Leni Riefenstahl wird oft als filmisches Genie gefeiert, doch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie als Propagandistin Adolf Hitlers und der NSDAP, die ihre Filme finanzierte, geächtet. Die monumentale Vision von Schönheit in ihrem Film "Olympia" passte perfekt zur Rassenideologie der Nazis, und ihr Film "Triumph des Willens" sollte die Macht des Dritten Reiches verherrlichen. Ihr Leben und Werk bleiben bis heute Gegenstand intensiver Debatten über die Beziehung zwischen Kunst und Moral, Genie und Schuld.

Von der Bühne zum Filmset: Frühe Jahre
Bevor Leni Riefenstahl Regisseurin wurde, war sie eine populäre Tänzerin und Schauspielerin. Eine Verletzung zwang sie 1924, ihre Tanzkarriere zu unterbrechen. Während dieser Zeit sah sie Arnold Fancks Film "Berg des Schicksals" und suchte den Regisseur auf, der sie in seinen nächsten sieben Bergfilmen besetzte. Diese Filme waren romantische Epen über den Kampf des Menschen gegen die Natur, ein Thema, das Riefenstahl faszinierte. Sie war nicht nur Schauspielerin, sondern auch eine der ersten weiblichen Filmproduzenten. Ihre 1931 gegründete "Leni Riefenstahl Filmproduktion" existiert bis heute. Sie sagte, sie sei immer selbstständig gewesen.

1932 führte Riefenstahl bei ihrem ersten eigenen Spielfilm, "Das blaue Licht", Regie, in dem sie die Hauptrolle eines Bauernmädchens spielte. Dieser Film, für den sie Idee, Drehbuch, Hauptrolle, Regie, Schnitt und Produktion verantwortete, wurde international gefeiert. Sogar Charlie Chaplin verneigte sich vor dem Film und kleidete seine Hauptdarstellerin in "Moderne Zeiten" als Hommage an Riefenstahls Figur Junta. Der Film wurde für seine knappen Szenen, Großaufnahmen und kühnen Schnitte gelobt und thematisierte visionär Naturschutz und Frauenfiguren. Die Symbolik des phallischen Berges und der vaginalen Grotte wurde als Ausdruck ihrer Persönlichkeit gedeutet, ihrer Ambition, "100 Prozent Mann und 100 Prozent Frau" zu sein.
Die fatale Begegnung und die Propaganda-Filme
Im selben Jahr, 1932, hörte Riefenstahl Hitler bei einer Kundgebung sprechen und bat um ein persönliches Treffen. Bei ihrer ersten Begegnung soll Hitler ihr gesagt haben: "Wenn wir einmal an die Macht kommen, müssen Sie meine Filme machen." Riefenstahl behauptete später in ihrer Autobiografie, sie habe geantwortet, dass sie keine Auftragsfilme machen könne. Doch 1933 drehte sie "Sieg des Glaubens", einen Dokumentarfilm über einen Parteitag der NSDAP in Nürnberg. Unzufrieden mit diesem Film, versuchte sie es 1934 erneut und produzierte Triumph des Willens. Dieser Film gilt weithin als eines der effektivsten Stücke Filmpropaganda, die je produziert wurden.
"Triumph des Willens" nutzte eine Reihe innovativer Techniken für die damalige Zeit: bewegliche Kameras, Teleobjektive zur Erzeugung von Verkürzungs-Effekten, häufige Nahaufnahmen der weit aufgerissenen Augen der Parteimitglieder, heroische Posen Hitlers, aufgenommen aus Froschperspektive, und die Verwendung von Originalton, was damals eine Seltenheit war. Der Film inszenierte Hitler gottgleich, zeigte jubelnde Menschenmassen und Hakenkreuzfahnen. Er wurde ein internationaler Triumph für die Regisseurin, erhielt den ersten Preis beim Filmfestival in Venedig und führte dazu, dass Riefenstahl 1934 in Paris von begeisterten Franzosen auf Schultern getragen wurde.
