Wem gehört Voigtländer?

Voigtländer: Wer steckt heute dahinter?

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Der Name Voigtländer hat in der Welt der Fotografie einen einzigartigen Klang. Er steht für eine über 260-jährige Tradition, Pioniergeist und optische Exzellenz. Von den Anfängen in Wien über Braunschweig bis hin zu Innovationen wie dem ersten Zoomobjektiv für Kleinbildkameras – Voigtländer hat die Fotografie maßgeblich mitgeprägt. Doch nach einer wechselvollen Geschichte stellt sich vielen Fotoenthusiasten die Frage: Wer verbirgt sich heute hinter diesem ehrwürdigen Namen? Wer produziert die Objektive, die Sammler und Fotografen gleichermaßen schätzen?

Eine reiche Geschichte mit Wendepunkten

Die Geschichte von Voigtländer ist lang und komplex, geprägt von Innovation, Erfolg, aber auch wirtschaftlichen Herausforderungen und Eigentümerwechseln. Ein bemerkenswertes Beispiel für den Innovationsgeist der Marke war das 1959 ZOOMAR. Dieses Objektiv war das erste Kleinbild-Zoomobjektiv überhaupt und gab einer ganzen Gattung von Linsen ihren Namen. Früher oft liebevoll oder spöttisch als „Gummilinse“ bezeichnet, revolutionierte das Zoomobjektiv die Arbeitsweise vieler Fotografen. Das ZOOMAR 1:2.8/ 36-82mm war nicht nur das erste seiner Art, sondern auch das erste „Universalzoom“ und würde heute als lichtstarkes Zoom gelten. Interessanterweise war das Design eine amerikanische Lizenz von Dr. Frank G. Back von ZOOMAR in Long Island, New York, lizenziert von Zoomar (München). Dies zeigt, dass Voigtländer schon damals auf externes Know-how setzte, um an der Spitze zu bleiben.

Wem gehört Voigtländer?
Die ehemals stolze Voigtländer AG (Besitzer Zeiss-Ikon) wird dem Land Niedersachsen, Rollei und der Carl-Zeiss Stiftung zugeschlagen: über 1900 von 2100 Mitarbeitern werden entlassen.

Trotz solcher Innovationen ging es für Voigtländer, wie für viele traditionelle europäische Kamerahersteller, ab einem bestimmten Punkt langsam bergab. Die Konkurrenz, insbesondere aus Japan, wurde stärker und die Anpassung an neue Technologien und Marktbedingungen gestaltete sich schwierig. Die Ära der analogen Fotografie neigte sich dem Ende zu, die Digitalisierung stand vor der Tür, und die Frage nach der Zukunft der Marke wurde drängender.

Die Cosina-Ära: Eine Wiedergeburt unter neuem Stern

Die entscheidende Wende für die Marke Voigtländer in der jüngeren Geschichte kam im Jahr 1999. In diesem Jahr begann das japanische Unternehmen Cosina die Produktion von Kameras und Objektiven unter der Marke Voigtländer. Dies geschah nicht durch einen vollständigen Kauf des historischen Unternehmens, sondern durch eine Lizenzvereinbarung, die Cosina erlaubte, den prestigeträchtigen Namen und das Erbe von Voigtländer zu nutzen und mit neu entwickelten Produkten zu verbinden.

Cosina startete zunächst mit einem Gehäuse mit M39-Anschluss und passenden Objektiven. Dies war eine bewusste Anspielung auf die klassische Ära der Kleinbildfotografie und sprach sofort Liebhaber traditioneller Kameras und Objektive an. Seitdem hat Cosina eine beeindruckende Vielfalt an Objektiven unter dem Namen Voigtländer produziert. Der Fokus liegt dabei klar auf hochwertigen, manuell fokussierbaren Linsen, die sich durch ihre optische Leistung, ihre robuste Bauweise und oft auch durch ihre Lichtstärke auszeichnen.

Moderne Voigtländer-Objektive von Cosina

Heute ist Cosina der Hersteller der Voigtländer-Objektive und hat das Sortiment stark erweitert. Während die traditionellen Voigtländer-Markennamen wie Nokton, Heliar, Skopar und APO-Lanthar weiterhin verwendet werden, basieren die optischen Formeln der von Cosina produzierten Objektive auf komplett neuen Designs. Sie sind speziell für die Anforderungen der modernen digitalen und analogen Fotografie entwickelt worden.

