Das Micro Four Thirds System, oft abgekürzt als MFT oder M4/3, hat sich seit seiner Einführung als kompakte und vielseitige Plattform für Fotografen etabliert. Entwickelt von Olympus (jetzt OM System) und Panasonic, bot es von Anfang an die Möglichkeit, Objektive zu wechseln, ähnlich wie bei DSLRs, aber in einem deutlich kleineren Formfaktor. Doch wie bei jedem Kamerasystem stellen sich potenzielle Nutzer und auch langjährige Fans immer wieder wichtige Fragen: Wird Micro Four Thirds eingestellt? Und welche Nachteile bringt dieses System mit sich, insbesondere im Vergleich zu Kameras mit größeren Sensoren?

Wird Micro Four Thirds eingestellt?
Die Frage, ob das Micro Four Thirds System vor dem Ende steht, taucht in der Fotografie-Community regelmäßig auf. Angesichts der Dominanz von Systemen mit APS-C- oder Vollformatsensoren könnte man vermuten, dass kleinere Formate unter Druck geraten. Die verfügbaren Informationen und die jüngsten Entwicklungen der Hauptakteure, OM System (ehemals Olympus Kamerasparte) und Panasonic, zeichnen jedoch ein anderes Bild.
Das Micro Four Thirds System ist keineswegs tot. Beide Hersteller investieren weiterhin in Forschung und Entwicklung und bringen regelmäßig neue Kameras und Objektive auf den Markt. Kürzliche Veröffentlichungen wie die Panasonic GH6, die OM System OM-1 oder die Panasonic G9 II zeigen, dass die Technologie weiterentwickelt wird und neue Funktionen integriert werden, wie z. B. Phasenerkennungs-Autofokus bei Modellen wie der OM-1 und der G9 II, was ein bedeutender Schritt nach vorn ist.

Die kontinuierliche Einführung neuer Produkte ist ein starkes Indiz dafür, dass die Hersteller an das System glauben und es aktiv unterstützen. Das MFT-System bedient eine spezifische Nische von Fotografen und Videografen, die Wert auf Kompaktheit, geringes Gewicht und eine große Auswahl an hochwertigen Objektiven legen. Solange es eine Nachfrage für diese Eigenschaften gibt, ist es unwahrscheinlich, dass das System eingestellt wird.
Was sind die Nachteile von Micro Four Thirds?
Trotz seiner Vorteile hat das Micro Four Thirds System auch Nachteile, die potenzielle Käufer berücksichtigen sollten. Viele dieser Nachteile ergeben sich direkt aus der Designphilosophie, ein kompaktes System zu schaffen, insbesondere im Vergleich zu Kameras mit größeren Sensoren wie APS-C oder Vollformat.
Die Sensorgröße
Der Sensor im Micro Four Thirds System hat eine aktive Bildfläche von 17,3 mm × 13,0 mm. Das ist deutlich kleiner als die Sensoren in den meisten DSLRs und spiegellosen Kameras anderer Hersteller, die oft APS-C (typischerweise um 23x15mm) oder Vollformat (36x24mm) verwenden. Im Vergleich zu APS-C-Sensoren ist die Fläche etwa 30 % kleiner. Gegenüber Vollformat ist der Unterschied noch drastischer.
Diese kleinere Sensorgröße hat mehrere Auswirkungen:
- Leistung bei wenig Licht: Kleinere Sensoren mit kleineren Pixeln (bei gleicher Auflösung) neigen dazu, bei hohen ISO-Werten mehr Bildrauschen zu erzeugen als größere Sensoren. Während neuere MFT-Sensoren signifikante Verbesserungen gezeigt haben (wie die Gen 6 Sensoren mit bis zu 25 Mpx und besseren ISO-Bereichen), bleibt die physikalische Größe ein Faktor, der die ultimative Leistung bei sehr schlechten Lichtverhältnissen im Vergleich zu größeren Sensoren einschränken kann.
- Dynamikumfang: Der Dynamikumfang, also der Bereich zwischen den hellsten und dunkelsten Bildbereichen, den der Sensor gleichzeitig erfassen kann, ist ebenfalls stark vom Sensor abhängig. Obwohl moderne MFT-Sensoren (wie die Gen 6 mit bis zu 13 EV) einen guten Dynamikumfang bieten, können größere Sensoren in der Regel einen noch größeren Bereich abdecken, was in kontrastreichen Situationen von Vorteil sein kann.
