Australien, der riesige Kontinent am anderen Ende der Welt, blickt auf eine Geschichte zurück, die Zehntausende von Jahren umfasst. Doch wann genau kamen die ersten Europäer an und wie veränderte dies das Leben der ursprünglichen Bewohner für immer? Die Antwort ist vielschichtiger, als man auf den ersten Blick vermuten mag und markiert einen tiefgreifenden Wendepunkt in der Geschichte des Landes.

Lange bevor europäische Segelschiffe am Horizont erschienen, war Australien bereits die Heimat einer reichen und vielfältigen Kultur. Vor etwa 40.000 bis 60.000 Jahren besiedelten die ersten Menschen den Erdteil, aus dem später Australien, Neu-Guinea und Tasmanien hervorgingen. Historiker und Archäologen gehen davon aus, dass die Vorfahren der heutigen Aboriginals in einer Zeit, als der Meeresspiegel deutlich niedriger war, Insel für Insel aus dem heutigen Indonesischen Archipel in Richtung Australien vordrangen. Ob diese Reise zufällig geschah, etwa durch abgetriebene Boote, oder eine bewusste Erkundung war, ist bis heute Gegenstand von Spekulationen. Möglicherweise sahen sie vom nur 150 Kilometer entfernten Timor aus das Festland, bemerkten Rauch von Buschfeuern oder folgten Zugvögeln.
Die frühen Siedler trafen auf eine herausfordernde Umgebung. Fast die Hälfte des Kontinents war Wüste und Steppe, und es herrschten extrem hohe Temperaturen. Sie mussten sich an giftige Schlangen gewöhnen und mit ungewöhnlichen Tieren wie drei Meter großen Kängurus und riesigen Echsen zurechtkommen. Im Gegensatz zu anderen Kontinenten gab es in Australien keine großen Tiere, die sich leicht zähmen und domestizieren ließen.
Die Kultur der ersten Australier
Trotz der Widrigkeiten war 25.000 Jahre nach der Ankunft der ersten Menschen der gesamte Kontinent besiedelt. Die Bevölkerungsdichte blieb jedoch gering; Schätzungen gehen von maximal 900.000 Aboriginals zur Zeit ihrer größten Ausdehnung aus. Isoliert vom Rest der Welt, verharrten die Ureinwohner Australiens über Jahrtausende hinweg in der Steinzeit. Sie entwickelten keine Schrift, betrieben keinen Ackerbau und kannten weder Pfeil und Bogen noch Werkzeuge aus Metall.
Es gab mehrere hundert Stämme, aber keine hierarchischen Gesellschaften im europäischen Sinne. Sie lebten als Nomaden in Clans von 25 bis 50 Menschen, die ihre angestammten Gebiete als Jäger und Sammler durchstreiften. An den Küsten waren sie auch als Fischer aktiv. Ein zentraler Aspekt ihrer Kultur war das Fehlen von Privateigentum. Vorräte wurden nicht angelegt. Die Aboriginals glaubten fest daran, dass nicht der Mensch das Land besaß, sondern umgekehrt – das Land besaß den Menschen. Diese tiefe, spirituelle Verbindung zur Natur, symbolisiert durch heilige Stätten wie den Uluru, prägte ihr gesamtes Dasein.
Erste europäische Kontakte: Mehr als nur eine Ankunft
Die Frage, wann die ersten Europäer in Australien ankamen, hat nicht nur eine, sondern im Grunde zwei Antworten, je nachdem, was man unter Ankunft versteht.
Die allererste Sichtung (1606)
Die erste dokumentierte Landung von Europäern auf dem australischen Kontinent fand bereits im Jahr 1606 statt. Dies geschah durch niederländische Seefahrer. Allerdings führte diese frühe Erkundung nicht zu einer dauerhaften Präsenz oder Besiedlung. Für die britische Kolonialisierung, die das Land nachhaltig prägen sollte, ist dieses Datum weniger relevant als ein späteres.
