Warum flackert die Kamera meines Telefons?

Handykamera flackert: Ursache & Lösung

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Es ist ein frustrierendes Problem, das viele Smartphone-Nutzer kennen: Man möchte ein Video unter künstlichem Licht aufnehmen, und das Ergebnis zeigt ein störendes Flackern. Was auf den ersten Blick wie ein Defekt der Kamera aussieht, hat meist eine ganz einfache physikalische Ursache, die eng mit der Art und Weise zusammenhängt, wie unsere Stromnetze funktionieren und wie Lichtquellen darauf reagieren. Dieses Phänomen ist nicht auf bestimmte Handymodelle beschränkt, sondern kann bei jeder Kamera auftreten, wenn die Bedingungen stimmen.

Um zu verstehen, warum Ihre Handykamera flackert, müssen wir uns zunächst ansehen, wie elektrischer Strom in unseren Häusern und Büros bereitgestellt wird. Weltweit wird überwiegend Wechselstrom (AC) verwendet. Das Besondere am Wechselstrom ist, dass die Richtung des Stromflusses sich ständig ändert. Die Geschwindigkeit dieser Richtungsänderung wird als Frequenz bezeichnet und in Hertz (Hz) gemessen. In Europa, Afrika und weiten Teilen Asiens beträgt diese Frequenz 50 Hertz. In Nord- und Südamerika sowie in Teilen Asiens sind es 60 Hertz.

Wie bekommt man das Flackern vom Handy weg?
HANDY-BILDSCHIRM FLACKERT1Führe ein System-Update durch.2Starte das Gerät neu.3Schalte die automatische Anpassung der Bildschirmhelligkeit aus.4Lade den Akku auf und deaktiviere den Energiesparmodus.5Überprüfe, ob Apps für das Flackern verantwortlich sind, und lösche sie gegebenenfalls.

Was bedeutet das für unsere Beleuchtung? Bei einer Frequenz von 50 Hz ändert der Strom seine Richtung 50 Mal pro Sekunde. Zweimal pro Zyklus, also insgesamt 100 Mal pro Sekunde, fließt für einen winzigen Augenblick kein Strom durch die Leitung. Viele moderne Leuchtmittel, insbesondere Leuchtstofflampen und einige LED-Lampen, reagieren sehr schnell auf diese Stromschwankungen. Sie werden zwar nicht komplett ausgeschaltet, aber ihre Helligkeit kann 100 Mal pro Sekunde (bei 50 Hz Netzen) oder 120 Mal pro Sekunde (bei 60 Hz Netzen) leicht abfallen oder schwanken. Unser menschliches Auge ist zu träge, um diese schnellen Helligkeitsänderungen wahrzunehmen. Wir sehen ein konstant leuchtendes Licht.

Eine Kamera hingegen nimmt die Szene nicht kontinuierlich wahr. Sie nimmt in sehr schneller Abfolge einzelne Bilder auf (die sogenannte Bildrate oder Framerate, gemessen in Bildern pro Sekunde – fps). Jedes dieser Bilder wird für einen sehr kurzen Zeitraum belichtet (die Belichtungszeit oder Shutter Speed). Wenn die Kamera ein Bild aufnimmt, erfasst sie den momentanen Helligkeitszustand der Lichtquelle. Wenn die Frequenz, mit der die Kamera Bilder aufnimmt oder belichtet, nicht mit der Frequenz synchronisiert ist, mit der das Licht seine Helligkeit ändert, erfasst die Kamera einige Bilder, wenn das Licht gerade heller ist, und andere, wenn es dunkler ist. Diese Unterschiede in der Helligkeit von Bild zu Bild werden im fertigen Video als störendes Flackern sichtbar.

Dieses Problem wird besonders deutlich bei Zeitlupenaufnahmen. Bei Zeitlupen wird mit einer sehr hohen Bildrate gefilmt (z.B. 120 fps oder 240 fps). Je mehr Bilder pro Sekunde aufgenommen werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Aufnahmezeitpunkte ungünstig mit den Helligkeitsschwankungen des Lichts zusammenfallen. Dadurch wird das Flackern, das bei normaler Geschwindigkeit vielleicht weniger auffällt, in der Zeitlupe extrem prominent.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Flackern der Handykamera unter Kunstlicht ein Synchronisationsproblem ist:

  • Das Licht flackert mit einer Frequenz, die von der Netzfrequenz abhängt (100 Hz bei 50 Hz Netzen, 120 Hz bei 60 Hz Netzen).
  • Die Kamera nimmt Bilder mit einer bestimmten Bildrate und Belichtungszeit auf.
  • Wenn diese Frequenzen nicht harmonieren, fängt die Kamera die Helligkeitsschwankungen des Lichts ein.

