworden ist und scheinbar jede Funktion abdeckt, mag die Frage berechtigt sein: Braucht man wirklich noch ein separates Navigationsgerät für das Auto? Während die Verkaufszahlen klassischer Navis in den letzten Jahren rückläufig waren – Anfang 2021 besaßen laut Statistischem Bundesamt aber immer noch rund 16 Millionen Haushalte in Deutschland ein solches Gerät –, gibt es nach wie vor gute Gründe, die für ein dediziertes Navi sprechen. Namhafte Hersteller wie Becker, Falk und Navigon sind vom Markt verschwunden, doch TomTom und Garmin behaupten sich weiterhin und bieten leistungsfähige Geräte an, die mehr können als nur von A nach B leiten.

Warum noch ein Navigationsgerät?
Obwohl kostenlose Smartphone-Apps wie Google Maps oder Here WeGo eine komfortable Navigation ermöglichen und oft auch Offline-Karten anbieten, haben eigenständige Navigationsgeräte klare Vorteile. Einer der wichtigsten ist die Unabhängigkeit vom Internet. Das Kartenmaterial ist in der Regel bereits lokal auf dem Gerät gespeichert. Das bedeutet, Sie benötigen keine Datenverbindung – ideal im Ausland, wo Roaming-Gebühren anfallen könnten (auch wenn innerhalb der EU das Roaming abgeschafft wurde) oder in Gebieten mit schlechtem Mobilfunkempfang.
Darüber hinaus sind Navis speziell für die Nutzung im Auto konzipiert. Sie verfügen oft über größere, hellere Displays, die auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut ablesbar sind. Die Halterungen sind in der Regel stabiler als Smartphone-Halterungen und die Stromversorgung über den Zigarettenanzünder ist gesichert, sodass Sie sich keine Sorgen um einen leeren Smartphone-Akku machen müssen. Die Bedienung ist auf die Navigation fokussiert und oft einfacher gestaltet, da keine störenden Benachrichtigungen oder Anrufe dazwischenkommen. Viele moderne Navis bieten zudem Features, die über die reine Navigation hinausgehen, wie spezielle Routenoptionen oder erweiterte Fahrerassistenzsysteme.
Navigationsgeräte vs. Smartphone-Apps: Ein Vergleich
Der Hauptvorteil von Smartphone-Apps liegt in ihrer Kostenlosigkeit und der ständigen Aktualität der Karten und Verkehrsinformationen, sofern eine Datenverbindung besteht. Apps wie Here WeGo ermöglichen auch das Herunterladen von Karten für die Offline-Nutzung, allerdings oft nur in kleineren Abschnitten im Vergleich zu den vorinstallierten Europakarten vieler Navis. Apps von TomTom AmiGo, Apple Karten oder Waze setzen stark auf Online-Datenverkehr, was im Ausland ohne Datenflatrate teuer werden kann.
Klassische Navis punkten mit ihrer Zuverlässigkeit bei der Offline-Nutzung, stabileren Halterungen und dedizierter Hardware. Die Routenführung selbst ist laut Tests oft vergleichbar gut, die Unterschiede in der Fahrzeit sind oft marginal. Wo Navis oft einen Vorteil haben können, ist bei der Qualität der Kartenanzeige (schärfere, hellere Displays) und der Aktualität der Karten, sofern diese regelmäßig per WLAN oder PC aktualisiert werden. Auch die Integration von Echtzeit-Verkehrsinfos ist bei höherwertigen Navis über DAB+ oder eine integrierte SIM-Karte oft komfortabler als über das gekoppelte Smartphone.

Die besten Navigationsgeräte im Test
In umfangreichen Tests haben wir zahlreiche Navigationsgeräte unter die Lupe genommen. Hier stellen wir Ihnen die Top-Modelle und empfehlenswerte Alternativen vor, basierend auf den Ergebnissen.