- Schärfentiefe und Bokeh: Es ist schwieriger, eine sehr geringe Schärfentiefe und damit ein stark unscharfes Bokeh zu erzielen, als bei Kameras mit größeren Sensoren. Um den gleichen Schärfentiefe-Effekt wie bei Vollformat zu erzielen, müsste man eine deutlich größere Blende verwenden (z. B. f/1.4 auf MFT entspricht etwa f/2.8 auf Vollformat in Bezug auf die Schärfentiefe). Dies kann die kreativen Möglichkeiten bei der Freistellung von Motiven einschränken, insbesondere für Porträtfotografen, die ein extremes Bokeh suchen.
Größe, Gewicht und Preis (im Vergleich zu Kompaktkameras)
Obwohl MFT-Kameras im Vergleich zu den meisten DSLRs kleiner und leichter sind, sind sie tendenziell etwas größer, schwerer und teurer als einfache digitale Kompaktkameras oder viele Bridgekameras. Für Nutzer, die maximale Portabilität bei minimalen Kosten suchen und keine wechselbaren Objektive benötigen, sind Kompaktkameras möglicherweise die passendere Wahl.
Autofokus (historisch und technologisch)
Historisch gesehen nutzten MFT-Kameras lange Zeit ausschließlich den Kontrast-Autofokus (CDAF), der im Vergleich zum Phasenerkennungs-Autofokus (PDAF) von DSLRs als langsamer galt, insbesondere bei der Verfolgung bewegter Motive. Der Text erwähnt jedoch deutlich, dass dies eine Schwäche der frühen Modelle war. Moderne MFT-Kameras haben hier signifikante Fortschritte gemacht:
- Einige Olympus/OM System Kameras (beginnend mit der E-M1) integrierten von Anfang an Phasen-Detektionspixel auf dem Sensor und nutzten ein hybrides System.
- Panasonic entwickelte das DFD-System (Depth from Defocus), das sehr schnell sein kann, aber unter bestimmten Bedingungen (z. B. bei sich schnell ändernden Motiven oder komplexen Hintergründen) Grenzen hatte.
- Mit der Panasonic G9 II wurde erstmals auch bei Panasonic ein Modell mit dediziertem Phasen-Detektions-Autofokus auf dem Sensor eingeführt.
Der Autofokus moderner MFT-Kameras ist heute sehr schnell und kann oft mit oder sogar über die Leistung vieler aktueller DSLRs hinausgehen. Dennoch kann es je nach Modell und Situation immer noch feine Unterschiede im Verhalten von CDAF/DFD im Vergleich zu reinem PDAF geben, auch wenn diese Unterschiede für die meisten Anwendungsfälle marginal geworden sind.
Elektronische Sucher (historisch)
Frühe Micro Four Thirds Kameras verwendeten elektronische Sucher (EVF), deren Auflösung, Helligkeit und Bildwiederholrate oft negativ mit den optischen Suchern (OVF) von DSLRs verglichen wurden. Dies konnte das Seherlebnis beeinträchtigen und das Gefühl der Verbindung zum Motiv verringern.
Auch hier hat die Technologie enorme Fortschritte gemacht. Die heutigen EVF-Systeme in höherwertigen MFT-Kameras bieten hohe Auflösungen, schnelle Bildwiederholraten und eine gute Helligkeit, die das Seherlebnis erheblich verbessert haben und in vielen Aspekten (z. B. Vorschau der Belichtung) Vorteile gegenüber OVFs bieten. Dieser Punkt ist daher heute weniger ein Nachteil des Systems an sich, sondern eher eine Erinnerung an frühere Generationen.