Wie kann man dieses unschöne Flackern nun vermeiden oder zumindest reduzieren?

Viele moderne Kameras, einschließlich denen in aktuellen Smartphones, verfügen über spezielle Einstellungen, um dieses Problem zu beheben. Suchen Sie in den Kamera- oder Videoeinstellungen nach Optionen wie „Flicker-less“, „Flicker Reduction“, „Anti-Flicker“ oder „Flimmerfrei“. Oft finden sich diese Einstellungen im Bereich der Belichtungseinstellungen. Diese Funktionen passen intern die Aufnahmezeitpunkte oder Belichtungszeiten der Kamera so an, dass sie besser mit den gängigen Netzfrequenzen (50 Hz oder 60 Hz) harmonieren. Manchmal müssen Sie hier manuell die passende Netzfrequenz für Ihre Region auswählen (50 Hz für Europa, 60 Hz für Amerika). Dies ist oft die einfachste und effektivste Lösung.

Sollte Ihre Kamera keine solche spezielle „Flicker-less“-Einstellung bieten oder das Problem dadurch nicht vollständig behoben werden, können Sie versuchen, die Bildrate und/oder die Belichtungszeit manuell anzupassen, falls Ihre Kamera-App diese Optionen bietet.

Das Ziel bei der Anpassung der Bildrate ist es, eine Frequenz zu wählen, die ein Teiler der Lichtpulsfrequenz ist. Bei einem 50 Hz Netz, das 100 Lichtpulse pro Sekunde erzeugt, wären Bildraten wie 25 fps, 50 fps oder idealerweise 100 fps theoretisch gut geeignet, um das Flackern zu minimieren. Bei einem 60 Hz Netz mit 120 Lichtpulsen pro Sekunde wären 30 fps, 60 fps oder 120 fps passende Bildraten. Die Standard-Bildraten der meisten Handykameras sind oft 30 fps oder 60 fps, was in 60 Hz Regionen gut funktioniert, aber in 50 Hz Regionen zu Problemen führen kann, insbesondere bei 60 fps.

Warum flackert mein Handykamera?
Das Problem des Flackerns entsteht beim Filmen dann, wenn die Aufnahmefrequenz der Kamera nicht mit der Frequenz des Stromnetzes synchronisiert ist. Das führt zu einem Flackern im Video, das insbesondere bei Zeitlupenaufnahmen deutlich sichtbar wird.19. Apr. 2023

Allerdings bieten viele Standard-Kamera-Apps auf Smartphones keine freie Wahl der Bildrate über die üblichen 25/30 fps und 50/60 fps hinaus. Hier kommt die Anpassung der Belichtungszeit (Shutter Speed) ins Spiel. Die Belichtungszeit bestimmt, wie lange der Sensor für jedes Bild Licht sammelt. Durch die Wahl einer geeigneten Belichtungszeit kann man sicherstellen, dass während der Aufnahme eines einzelnen Bildes immer ein oder mehrere vollständige Zyklen der Lichtschwankung erfasst werden. Dadurch mittelt sich die Helligkeit über die Belichtungszeit, und die Helligkeitsunterschiede zwischen den einzelnen Bildern werden minimiert.

Eine gängige Faustregel besagt, dass die Belichtungszeit das 1/(2 * Netzfrequenz) oder ein Vielfaches davon sein sollte. Bei einem 50 Hz Netz (100 Lichtpulse/Sekunde) sind Belichtungszeiten wie 1/100 s, 1/125 s (nahe genug), 1/200 s, etc. oft effektiv. Bei einem 60 Hz Netz (120 Lichtpulse/Sekunde) sind 1/120 s, 1/250 s, etc. gute Ausgangspunkte. Da die Belichtungszeit oft als Kehrwert angegeben wird (z.B. 1/100), bedeutet eine längere Belichtungszeit einen kleineren Nenner (z.B. 1/50s ist länger als 1/100s).

Viele professionellere Kamera-Apps für Smartphones erlauben die manuelle Einstellung der Belichtungszeit. Experimentieren Sie mit Werten, die nahe an 1/100s oder 1/120s liegen, je nach Ihrer Netzfrequenz. Manchmal kann auch eine etwas längere Belichtungszeit wie 1/50s (bei 50 Hz) oder 1/60s (bei 60 Hz) das Flackern reduzieren, da sie einen vollen Lichtzyklus erfasst. Beachten Sie jedoch, dass längere Belichtungszeiten bei bewegten Motiven zu Bewegungsunschärfe führen können.

