Die Astrofotografie, also das Einfangen des Nachthimmels, der Sterne, der Milchstraße und der Planeten, ist eine faszinierende Disziplin der Fotografie. Sie bietet eine hervorragende Möglichkeit, sich intensiver mit den Einstellungen Ihrer Kamera vertraut zu machen und zu experimentieren. Zudem bereichert sie Ihre Fotogalerie um einzigartige Motive. Mit den richtigen Techniken und Kameraeinstellungen können Sie Ihre eigene Astro-Reise beginnen.

Die Wahl des richtigen Ortes für die Nachthimmel-Fotografie
Für beeindruckende Aufnahmen des Nachthimmels sind klare Nächte mit geringer Lichtverschmutzung ideal. Besonders eignen sich Nächte um den Neumond, da ein heller Mond, so schön er auch sein mag, die Sichtbarkeit der Milchstraße und vieler Sterne stark reduziert. Im Internet finden Sie Karten, die Ihnen helfen, Orte mit wenig Lichtverschmutzung zu finden (sogenannte Dark Sky Maps). Wenn Sie nicht bei Neumond fotografieren, prüfen Sie die Auf- und Untergangszeiten des Mondes, um den günstigsten Zeitpunkt abzupassen.

Selbst bei hellem Mond, Wolken, Stadtlichtern oder Luftverschmutzung können Nachtaufnahmen reizvoll sein. Mit ausreichend langer Belichtungszeit lässt sich sogar die Nacht zum Tag machen, obwohl dies nicht für die Astrofotografie im klassischen Sinne (Sterne als Punkte) geeignet ist.
Grundlegende Kameraeinstellungen für Sterne und Milchstraße
Die Fotografie des Nachthimmels unterscheidet sich stark von der Tagesfotografie. Hier sind die typischen Einstellungen für DSLR- und spiegellose Kameras sowie für Kompaktkameras:
Einstellungen für DSLR und spiegellose Kameras:
- Modus: Manuell. Dies gibt Ihnen die volle Kontrolle über Blende, Belichtungszeit und ISO.
- ISO-Wert: Variabel, aber typischerweise 1000 ISO oder höher. Ein Bereich von 1600-3200 ISO ist üblich, um ein gutes Gleichgewicht zwischen Helligkeit und Rauschen zu finden.
- Blende: Da wenig Licht vorhanden ist, öffnen Sie die Blende Ihres Objektivs so weit wie möglich (kleinste Blendenzahl, z.B. f/2.8, f/3.5, f/4). Die Schärfentiefe nimmt mit zunehmender Entfernung zu, und Sterne sind sehr weit entfernt, sodass die Offenblende für Sterne in der Regel kein Schärfentiefe-Problem darstellt.
- Belichtungszeit: Zwischen 5 und 30 Sekunden.
- Objektiv: Weitwinkelobjektive zwischen 8mm und 100mm sind gut geeignet. Weitwinkel-Zoomobjektive und Fischaugenobjektive sind hier besonders nützlich, da sie einen großen Himmelsbereich erfassen. Manchmal werden mehrere Aufnahmen zusammengestitcht, um den gesamten Himmel abzubilden.
Einstellungen für Kompaktkameras:
- ISO-Wert: 1000 oder höher.
- Modus: Manuell. Einige Kompaktkameras bieten auch spezielle Nachtmodi oder sogar Live Composite Funktionen.
- Blende: 2.8 oder die größtmögliche Blendenöffnung, die das Objektiv bietet.
- Belichtungszeit: Dies ist Ihre wichtigste Variable, aber rechnen Sie mit einem Durchschnitt von 5-30 Sekunden.
- Objektiv: Das weiteste verfügbare Objektiv.
Stroboskope oder Blitze werden in der Regel nicht verwendet. Gelegentlich kann eine Handlampe genutzt werden, um Vordergrundobjekte (wie Felsen oder Bäume) leicht zu „malen“ und so dem Bild mehr Dimension zu verleihen.
