Wie wurde Michael Kenna berühmt?

Michael Kenna: Meister der Landschaftsfotografie

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Die Fotografie hat viele Gesichter, doch nur wenige Künstler schaffen es, einen Stil zu prägen, der sofort wiedererkennbar ist. Michael Kenna, 1953 in England geboren, ist einer dieser Meister. Seine Arbeiten werden oft als rätselhaft, anmutig und eindringlich schön beschrieben. Es sind Bilder, die eine tiefe Ruhe ausstrahlen und den Betrachter in eine Welt der Stille und des Nachdenkens entführen.

Wo macht Michael Kenna Fotos?
Ob er in seiner Heimat England, auf der Osterinsel, in den Küstenstädten Frankreichs oder auf den Inseln Japans arbeitet, Kenna sucht nach Orten der Einsamkeit, die Bände über die Menschlichkeit sprechen.

Ursprünglich aus einer Arbeiterfamilie stammend und mit dem Gedanken spielend, Priester zu werden, fand Kenna seine wahre Berufung in der Kunst. Er studierte Malerei und später Fotografie und begann seine Karriere als Fotograf und Künstler. Seine Reise führte ihn 1977 nach San Francisco, eine Stadt, die ihn mit ihrer lebendigen Kunstszene beeindruckte und die lange Zeit sein Zuhause blieb, auch wenn er heute in Seattle, Washington, lebt.

Michael Kennas Werk ist global und doch zutiefst persönlich. Er ist bekannt dafür, dass er Einsamkeit und Stille in seinen Bildern sucht. Dies spiegelt sich in seinen bevorzugten Motiven wider: karge Küstenlandschaften, verlassene Fischernetze, fragmentierte Piers, geheimnisvolle Horizonte oder Bäume, die aus Schneeverwehungen ragen. Seine Fotografien laden den Betrachter ein, mit ihm zu gehen, Momente zwischen den Ereignissen festzuhalten, wo menschliche Präsenz nur um die Ecke zu sein scheint und Stille allgegenwärtig ist.

Eine seiner tiefsten künstlerischen Verbindungen hat Michael Kenna zu Japan. Er besuchte das Land erstmals 1987 für eine Einzelausstellung und war sofort fasziniert von seiner Topografie. Über die Jahre hinweg bereiste er fast das gesamte Land und fotografierte unermüdlich. Aus diesen Reisen entstand das Buch „Japan“, das 95 dieser eindringlichen Bilder zeigt. Die Einfachheit und Klarheit seiner Japan-Fotografien deuten eher an, als zu beschreiben, was dem Betrachter Raum für eine ganz persönliche Interpretation gibt. Er verglich diese Arbeiten einmal mit einem „Haiku statt einer Prosa“, was seine Herangehensweise an die Komposition und den Ausdruck treffend beschreibt.

Doch Kennas Reisen führten ihn weit über Japan hinaus. Seine Monografien dokumentieren Aufnahmen aus seiner Heimat England, von der Osterinsel, von Küstenstädten in Frankreich und auch aus China und den Vereinigten Staaten. Ein besonderes Projekt ist sein Buch über den Mont Saint Michel, das seine Leidenschaft für Orte der Besinnung fortsetzt. Er verbrachte Tage an diesem historischen Ort, lebte unter den Bewohnern und folgte ihren Gepflogenheiten der Stille und des Gebets. Mit seiner Kamera durchstreifte er Hallen, Krypten und Türme, beobachtete das Spiel der Schatten und zeichnete das Vergehen der Zeit auf. Dieses Werk widmete er seinem verstorbenen Vater, einem ruhigen Mann, mit dem er oft schweigend spazieren ging – eine Erfahrung, die Kenna mit seiner Zeit am Mont Saint Michel verband.

Wo macht Michael Kenna Fotos?
Ob er in seiner Heimat England, auf der Osterinsel, in den Küstenstädten Frankreichs oder auf den Inseln Japans arbeitet, Kenna sucht nach Orten der Einsamkeit, die Bände über die Menschlichkeit sprechen.