Testsieger: Garmin Drivesmart 66
Unser Testsieger ist das Garmin Drivesmart 66. Dieses Gerät überzeugt durch ein scharfes 6-Zoll-Display mit einer Auflösung von 1.280 x 720 Pixeln, das auch bei Sonnenlicht gut ablesbar ist. Die Bedienung ist dank Sprachsteuerung und schneller Menüs sehr komfortabel. Die Routenführung ist zuverlässig und Neuberechnungen erfolgen blitzschnell.
Besonders hervorzuheben sind nützliche Funktionen wie das Umweltzonen-Routing, das Ihr Fahrzeugprofil berücksichtigt und Sie vor der Einfahrt in gesperrte Zonen warnt. Der Fahrspurassistent und die dreidimensionalen Kreuzungsansichten erleichtern die Orientierung, besonders auf komplexen Autobahnkreuzen. Verkehrsinformationen können wahlweise über die gekoppelte Garmin Drive App (nutzt Smartphone-Daten) oder über DAB+ (per Ladekabel, oft gegen Aufpreis) empfangen werden. Letzteres funktioniert in Deutschland gut, ist aber im Ausland nicht immer verfügbar.
Das Drivesmart 66 bietet zudem Zugriff auf TripAdvisor-Empfehlungen und Foursquare POIs, was die Suche nach Restaurants, Hotels oder Sehenswürdigkeiten entlang der Route erleichtert. Die Sprachsteuerung ('OK Garmin') funktioniert sehr zuverlässig und erlaubt die Eingabe von Zielen oder das Ändern von Einstellungen, ohne die Hände vom Steuer nehmen zu müssen. Das Gerät ist auch mit Garmin Rückfahrkameras kompatibel (separat erhältlich). Updates für die vorinstallierten Europakarten (46 Länder) und die Software erfolgen bequem per WLAN.

Top-Alternativen von TomTom
TomTom Go Superior 7 Zoll
Wer ein besonders großes Display sucht, findet im TomTom Go Superior 7 Zoll eine exzellente Alternative. Sein 7-Zoll-Bildschirm (1.280 x 800 Pixel) bietet eine knackscharfe Darstellung und ist dank guter Entspiegelung auch bei Sonne gut ablesbar. Die Bedienung ist flüssig und die Sprachsteuerung ('Hallo TomTom') funktioniert zuverlässig.
Das Go Superior glänzt mit sehr aktuellen und zuverlässigen Verkehrsmeldungen, die in Echtzeit über eine integrierte SIM-Karte empfangen werden (Dienst dauerhaft inklusive). Weitere Dienste wie Live-Infos zu Parkplätzen, Spritpreisen oder E-Ladesäulen sind oft für einen begrenzten Zeitraum kostenlos enthalten. Besonders hilfreich sind die praktischen animierten Pfeile, die Falschfahren an Ausfahrten nahezu unmöglich machen.
Die Halterung ist extrem stabil und verfügt über einen pfiffigen Magnetmechanismus, der die Befestigung und Demontage erleichtert. Abstriche muss man beim Go Superior bei der Freisprechfunktion machen, die nicht an Bord ist. Trotz des höheren Preises ist es eine Top-Empfehlung für Vielfahrer und Liebhaber großer Displays.
TomTom Go Essential (Preis-Leistungs-Tipp)
Nicht jeder benötigt ein High-End-Gerät. Das TomTom Go Essential beweist, dass man auch im mittleren Preissegment ein sehr gutes Navi bekommen kann. Erhältlich mit 5 oder 6 Zoll Displaydiagonale, bietet es eine zuverlässige Routenführung in ganz Europa.
Die Bedienung ist einfach und intuitiv, die Routenberechnung erfolgt schnell. Das Gerät unterstützt Siri und Google Assistant, was die Nutzung erleichtert. Eine integrierte Freisprechfunktion ist ebenfalls vorhanden. Updates der Europakarten sind lebenslang inklusive und erfolgen per WLAN.

