Wo kommen die Türken ursprünglich her?

Migration: Warum kamen Türken nach Deutschland?

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Die Frage, warum so viele Menschen türkischer Herkunft heute in Deutschland leben, ist eng verknüpft mit einem bedeutenden Kapitel der Nachkriegsgeschichte beider Länder. Was als temporäre Arbeitsmigration begann, entwickelte sich über Jahrzehnte zu einer dauerhaften Präsenz, die das gesellschaftliche und kulturelle Bild Deutschlands maßgeblich prägte und weiterhin prägt. Um die heutige Situation zu verstehen, müssen wir einen Blick zurückwerfen auf die Anfänge dieser Migration, die politischen Entscheidungen, die sie beeinflussten, und die Herausforderungen, die sich im Laufe der Zeit ergaben.

Warum kommen so viele Türken nach Deutschland?
Der Familiennachzug ist der häufigste Grund für einen Zuzug. Daneben verlassen viele Menschen die Türkei, um in Deutschland Asyl zu beantragen. Auch die Zahl der Arbeitsmigrant*innen wächst, allerdings auf niedrigem Niveau.

Die Anfänge: Das Gastarbeiterprogramm

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Westdeutschland ein rasches Wirtschaftswachstum, das sogenannte Wirtschaftswunder. Um den steigenden Bedarf an Arbeitskräften in Industrie, Bergbau und anderen Sektoren zu decken, schloss die Bundesrepublik Deutschland bilaterale Anwerbeabkommen mit verschiedenen Ländern. Nach Italien, Spanien und Griechenland folgte am 30. Oktober 1961 ein solches Abkommen mit der Türkei. Dieses Datum markiert den offiziellen Beginn der organisierten Arbeitsmigration aus der Türkei nach Deutschland.

Die Idee hinter diesem Programm war, Arbeitskräfte für einen begrenzten Zeitraum ins Land zu holen. Man ging davon aus, dass die „Gastarbeiter“, wie sie genannt wurden, nach einigen Jahren in ihre Heimatländer zurückkehren würden, nachdem sie Geld verdient hatten. Dieses Konzept der Rotation prägte die frühe Migrationspolitik. Die angeworbenen Arbeiter waren zunächst oft junge Männer, die bereit waren, körperlich anstrengende Arbeit zu verrichten, die von deutschen Arbeitern oft nicht mehr angenommen wurde. Fabriken, Bergwerke und die Bauwirtschaft waren die Hauptarbeitgeber.

Für die Türkei bot das Abkommen eine Möglichkeit, die hohe Arbeitslosigkeit im eigenen Land zu reduzieren und Devisen durch die Rücküberweisungen der Migranten zu erhalten. Für die Migranten selbst war die Aussicht auf Arbeit und ein deutlich höheres Einkommen als in der Türkei eine starke Motivation, ihre Familien und Heimatorte vorübergehend zu verlassen. Sie kamen mit der Hoffnung, genug Geld zu sparen, um in der Türkei ein besseres Leben aufbauen zu können.

Von der Rotation zur定 ansässigkeit

Entgegen der ursprünglichen Erwartung kehrten viele Gastarbeiter nicht nach wenigen Jahren zurück. Verschiedene Faktoren trugen dazu bei, dass sich die vorübergehende Anwesenheit in eine dauerhafte定 ansässigkeit wandelte. Viele fanden in Deutschland nicht nur Arbeit, sondern auch ein stabileres soziales Umfeld als erwartet. Sie passten sich an, bauten Freundschaften auf und sahen eine bessere Zukunftsperspektive für sich und ihre potenziellen Familien in Deutschland.

Anfang der 1970er Jahre, insbesondere vor dem Anwerbestopp im Jahr 1973, nutzten viele Arbeitskräfte die Möglichkeit des Familiennachzugs. Ehepartner und Kinder kamen nach Deutschland, was die Grundlage für die Bildung einer dauerhaften türkischen Gemeinschaft legte. Mit dem Anwerbestopp endete die Phase der gezielten Anwerbung, aber der Familiennachzug ermöglichte weiterhin die Einreise von Angehörigen der bereits in Deutschland lebenden Türken. Dies trug maßgeblich zum Wachstum der türkischen Bevölkerung in Deutschland bei.