Olympia: Ästhetik im Dienste der Ideologie
Obwohl Riefenstahl angeblich schwor, keine weiteren Nazi-Filme zu drehen, nahm sie 1936 einen Auftrag des Deutschen Olympischen Komitees an, die Olympischen Spiele in Berlin zu dokumentieren. Riefenstahl bestand darauf, dass Olympia (1938) kein offizieller Dokumentarfilm sei, doch es gibt Hinweise darauf, dass Joseph Goebbels' Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda ihn finanzierte. Sie setzte 170 Kameraleute und Techniker ein, um 136 Veranstaltungen abzudecken, weil, wie sie sagte, "wir nie wussten, wann ein Weltrekord gebrochen würde".
Um die frühen griechischen Olympischen Spiele heraufzubeschwören, filmte Riefenstahl fast nackte Athleten in verschiedenen heroischen Posen und drehte Nahaufnahmen von Ruderern, Marathonläufern und Schwimmern im Training, die sie in die Endfassung einfügte. Mit ihren bewussten Anspielungen auf das antike Griechenland unterstützten die Filme Hitlers Bestrebungen, dem Nationalsozialismus eine lange historische Tradition zuzuschreiben. "Olympia" setzte Maßstäbe in der Sportberichterstattung durch seinen noch nie dagewesenen technischen Aufwand und seine Fähigkeit, simplen Sport in hehre Kunst zu verwandeln. Allerdings geriet der Film bei seinem Erscheinen in den Strudel der "Reichskristallnacht" und des Kriegsbeginns, was die Schatten über Riefenstahl verstärkte.
"Tiefland" und die Ausbeutung von Komparsen
Trotz ihrer Verbindung zu Hitler und Goebbels behauptete Riefenstahl später, sie sei sich des Krieges der Nazis gegen die Künste oder ihrer mörderischen Aktionen gegen Minderheiten nicht bewusst gewesen. 1933 hatten die Nazis die Arbeit von Juden in der Filmindustrie eingeschränkt, gefolgt von Bücherverbrennungen, einem Verbot künstlerischer Kritik und einer Kampagne gegen progressive Kunst. 1944 stellte Riefenstahl ihren zweiten Spielfilm, Tiefland, fertig, in dem sie Sinti und Roma aus einem nahegelegenen Konzentrationslager als Statisten einsetzte. Der Film wurde erst 1954 veröffentlicht.

Nach dem Krieg beharrte Riefenstahl darauf, nicht gewusst zu haben, dass die Sinti und Roma in ein NS-Vernichtungslager deportiert würden. Die Dokumentarfilmerin Nina Gladitz recherchierte diesen Sachverhalt und stellte fest, dass Riefenstahl Komparsen in einem Zwangslager ausgewählt hatte. Mehr als die Hälfte der Sinti und Roma, die in dem Film mitspielten, wurden anschließend in Auschwitz ermordet. Riefenstahl bestritt stets, je ein KZ betreten zu haben und behauptete, alle Darsteller nach dem Krieg wiedergetroffen zu haben. Sie zog gegen Nina Gladitz vor Gericht und verlor in mehreren Punkten, erwirkte aber, dass Gladitz' kritische TV-Doku fast 30 Jahre lang nicht ausgestrahlt werden durfte.
Leben nach 1945: Geächtet, aber aktiv
Nach der Niederlage der Nazis im Jahr 1945 verbrachte Riefenstahl vier Jahre in einem französischen Internierungslager für Nazi-Sympathisanten. Sie war nie Mitglied der NSDAP und wurde nicht wegen Kriegsverbrechen angeklagt. Im Rahmen der Entnazifizierung wurde sie lediglich als Mitläuferin eingestuft. Dennoch wurde sie in Deutschland an den Pranger gestellt, was viele als "Hexenjagd" empfanden. Sie verbrachte die nächsten 20 Jahre in relativer Isolation in der Wohnung ihrer Mutter in München.
In den späten 1960er Jahren wandte sie sich der Fotografie zu, unternahm mehrere Reisen in ein abgelegenes Gebiet des südlichen Sudans und veröffentlichte zwei Fotobände über Nuba-Stammesangehörige. Später drehte sie einen letzten Dokumentarfilm, einen idealisierten Blick auf das Leben in den Ozeanen, "Impressionen unter Wasser" (2002). 1987 veröffentlichte sie eine umfangreiche und selbst-rechtfertigende Autobiografie, "Leni Riefenstahl: Eine Erinnerung". Fünf Jahre später wurde sie Gegenstand des dreistündigen Dokumentarfilms des deutschen Filmemachers Ray Müller, "Die Macht der Bilder: Leni Riefenstahl" (1993, im Text steht 1992), in dem sie ausführlich über ihre filmischen Techniken sprach, aber weiterhin darauf bestand, dass ihre Verbindung zu den Nazis ihre künstlerische Unabhängigkeit nicht beeinträchtigt habe. Anders als viele prominente Deutsche der 1930er und 1940er Jahre lebte Riefenstahl bis ins hohe Alter, übertraf die Hundertjahresmarke und erlebte den Beginn des 21. Jahrhunderts, bevor sie 2003 im Alter von 101 Jahren aus natürlichen Ursachen starb.
