Die Geschichte der Pizza ist eine lange und vielschichtige Erzählung, die weit über das hinausgeht, was wir heute als eine runde Teigscheibe mit Belag kennen. Es gab Vorläufer in verschiedenen Kulturen der Antike: die Griechen hatten ihre Plakountos, die Ägypter und Perser kannten Fladenbrote, und in Indien gibt es Naan. All diese waren frühe Zubereitungen von Teig, oft mit Belag, die man als entfernte Verwandte der modernen Pizza betrachten könnte. Doch es gibt keinen eindeutigen Konsens darüber, welche dieser Formen die älteste ist oder ob sie tatsächlich direkte Vorläufer der Pizza, wie wir sie heute verstehen, waren.

Die Pizza, die wir lieben und kennen, hat ihre Wurzeln mit hoher Wahrscheinlichkeit in Neapel, Italien. Dies geschah Jahrzehnte, nachdem die Tomate aus Amerika nach Europa gebracht und langsam als essbar und schmackhaft akzeptiert wurde – eine entscheidende Zutat, die die Pizza revolutionieren sollte. Neapel war ein pulsierendes Zentrum, eine Hafenstadt voller Leben und Menschen, viele davon arm. Für sie wurde die Pizza zu einem nahrhaften und günstigen Gericht, das auf den Straßen verkauft wurde. Anfangs gab es eine breite Palette von Belägen, je nachdem, was gerade verfügbar und erschwinglich war. Diese frühe neapolitanische Pizza war nicht das sorgfältig zubereitete Gericht, das wir heute oft erwarten, sondern eher ein schneller Snack für den einfachen Mann. Die Popularität wuchs jedoch stetig, nicht nur bei den Einheimischen, sondern auch bei Besuchern, die von der einzigartigen Atmosphäre Neapels angezogen wurden. Dieser wachsende Erfolg führte zur Eröffnung der ersten Pizzeria. Im Jahr 1738 begann die Antica Pizzeria Port'Alba, Pizzen in festen Öfen zu backen, was einen wichtigen Schritt in der Entwicklung von einem Straßengericht zu einem Restaurantgericht darstellte.
Die Geburt der modernen Pizza: Die Pizza Margherita
Ein entscheidender Moment in der Geschichte der Pizza ereignete sich im Jahr 1889. König Umberto I. und seine Gemahlin, Königin Margherita von Savoyen, besuchten Neapel. Die Königin, müde von der französischen Haute Cuisine, die am königlichen Hof üblich war, äußerte den Wunsch, einige der lokalen Pizzen zu probieren. Der berühmteste Pizzabäcker Neapels zu dieser Zeit, Raffaele Esposito von der Pizzeria Brandi (ein Nachfolger der Antica Pizzeria Port'Alba), wurde beauftragt, Pizzen für die Königin zuzubereiten. Esposito kreierte drei verschiedene Pizzen, aber eine davon eroberte das Herz der Königin und sollte die Pizza für immer verändern. Diese Pizza war belegt mit San-Marzano-Tomaten, frischem Mozzarella und Basilikum. Esposito wählte diese Zutaten nicht zufällig; ihre Farben – Rot, Weiß und Grün – repräsentierten die Farben der italienischen Flagge. Die Königin war von dieser einfachen, aber geschmacksintensiven Kreation angeblich so begeistert, dass sie Esposito einen Dankesbrief zukommen ließ. Zu Ehren der Königin nannte Esposito diese Pizza „Pizza Margherita“. Damit war nicht nur eine Ikone geboren, sondern auch der Standard für die klassische neapolitanische Pizza gesetzt: ein dünner, elastischer Teig, belegt mit den hochwertigsten Zutaten und gebacken bei sehr hoher Temperatur in einem Holzofen. Die Pizza Margherita wurde zum Sinnbild der italienischen Küche und verbreitete sich von Neapel aus über ganz Italien und schließlich die ganze Welt.