Die Vorstellung, dass Deutschland ein Einwanderungsland sei, war in der deutschen Politik und Gesellschaft lange Zeit umstritten und wurde offiziell nicht anerkannt. Dies hatte erhebliche Auswirkungen auf die Integrationspolitik und das Staatsbürgerschaftsrecht.

Staatsbürgerschaft: Ein langer und komplexer Weg

Über Jahrzehnte hinweg war die Erlangung der deutschen Staatsbürgerschaft für türkische Einwanderer und ihre Nachkommen eine große Hürde. Das traditionelle deutsche Staatsbürgerschaftsrecht basierte auf dem Abstammungsprinzip (Jus Sanguinis). Das bedeutete, die Staatsbürgerschaft wurde durch die deutsche Elternschaft weitergegeben, nicht durch den Geburtsort oder den langjährigen Wohnsitz in Deutschland (dem Jus Soli-Prinzip, das in Ländern wie den USA oder Kanada gilt).

Wer war der erste Türke, der nach Deutschland kam?
Zuwanderung nach Deutschland Der erste Türke von Alfeld. Bekir Özdemir kam 1961 als Schweißer nach Niedersachsen. Damals fragte man sich, ob Muslime Deutsche werden können; manche bezweifeln das heute noch. Özdemirs Geschichte zeigt, was ein Sieg im Fußball damit zu tun hat.

Infolgedessen galten selbst in Deutschland geborene Kinder türkischer Eltern rechtlich als Ausländer. Es gab keine automatische Einbürgerung. Nur wer einen deutschen Elternteil hatte, konnte die Staatsbürgerschaft erhalten. Diese Rechtslage spiegelte die politische Haltung wider, dass Deutschland kein Einwanderungsland sei und die hier lebenden Ausländer nur Gäste auf Zeit seien.

Erste Lockerungen in den 1990er Jahren

Mit dem Ausländergesetz von 1990 gab es erste bescheidene Lockerungen. Langjährig in Deutschland lebenden ausländischen Arbeitnehmern wurde das Recht eingeräumt, nach acht Jahren legalen Aufenthalts eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis zu beantragen. Für in Deutschland geborene Personen türkischer Herkunft gab es nun unter bestimmten Bedingungen die Möglichkeit, mit 18 Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft zu erwerben, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass sie ihre türkische Staatsbürgerschaft aufgaben. Das Prinzip der doppelten Staatsbürgerschaft wurde aus politischen Gründen strikt abgelehnt.

Die politische Debatte um die doppelte Staatsbürgerschaft war intensiv. Bundeskanzler Helmut Kohl äußerte 1997 die Befürchtung, dass die Zulassung der doppelten Staatsbürgerschaft die Zahl der Türken in Deutschland erheblich erhöhen würde. Er sagte: „Wenn wir heute [1997] den Forderungen nach doppelter Staatsbürgerschaft nachgeben, hätten wir bald vier, fünf oder sechs Millionen Türken in Deutschland, statt drei Millionen.“ Diese Aussage verdeutlichte die damalige politische Skepsis gegenüber der Integration und der Vorstellung einer multiethnischen Gesellschaft.

Die Reform von 1999: Ein Wendepunkt

Ein entscheidender Wandel im Staatsbürgerschaftsrecht erfolgte im Jahr 1999 unter der rot-grünen Bundesregierung unter Gerhard Schröder. Mit dieser Reform wurde das deutsche Staatsbürgerschaftsrecht deutlich liberalisiert und Elemente des Jus Soli-Prinzips eingeführt. Ausländer konnten nun nach acht Jahren legalen Aufenthalts (statt zuvor zehn oder 15 Jahren, je nach Fall) einen Anspruch auf Einbürgerung haben.