Künstlerische Vision und moralische Verantwortung
Hollywood-Regisseure wie George Lucas und Quentin Tarantino bewunderten die Ästhetik ihrer Filme. Riefenstahl nutzte modernste Technik, überraschte mit ungewöhnlichen Kameraperspektiven, spielte mit Licht und Schatten, setzte Musik effektvoll ein und schnitt die einzelnen Filmstreifen virtuos zusammen. Sie schuf eindringliche Bilder, die oft in Dokumentationen über die NS-Zeit auftauchten. Sie engagierte die besten Kameraleute ihrer Zeit und wählte ihre Motive bewusst so aus, dass sie perfekt zur faschistischen Ideologie passten: Sie sparte alles Kranke, Schwache und Hässliche aus und konzentrierte sich auf das Schöne, das Starke, das Erhabene.
Riefenstahl profitierte vom Nationalsozialismus, stieg in höchste Gesellschaftskreise auf und wurde reich und berühmt. Sie betonte zeitlebens, unpolitisch zu sein und von den NS-Verbrechen nichts gewusst zu haben, was ihr bei der Entnazifizierung zugutekam. Allerdings zeigen aufgezeichnete Telefongespräche aus ihrem Nachlass, dass sie aus ihrer faschistischen Ideologie keinen Hehl machte, den Holocaust relativierte und die "Reichskristallnacht" leugnete. Sie wurde als geschickt, große Manipulatorin beschrieben, die charmant sein konnte, aber aggressiv wurde, wenn ihre Legenden angezweifelt wurden. Sie wollte Kontrolle behalten oder wiederherstellen.
Die Verfolgung Riefenstahls nach 1945, die sie als "Hexenjagd" empfand, und die ihr angetane Unrecht (z.B. Internierung in einer Irrenanstalt, Elektroschocks) verstellten ihr vermutlich den Blick für das von ihr mitgeduldete Unrecht. Während männliche Kollegen wie Walter Ruttmann, Gustav Gründgens oder Ernst Jünger, die ebenfalls im Dritten Reich Karriere machten oder ihm nahestanden, nach dem Krieg relativ unbeschadet weiterarbeiten konnten und deren Werk hochgeachtet wird, wurde bei Riefenstahl die Qualität der Arbeit oft mit der Fragwürdigkeit der Person in Frage gestellt. Sie klagte 50 Mal gegen Diffamierungen und gewann die meisten Prozesse, unter anderem gegen Luis Trenker und den Verleger Kindler.
Die Frage nach der Verantwortung der Kunst im Zusammenhang mit Riefenstahl ist besonders spannend. Hätte eine so begabte Künstlerin nicht auch eine besondere moralische Verantwortung gehabt? Riefenstahl selbst wehrte sich vehement gegen Kritik und verbreitete ihrerseits Unwahrheiten. Sie bediente sich eines Tricks, den moderne Populisten nutzen: Sie wiederholte ihre Lügen so lange, bis sie als Wahrheit wahrgenommen wurden. Dieses Verhalten macht sie, laut einigen Kommentatoren, auch heute noch erschreckend aktuell, besonders im Hinblick auf Manipulation, Propaganda und Fake News.

Wichtige Filme von Leni Riefenstahl
- Das blaue Licht (1932) - Ihr erster eigener Spielfilm als Regisseurin und Hauptdarstellerin.
- Sieg des Glaubens (1933) - Dokumentation des Reichsparteitags 1933.
- Triumph des Willens (1934/35) - Berühmter und umstrittener Propagandafilm über den Parteitag 1934.
- Olympia (1938) - Zweiteiliger Dokumentarfilm über die Olympischen Spiele 1936.