Die Pizza erobert Amerika
Die Reise der Pizza über den Atlantik begann mit der großen Welle italienischer Einwanderer, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in die Vereinigten Staaten kamen, viele davon aus Süditalien und Neapel. Sie brachten ihre Kultur, ihre Traditionen und natürlich auch ihre kulinarischen Gewohnheiten mit sich. New York City wurde zu einem wichtigen Tor für diese Einwanderer, und in den Vierteln, die heute als Little Italy bekannt sind, begannen die ersten italienischen Bäcker und Köche, Pizzen für ihre Landsleute zuzubereiten. Im Jahr 1905 eröffnete Gennaro Lombardi an der Spring Street in Lower Manhattan die erste lizenzierte Pizzeria in den Vereinigten Staaten. Lombardi verkaufte zunächst Pizzen, die in seinem Brotbackofen zubereitet wurden, oft als ganze Kuchen, die dann in Stücke geschnitten und auf Papier verkauft wurden. Später entwickelte er den klassischen New York Style: eine Pizza mit dünnem, aber zähem Teig, der groß genug ist, um ihn zusammenzuklappen (oft als „slice“ verkauft), und gebacken in einem Kohleofen, der dem Teig eine einzigartige Textur und einen rauchigen Geschmack verleiht. Lombardi's Pizzeria wurde zu einer Art Schule für zukünftige Pizzabäcker. Viele, die bei ihm lernten, eröffneten später ihre eigenen Pizzerien in New York und trugen so zur Verbreitung des New York Style bei. Berühmte Beispiele sind Totonno's in Brooklyn, gegründet 1924, und John's of Bleecker Street, gegründet 1929. Diese „Zweitgenerationen“-Pizzerien sind bis heute legendär und prägen das Bild der New Yorker Pizza.
Regionale Variationen in den USA: Chicago Deep Dish und California Style
Doch die Geschichte der Pizza in den USA beschränkt sich nicht nur auf New York. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die amerikanische Bevölkerung offener für neue kulinarische Einflüsse wurde, begann sich die Pizza auch in anderen Städten zu etablieren und entwickelte eigene, regionale Stile. In Chicago, einer Stadt mit einer großen Einwandererbevölkerung und einer starken Identität, entstand eine völlig andere Art von Pizza: die Chicago Deep Dish Pizza. Erfunden wurde sie angeblich 1943 von Ike Sewell, einem Texaner, der in Chicago lebte und Miteigentümer des Restaurants Pizzeria Uno war. Sewell wollte eine Pizza kreieren, die „herzhafter“ und „mehr wie eine Mahlzeit“ war als die dünne New Yorker Version. Das Ergebnis war eine Pizza, die in einer tiefen Form gebacken wird, mit einem dicken, butterreichen Teig, der am Rand hochgezogen wird. Die Beläge werden in umgekehrter Reihenfolge geschichtet: zuerst der Käse, dann Fleisch und Gemüse, und schließlich eine dicke Schicht Tomatensauce obenauf. Diese Struktur schützt den Käse und die Beläge vor dem Verbrennen während der langen Backzeit in der tiefen Form. Die Deep Dish Pizza wurde schnell zu einem Markenzeichen Chicagos und verbreitete sich von Pizzeria Uno aus in der ganzen Stadt und darüber hinaus.
In den späten 1980er Jahren entstand an der Westküste, insbesondere in Kalifornien, ein weiterer unverwechselbarer Pizza-Stil, der oft als California Style Pizza bezeichnet wird. Dieser Stil zeichnet sich durch die Verwendung unkonventioneller und gourmetartiger Beläge aus, die über die traditionellen italienischen Zutaten hinausgehen. Man könnte dies als eine Rückkehr zu den frühesten neapolitanischen Pizzen sehen, die ebenfalls eine Vielfalt an Belägen nutzten, aber im modernen Kalifornien mit einem Fokus auf frische, lokale und manchmal exotische Zutaten. Ziegenkäse, Entenwurst, Trüffelöl, Artischockenherzen, Barbecue-Hähnchen und eine Vielzahl von Gemüsesorten wurden zu beliebten Belägen. Ein Pionier dieses Stils war Ed LaDou. Er wurde von dem berühmten Koch Wolfgang Puck engagiert, um Pizzen für sein neues Restaurant Spago in Los Angeles zu kreieren. LaDou experimentierte mit einer breiten Palette von Belägen und half, die Pizza von einem einfachen Gericht zu etwas Raffiniertem zu erheben. Mitte der 1980er Jahre verließ LaDou Spago und wurde Teilhaber bei California Pizza Kitchen (CPK), einer Kette, die den California Style Pizza einem breiteren Publikum zugänglich machte. Seine Barbecue Chicken Pizza wurde dort besonders berühmt und trug maßgeblich zur Popularisierung dieses innovativen Stils bei.
