Der Film "Die Wand" aus dem Jahr 2012, eine eindringliche Literaturverfilmung des gleichnamigen Romans von Marlen Haushofer, zählt zu den bemerkenswertesten österreichisch-deutschen Dramen der jüngeren Zeit. Unter der Regie von Julian Pölsler und mit einer herausragenden Martina Gedeck in der Hauptrolle, entführt der Film die Zuschauer in eine Welt extremer Isolation und des Überlebenskampfes. Das Werk wirft existenzielle Fragen auf und besticht durch seine Atmosphäre und die Darstellung der Beziehung zwischen Mensch und Natur. Doch wo genau entstand dieses beklemmende Szenario der Abgeschiedenheit, und welche Herausforderungen gab es bei der Umsetzung dieser ungewöhnlichen Geschichte?

Die Herausforderung einer Verfilmung
Marlen Haushofers Roman "Die Wand" galt lange Zeit als nahezu unverfilmbar. Seine Stärke liegt in der inneren Monologform, den metaphorischen Ansätzen und der Konzentration auf die psychische und physische Entwicklung der Protagonistin in extremer Isolation. Eine direkte Umsetzung der Ich-Erzählung schien für das Medium Film schwierig.
Regisseur Julian Pölsler bezeichnete das Buch jedoch als sein "Lebensbuch" und trug die Idee einer Verfilmung seit den 1980er Jahren mit sich. Nachdem er schließlich die Filmrechte erwerben konnte, was über die Jahre durch verschiedene Produzenten ging, benötigte er sieben Jahre, um die finale Drehbuchfassung fertigzustellen. Dabei orientierte er sich maßgeblich an der Romanvorlage. Er veränderte die Ich-Erzählsituation des Buches zu filmischen Zwecken durch Streichungen, nahm aber keine Ergänzungen vor. Eine bemerkenswerte Ausnahme war die Szene, in der die Hauptdarstellerin mit dem Auto gegen die unsichtbare Wand fährt – diese Szene kommt in der Romanfassung nicht vor.

Pölsler erhielt Unterstützung durch Workshops, bei denen er international renommierte Drehbuchautoren kennenlernte, die ihn in seiner Vision bestärkten. Interessanterweise schlug er jedoch die Empfehlung eines Autors aus, dem Film ein typisches Hollywood-Ende zu geben, was die kompromisslose Natur der Verfilmung unterstreicht.
Der Drehort: Einsamkeit im Dachsteingebirge
Die zentrale Frage vieler Zuschauer und Filmfans ist der Schauplatz dieses intensiven Kammerspiels in und mit der Natur. Die Isolation, die der Film so eindrücklich darstellt, wird maßgeblich vom Drehort geprägt. Gedreht wurde "Die Wand" an insgesamt 63 Drehtagen im malerischen, aber auch herausfordernden Oberösterreichischen Dachsteingebirge. Dieses alpine Gebiet bot die ideale Kulisse für die Abgeschiedenheit und die raue Schönheit, die für die Geschichte essentiell sind.
Die Dreharbeiten erstreckten sich über einen langen Zeitraum, von Februar 2010 bis Januar 2011. Sie wurden in einzelne Drehblöcke unterteilt, um die verschiedenen Jahreszeiten und die damit verbundenen Veränderungen in der Natur realistisch darstellen zu können. Dieser lange Drehzeitraum erklärt auch die große Anzahl der Kameraleute, die im Laufe der Produktion beteiligt waren, um die unterschiedlichen Lichtverhältnisse, Wetterbedingungen und landschaftlichen Erscheinungsbilder des Gebirges im Verlauf eines Jahres einzufangen. Die Wahl des Dachsteingebirges als Drehort trug somit entscheidend zur Atmosphäre und Glaubwürdigkeit des Films bei.