Der entscheidende Unterschied zu den teureren TomTom-Modellen: Für Echtzeit-Verkehrsinformationen muss das Go Essential mit einem Smartphone gekoppelt werden, das Datenvolumen nutzt. Der Radarwarner-Service ist zudem nur für einen begrenzten Zeitraum kostenlos. Trotzdem ist es ein ausgezeichnetes Navi für den Alltag, das sicher ans Ziel führt.
Weitere interessante Modelle von Garmin und TomTom
Neben den Spitzenmodellen gibt es eine Reihe weiterer Navigationsgeräte, die je nach Bedarf eine gute Wahl sein können:
- Garmin Drivesmart 76 & 86: Baugleich zum Drivesmart 66, aber mit größeren Displays (7 bzw. 8 Zoll). Ideal für größere Fahrzeuge oder wenn ein maximal großes Display gewünscht ist, auch wenn die Auflösung pro Zoll etwas geringer sein kann.
- Garmin Drive 52 & Drivesmart 55: Einstiegs- bzw. kompakte Modelle. Das Drive 52 bietet solide Navigation zum günstigen Preis, erfordert aber ein gekoppeltes Smartphone für Verkehrsinfos. Das Drivesmart 55 ist eine kleinere (5,5 Zoll) und etwas günstigere Version des Drivesmart 65, mit scharfem Display und hohem Bedientempo.
- TomTom Go Discover: Ein schnelles und feature-reiches Navi, ebenfalls mit großem Display (bis zu 7 Zoll) und exzellenten Live-Informationen zu Spritpreisen und Parkplätzen (kostenlos für 1 Jahr). Nutzt ebenfalls Smartphone-Daten für Verkehrsinfos.
- TomTom Go Classic & Go Basic: Günstigere Einstiegsmodelle. Solide Navigation und Kartenupdates per WLAN, aber mit Abstrichen bei Displayqualität, Zusatzfunktionen (keine Freisprechfunktion beim Go Basic) und der Quelle der Verkehrsinfos (Smartphone erforderlich, Radarwarner nur kurz kostenlos).
- Ältere Modelle (VIA, Start, ältere Go/DriveSmart): Einige ältere Modelle sind noch erhältlich, bieten aber oft weniger Komfort (z.B. keine WLAN-Updates, ältere Technologie wie TMC für Verkehrsmeldungen bei der Start-Serie) oder erfordern ebenfalls die Kopplung mit dem Smartphone für Live-Dienste. Sie können eine Option sein, wenn der Preis sehr attraktiv ist und auf moderne Features verzichtet werden kann.
Wichtige Funktionen im Überblick
Beim Kauf eines Navigationsgeräts sollten Sie auf folgende Merkmale achten:
- Display: Größe, Auflösung und Helligkeit sind entscheidend für die Ablesbarkeit. Große Displays (7-8 Zoll) sind angenehmer, aber prüfen Sie, ob sie ins Fahrzeug passen.
- Geschwindigkeit: Schnelle Routenberechnung, flüssige Menübedienung und schnelle Satellitenerfassung erhöhen den Komfort.
- Karten & Updates: Welche Länder sind vorinstalliert? Wie oft und wie einfach (WLAN, PC) lassen sich Karten und Software aktualisieren? Lebenslange kostenlose Updates sind Standard bei Markengeräten.
- Verkehrsinformationen: Die Qualität und Quelle (DAB+, integrierte SIM, Smartphone-App) der Echtzeit-Verkehrsinfos sind entscheidend für die Stauumfahrung. TomTom-Dienste gelten oft als sehr präzise.
- Sprachsteuerung: Ermöglicht die Bedienung während der Fahrt, ohne das Display berühren zu müssen. Prüfen Sie, wie zuverlässig sie funktioniert.
- Zusatzfunktionen: Umweltzonen-Routing, Fahrerassistenzsysteme (Spurhalteassistent, Kollisionswarnung), POIs (TripAdvisor, Foursquare), Blitzerwarnungen (rechtliche Grauzone beachten), Kompatibilität mit Rückfahrkameras.