Vergleich der Pizza-Stile
Die verschiedenen historischen Entwicklungen haben zu einer bemerkenswerten Vielfalt in der Welt der Pizza geführt. Hier ist ein kleiner Vergleich der prominentesten Stile, die in der Geschichte eine wichtige Rolle spielten:
| Stil | Ursprung | Charakteristik des Teigs | Typische Beläge / Merkmale |
|---|---|---|---|
| Neapolitanisch (Klassisch) | Neapel, Italien | Sehr dünn in der Mitte, weich, elastisch, aufgegangener Rand (Cornicione) | San-Marzano-Tomaten, Mozzarella di Bufala oder Fior di Latte, Basilikum, Olivenöl (z.B. Pizza Margherita) |
| New York Style | New York City, USA (basierend auf Neapel) | Dünn, zäh, groß (zum Zusammenklappen), oft leicht knusprig am Boden, gebacken im Kohleofen | Tomatensauce, Mozzarella, oft einfache Beläge wie Peperoni; verkauft als ganzes Stück oder als "Slice" |
| Chicago Deep Dish | Chicago, USA | Dick, butterreich, hochgezogener Rand, in einer tiefen Form gebacken | Käse (unten), Fleisch/Gemüse (Mitte), dicke Schicht Tomatensauce (oben) |
| California Style | Kalifornien, USA | Variiert (oft dünner), Basis für unkonventionelle Beläge | Gourmet-Zutaten, exotische Beläge, z.B. Ziegenkäse, Trüffel, Barbecue Chicken, eine Vielzahl von Gemüsesorten |
Jeder dieser Stile repräsentiert eine eigene Ära und einen eigenen kulturellen Kontext in der Geschichte der Pizza und zeigt, wie sich ein einfaches Gericht an neue Umgebungen und Geschmäcker anpassen kann.
Häufig gestellte Fragen zur Geschichte der Pizza
Im Laufe der Zeit haben sich viele Fragen rund um die Herkunft und Entwicklung der Pizza ergeben. Hier beantworten wir einige der häufigsten:
- Wo wurde die Pizza erfunden? Die moderne Pizza, wie wir sie kennen, wurde höchstwahrscheinlich in Neapel, Italien, geboren. Obwohl es frühere Fladenbrote gab, gilt Neapel als der Geburtsort der neapolitanischen Pizza.
- Wer hat die Pizza Margherita erfunden? Die Pizza Margherita wurde der Legende nach 1889 von dem neapolitanischen Pizzabäcker Raffaele Esposito zu Ehren der italienischen Königin Margherita von Savoyen kreiert.
- Wann kam die Pizza in die Vereinigten Staaten? Die Pizza kam Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts mit italienischen Einwanderern in die USA. Die erste lizenzierte Pizzeria eröffnete 1905 in New York City.
- Was sind die Hauptunterschiede zwischen neapolitanischer Pizza und New York Style Pizza? Neapolitanische Pizza hat einen sehr dünnen, weichen Boden mit einem aufgegangenen, luftigen Rand und wird typischerweise mit wenigen, hochwertigen Zutaten belegt. New York Style Pizza ist ebenfalls dünn, aber zäher und größer, oft für den Verkauf als Einzelstück konzipiert und traditionell im Kohleofen gebacken.
- Was ist das Besondere an Chicago Deep Dish Pizza? Chicago Deep Dish Pizza wird in einer tiefen Form gebacken, hat einen dicken, teils knusprigen Teigrand und die Beläge (Käse, Fleisch/Gemüse, Sauce) sind schichtweise angeordnet, wobei die Sauce oft oben liegt.
Fazit: Mehr als nur ein Gericht
Ganz gleich, welchem Pizza-Stil Ihre persönlichen Vorlieben gelten, die Pizza ist heute zweifellos eines der beliebtesten und am weitesten verbreiteten Gerichte der Welt. Ihre Reise von einem einfachen Straßengericht für die Armen in Neapel zu einer globalen kulinarischen Ikone ist eine bemerkenswerte Geschichte. Sie zeigt, wie sich Essen entwickeln, anpassen und neue Formen annehmen kann, während es gleichzeitig einen Sinn für Tradition bewahrt. Von der historischen Bedeutung der Pizza Margherita, die die Farben Italiens repräsentiert, bis hin zu den innovativen Kreationen des California Style – die Geschichte der Pizza ist eine Geschichte von Kreativität, Migration und unaufhaltsamer Popularität. Sie ist mehr als nur Teig, Sauce und Käse; sie ist ein Stück Kulturgeschichte, das Menschen auf der ganzen Welt verbindet und immer wieder neu inspiriert.
Hat dich der Artikel Die faszinierende Geschichte der Pizza interessiert? Schau auch in die Kategorie Ogólny rein – dort findest du mehr ähnliche Inhalte!