Die Ankunft der "First Fleet" (1788)
Der wirklich entscheidende Zeitpunkt für die europäische Besiedlung Australiens war der 18. Januar 1788. An diesem Tag landete der englische Kapitän Arthur Phillip mit seiner Flotte an der Südostküste Australiens, in der Nähe des späteren Sydney. Dies markierte den Beginn der britischen Kolonie New South Wales und somit der dauerhaften europäischen Präsenz auf dem Kontinent.
Die Motivation für diese Expedition war primär pragmatischer Natur. Die Gefängnisse in England waren überfüllt, und nachdem die aufständischen Kolonien in Nordamerika keine Verurteilten mehr aufnahmen (etwa 50.000 Sträflinge waren zwischen 1717 und 1775 dorthin deportiert worden), suchte die britische Krone nach einer Alternative. Die beginnende Industrialisierung in England führte zu einem raschen Bevölkerungswachstum, zerstörte traditionelle Gewerbe und schuf prekäre Lebensverhältnisse, die viele Menschen in die Kriminalität trieben. Die Regierung griff den Vorschlag auf, Häftlinge zur Zwangsarbeit in Kolonien zu schicken, um Platz zu schaffen und gleichzeitig das Gemeinwesen zu stärken.
Kapitän James Cook hatte 1770 auf seiner Südsee-Expedition die Ostküste Australiens (Neuholland) für England in Besitz genommen. Dieses Neuland wurde nun als Ziel für die Sträflingskolonie auserwählt. Arthur Phillip, ein erfahrener Marineoffizier, der zuvor bereits Häftlinge nach Brasilien transportiert hatte, wurde zum Kommandeur der First Fleet ernannt und zum ersten Gouverneur mit weitreichenden Vollmachten. Die Flotte bestand aus elf Schiffen: zwei Kriegsschiffen, drei Versorgungsschiffen und sechs Transportern. An Bord befanden sich 568 Männer und 191 Frauen als Häftlinge, dazu kamen rund 700 Matrosen, Soldaten und Bewacher sowie Material für den Aufbau einer Siedlung.
Die Reise begann im Mai 1787 in Portsmouth und führte über Rio de Janeiro und Kapstadt. Die Überfahrt war lang und entbehrungsreich, geprägt von Stürmen, aber auch von Meutereien und Aufsässigkeiten, die brutal geahndet wurden. Dennoch starben verhältnismäßig wenige Häftlinge (23 auf dieser ersten Fahrt) im Vergleich zu späteren Transporten, was auf einigermaßen erträgliche Bedingungen schließen lässt.
Das ursprüngliche Ziel war die Botany Bay, entdeckt von Cook. Doch bei seiner Ankunft stellte Phillip fest, dass die Bucht für eine dauerhafte Siedlung ungeeignet war, insbesondere hinsichtlich Wasserversorgung und Bodenqualität. Er segelte daher weiter nach Norden und entdeckte einen natürlichen Hafen, den er zu Ehren des damaligen englischen Innenministers Lord Sydney „Sydney Cove“ nannte. Hier landete die Flotte Ende Januar 1788. Am 26. Januar wurde die britische Flagge gehisst und das Land im Namen König Georgs III. in Besitz genommen. Dieses Datum wird heute als Australia Day gefeiert, ist aber für viele Aboriginals ein Tag der Trauer.
Zusammenprall der Kulturen: Konflikt und Leid
Die ersten Zusammentreffen zwischen den britischen Siedlern und den Aboriginals verliefen zunächst erstaunlich friedlich. Kapitän Phillip hatte Befehl gegeben, möglichst keine Gewalt anzuwenden. Beide Seiten arrangierten sich zunächst, so gut es ging. Doch diese Phase hielt nicht lange an. Je mehr Land die Siedler für Ackerbau und Viehzucht beanspruchten, desto größer wurden die Konflikte.