Noch wichtiger war die Neuerung für in Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern. Sie erhielten nun automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft bei Geburt, sofern mindestens ein Elternteil seit mindestens acht Jahren einen legalen und gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hatte und im Besitz einer Aufenthaltsberechtigung oder einer unbefristeten Aufenthaltserlaubnis war. Für diese Kinder wurde zunächst eine Optionspflicht eingeführt: Sie mussten sich bis zum Alter von 23 Jahren entscheiden, ob sie die deutsche Staatsbürgerschaft oder die Staatsbürgerschaft ihrer Eltern behalten wollten. Die doppelte Staatsbürgerschaft war über das 23. Lebensjahr hinaus nur in Ausnahmefällen möglich.

Diese Reform hatte erhebliche Auswirkungen auf die Zahl der Einbürgerungen. Im Jahr 2000, dem Jahr nach der Reform, ließen sich rekordverdächtige 187.000 Menschen in Deutschland einbürgern, wovon 44% (etwa 83.000) türkischer Herkunft waren. In den folgenden zwei Jahrzehnten erwarben weitere rund 630.000 Menschen türkischer Herkunft die deutsche Staatsbürgerschaft. Bis 2005 hatten laut Angaben der deutschen Botschaft in Washington D.C. bereits 2 Millionen Türken die deutsche Staatsbürgerschaft besessen. Die Reform von 1999 war ein wichtiger Schritt zur Anerkennung der Realität der Einwanderung und zur Ermöglichung der politischen Teilhabe für langjährig in Deutschland lebende Menschen.

Für ehemalige türkische Staatsbürger, die ihre türkische Staatsbürgerschaft aufgegeben haben, gibt es in der Türkei die sogenannte „Blaue Karte“ (Mavi Kart). Diese gewährt ihnen bestimmte Rechte in der Türkei, wie das Recht zu leben und zu arbeiten, Land zu besitzen und zu erben, aber kein Wahlrecht.

Warum sind Türken nach Deutschland gezogen?
Im Jahr 1961, mitten in einem Wirtschaftsboom, der einen erheblichen Arbeitskräftemangel zur Folge hatte , unterzeichnete Deutschland ein bilaterales Abkommen mit der Türkei, das es deutschen Unternehmen ermöglichte, türkische Arbeitskräfte anzuwerben. Das Abkommen galt zwölf Jahre lang, und in dieser Zeit kamen rund 650.000 Arbeitskräfte aus der Türkei nach Deutschland.

Integration: Eine fortwährende Herausforderung

Die Integration der türkischen Gemeinschaft in Deutschland ist ein komplexes und vielschichtiges Thema, das seit Jahrzehnten diskutiert wird. Es gibt sowohl große Erfolge als auch weiterhin bestehende Herausforderungen.

Die erste Generation der Gastarbeiter hatte oft Schwierigkeiten bei der Integration, nicht zuletzt aufgrund der Erwartung, bald zurückzukehren, und mangelnder Unterstützung von deutscher Seite. Die nachfolgenden Generationen wuchsen in Deutschland auf, besuchten deutsche Schulen und sind stärker in die deutsche Gesellschaft eingebunden. Dennoch gibt es weiterhin Herausforderungen in Bereichen wie Bildung, Arbeitsmarkt und soziale Akzeptanz.

Die Debatte über Integration ist auch politisch aufgeladen. Der damalige türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan forderte 2011 bei einer Rede in Düsseldorf die in Deutschland lebenden Türken auf, sich zu integrieren, aber nicht zu assimilieren. Diese Aussage löste in Deutschland eine politische Kontroverse aus, da sie von manchen als Abgrenzung zur deutschen Gesellschaft verstanden wurde. Die Wahrnehmung von Integration unterscheidet sich oft zwischen der Mehrheitsgesellschaft und der Migrantengemeinschaft.