Leider gibt es keine universelle Einstellung, die in jeder Situation perfekt funktioniert. Das optimale Ergebnis hängt von der Art der Lichtquelle, der genauen Frequenzschwankung und der Empfindlichkeit des Kamerasensors ab. Es ist oft ein Prozess des Ausprobierens, um die beste Einstellung für Ihre spezifische Aufnahmesituation zu finden.

Hier ist eine kleine Übersicht zur Orientierung:

RegionNetzfrequenzLichtpulsfrequenzEmpfohlene Bildraten (falls wählbar)Empfohlene Belichtungszeiten (manuell)
Europa, Afrika, Asien (Teile)50 Hz100 Hz25 fps, 50 fps1/100 s, 1/125 s, 1/200 s
Nord-/Südamerika, Asien (Teile)60 Hz120 Hz30 fps, 60 fps1/120 s, 1/250 s

Beachten Sie, dass die Liste der empfohlenen Bildraten und Belichtungszeiten nur Richtwerte sind. Die tatsächliche Verfügbarkeit dieser Einstellungen hängt von Ihrer spezifischen Kamera-App ab.

Häufig gestellte Fragen zum Flackern:

Ist Flackern schädlich für die Kamera?

Nein, das Flackern ist ein rein optisches Phänomen in der Videoaufnahme. Es schadet weder dem Kamerasensor noch der Hardware Ihres Telefons. Es ist lediglich ein unerwünschter visueller Effekt.

Warum flackert mein Handykamera?
Das Problem des Flackerns entsteht beim Filmen dann, wenn die Aufnahmefrequenz der Kamera nicht mit der Frequenz des Stromnetzes synchronisiert ist. Das führt zu einem Flackern im Video, das insbesondere bei Zeitlupenaufnahmen deutlich sichtbar wird.19. Apr. 2023

Tritt Flackern bei allen Lichtquellen auf?

Flackern tritt primär bei Lichtquellen auf, die schnell auf die Wechselstromfrequenz reagieren. Dazu gehören viele Leuchtstofflampen und moderne LED-Lampen. Klassische Glühlampen, die mit einem glühenden Draht arbeiten, haben eine viel geringere Trägheit und flackern in der Regel nicht wahrnehmbar für die Kamera.

Warum ist das Flackern in Zeitlupe schlimmer?

Wie bereits erwähnt, nimmt die Kamera in Zeitlupe viel mehr Bilder pro Sekunde auf. Bei einer höheren Bildrate ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die einzelnen Bilder zu sehr unterschiedlichen Zeitpunkten im Helligkeitszyklus des Lichts aufgenommen werden. Dies verstärkt den Flacker-Effekt.

Kann auch Sonnenlicht Flackern verursachen?

Nein, Sonnenlicht ist eine kontinuierliche Lichtquelle und wird nicht durch die Netzfrequenz beeinflusst. Flackern unter Sonnenlicht (oder auch bei älteren Glühlampen) hat andere Ursachen, die meist mit der Kamera selbst oder externen Einflüssen (z.B. durch vorbeiziehende Objekte) zusammenhängen und nicht mit dem hier beschriebenen Effekt.

Muss ich die Einstellung jedes Mal ändern?

Wenn Sie oft unter denselben Lichtbedingungen filmen (z.B. in Ihrem Büro oder zu Hause), finden Sie möglicherweise eine Einstellung, die dort gut funktioniert und können diese beibehalten. Wenn Sie jedoch den Ort oder die Lichtquelle wechseln, kann es sein, dass Sie die Einstellungen erneut anpassen müssen, um optimal Ergebnisse zu erzielen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Flackern der Handykamera unter Kunstlicht ein häufiges Problem ist, das durch die Interaktion zwischen der Netzfrequenz, der Art der Lichtquelle und den Aufnahmeeinstellungen der Kamera verursacht wird. Glücklicherweise bieten die meisten modernen Smartphones und Kamera-Apps Möglichkeiten, dieses Problem zu beheben, sei es durch eine spezielle „Flicker-less“-Einstellung oder durch manuelle Anpassung von Belichtungszeit und Bildrate. Nehmen Sie sich die Zeit, die Einstellungen Ihrer Kamera zu erkunden und ein wenig zu experimentieren, um das bestmögliche Ergebnis unter verschiedenen Lichtbedingungen zu erzielen.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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