Technik und Ausrüstung für die Astrofotografie
Wenn Sie zum ersten Mal Astrofotografie ausprobieren, gibt es oft zwei Überraschungen. Erstens dauert es 20-30 Minuten, bis sich Ihre Augen wirklich an die Dunkelheit gewöhnt haben. Zu Beginn erscheint der Himmel also nicht so hell, wie er bald sein wird. Zweitens kann die Kamera in diesen seltenen Fällen (ähnlich wie bei HDR oder Super Makro) Details erfassen, die weit über das hinausgehen, was das menschliche Auge sieht. Es kann vorkommen, dass Sie denken, es sei noch zu früh für die Milchstraße, bis eine Testaufnahme zeigt, dass sie bereits da ist.
Theoretisch ist die Astrofotografie recht unkompliziert. Die Szene ist dunkel, also öffnen Sie die Blende des Objektivs ganz. Die Belichtungszeit kann variieren, aber als Faustregel gilt: 30 Sekunden reichen für eine gute Belichtung und Sättigung, ohne dass es zu Bewegungsunschärfe kommt. Wenn Sie die Belichtungszeit deutlich länger wählen, werden die Sterne zu Strichen statt zu Punkten, da sich die Erde dreht und somit die Sterne am Himmel wandern.
Stativ und Auslöser
Ein Stativ macht das Leben bei langen Belichtungszeiten erheblich einfacher. Ohne Stativ wird es nahezu unmöglich, verwacklungsfreie Aufnahmen zu erhalten. Wenn Sie kein Stativ zur Hand haben, können ein Handtuch und strategisch platzierte Steine ausreichen – besonders, wenn Ihre Kamera über einen klappbaren Bildschirm verfügt. Ein Kabelauslöser oder elektronischer Auslöser ist ebenfalls hilfreich, um Vibrationen zu vermeiden. Wenn Sie keinen besitzen, stellen Sie einfach den 3-Sekunden-Selbstauslöser der Kamera ein, um sicherzustellen, dass die Kamera ruhig steht, wenn die Aufnahme beginnt.
ISO und Rauschen
Der ISO-Wert ist oft der komplizierteste Aspekt der Belichtung bei Nacht. Moderne Kameras bieten unglaublich hohe ISO-Werte, aber das hat seinen Preis: Rauschen. Das Rauschen in der Astrofotografie ist etwas komplexer, ebenso wie der Bearbeitungsprozess. Viele Astrofotos werden mit 1600-3200 ISO aufgenommen, und das Rauschen kann sichtbar sein. In Bearbeitungsprogrammen wie Lightroom gibt es verschiedene Regler zur Rauschreduzierung, die Sie in der Astrofotografie häufiger nutzen werden als sonst.
Belichtung und Nachbearbeitung
Vertrauen Sie bei der Berechnung Ihrer Belichtung nicht so sehr Ihren Augen und dem Sucher wie normalerweise. Es ist effektiver, eine eher helle Aufnahme zu machen und die Belichtung dann in Lightroom zu reduzieren, als eine unterbelichtete Aufnahme zu machen und zu versuchen, die Helligkeit in der Nachbearbeitung zu erhöhen. Wenn Sie Objekte im Vordergrund, wie Felsen am Strand, in Ihr Bild einbeziehen möchten, sollten Sie in Betracht ziehen, eine separate Belichtung nur für diese Objekte zu machen und die beiden Aufnahmen dann in der Nachbearbeitung zu mischen.
Am wichtigsten ist jedoch: Haben Sie Spaß! Die Astrofotografie ist eine großartige Möglichkeit, abends draußen zu sein und neue Techniken zu erlernen, die Sie sonst vielleicht nicht anwenden würden.

Planetenfotografie: Eine spezielle Disziplin
Neben der Weitwinkel-Astrofotografie von Sternfeldern und der Milchstraße gibt es die Planetenfotografie, die sich auf die Aufnahme von Planeten, dem Mond und der Sonne (mit speziellen Filtern!) konzentriert. Hierfür werden oft andere Kameras und Techniken eingesetzt.
Was macht eine gute Planetenkamera aus?