Entwicklung der Micro Four Thirds Sensoren
Die kontinuierliche Verbesserung der Sensortechnologie zeigt, dass das System nicht stagniert. Die folgende Tabelle, basierend auf den verfügbaren Informationen, veranschaulicht die Entwicklung über verschiedene Generationen:
| Sensor Generation | Auflösung (effektiv) | ISO Bereich (typisch) | Dynamikumfang (typisch) | PDAF auf Sensor? | IBIS? | Veröffentlichung (erste Kamera) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 12 Mpx Gen 1 | 13 Mpx | 100-3200 | 8 EV | Nein | Olympus Modelle | Sept 2008 (Panasonic G1) |
| 16 Mpx Gen 1 "multi-aspect" | 18.3 Mpx | 160-12800 | 11.3 EV | Nein | Nein | Sept 2010 (Panasonic GH2) |
| 16 Mpx Gen 2 "Sony" | 17 Mpx | 200-12800 | 12.3 EV | Nein | Olympus Modelle | Feb 2011 (Olympus E-M5) |
| 16 Mpx Gen 4 | 17 Mpx | 200-25600 | 12.7 EV | Olympus Modelle | Ja | März 2013 (Olympus PEN E-PL5 - *Hinweis: Sensor später in E-M1, E-M5II etc.*) |
| 20 Mpx Gen 5 | 22 Mpx | 200-25600 | 12.5 EV | Olympus E-M1 II/III, E-M5 III, OM-5 | Ja | Juli 2015 (Panasonic GX8) |
| 25 Mpx Gen 6 | 27 Mpx | 100-25600 | 13 EV | Panasonic G9 II | Ja | Feb 2022 (Panasonic GH6), Sept 2023 (Panasonic G9 II) |
| 20 Mpx "BSI" Gen 6 | 23 Mpx | 200-25600 | 12.5 EV | Ja | Ja | März 2022 (OM System OM-1) |
Diese Tabelle zeigt deutlich, wie die Auflösung gestiegen ist, der ISO-Bereich erweitert wurde und wichtige Funktionen wie sensorbasierter Phasenerkennungs-Autofokus (PDAF) und integrierte Bildstabilisierung (IBIS) in immer mehr Modellen verfügbar wurden.
Fragen und Antworten zum Micro Four Thirds System
Hier beantworten wir einige häufige Fragen:
Ist das Micro Four Thirds System wirklich noch relevant?
Ja, absolut. Obwohl es Nachteile bei der Sensorgröße hat, sind die Vorteile in Bezug auf Größe, Gewicht, Objektivauswahl und moderne Funktionen wie IBIS und schneller Autofokus für viele Fotografen und Videografen sehr relevant. Es ist ein ausgereiftes Systemkameras-System mit einer breiten Palette an Kameras und Objektiven.
Sind die Nachteile der Sensorgröße (wenig Licht, Bokeh) ein Ausschlusskriterium?
Das hängt stark von Ihren fotografischen Bedürfnissen ab. Für Landschafts-, Reise-, Makro- oder Sportfotografie (wo oft mehr Schärfentiefe gewünscht ist) sind die Nachteile geringer. Für Porträtfotografen, die extremes Bokeh suchen, oder für Astrofotografen, die maximale Leistung bei sehr wenig Licht benötigen, könnten größere Sensoren besser geeignet sein. Moderne Sensoren und Bildbearbeitungssoftware haben die Leistung bei wenig Licht jedoch stark verbessert.
Ist der Autofokus bei MFT so gut wie bei Kameras mit größeren Sensoren?
Der Autofokus der neuesten MFT-Kameras (insbesondere Modelle mit PDAF wie OM-1 oder G9 II) ist extrem schnell und präzise und kann in vielen Situationen mit den besten Systemen auf dem Markt mithalten oder diese übertreffen. Historische Schwächen des reinen Kontrast-AF wurden weitgehend behoben.
Kann ich ältere Objektive adaptieren?
Ja, das Micro Four Thirds System ist bekannt für seine gute Adaptierbarkeit einer großen Anzahl von Objektiven, sogar aus der analogen Film-Ära, unter Verwendung geeigneter Adapter. Dies erweitert die Auswahl an verfügbaren Objektive enorm, auch wenn bei der Verwendung von Adaptern Einschränkungen (z. B. beim Autofokus oder bei der Blendensteuerung) möglich sind.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Micro Four Thirds System trotz der immer wieder aufkommenden Gerüchte über seine Einstellung weiterhin aktiv von OM System und Panasonic entwickelt und unterstützt wird. Neue Kameras mit fortschrittlichen Sensoren und Autofokussystemen belegen dies eindrucksvoll. Die Hauptnachteile des Systems ergeben sich aus der kleineren Sensorgröße im Vergleich zu APS-C und Vollformat, was sich potenziell auf die Leistung bei wenig Licht, den Dynamikumfang und die Fähigkeit zur Erzielung geringer Schärfentiefe auswirkt. Auch der Preis kann im Vergleich zu den einfachsten Kompaktkameras höher sein.
Diese Nachteile müssen jedoch gegen die klaren Vorteile abgewogen werden: die Kompaktheit und das geringe Gewicht des Systems, die große Auswahl an Objektive und die Möglichkeit, ältere Objektive zu adaptieren, sowie die fortschrittlichen Funktionen moderner MFT-Kameras wie integrierte Bildstabilisierung und leistungsstarker Autofokus. Für viele Fotografen, die ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Bildqualität, Portabilität und Vielseitigkeit suchen, bleibt Micro Four Thirds eine ausgezeichnete und zukunftssichere Wahl.
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