Die Bedeutung der traditionellen Namen ist bei Cosina oft mit bestimmten Eigenschaften oder Designphilosophien verbunden:

  • Nokton: Steht typischerweise für Objektive mit sehr hoher Lichtstärke.
  • Heliar: Werden oft für Objektive mit langsameren Anfangsöffnungen oder einem klassischen, weicheren Rendering verwendet (basierend auf der Aussage im Text, dass Heliar-Objektive im Allgemeinen langsame Blenden haben).
  • APO-Lanthar: Bezeichnet Objektive mit besonders hoher Korrektur chromatischer Aberrationen und dem Einsatz vieler Elemente aus Glas mit geringer Dispersion. Diese Objektive sind für höchste Detailtreue und Farbneutralität konzipiert.
  • Skopar: Sind oft kompakte und leichte Objektive, ideal für Reisen oder Streetfotografie.

Diese Benennung hilft Fotografen, schnell eine Vorstellung von den Eigenschaften des Objektivs zu bekommen, auch wenn die Designs neu sind.

Breite Palette an Kameraanschlüssen

Ein Schlüsselfaktor für den Erfolg der modernen Voigtländer-Objektive ist die Unterstützung einer Vielzahl von Kameraanschlüssen. Cosina hat erkannt, dass Fotografen hochwertige manuelle Objektive für unterschiedlichste Kamerasysteme suchen. Aktuell (oder in Kürze) sind Voigtländer-Objektive mit manuellem Fokus in mehreren Serien erhältlich:

  • VM-Serie: Für Leica M-Mount Kameras. Diese Objektive sind klassisch für Messsucherkameras konzipiert.
  • E-Mount-Serie: Für Sony E-Mount Kameras (sowohl Vollformat als auch APS-C).
  • Z-Mount-Serie: Für Nikon Z-Mount spiegellose Kameras.
  • RF-Mount-Serie: Für Canon RF-Mount spiegellose Kameras.
  • X-Mount-Serie: Für Fujifilm X-Mount spiegellose Kameras.
  • MFT-Serie: Für Micro Four Thirds Kameras (Panasonic, Olympus/OM System). Hier ist das Super Nokton 29 mm F0,8 besonders hervorzuheben, da es 2021 das lichtstärkste Objektiv war, das handelsüblich erhältlich war.
  • SL- und SL II-Serien: Für verschiedene 35-mm-Spiegelreflexkamera-Anschlüsse (Canon EF-Mount, Nikon F-Mount und Pentax K-Mount). Die SL II-Objektive sind besonders interessant, da sie über eine CPU verfügen. Dies ermöglicht elektronische Kopplung mit der Kamera für die Aufzeichnung von EXIF-Daten, Fokusbestätigung im Sucher und die Aktivierung der kamerainternen Bildstabilisierung (IBIS) bei kompatiblen Modellen. Bei Nikon entsprechen sie dem AI-P-Standard und bieten volle Kompatibilität (außer Autofokus) mit allen AF-SLRs von Nikon.

Ältere Objektive für M39-, Nikon S- und M42-Anschlüsse wurden eingestellt, was den Fokus von Cosina auf die gängigsten modernen Systeme unterstreicht, aber auch das Erbe nicht ganz vergisst.

Warum manuelle Objektive in der digitalen Ära?

In einer Welt, die von schnellem Autofokus dominiert wird, mag die Konzentration auf manuelle Objektive ungewöhnlich erscheinen. Doch es gibt gute Gründe, warum diese Objektive nach wie vor eine treue Anhängerschaft haben und von Cosina/Voigtländer so erfolgreich produziert werden:

  • Optische Qualität: Manuelle Designs können oft für eine kompromisslosere optische Leistung optimiert werden, da die Komplexität eines Autofokusmechanismus entfällt. Viele Voigtländer-Objektive von Cosina sind für ihre Schärfe, ihren Kontrast und ihr schönes Bokeh bekannt.
  • Haptik und Bauweise: Die Objektive sind oft aus Metall gefertigt, haben präzise gefertigte Fokus- und Blendenringe, die ein angenehmes und kontrolliertes Gefühl bei der Bedienung vermitteln.
  • Kreative Kontrolle: Manuelles Fokussieren erlaubt dem Fotografen, ganz bewusst den Punkt der Schärfe zu wählen und sich stärker auf die Bildkomposition zu konzentrieren. Dies entschleunigt den Prozess und kann zu durchdachteren Ergebnissen führen.
  • Kompaktheit und Lichtstärke: Einige der manuellen Designs ermöglichen besonders kompakte Bauweisen oder extrem hohe Lichtstärken, die mit Autofokus-Objektiven desselben Typs schwer oder gar nicht zu realisieren wären.

Die elektronische Kopplung bei den neueren Serien (Z, RF, X, E, SL II) bringt die Vorteile der manuellen Kontrolle mit dem Komfort moderner digitaler Kamerasysteme zusammen. EXIF-Daten im Bild sind für die Archivierung und Nachbearbeitung sehr nützlich, und die Fokusbestätigung im Sucher sowie die Unterstützung von IBIS erleichtern das manuelle Fokussieren und Fotografieren bei wenig Licht erheblich.

