Nach einer Ära, die von Winston Churchills prägnanter Führung im Zweiten Weltkrieg und seiner Rückkehr ins Amt geprägt war, blickte Großbritannien auf eine neue politische Landschaft. Am 6. April 1955 trat der legendäre Premierminister zurück und machte den Weg frei für seinen lange erwarteten Nachfolger.

Die Frage, wer das Amt des Premierministers nach Sir Winston Churchill übernehmen würde, war im politischen London lange diskutiert worden. Die Antwort kam am 6. April 1955: Sir Anthony Eden. Als langjähriger Außenminister und prominentes Mitglied der Conservative Party galt Eden als der natürliche und praktisch einzige Kandidat für Churchills Nachfolge sowohl als Parteivorsitzender als auch als Premierminister. Im Alter von 57 Jahren trat er in die großen Fußstapfen seines Vorgängers.
Der Weg ins Amt und erste Schritte
Anthony Eden hatte eine beeindruckende Karriere im Foreign Office hinter sich und dreimal das Amt des Außenministers bekleidet, unter anderem während wichtiger Phasen des Zweiten Weltkriegs und des Kalten Krieges. Er war weithin als Churchills designierter Nachfolger anerkannt. Unmittelbar nach seiner Ernennung zum Premierminister berief Eden für den 5. Mai 1955 Neuwahlen ein. Es gelang ihm, die konservative Mehrheit im Parlament von 17 auf beachtliche 60 Sitze auszubauen, was seine Position zunächst stärkte.
Die Bildung seines Kabinetts zeigte jedoch bereits erste Anzeichen von Spannungen und notwendigen Kompromissen. Er behielt Rab Butler, der von vielen als möglicher Rivale angesehen wurde, bis Dezember 1955 im Amt des Schatzkanzlers. Butler, eine Figur von erheblicher politischer Statur, wurde anschließend auf das Amt des Lordsiegelbewahrers versetzt, übernahm aber gleichzeitig die wichtige Rolle des Leader of the House of Commons, des Führers der Regierungsmehrheit im Unterhaus. Edens eigener Nachfolger im Außenministerium wurde Harold Macmillan, eine weitere bedeutende Persönlichkeit, die später selbst Premierminister werden sollte. Interessanterweise wechselte Macmillan bereits im Dezember 1955 erneut das Ressort und wurde Butlers Nachfolger als Schatzkanzler.
Schlüsselpersonen in Edens Kabinett
Neben Butler und Macmillan gab es weitere wichtige Ernennungen. Selwyn Lloyd übernahm im April 1955 sein erstes Ministeramt im Kabinett, als er Macmillan als Verteidigungsminister ablöste. Nur wenige Monate später, im Dezember 1955, folgte Lloyd Macmillan auch im Amt des Außenministers. Ein weiterer zukünftiger Premierminister, Alec Douglas-Home, trat 1955 als Minister für Commonwealth-Beziehungen in das Kabinett ein. Gwilym Lloyd George, der Sohn des früheren liberalen Premierministers David Lloyd George, blieb Innenminister. Die Zusammensetzung des Kabinetts spiegelte den Versuch wider, verschiedene Flügel der Partei zu integrieren und erfahrene Politiker auf Schlüsselpositionen zu setzen.