Für viele Siedler hatten die Aboriginals Anfang des 19. Jahrhunderts wenig Wert, oft weniger als Tiere. Sie wurden von ihrem Land vertrieben, getötet, Frauen wurden vergewaltigt. Zusätzlich zu dieser Gewalt litten die Ureinwohner massiv unter den von den Europäern eingeschleppten Krankheiten. Gegen Cholera, Grippe, Pocken und andere Infektionen hatten die Aboriginals keine Abwehrkräfte. Ganze Gemeinschaften wurden ausgelöscht.
Als Mitte des 19. Jahrhunderts die Gräueltaten zunahmen und international bekannt wurden, setzte das britische Parlament einen "Chief Protector" ein, um die Aboriginals zu schützen – eine Maßnahme, die oft zu spät kam und nicht immer effektiv war. Manche Aboriginals leisteten bewaffneten Widerstand gegen die Unterdrückung, andere zogen sich in entlegenere Gebiete zurück, während wieder andere versuchten, sich in den Siedlungen der Weißen anzupassen und dabei ihre Kultur und Lebensweise aufgaben.

Entwicklung Australiens und das Schicksal der Aboriginals
Auch nachdem Australien 1907 als selbstverwaltete Kolonie weitgehende Unabhängigkeit vom Britischen Königreich erlangte, änderte sich die Politik gegenüber den Aboriginals zunächst kaum. Die Unterdrückung ging weiter und erreichte in den 1920er-Jahren einen Tiefpunkt. Zu dieser Zeit lebten nur noch schätzungsweise 60.000 Aboriginals auf dem Kontinent – ein drastischer Rückgang im Vergleich zur Zeit vor der europäischen Besiedlung.
Langsam setzte jedoch ein Wandel ein. Organisationen begannen, sich für die Rechte der Ureinwohner einzusetzen. Viele Aboriginals kämpften im Zweiten Weltkrieg für Australien, was zu einer gewissen Anerkennung ihres Status führte. 1949 erhielten alle Aboriginals offiziell die australische Staatsbürgerschaft, doch es dauerte noch bis in die 1960er-Jahre, bis die diskriminierende "White Australia"-Politik der Regierung offiziell beendet wurde. Erst dann wurden den Aboriginals gleiche Bürgerrechte zugestanden. Sie durften wählen, Immobilien besitzen, Weiße heiraten und hatten Anspruch auf staatliche Rente. Auch die Löhne wurden denen der weißen Arbeiter angeglichen.
Diese Lohnanpassung hatte jedoch paradoxerweise auch negative Folgen: Viele Aboriginals, die zuvor unterbezahlt waren, wurden entlassen, da ihre Arbeitskraft nun teurer wurde. Dies führte zu einer verstärkten Landflucht und Migration in die Großstädte, wo viele unter schwierigen Bedingungen leben mussten.
Vergleich: Ankunft der ersten Bewohner vs. Europäer
Ein Blick auf die Daten verdeutlicht den Unterschied in der Zeitspanne der jeweiligen Präsenz auf dem Kontinent:
| Gruppe | Geschätzte Ankunftszeit | Ursprung | Lebensweise (ursprünglich) | Auswirkungen auf den Kontinent |
|---|---|---|---|---|
| Erste Bewohner (Aboriginals) | Vor ca. 40.000 - 60.000 Jahren | Südostasien (über Landbrücken/kurze Seewege) | Jäger und Sammler, nomadisch, tiefe spirituelle Verbindung zum Land | Anpassung an die Umwelt, nachhaltige Nutzung über Jahrtausende |
| Erste Europäer (Briten, "First Fleet") | 1788 (dauerhafte Besiedlung) | Europa (Großbritannien) | Sesshaft (Kolonie), Ackerbau, Viehzucht, Nutzung von Metallwerkzeugen | Grundlegende Umgestaltung der Landschaft, Einführung neuer Arten, Verdrängung und Dezimierung der Ureinwohnerkultur |
Die heutige Situation und Versöhnungsbemühungen
Heute leben etwa 600.000 Aboriginals und Torres-Strait-Insulaner in Australien. Obwohl sich rechtlich viel verbessert hat, ist ihre soziale Lage oft noch immer deutlich schlechter als die der weißen Bevölkerung. Statistiken zeigen eine höhere Arbeitslosenquote, eine dreimal so hohe Selbsttötungsrate und eine durchschnittliche Lebenserwartung, die bis zu 17 Jahre unter der von weißen Australiern liegt. Armut, Alkoholismus, Drogen und Gewalt sind in vielen Aboriginal-Gemeinschaften verbreitet.