Im Gegensatz zur Deep-Sky-Fotografie, bei der wenige lange Belichtungen mit hoher Auflösung und Kühlung zur Rauschreduzierung gemacht werden, benötigen Sie für die Planetenfotografie eine Kamera mit einer schnellen Bildrate und einer moderaten Auflösung. Eine schnelle USB 3.0-Verbindung ist ebenfalls wichtig, damit Ihr Laptop oder Computer die große Menge an Daten verarbeiten kann, die bei den vielen Kurzzeitbelichtungen anfallen.
Beliebte Planetenkameras basierend auf Datenanalyse
Eine Analyse von über 900 Bildern, die in den letzten sieben Jahren (2018-2024) für den Wettbewerb „Astronomy Photographer of the Year“ in die engere Wahl kamen, gibt Aufschluss darüber, welche Kameras von erfolgreichen Astrofotografen verwendet werden. Von insgesamt 986 analysierten Bildern waren 268 Planetenbilder (einschließlich Mond und Sonne).
Die Daten zeigen, dass ZWO die bei weitem erfolgreichste Marke für Planetenkameras ist: 69% aller ausgewählten Planetenbilder wurden mit ZWO-Modellen aufgenommen. In den letzten drei Jahren (2022-2024) hat sich die Dominanz von ZWO (46%) etwas verringert, da Kameras von Player One Astronomy (17%) und QHYCCD (11%) an Beliebtheit gewonnen haben. Auch Kameras von Canon (8%), Nikon (6%) und Sony (4%) wurden verwendet.
Die am häufigsten erfolgreich eingesetzten Kameramodelle für Planetenfotografie (einschließlich Sonne und Mond) im Wettbewerb sind vielfältig. Betrachtet man nur die letzten zwei Jahre (2023-2024) und schließt eingestellte Modelle aus, ergeben sich Empfehlungen wie die folgenden:
Die Analyse der Daten zeigt, dass die ZWO ASI174MM eine der Top-Kameras ist, insbesondere für die Fotografie der Sonne und des Mondes. Sie verfügt über wichtige Merkmale einer guten Planetenkamera:
- Schnelle Bildrate (164 Bilder pro Sekunde bei voller Auflösung)
- Moderate Auflösung (2,3 Megapixel)
- USB 3.0-Anschluss
Die moderate Auflösung und der schnelle USB 3.0-Anschluss sind entscheidend für die Verarbeitung der großen Datenmengen, die bei der Aufnahme vieler kurzer Belichtungen anfallen. Diese Kamera ist im Vergleich zu hochauflösenden, gekühlten Kameras für Deep Sky relativ günstig, was zu ihrer Beliebtheit beiträgt.
Wichtige Spezifikationen der ZWO ASI174MM (Mono):
- Typ: CMOS
- Farbe/Mono: Monochrom
- Gekühlt/Ungekühlt: Ungekühlt
- Auflösung: 2,3 MP (1936 x 1216)
- Bildrate: 164 fps (volle Auflösung)
- Quanteneffizienz: 77%
- Pixelgröße: 5,86 Mikrometer
- USB: USB 3.0
Wie wähle ich eine Planetenkamera aus?
Um eine Planetenkamera auszuwählen, können Sie zunächst prüfen, was Sie bereits besitzen. Selbst eine DSLR- oder spiegellose Kamera kann für den Einstieg verwendet werden, auch wenn sie nicht ideal ist. Nutzen Sie die Erkenntnisse aus Datenanalysen von Wettbewerben, um zu sehen, welche Kameras von den besten Astrofotografen erfolgreich eingesetzt werden. Tools wie Gesichtsfeldrechner können Ihnen helfen, zu visualisieren, welche Bilder Sie mit Ihrem Teleskop und einer potenziellen Kamera erwarten können.