Inhalt und Kernthemen des Films
Der Film beginnt damit, dass eine namenlose Frau mit einem befreundeten Paar zu einer einsamen Jagdhütte in den oberösterreichischen Bergen fährt. Das Paar geht abends noch ins Dorf, während die Frau in der Hütte bleibt. Als sie am nächsten Morgen feststellt, dass die beiden nicht zurückgekehrt sind, macht sie sich mit dem zurückgebliebenen Hund namens „Luchs“ auf den Weg. Unterwegs stoßen sie auf ein unüberwindbares Hindernis: eine unsichtbare Wand, die offenbar über Nacht entstanden ist und das Tal auf allen Seiten umschließt. Menschen außerhalb der Wand scheinen wie erstarrt zu sein und nehmen sie nicht wahr. Die Frau ist von der Zivilisation abgeschnitten.
Als Städterin ist sie nun zur Selbstversorgung gezwungen. Sie muss lernen, Obst und Gemüse anzubauen, Wildtiere zu jagen, Brennholz zu machen und Heu zu ernten. Waffen und Werkzeuge sind in der Hütte vorhanden. Eine Kuh, die sie Bella nennt, und eine Katze, die ebenfalls von der Wand eingeschlossen wurden, laufen ihr zu und werden zu ihren Begleitern. Die Tiere sind trächtig und bekommen Nachwuchs. Die Geschichte schildert den Überlebenskampf der Frau über mehrere Jahre, ihren Umgang mit der Einsamkeit, dem Kreislauf der Natur und den Verlusten, die sie erleidet, wie den Tod des Kätzchens „Perle“ und später den gewaltsamen Tod ihres geliebten Hundes Luchs und des Stierkalbs durch einen unbekannten Mann, den sie schließlich erschießt.
Im dritten Jahr beginnt die Frau, basierend auf ihren Notizen, einen Bericht über ihr Leben in der Isolation niederzuschreiben. Als Papier nutzt sie, was sie findet: Rückseiten von Kalenderblättern und alte Geschäftsbriefe. Der Film endet, als sie das gesamte verfügbare Papier vollgeschrieben hat.

Der Film ist eine tiefgehende Meditation über Isolation, Naturverbundenheit, den Verlust der Zivilisation, den Überlebensinstinkt und die Bedeutung des Schreibens als Mittel zur Verarbeitung und Selbstfindung. Die Beziehung der Frau zu den Tieren, insbesondere zum Hund Luchs und zur Kuh Bella, wird zu einem zentralen Element ihres Lebens und Überlebens.
Martina Gedeck und der besondere Co-Star
Die gesamte Last des Films ruht fast ausschließlich auf den Schultern von Martina Gedeck. Ihre Darstellung der namenlosen Frau, die den extremen Prozess der Anpassung an die Isolation durchläuft, ist von beeindruckender Intensität und Authentizität. Sie musste die Verzweiflung, die Einsamkeit, die wachsende Verbundenheit mit der Natur und den Tieren sowie die harte Arbeit des Überlebens allein über Mimik, Gestik und die Off-Stimme des Berichts transportieren. Ihre Leistung wurde von Kritikern hoch gelobt und brachte ihr zahlreiche Nominierungen und Auszeichnungen ein.
Ein weiterer wichtiger "Darsteller" im Film ist der Hund Luchs. Die Rolle des treuen Bayerischen Gebirgsschweißhundes übernahm der eigene Hund des Regisseurs und Drehbuchautors Julian Pölsler, der von ihm auch trainiert wurde. Obwohl Luchs kein ausgebildeter Tierdarsteller war, agiert er im Film mit einer solchen Souveränität und Präsenz, dass seine Leistung von Filmkritikern als einer der besten Hundeauftritte in Filmen seit 2012 bewertet wurde. Die enge Bindung zwischen der Frau und Luchs ist ein emotionaler Ankerpunkt in der Geschichte und unterstreicht die Bedeutung der Tiere für ihr Überleben und ihr seelisches Wohl.
