Die deutsche Sprache ist reich und vielfältig, birgt aber manchmal kleine Stolpersteine, besonders wenn es um die Rechtschreibung geht. Eine häufige Frage, die Unsicherheit hervorruft, betrifft die Formulierung „infrage kommen“. Schreibt man es zusammen – „infrage“ – oder getrennt – „in Frage“? Diese Frage beschäftigt viele Schreibende, sei es im beruflichen Alltag, in der Schule oder beim Verfassen privater Texte. Glücklicherweise gibt der Duden, das maßgebliche Nachschlagewerk für die deutsche Sprache, klare Auskunft.

Die Duden-Empfehlung: Eindeutig und doch nicht die einzige Wahrheit
Wenn Sie im Duden nachschlagen, werden Sie feststellen, dass die von der Duden-Redaktion empfohlene Schreibweise die Zusammenschreibung ist: infrage. Diese Empfehlung folgt der Tendenz, feststehende adverbiale oder präpositionale Wendungen, die mit einem Verb eine neue Bedeutungseinheit bilden (ähnlich wie bei „teilnehmen“ oder „stattfinden“), zusammenzuschreiben. „Infrage kommen“ bedeutet so viel wie „in Betracht gezogen werden“, „relevant sein“ oder „eine Möglichkeit darstellen“. Die Zusammenschreibung unterstreicht diese Einheit von Bedeutung und Funktion.
Die Empfehlung des Dudens ist für viele die Richtschnur, insbesondere im formellen Schriftverkehr. Wer sich an die Empfehlung hält, ist immer auf der sicheren Seite und signalisiert, dass er die aktuellen Regeln und Präferenzen kennt.
Die Alternative: Getrennt und ebenso korrekt
Doch hier kommt die Nuance ins Spiel, die oft für Verwirrung sorgt: Die Schreibweise „in Frage“ (getrennt) ist laut Duden ebenfalls korrekt. Ja, Sie haben richtig gelesen. Beide Varianten sind grammatisch und orthografisch zulässig. Diese Doppelung ist ein Beispiel für die Toleranz, die in der deutschen Rechtschreibung existiert, insbesondere nach den Rechtschreibreformen, die in einigen Fällen Varianten zugelassen haben, um unterschiedlichen Sprachgebrauch oder historische Entwicklungen zu berücksichtigen.
Die getrennte Schreibweise „in Frage“ leitet sich eher von der ursprünglichen präpositionalen Phrase „in (einer) Frage“ ab. Auch wenn die Bedeutung im Ausdruck „in Frage kommen“ eine andere ist als „in einer Frage sein“, spiegelt die getrennte Schreibweise möglicherweise noch die Struktur der Einzelwörter wider.
Warum existieren zwei korrekte Formen?
Die Existenz von zwei korrekten Schreibweisen für denselben Ausdruck wie „infrage kommen“ ist kein Einzelfall in der deutschen Sprache, wenn auch nicht die Regel. Sie resultiert oft aus der Entwicklung der Sprache und den Entscheidungen bei der Festlegung von Rechtschreibregeln, insbesondere im Zuge der Rechtschreibreform von 1996 und ihrer Anpassungen. Ziel der Reform war oft eine Vereinfachung, aber in manchen Fällen wurden Varianten zugelassen, um lange etablierten Gebrauchsweisen Rechnung zu tragen oder Übergangsphasen zu ermöglichen.
Bei „infrage kommen“ haben sich über lange Zeit beide Schreibweisen etabliert, und die Reform hat entschieden, beide als gültig anzuerkennen, auch wenn der Duden eine klare Präferenz für die Zusammenschreibung ausspricht.
Die Bedeutung von „infrage kommen“
Bevor wir uns weiter mit der Schreibweise beschäftigen, ist es hilfreich, die Bedeutung des Ausdrucks „infrage kommen“ genau zu verstehen. Wie bereits erwähnt, bedeutet es:
- In Betracht gezogen werden
- Relevant oder geeignet sein
- Eine Option oder Möglichkeit darstellen
Es wird meist in negativen oder fragenden Sätzen verwendet, um auszudrücken, dass etwas *nicht* relevant ist oder *ob* etwas relevant ist. Beispiele:
- „Diese Lösung kommt nicht infrage.“ (Diese Lösung ist keine Option/wird nicht in Betracht gezogen.)
- „Wer kommt für die Stelle in Frage?“ (Wer ist relevant/geeignet für die Stelle?)
- „Nach diesem Fehler kommt eine Beförderung vorerst nicht infrage.“ (Eine Beförderung ist derzeit keine Möglichkeit/wird nicht in Betracht gezogen.)
In all diesen Beispielen können Sie entweder „infrage“ oder „in Frage“ verwenden. Die Bedeutung bleibt dieselbe.
Abgrenzung: „infrage stellen“
Es ist wichtig, „infrage kommen“ von dem ähnlichen Ausdruck „infragestellen“ zu unterscheiden. Das Verb „infragestellen“ bedeutet „bezweifeln“, „anzweifeln“ oder „etwas kritisch hinterfragen“. Dieses Verb wird immer zusammengeschrieben:
- „Er stellte die Entscheidung infragestellen.“ (Er bezweifelte/hinterfragte die Entscheidung.)