Michael Kennas unverwechselbarer Stil ist eng mit seiner Technik verbunden. Er fotografiert oft in den frühen Morgenstunden oder während der dunklen Nachtstunden, was ihm ermöglicht, mit extrem langen Belichtungszeiten zu arbeiten. Diese Langzeitbelichtung kann bis zu 10 Stunden dauern. Kenna erklärt, dass man bei Tag nicht immer das sehen kann, was sonst auffällig wäre. Mit langen Belichtungen kann man fotografieren, wozu das menschliche Auge nicht fähig ist. Dies führt zu dem charakteristischen, glatten Wasser und den verwischten Wolken in vielen seiner Bilder.

Technisch arbeitet Kenna hauptsächlich mit einer Mittelformatkamera vom Typ Hasselblad und verwendet Film, oft Kodak Tri-X 400 ISO, der für seine Flexibilität und ausgeprägte Kornstruktur bekannt ist. Um die benötigten langen Belichtungszeiten bei Tageslicht zu erreichen, nutzt er Neutraldichtefilter (ND-Filter). Rote oder polarisierende Filter kommen ebenfalls zum Einsatz, um Himmel oder andere Bildbereiche abzudunkeln oder aufzuhellen. Ein stabiles Stativ ist für seine Arbeit unerlässlich, um jegliche Bewegung während der oft minuten- oder stundenlangen Belichtungen zu vermeiden.

Bei der Komposition strebt Kenna nach Einfachheit. Er rückt nah an seine Motive heran oder wählt den Bildausschnitt so, dass ablenkende Elemente ausgeschlossen werden. Er nutzt häufig Symmetrie und die Regeln des Goldenen Schnitts oder der Drittelregel, scheut sich aber auch nicht, diese Regeln zu brechen, wenn es das Bild erfordert. Da er mit einer Hasselblad im quadratischen Format arbeitet, sind viele seiner Bilder quadratisch. Ein Tipp, der oft erwähnt wird, ist seine Nutzung des optischen Zentrums, das sich etwa 10 % oberhalb der Bildmitte befindet und als natürlicher Ruhepunkt für das Auge gilt.

Ein weiterer entscheidender Aspekt von Kennas Stil ist seine Arbeit in der Dunkelkammer. Er gilt als Meister des Handwerks und nutzt Techniken wie das Nachbelichten (Burning) und Abwedeln (Dodging), um Kontraste zu steuern und bestimmte Bereiche des Bildes zu betonen. Seine Bilder weisen oft große Flächen von fast reinem Schwarz und reinem Weiß auf, mit wenigen Mitteltönen. Viele seiner Arbeiten sind zudem High-Key, also sehr hell, enthalten aber fast immer auch ein tiefes Schwarz als Kontrast. In der Dunkelkammer verwendet er Ilford Multigrade Papier, das ihm erlaubt, verschiedene Kontraststufen in unterschiedlichen Bildbereichen anzuwenden. Zudem tont er seine Abzüge, oft mit Selen- oder Sepiaton, um den Lichtern oder Schatten eine subtile Farbe zu verleihen.

Diese Dunkelkammer-Techniken lassen sich heute auch in der digitalen Nachbearbeitung simulieren. Durch die Bearbeitung von RAW-Dateien lassen sich Belichtungs- und Kontrastanpassungen gezielt mit digitalen Pinseln oder Verläufen vornehmen. Auch das Tonen ist digital über Einstellungsebenen wie die Gradationsumsetzung möglich, um den Bildern diesen charakteristischen Look zu verleihen.

Lebt Michael Kenna noch?
Kenna lebt derzeit in Seattle, Washington .