Produktion, Hintergründe und verwandte Werke
"Die Wand" ist eine österreichisch-deutsche Koproduktion. Die österreichische coop99 Filmproduktion Wien und die deutsche Starhaus Filmproduktion München waren federführend beteiligt. Der Film wurde in Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk, ARTE und in Zusammenarbeit mit dem ORF hergestellt. Das Projekt erhielt umfangreiche finanzielle Unterstützung von verschiedenen Filmförderinstitutionen in Österreich und Deutschland, darunter das Österreichische Filminstitut, der Filmfonds Wien, das Land OÖ Kultur, der FilmFernsehFonds Bayern, der Deutsche Filmförderfonds sowie Eurimages, der Filmförderungsfonds des Europarates.
Regisseur Julian Pölsler sieht "Die Wand" als Teil einer lose verbundenen Trilogie von Marlen Haushofer-Verfilmungen. Alle drei Romane – "Wir töten Stella" (1958), "Die Wand" (1963) und "Die Mansarde" (1969) – sind in der Ich-Form geschrieben und handeln von einer Frau, die durch das Schreiben ihre Erlebnisse und Gefühle verarbeitet. Pölsler verfilmte 2017 "Wir töten Stella" und bezeichnete diesen Film als Prequel zu "Die Wand". Er plant auch, "Die Mansarde" zu verfilmen. Er versuchte, in der Stilistik in beiden bereits realisierten Filmen ähnlich zu arbeiten, weshalb auch Elemente wie Gosau, der Hund und die Schauspielerin Ulrike Beimpold (die in "Wir töten Stella" vorkommt) wieder auftauchen. Die Verfilmung von "Die Wand" begann aus finanziellen Gründen zuerst, da Pölsler davon ausging, dass die anderen beiden Teile ohne den Erfolg von "Die Wand" möglicherweise keine Förderung erhalten hätten.
Rezeption und Auszeichnungen
Die Uraufführung von "Die Wand" fand auf der Berlinale 2012 statt und stieß auf großes Interesse. Dort wurde der Film mit dem Preis der Ökumenischen Jury in der Sektion Panorama ausgezeichnet. Die Österreichpremiere folgte am 2. Oktober 2012, kurz vor dem Kinostart im deutschsprachigen Raum.

Die Kritiken waren überwiegend positiv. Gelobt wurden insbesondere die eindringliche Atmosphäre, die meisterhafte Inszenierung der Natur und Tiere sowie die herausragende schauspielerische Leistung von Martina Gedeck. Einzelne Kritiker empfanden den Film als langatmig oder zu langsam im Erzähltempo, doch viele sahen gerade darin eine Stärke, die es dem Zuschauer ermöglicht, tief in die Erfahrung der Isolation einzutauchen. Der Film wurde für seine Zivilisationskritik und die Darstellung der existenziellen Verbundenheit zwischen Mensch und Natur gewürdigt. Die Deutsche Film- und Medienbewertung FBW in Wiesbaden verlieh dem Film das Prädikat "wertvoll".
Martina Gedeck wurde für ihre Hauptrolle für verschiedene renommierte Filmpreise nominiert, darunter der Bambi, der Preis der deutschen Filmkritik, der Romy und ein Preis bei der Viennale. 2013 wurde der Film selbst beim Deutschen Filmpreis für die beste Tongestaltung an Christian Bischoff, Uve Haußig und Johannes Konecny ausgezeichnet und erhielt zwei weitere Nominierungen (bester Film und beste Hauptdarstellerin).
Anfang September 2013 wurde "Die Wand" durch eine Jury als offizieller österreichischer Kandidat für eine Oscar-Nominierung 2014 in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film ausgewählt. Obwohl er als vielversprechend galt, erreichte der Film die finale Ausscheidung (Shortlist) leider nicht.
Häufig gestellte Fragen zum Film
Wo genau wurde "Die Wand" gedreht?
Der Film "Die Wand" wurde im Oberösterreichischen Dachsteingebirge in Österreich gedreht. Die Dreharbeiten erstreckten sich über 63 Tage zwischen Februar 2010 und Januar 2011, um die verschiedenen Jahreszeiten in der Berglandschaft einfangen zu können.