- „Ihre Loyalität wurde nie infragestellen.“ (Ihre Loyalität wurde nie bezweifelt.)
Hier gibt es keine Varianten. „Infragestellen“ ist immer ein Wort. Dies zeigt, dass die Regeln für Zusammenschreibung komplex sein können und von der spezifischen Verbindung abhängen.
Welche Schreibweise sollte man verwenden?
Da beide Schreibweisen – „infrage“ und „in Frage“ – korrekt sind, haben Sie im Prinzip die Wahl. Es gibt jedoch einige Überlegungen, die Ihre Entscheidung beeinflussen könnten:
- Duden-Empfehlung: Wenn Sie sich eng an die Empfehlungen des Dudens halten möchten, verwenden Sie die Zusammenschreibung „infrage“. Dies ist oft die bevorzugte Wahl in offiziellen oder redaktionellen Kontexten.
- Konsistenz: Das Wichtigste ist, innerhalb eines Textes oder sogar über verschiedene Texte hinweg konsistent zu sein. Entscheiden Sie sich für eine Variante und bleiben Sie dabei. Ein Wechsel zwischen den Schreibweisen im selben Dokument wirkt unprofessionell.
- Persönliche Präferenz: Manche Menschen bevorzugen aus ästhetischen Gründen oder Gewohnheit eine der beiden Formen. Solange beide korrekt sind, ist das legitim.
In der Praxis werden Sie beide Schreibweisen in veröffentlichten Texten finden. Die Tendenz geht jedoch, nicht zuletzt durch den Einfluss des Dudens, oft zur zusammengeschriebenen Form „infrage“.
Vergleich der Schreibweisen
| Schreibweise | Status laut Duden | Anmerkung |
|---|---|---|
| infrage | Korrekt | Empfohlene Schreibweise der Duden-Redaktion. Folgt der Tendenz zur Zusammenschreibung von festen Wendungen mit Verben. |
| in Frage | Korrekt | Ebenfalls korrekte Schreibweise. Spiegelt möglicherweise die ursprüngliche Struktur der Einzelwörter wider. |
Die Tabelle verdeutlicht, dass beide Varianten grünes Licht vom Duden haben, die Zusammenschreibung aber den Vorzug erhält.
Häufig gestellte Fragen zu „infrage oder in Frage“
Hier beantworten wir einige der häufigsten Fragen zu diesem Thema, basierend auf den Informationen des Dudens:
Ist „infrage“ die einzig richtige Schreibweise?
Nein, das ist sie nicht. „infrage“ ist die vom Duden empfohlene Schreibweise, aber „in Frage“ ist laut Duden ebenfalls korrekt. Es gibt also zwei zulässige Varianten.
Welche Schreibweise empfiehlt der Duden?
Der Duden empfiehlt die zusammengeschriebene Form: „infrage“. Diese Empfehlung basiert auf der Auffassung, dass die Wendung mit dem Verb „kommen“ eine feste Einheit bildet.
Ist die getrennte Schreibweise „in Frage“ falsch?
Nein, die getrennte Schreibweise „in Frage“ ist nicht falsch. Sie ist eine laut Duden anerkannte und korrekte Variante.
Warum gibt es zwei korrekte Schreibweisen für „infrage kommen“?
Die Existenz von Varianten wie dieser ist oft das Ergebnis der Sprachentwicklung und der Entscheidungen bei der Festlegung von Rechtschreibregeln (z. B. im Rahmen von Rechtschreibreformen), bei denen unterschiedlichen Gebrauchsweisen Rechnung getragen wird.
Gibt es einen Bedeutungsunterschied zwischen „infrage“ und „in Frage“?
Nein, es gibt keinen Bedeutungsunterschied. Beide Schreibweisen bedeuten dasselbe: „in Betracht gezogen werden“, „relevant sein“ etc. Der Unterschied liegt rein in der Orthografie.
Sollte ich immer die vom Duden empfohlene Schreibweise verwenden?
Das ist eine gute Praxis, besonders in formellen Kontexten, da sie den aktuellen Empfehlungen entspricht. Es ist jedoch nicht zwingend erforderlich, da die andere Variante ebenfalls korrekt ist. Wichtiger als die Wahl der Variante ist die Konsistenz innerhalb eines Textes.
Gilt das auch für „infragestellen“?
Nein. Das Verb „infragestellen“ (bedeutet: anzweifeln, hinterfragen) wird immer zusammengeschrieben. Hier gibt es keine alternative korrekte Schreibweise.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen: Wenn Sie sich fragen, ob „infrage“ oder „in Frage“ richtig ist, lautet die Antwort: Beide sind richtig! Der Duden empfiehlt zwar die Zusammenschreibung „infrage“, aber die getrennte Schreibweise „in Frage“ ist keineswegs falsch. Sie haben die Wahl zwischen zwei korrekten Varianten. Das Wichtigste für ein sauberes Schriftbild ist, dass Sie sich für eine der beiden Formen entscheiden und diese konsequent in Ihrem Text verwenden. Mit diesem Wissen können Sie die Formulierung „infrage kommen“ sicher und korrekt verwenden, ganz gleich, für welche der beiden zulässigen Schreibweisen Sie sich entscheiden.
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