Wer stellt Voigtländer-Kameras her?
Cosina Voigtländer . Cosina Voigtländer (oft abgekürzt CV) bezieht sich auf Fotoprodukte, die Cosina seit 1999 unter dem Namen Voigtländer herstellt. Cosina pachtet die Rechte am Namen Voigtländer von der RINGFOTO GmbH & Co. ALFO Marketing KG in Deutschland.

Vergleich ausgewählter Voigtländer Linsenreihen (Cosina)

Serie/NameTypische EigenschaftVerfügbare Anschlüsse (Beispiele)FokusElektronische Kopplung (Beispiele)
NoktonSehr hohe LichtstärkeVM (Leica M), E (Sony E), Z (Nikon Z), MFT, RF, XManuellJa (E, Z, RF, X, SL II bei bestimmten Mounts)
HeliarOft langsamere Blende, klassisches RenderingVM (Leica M), E (Sony E), MFTManuellJa (E, MFT, SL II bei bestimmten Mounts)
APO-LantharHohe Farbkorrektur, DetailtreueE (Sony E), VM (Leica M), Z (Nikon Z), RF, XManuellJa (E, Z, RF, X, SL II bei bestimmten Mounts)
SkoparKompakt und leichtVM (Leica M), E (Sony E), MFTManuellJa (E, MFT, SL II bei bestimmten Mounts)
SL / SL IIFür SpiegelreflexkamerasCanon EF, Nikon F, Pentax KManuellJa (SL II mit CPU)
VMFür Leica M MesssucherLeica MManuellNein (keine Elektronik im Objektiv)

Häufig gestellte Fragen

Sind die heutigen Voigtländer-Objektive identisch mit den historischen Modellen?
Nein. Obwohl Cosina traditionelle Namen wie Nokton oder Skopar verwendet, basieren die optischen Designs der heutigen Voigtländer-Objektive auf komplett neuen Berechnungen und Technologien. Sie sind an die Anforderungen moderner Digitalkameras angepasst, auch wenn sie den Geist und die Bauqualität der historischen Modelle oft aufgreifen.

Stellt Cosina unter der Marke Voigtländer auch Kameras her?
Laut den vorliegenden Informationen begann Cosina 1999 mit der Produktion von Kameras (einem M39-Gehäuse) und Objektiven. Der Fokus der aktuellen Produktpalette liegt jedoch sehr stark auf Objektiven für eine breite Palette moderner Kameraanschlüsse. Es gibt keine aktuellen Informationen über die Produktion von Kameragehäusen unter der Marke Voigtländer durch Cosina.

Verfügen Voigtländer-Objektive von Cosina über Autofokus?
Nein. Die von Cosina unter der Marke Voigtländer produzierten Objektive sind durchweg manuelle Fokusobjektive. Sie zeichnen sich durch präzise manuelle Fokussierung und Blendensteuerung aus.

Welche Kameraanschlüsse werden von den aktuellen Voigtländer-Objektiven unterstützt?
Cosina bietet Voigtländer-Objektive für eine Vielzahl moderner und klassischer Anschlüsse an, darunter Leica M (VM), Sony E, Nikon Z, Canon RF, Fujifilm X, Micro Four Thirds (MFT) sowie Spiegelreflexanschlüsse wie Canon EF, Nikon F und Pentax K (SL II-Serie).

Was bedeutet die Bezeichnung 'SL II' bei den Spiegelreflex-Objektiven?
'SL II' bedeutet, dass diese Objektive über eine eingebaute CPU verfügen. Dies ermöglicht die elektronische Kommunikation mit der Kamera, was Vorteile wie die Übertragung von EXIF-Daten, Fokusbestätigung im Sucher und Unterstützung der kamerainternen Bildstabilisierung (IBIS) mit sich bringt, je nach Kameramodell und Anschluss.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Marke Voigtländer heute unter der Ägide des japanischen Herstellers Cosina weiterlebt. Seit 1999 produziert Cosina unter Lizenz eine breite Palette hochwertiger, manuell fokussierbarer Objektive für eine Vielzahl moderner Kamerasysteme. Während die optischen Designs neu sind, knüpfen die Objektive in Bezug auf Bauqualität, Haptik und oft auch Lichtstärke an das reiche Erbe von Voigtländer an. Cosina hat es geschafft, den Namen Voigtländer in der digitalen Ära relevant zu halten und bietet Fotografen, die Wert auf manuelle Kontrolle, optische Exzellenz und klassisches Design legen, attraktive Optionen für ihre Kameras, sei es Leica M, Sony E, Nikon Z, Canon RF, Fujifilm X, Micro Four Thirds oder klassische SLRs.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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