Worum geht es in dem Film "Die Wand"?
Der Film erzählt die Geschichte einer namenlosen Frau, die während eines Aufenthalts in einer Jagdhütte in den Bergen durch eine mysteriöse, unsichtbare Wand von der restlichen Welt und allen Menschen abgeschnitten wird. Sie muss lernen, in völliger Isolation in der Natur zu überleben, unterstützt von einigen Tieren, die ebenfalls innerhalb der Wand eingeschlossen sind.
Ist "Wand an Wand" der gleiche Film wie "Die Wand"?
Nein, "Wand an Wand" ist ein völlig anderer Film. Es handelt sich um eine spanische romantische Komödie (ein Remake des französischen Films "Mit dem Herz durch die Wand" von 2015), die von zwei Nachbarn handelt, die durch eine dünne Wand getrennt leben und sich ineinander verlieben. "Die Wand" ist ein österreichisch-deutsches Drama aus dem Jahr 2012 basierend auf dem Roman von Marlen Haushofer.

Wer spielt die Hauptrolle in "Die Wand"?
Die Hauptrolle der isolierten Frau wird von der renommierten deutschen Schauspielerin Martina Gedeck verkörpert.
Wer hat den Film "Die Wand" inszeniert?
Regie bei "Die Wand" führte der österreichische Filmemacher Julian Pölsler, der auch das Drehbuch basierend auf Marlen Haushofers Roman schrieb.
Welche Rolle spielt der Hund im Film?
Der Hund namens Luchs spielt eine sehr wichtige Rolle als einziger Freund und Begleiter der Frau in ihrer Isolation. Die Rolle wurde von Luchs, dem eigenen Hund des Regisseurs Julian Pölsler, gespielt, dessen Performance von Kritikern besonders gelobt wurde.
Warum galt der Roman als schwer verfilmbar?
Der Roman galt aufgrund seiner starken Ich-Erzählform, seiner inneren Monologe und seiner tiefgründigen, metaphorischen Ansätze lange als schwer für das Medium Film umsetzbar.
Vergleich: Die Wand vs. Wand an Wand
Da in den bereitgestellten Informationen auch ein anderer Film namens "Wand an Wand" erwähnt wird, der leicht verwechselt werden kann, hier ein kurzer Vergleich:
| Merkmal | Die Wand (2012) | Wand an Wand (Spanien, 2015 Remake) |
|---|---|---|
| Genre | Drama, Mystery | Romantische Komödie |
| Basierend auf | Roman von Marlen Haushofer | Französischem Film "Mit dem Herz durch die Wand" (2015) |
| Handlungskern | Frau durch unsichtbare Wand isoliert, Überlebenskampf in der Natur | Nachbarn, getrennt durch eine dünne Wand, entwickeln Gefühle |
| Schauplatz | Österreichische Berge (Oberösterreichisches Dachsteingebirge) | Apartmenthaus in Madrid |
| Hauptdarsteller | Martina Gedeck | Aitana Sánchez-Gijón, Fernando Guallar (im spanischen Remake) |
| Regisseur | Julian Pölsler | Patricia Font (im spanischen Remake) |
Fazit
"Die Wand" bleibt ein beeindruckendes Werk des europäischen Kinos, das sowohl durch seine tiefgründige Thematik als auch durch die meisterhafte Inszenierung und die intensive Leistung von Martina Gedeck besticht. Der authentische Drehort im Oberösterreichischen Dachsteingebirge ist dabei mehr als nur Kulisse – er wird zu einem wesentlichen Bestandteil der Geschichte über Isolation, Naturverbundenheit und die Rückbesinnung auf das Wesentliche im Angesicht einer unerklärlichen Katastrophe. Der Film ist ein mutiger Versuch, einen als unverfilmbar geltenden Stoff auf die Leinwand zu bringen, und wurde für diesen Versuch und seine künstlerische Qualität vielfach gewürdigt.
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