Michael Kennas Werk wurde weltweit in zahlreichen Ausstellungen gezeigt. Seine Arbeiten sind in permanenten Sammlungen bedeutender Museen vertreten, darunter die Bibliothèque in Paris, das Museum für Angewandte Kunst in Prag, die National Gallery of Art in Washington D.C. und das Victoria and Albert Museum in London. Neben seinen künstlerischen Projekten hat Kenna auch umfangreiche kommerzielle Arbeiten für namhafte Kunden wie Volvo, Rolls Royce, Audi, Sprint, Dom Perignon und das Spanische Fremdenverkehrsamt realisiert.

Seine Bekanntheit verdankt Michael Kenna seiner einzigartigen Vision und seiner technischen Meisterschaft. Seine Fähigkeit, Orte der Stille zu finden und diese mit einem unverwechselbaren Blick festzuhalten, hat ihm weltweite Anerkennung eingebracht. Er hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Titel Chevalier des Ordens der Künste und der Literatur im Jahr 2000. Mit über fünfzig Monografien, die seine Reisen dokumentieren, zeigt Michael Kenna keine Anzeichen, in seinem Streben nach der eindringlichen Schönheit der Natur nachzulassen.

Michael Kennas Herangehensweise an die Fotografie lehrt uns Geduld und das bewusste Betrachten. Er visualisiert das Endergebnis, bevor er die Kamera auch nur aus der Tasche nimmt. Seine Betonung auf die Essenz einer Szene, eingefangen in einer wunderschönen Komposition, macht seine Bilder so zeitlos und kraftvoll.

Häufig gestellte Fragen zu Michael Kenna

Lebt Michael Kenna noch?
Ja, Michael Kenna wurde 1953 geboren und ist aktiv. Er lebt derzeit in Seattle, Washington, USA.

Wo fotografiert Michael Kenna am liebsten?
Michael Kenna hat an vielen Orten auf der ganzen Welt fotografiert, darunter England, Japan (insbesondere Hokkaido), Frankreich (Mont Saint Michel), China und die USA. Er sucht oft Orte der Einsamkeit und Stille auf.

Wie schießt man wie Michael Kenna?
Um wie Michael Kenna zu fotografieren, sollten Sie versuchen, den Farbaspekt zu ignorieren, der überwältigend sein kann. Um uns bei der Bildkomposition zu helfen, stellen wir die Sony A7R-Kamera auf Schwarzweißmodus ein, sodass die Bilder im Sucher schwarzweiß erscheinen (die meisten spiegellosen Kameras verfügen über eine ähnliche Funktion).

Welche Ausrüstung verwendet Michael Kenna?
Er verwendet hauptsächlich Mittelformat-Filmkameras wie die Hasselblad, oft mit Kodak Tri-X 400 Film. Für lange Belichtungen nutzt er ND-Filter und ein stabiles Stativ. In der Dunkelkammer arbeitet er mit Ilford Multigrade Papier und verschiedenen Toning-Techniken.

Wie kann ich wie Michael Kenna fotografieren?
Konzentrieren Sie sich auf einfache, klare Kompositionen, oft mit Symmetrie oder der Drittelregel. Experimentieren Sie mit langen Belichtungen, insbesondere bei Dämmerung oder Nacht, um Bewegung in Wasser oder Wolken zu erzeugen. Fotografieren Sie in Schwarz-Weiß und arbeiten Sie in der digitalen Nachbearbeitung oder Dunkelkammer mit starken Kontrasten, Abwedeln/Nachbelichten und Toning.

Warum sind Michael Kennas Fotos oft quadratisch?
Michael Kenna verwendet häufig Mittelformatkameras vom Typ Hasselblad, die standardmäßig ein quadratisches Filmformat (6x6 cm) verwenden. Dies prägt die Komposition vieler seiner Bilder.

Michael Kennas Werk ist eine Inspiration für jeden, der die Kraft der Schwarz-Weiß-Fotografie und die Schönheit der Stille schätzt. Seine Fähigkeit, das Unsichtbare sichtbar zu machen und Orte in zeitlose Bilder zu verwandeln, macht ihn zu einer Schlüsselfigur der modernen Landschaftsfotografie.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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