Anthropologen sehen diese Probleme als direkte Folge der Kolonialisierung, der Vertreibung vom Land und der kulturellen Entwurzelung. Über die Hälfte der Aboriginals lebt mittlerweile in Städten, oft unter prekären Bedingungen. Ein Viertel wohnt in abgelegenen, oft selbstverwalteten Reservaten, wo die Herausforderungen ebenfalls groß sein können.
Ein wichtiger Schritt in Richtung Versöhnung war die vielbeachtete "Sorry"-Rede des damaligen australischen Premierministers Kevin Rudd im Jahr 2008. Er entschuldigte sich im Namen der Regierung offiziell bei den Aboriginals für das ihnen zugefügte Leid, insbesondere für die Politik der "Stolen Generations". Seitdem gibt es Anzeichen für eine langsame Verbesserung. Das Selbstbewusstsein der Aboriginals scheint gestiegen zu sein, und ihre Probleme werden von der Mehrheitsgesellschaft ernster genommen. Doch allen Beteiligten ist klar, dass der Weg zu echter Gleichheit und Versöhnung noch lang ist.
Häufig gestellte Fragen
Wann genau kamen die allerersten Europäer nach Australien?
Die allerersten Europäer, niederländische Seefahrer, landeten bereits 1606. Dies führte aber nicht zur Besiedlung.
Wann begann die dauerhafte europäische Besiedlung Australiens?
Die dauerhafte Besiedlung begann am 18. Januar 1788 mit der Ankunft der britischen "First Fleet" unter Kapitän Arthur Phillip in der Nähe des heutigen Sydney.
Warum schickte England Häftlinge nach Australien?
Die Gefängnisse in England waren überfüllt. Nachdem die amerikanischen Kolonien keine Sträflinge mehr aufnahmen, wurde Australien als neue Strafkolonie auserwählt, um Platz zu schaffen und gleichzeitig Arbeitskräfte für die Kolonie zu gewinnen.
Was geschah mit den Aboriginals nach der Ankunft der Europäer?
Sie wurden von ihrem Land vertrieben, litten unter Gewalt und starben in großer Zahl an von Europäern eingeschleppten Krankheiten, gegen die sie keine Immunität hatten. Ihre Kultur und Lebensweise wurden massiv gestört und unterdrückt.
Was bedeutet der Begriff "Aborigine"?
Der Begriff leitet sich vom Lateinischen "ab origine" ab und bedeutet "von Anfang an". In Australien wird der Begriff heute oft als kolonialistisch und unpassend empfunden. Bevorzugt werden Bezeichnungen wie "First Nations person" oder "Aboriginal und Torres-Strait-Insulaner".
Wie ist die Situation der Aboriginals heute?
Obwohl rechtlich gleichgestellt, kämpfen viele Aboriginals immer noch mit erheblichen sozialen und wirtschaftlichen Problemen wie hoher Arbeitslosigkeit, geringerer Lebenserwartung und Auswirkungen von Armut und Traumata, die als Folge der Kolonialisierung betrachtet werden.
Gab es eine offizielle Entschuldigung der australischen Regierung?
Ja, im Jahr 2008 entschuldigte sich der damalige Premierminister Kevin Rudd offiziell bei den Aboriginals für das ihnen zugefügte Leid.
Die Geschichte der Ankunft der Europäer in Australien ist eng mit der Geschichte der Verdrängung und des Leidens der ursprünglichen Bewohner verbunden. Sie ist ein komplexes Thema, das bis heute das moderne Australien prägt und dessen Aufarbeitung noch lange nicht abgeschlossen ist.
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