- Tiefland (gedreht 1944, veröffentlicht 1954) - Spielfilm, umstritten wegen der Verwendung von Komparsen aus Konzentrationslagern.
- Impressionen unter Wasser (2002) - Dokumentarfilm über die Unterwasserwelt.
Häufig gestellte Fragen zu Leni Riefenstahl
War Leni Riefenstahl Mitglied der NSDAP?
Nein, Leni Riefenstahl war nach den vorliegenden Informationen nie Mitglied der NSDAP. Im Rahmen der Entnazifizierung nach 1945 wurde sie lediglich als Mitläuferin eingestuft.
Wusste Leni Riefenstahl von den Verbrechen der Nazis?
Leni Riefenstahl bestritt zeitlebens vehement, von den mörderischen Aktionen der Nazis gegen Minderheiten oder den Konzentrationslagern gewusst zu haben. Sie gab an, erst nach dem Krieg als Gefangene von den Verbrechen erfahren zu haben und brach zusammen, als ihr Fotos gezeigt wurden. Allerdings deuten Aufzeichnungen aus ihrem Nachlass (Telefonate) darauf hin, dass sie über die NS-Ideologie informiert war, den Holocaust relativierte und die "Reichskristallnacht" leugnete. Die Frage bleibt daher komplex und umstritten.
Warum war Leni Riefenstahl so umstritten?
Ihre Umstrittenheit rührt hauptsächlich von ihrer engen Verbindung und ihrer Arbeit für das NS-Regime her. Sie drehte ikonische Propagandafilme wie "Triumph des Willens" und "Olympia", die maßgeblich zur Verherrlichung Hitlers und der nationalsozialistischen Ideologie beitrugen. Zudem wurde ihr vorgeworfen, für ihren Film "Tiefland" Komparsen aus Konzentrationslagern verwendet zu haben, von deren Schicksal sie angeblich nichts wusste. Ihre lebenslange Weigerung, sich glaubhaft vom NS-Regime zu distanzieren und ihre Behauptung, unpolitisch gewesen zu sein, trotz offensichtlicher Vorteile, die sie durch ihre Nähe zur Macht erlangte, trugen ebenfalls zu ihrer anhaltenden Kontroverse bei.
Wurde Leni Riefenstahl nach dem Krieg bestraft?
Obwohl sie vier Jahre in einem französischen Internierungslager verbrachte und im Rahmen der Entnazifizierung als Mitläuferin eingestuft wurde, wurde sie nicht wegen Kriegsverbrechen angeklagt. Ihre Karriere als Filmemacherin in Deutschland endete jedoch abrupt, und sie sah sich lebenslang mit Kritik, Diffamierung und Prozessen konfrontiert. Sie konnte nie wieder an ihre früheren Erfolge als Regisseurin anknüpfen, wandte sich aber später erfolgreich der Fotografie und dem Unterwasserfilm zu.
Warum gilt Leni Riefenstahl trotz ihrer umstrittenen Vergangenheit als wichtig für die Filmgeschichte?
Leni Riefenstahl gilt als Pionierin der Filmtechnik und -ästhetik. Ihre innovativen Kameratechniken, Schnittmethoden und die Inszenierung von Massenszenen und Sport haben die Filmproduktion nachhaltig beeinflusst, insbesondere im Bereich der Dokumentar- und Sportfilme. Ihre Fähigkeit, eindrucksvolle und ästhetisch ansprechende Bilder zu schaffen, wird selbst von Kritikern ihrer politischen Haltung oft anerkannt. Sie war zudem eine der wenigen Frauen ihrer Zeit, die in der männerdominierten Filmindustrie als Regisseurin und Produzentin erfolgreich war. Die Debatte um ihr Werk ist auch eine wichtige Auseinandersetzung mit der Frage, inwieweit Kunst unabhängig von ihrem politischen Kontext betrachtet werden kann.
Leni Riefenstahls Leben und Werk sind ein faszinierendes, aber auch beunruhigendes Beispiel für die komplexe Wechselwirkung von künstlerischem Talent, persönlichem Ehrgeiz und politischer Verstrickung. Ihre Filme sind Zeugnisse ihrer visuellen Meisterschaft, aber untrennbar mit einer dunklen Epoche der Geschichte verbunden. Die Debatte um ihre Person und ihr Erbe wird wohl noch lange andauern.
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