- Halterung: Eine stabile und leicht bedienbare Halterung (Saugnapf, Magnet) ist wichtig für die sichere Befestigung.
Testverfahren: Wie wir bewertet haben
Bei unserem Test haben wir uns auf mehrere Kernbereiche konzentriert. Zunächst stand die Bedienung und Handhabung im Fokus: Wie einfach ist die Zieleingabe, wie schnell reagiert das Gerät, wie gut ist das Display ablesbar? Auch die Verarbeitungsqualität der Geräte und Halterungen wurde bewertet.
Der zweite entscheidende Punkt war die Zuverlässigkeit der Zielführung. Wir haben standardisierte Testrouten abgefahren, um die Navigationsleistung objektiv zu vergleichen. Hier zeigten alle aktuellen Markengeräte eine gute Leistung, die Unterschiede bei der reinen Fahrzeit waren oft gering. Große Unterschiede gab es jedoch bei der Qualität und Aktualität der Verkehrsinformationen. Hier sind die Lösungen von Garmin (via App/DAB+) und insbesondere TomTom (via integrierter SIM oder App) führend.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welches Garmin GPS hat eine Kamera?
Klassische Garmin Navigationsgeräte für das Auto verfügen in der Regel nicht über eine integrierte Kamera, die für Navigationszwecke oder als Dashcam genutzt wird. Allerdings bieten einige Modelle, wie die Garmin Drivesmart-Serie, die Möglichkeit, sie mit einer separaten Garmin BC™ 40 Rückfahrkamera zu koppeln. Sie können sogar bis zu vier solcher Kameras mit einem kompatiblen Navi verbinden, um beispielsweise verschiedene Ansichten (hinten, vorne, Seite) zu haben. Die Anzeige der Rückfahrkamera erfolgt dann auf dem Display des Navigationsgeräts.

Garmin stellt auch eigenständige Dashcams her, die ebenfalls GPS integriert haben können, aber dies sind separate Produkte, deren Hauptzweck die Videoaufzeichnung während der Fahrt ist.
Sind Garmin Dashcams gut?
Ja, Garmin Dashcams, wie die im Test erwähnte Dash Cam X210, gelten als gut. Sie bieten oft eine hohe Bildqualität (z.B. 1440p QHD mit HDR), sind kompakt und verfügen über nützliche Zusatzfunktionen. Dazu gehören ein G-Sensor, der bei Erschütterungen automatisch aufnimmt und die Clips schützt, Sprachsteuerung ('OK Garmin') zur Bedienung während der Fahrt, und Features wie Park-Guard, der auch bei abgestelltem Fahrzeug Erschütterungen registriert.
Auch Fahrerassistenzsysteme wie Spurhalteassistent oder Kollisionswarnung sind oft integriert, wobei die Nützlichkeit im Alltag variieren kann. Wichtig in Deutschland ist die Loop-Funktion, die alte Aufnahmen überschreibt, um datenschutzrechtlichen Bedenken entgegenzuwirken. Garmin Dashcams sind separate Geräte von den Navigationssystemen, können aber oft über eine App mit dem Smartphone verbunden werden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dedizierte Navigationsgeräte trotz starker Konkurrenz durch Smartphones weiterhin ihre Berechtigung haben, insbesondere für Nutzer, die Wert auf Offline-Funktionalität, große, gut ablesbare Displays, stabile Halterungen und auf die Navigation fokussierte Bedienung legen. Garmin und TomTom bieten hier eine breite Palette von Geräten, vom Einsteigermodell bis zum voll ausgestatteten Premium-Navi, die zuverlässig ans Ziel führen.
Hat dich der Artikel Garmin & TomTom Navis: Testsieger & Alternativen interessiert? Schau auch in die Kategorie Ogólny rein – dort findest du mehr ähnliche Inhalte!