Ein weiterer Faktor ist Ihre vorhandene Ausrüstung, insbesondere das Öffnungsverhältnis Ihres Teleskops und ob Sie eine Barlow-Linse verwenden. Es gibt eine empfohlene Formel zur Bestimmung der annähernd idealen Pixelgröße der Kamera:
Vergrößerung der Barlow-Linse x Öffnungsverhältnis des Teleskops / 6 = annähernd ideale Pixelgröße der Kamera
Zum Beispiel: Ein Teleskop mit F/10 und einer 3X Barlow-Linse ergibt 30. Geteilt durch 6 ergibt 5. Eine Kamera mit einer Pixelgröße von etwa 5 Mikrometern wäre hier passend. Die ZWO ASI174MM mit 5,86 Mikrometern Pixelgröße passt gut in diesen Bereich.
Da Celestron SCTs (Schmidt-Cassegrain-Teleskope) mit F/10-Öffnungsverhältnis sehr beliebt für Planetenfotografie sind, können Sie basierend auf dieser Formel die richtige Kombination aus Kamera-Pixelgröße und Barlow-Linse ermitteln:
- F/10 Teleskop mit 2X Barlow = 3,3 Mikrometer
- F/10 Teleskop mit 3X Barlow = 5 Mikrometer
- F/10 Teleskop mit 4X Barlow = 6,7 Mikrometer
- F/10 Teleskop mit 5X Barlow = 8,3 Mikrometer
Diese Berechnungen dienen als grobe Richtlinie, da auch andere Faktoren wie die atmosphärischen Bedingungen (Seeing) eine Rolle spielen.

Weitere wichtige Merkmale einer Planetenkamera sind eine hohe Bildrate und schnelle Datenübertragung (USB 3.0). Die Wahl zwischen Farbe und Monochrom hängt von Ihren Vorlieben ab: Farb-Kameras sind einfacher zu bedienen, aber Monochrom-Kameras bieten potenziell höhere Details, erfordern jedoch die Verwendung von Filtern und mehrere Aufnahmen zur Erstellung eines Farbbildes.
Häufig gestellte Fragen zur Astrofotografie
Was ist die schnellste Planetenkamera?
Die schnellste Planetenkamera, die in den analysierten Daten prominent vertreten ist, ist die ZWO ASI174MM mit einer Bildrate von 164 fps.
Was ist die beste ZWO Planetenkamera im Jahr 2025 (basierend auf der Analyse)?
Basierend auf der Analyse der aktuellen Daten und Empfehlungen ist die ZWO ASI678MC eine Top-Wahl für farbige Planetenfotografie im Jahr 2025.
Welche Teleskope werden für die Planetenfotografie verwendet?
Die Analyse zeigt, dass Planetenfotografie am häufigsten mit Teleskopen von Celestron und Sky-Watcher durchgeführt wird. Insbesondere die Schmidt-Cassegrain-Teleskope (SCTs) von Celestron sind sehr erfolgreich für Planetenaufnahmen.
Welche Montierungen werden für die Planetenfotografie verwendet?
Die Daten deuten darauf hin, dass Montierungen von Celestron und Sky-Watcher am häufigsten für die Planetenfotografie eingesetzt werden. Das erfolgreichste Modell ist die Sky-Watcher EQ6-R Pro.
Warum brauche ich ein Stativ für die Astrofotografie?
Ein Stativ ist unerlässlich, um Verwacklungen bei den benötigten langen Belichtungszeiten zu vermeiden. Ohne Stativ würden die Sterne als Striche statt als Punkte erscheinen.
Warum sollte die Belichtungszeit bei Sternen nicht zu lang sein?
Um Sterne als scharfe Punkte abzubilden und keine Strichspuren zu erzeugen, sollte die Belichtungszeit begrenzt werden (typischerweise maximal 30 Sekunden), da sich die Erde dreht und die Sterne am Himmel wandern.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Astrofotografie eine lohnende Herausforderung ist, die sowohl technisches Verständnis als auch Geduld erfordert. Ob Sie den weiten Sternenhimmel und die Milchstraße einfangen oder sich auf die Details von Planeten konzentrieren, es gibt viel zu entdecken und zu lernen. Die richtige Ausrüstung und Technik, angepasst an Ihr Motiv, sind entscheidend. Aber am Ende geht es darum, die Schönheit des Nachthimmels einzufangen und dabei Spaß zu haben.
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