Interessanterweise gibt es auch unterschiedliche Ansichten zwischen den Türken in der Türkei und den Türken in Deutschland (insbesondere den Nachkommen der ersten Gastarbeiter). Letztere werden manchmal von progressiveren Kreisen in der Türkei kritisch betrachtet, unter anderem wegen ihrer teils konservativeren oder islamistischeren politischen Ansichten. Sie werden dort manchmal als „Almancı“ bezeichnet (wörtlich „Deutscher-er“). Es gibt das Gefühl, dass sie von den Deutschen als „ungenügend assimiliert“ und von den Türken in der Heimat als „übermäßig assimiliert“ angesehen werden – eine Art Zwischenposition.

Die Integration ist ein dynamischer Prozess, der Anstrengungen von beiden Seiten erfordert: die Bereitschaft der Migranten zur Teilhabe und die Offenheit und Unterstützung der aufnehmenden Gesellschaft.

Häufig gestellte Fragen

  • Warum wurden gerade türkische Arbeitskräfte angeworben?
    Nachdem Deutschland bereits Abkommen mit anderen südeuropäischen Ländern geschlossen hatte und der Arbeitskräftebedarf weiter hoch war, wurde die Türkei als weiteres Land mit großem Arbeitskräftepotenzial in Betracht gezogen. Das Abkommen von 1961 war eine Reaktion auf den deutschen Arbeitskräftemangel und das türkische Interesse an Arbeitsplätzen im Ausland.
  • Was bedeutet „Gastarbeiter“?
    Der Begriff „Gastarbeiter“ wurde in den 1960er Jahren verwendet, um die ausländischen Arbeitskräfte zu bezeichnen, die im Rahmen der Anwerbeabkommen nach Deutschland kamen. Er implizierte, dass ihre Anwesenheit vorübergehend sei und sie nur „Gäste“ im Land seien, was sich jedoch als Fehleinschätzung herausstellte.
  • Was hat sich beim Staatsbürgerschaftsrecht geändert?
    Die wichtigste Änderung war die Reform von 1999. Sie führte Elemente des Geburtsortprinzips (Jus Soli) ein, sodass in Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern unter bestimmten Bedingungen automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft erhielten. Auch die Voraussetzungen für die Einbürgerung von langjährig in Deutschland lebenden Ausländern wurden erleichtert (z.B. Verkürzung der Aufenthaltsdauer).
  • Was ist die „Blaue Karte“ (Mavi Kart)?
    Die Mavi Kart ist ein Dokument, das ehemaligen türkischen Staatsbürgern ausgestellt wird, die ihre türkische Staatsbürgerschaft aufgegeben haben, um eine andere (z.B. die deutsche) anzunehmen. Sie gewährt ihnen bestimmte Rechte in der Türkei, wie das Recht auf Aufenthalt, Arbeit und Eigentum, aber kein aktives oder passives Wahlrecht.
  • Wer war der erste Türke, der nach Deutschland kam?
    Die vorliegenden Informationen geben keine Auskunft über die Identität der allerersten Person türkischer Herkunft, die nach Deutschland kam. Die Migration aus der Türkei hat eine lange Geschichte, die weit vor dem Anwerbeabkommen von 1961 beginnt, auch wenn das Abkommen die Massenmigration einleitete. Die Frage nach einer einzelnen „ersten“ Person lässt sich basierend auf den verfügbaren Daten nicht beantworten.

Fazit

Die Anwesenheit einer großen Gemeinschaft türkischer Herkunft in Deutschland ist das Ergebnis einer komplexen historischen Entwicklung. Was mit einem pragmatischen Arbeitskräfteabkommen begann, führte zur Entstehung einer fest etablierten Bevölkerungsgruppe. Die Herausforderungen bei der Integration und die Debatten um Staatsbürgerschaft und Identität spiegeln die Schwierigkeiten wider, die mit dem Wandel Deutschlands von einem Land der „Gastarbeiter“ zu einem de facto Einwanderungsland einhergingen. Die Reformen des Staatsbürgerschaftsrechts waren entscheidende Schritte zur Anerkennung dieser neuen Realität und zur Ermöglichung der Teilhabe. Die Geschichte der türkischen Migration ist ein integraler Bestandteil der modernen deutschen Geschichte und prägt das Land bis heute.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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