Die Sueskrise: Die entscheidende Herausforderung
Die Amtszeit des Kabinetts Eden, die insgesamt 645 Tage dauerte, wurde maßgeblich von einem einzigen Ereignis überschattet und letztlich dominiert: der Sueskrise im Herbst 1956. Diese Krise stellte die größte außenpolitische Herausforderung für Edens Regierung dar und sollte sich als sein politisches Waterloo erweisen.
Die Krise begann, als der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser den Suezkanal verstaatlichte, eine Wasserstraße von immenser strategischer und wirtschaftlicher Bedeutung für Großbritannien und andere europäische Mächte. Eden befürchtete, dass eine neue arabische Allianz die Ölversorgung Europas unterbrechen könnte. In einer geheimen Absprache mit Frankreich und Israel plante Großbritannien eine militärische Intervention zur Rückeroberung des Kanals. Die Operation wurde jedoch international scharf verurteilt. Die Vereinten Nationen, die Sowjetunion, die Länder des Commonwealth und insbesondere die Vereinigten Staaten unter Präsident Eisenhower übten massiven Druck auf Großbritannien aus, bis hin zur Drohung mit Sanktionen. Die militärische Aktion war schlecht koordiniert und die politische Rechtfertigung bröckelte schnell. Die britische Regierung sah sich einem beispiellosen diplomatischen und finanziellen Druck ausgesetzt.
Edens Handhabung der Krise wurde heftig kritisiert. Es gab Vorwürfe der Täuschung gegenüber dem Parlament und Anweisungen, potenziell belastende Beweise zu vernichten. Für viele markierte die Sueskrise einen Wendepunkt in der britischen Geschichte und symbolisierte den schwindenden Einfluss Großbritanniens als Weltmacht nach dem Ende des Empires. Die Krise zeigte, dass Großbritannien ohne die Unterstützung der Vereinigten Staaten nicht mehr in der Lage war, globale Militäroperationen durchzuführen oder seine Interessen durchzusetzen. Sie beschädigte auch Edens Ansehen schwer und führte dazu, dass Großbritannien wichtige Entwicklungen in Westeuropa, wie die Messinagespräche von 1955 zur engeren wirtschaftlichen Integration, verpasste, da sich die Regierung auf außenpolitische Fragen konzentrierte, für die die britische Wirtschaft kaum noch die Mittel hatte.
Gesundheitliche Probleme und Rücktritt
Während der Sueskrise war Edens Gesundheit bereits stark angegriffen. Er litt seit einer Reihe von Bauchoperationen im Jahr 1953 unter gesundheitlichen Problemen. Müde, gestresst und überarbeitet, verbrachte er zunehmend weniger Zeit mit innen- oder wirtschaftspolitischen Fragen, die er weitgehend seinem Stellvertreter Rab Butler überließ, und konzentrierte sich stattdessen auf die Außenpolitik, sein angestammtes Feld. Die Belastungen der Sueskrise verschlimmerten seinen Zustand. Angesichts des Scheiterns der Intervention und seiner angeschlagenen Gesundheit reichte Anthony Eden am 9. Januar 1957 seinen Rücktritt als Premierminister und Vorsitzender der Conservative Party ein.
Die Nachfolge Edens
Nach Edens Rücktritt stand erneut die Frage der Nachfolge im Raum. Dieses Mal gab es einen Wettbewerb zwischen zwei Hauptanwärtern: dem bisherigen Schatzkanzler Harold Macmillan und dem bisherigen Lordsiegelbewahrer Rab Butler. Obwohl Butler vielen als der logische Nachfolger erschien, konnte sich Harold Macmillan durchsetzen und wurde zum neuen Premierminister ernannt. Er bildete das Kabinett Macmillan I und führte die Conservative Party in eine neue Ära.

Fazit und Erbe
Anthony Edens Amtszeit als Premierminister war kurz und wurde von der Sueskrise überschattet, die sein politisches Erbe maßgeblich prägte. Obwohl er als erfahrener Diplomat galt, zeigte seine Führung während der Krise Schwächen und führte zu einem demütigenden Rückzug Großbritanniens. Seine Zeit im Amt wird oft als tragisches Ende einer stolzen Karriere angesehen, die durch das Scheitern in der Sueskrise überschattet wurde. Er wurde 1961 zum Earl of Avon erhoben und starb 1977.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wer wurde Premierminister nach Winston Churchill?
Nach Winston Churchill wurde Sir Anthony Eden am 6. April 1955 Premierminister des Vereinigten Königreichs.
Wie lange war Anthony Eden Premierminister?
Anthony Eden war vom 6. April 1955 bis zum 9. Januar 1957 Premierminister, insgesamt 645 Tage.
Warum trat Anthony Eden zurück?
Anthony Eden trat aufgrund seiner angeschlagenen Gesundheit und der politischen Folgen der gescheiterten Sueskrise zurück.

Was war die Sueskrise und welche Rolle spielte Eden?
Die Sueskrise von 1956 war eine militärische und politische Konfrontation, ausgelöst durch die Verstaatlichung des Suezkanals durch Ägypten. Premierminister Anthony Eden war maßgeblich an der Planung einer geheimen militärischen Intervention Großbritanniens, Frankreichs und Israels beteiligt. Die Krise endete mit einem politischen Fiasko für Eden und Großbritannien aufgrund internationalen Drucks.
Wer folgte Anthony Eden als Premierminister nach?
Nach Anthony Eden wurde Harold Macmillan Premierminister des Vereinigten Königreichs.
Wer waren wichtige Minister in Edens Kabinett?
Wichtige Minister in Edens Kabinett waren unter anderem Rab Butler (Schatzkanzler, später Lordsiegelbewahrer), Harold Macmillan (Außenminister, später Schatzkanzler) und Selwyn Lloyd (Verteidigungsminister, später Außenminister).
Welchen Einfluss hatte die Sueskrise auf Großbritannien?
Die Sueskrise zeigte die Grenzen der britischen Macht nach dem Zweiten Weltkrieg auf und markierte einen deutlichen Schritt im Prozess des Niedergangs des britischen Empire. Sie beschädigte Großbritanniens Ansehen auf der Weltbühne und betonte die Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten.
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