Wie erstelle ich eine Tiefenkarte in Photoshop?

Tiefenkarten in Photoshop erstellen & nutzen

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In der Welt der Fotografie und Bildbearbeitung suchen wir ständig nach neuen Wegen, um unsere Bilder zu perfektionieren und ihnen mehr Tiefe und Wirkung zu verleihen. Eine Technik, die oft im Verborgenen liegt, aber unglaublich mächtig sein kann, ist die Nutzung von Tiefenkarten in Adobe Photoshop. Diese Karten ermöglichen es uns, Anpassungen nicht global auf das gesamte Bild anzuwenden, sondern selektiv basierend auf der Entfernung der Objekte von der Kamera. Stellen Sie sich vor, Sie könnten den Himmel aufhellen, ohne die Berge im Mittelgrund zu beeinflussen, oder die Details im Vordergrund verstärken, ohne den Rest des Bildes zu übersättigen – alles automatisiert durch die Tiefeninformation des Bildes.

Der Fotograf Steve Arnold hat eine solche Technik vorgestellt, die eine versteckte Funktion in Photoshops Neural Filtern nutzt, um genau das zu erreichen. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Schritte und Konzepte aus seiner Methode, damit auch Sie diese faszinierende Technik in Ihre Bildbearbeitungsroutine integrieren können, insbesondere für die Verbesserung Ihrer Landschaftsfotografie.

Wie erstelle ich eine Tiefenkarte in Photoshop?
Um eine Tiefenkarte zu erstellen, öffnen Sie das Photoshop-Menü „Neurale Filter“ und wählen Sie den Filter „Tiefenunschärfe“ . Dieser Filter analysiert Ihr Bild, um die Entfernung von Objekten zur Kamera zu bestimmen. Wählen Sie unbedingt die Option „Nur Tiefenkarte ausgeben“ und geben Sie das Ergebnis in einer neuen Ebene aus.

Was ist eine Tiefenkarte?

Bevor wir ins Detail gehen, ist es wichtig zu verstehen, was eine Tiefenkarte überhaupt ist. Eine Tiefenkarte ist im Grunde eine Graustufen-Darstellung Ihres Bildes, bei der die Helligkeit jedes Pixels die Entfernung dieses Pixels von der Kamera widerspiegelt. Typischerweise repräsentieren hellere Bereiche Objekte, die näher an der Kamera sind (Vordergrund), während dunklere Bereiche weiter entfernte Objekte darstellen (Hintergrund). Grauwerte liegen dazwischen und repräsentieren den Mittelgrund. Diese visuelle Darstellung der Tiefeninformation ist der Schlüssel zu präzisen, auf Distanz basierenden Anpassungen.

Erstellen einer Tiefenkarte mit Photoshops Neural Filtern

Photoshop bietet mit seinen Neural Filtern eine erstaunlich einfache Möglichkeit, eine solche Tiefenkarte automatisch aus einem normalen 2D-Bild zu generieren. Dies ist ein großer Fortschritt, da das manuelle Erstellen einer solchen Karte extrem zeitaufwendig wäre.

Schritt 1: Neural Filter "Tiefenunschärfe" auswählen

Öffnen Sie das Bild, für das Sie eine Tiefenkarte erstellen möchten, in Photoshop. Gehen Sie dann im Menü zu Filter > Neural Filters. Innerhalb des Neural Filter-Arbeitsbereichs finden Sie verschiedene Filter. Suchen Sie nach dem Filter namens "Tiefenunschärfe" (Depth Blur). Dieser Filter ist eigentlich dazu gedacht, eine künstliche Tiefenschärfe zu simulieren, analysiert aber zu diesem Zweck die Tiefe des Bildes.

Schritt 2: Nur die Tiefenkarte ausgeben

Aktivieren Sie den Filter "Tiefenunschärfe". Sie sehen nun die Optionen und eine Vorschau. Der entscheidende Punkt für unser Vorhaben ist die Ausgabeoption am unteren Rand des Neural Filter-Panels. Stellen Sie sicher, dass Sie die Option Nur Tiefenkarte ausgeben (Output Depth Map Only) auswählen. Wählen Sie als Ausgabeziel Neue Ebene (New Layer). Bestätigen Sie mit OK.

Photoshop analysiert nun Ihr Bild und erstellt auf einer separaten Ebene eine Graustufen-Tiefenkarte. Je nach Komplexität des Bildes und der Leistung Ihres Computers kann dies einen Moment dauern. Das Ergebnis ist eine neue Ebene über Ihrem Originalbild, die wie ein Schwarz-Weiß-Bild aussieht, aber die Tiefeninformationen enthält.

Verbessern der Tiefenkarte (Optional, aber empfohlen)

Die automatisch generierte Tiefenkarte ist oft schon sehr gut, aber manchmal kann es hilfreich sein, den Kontrast zu erhöhen, um eine klarere Trennung zwischen verschiedenen Tiefenbereichen zu erhalten. Dies verbessert die Präzision der späteren Anpassungen.

Wählen Sie die neu erstellte Tiefenkarten-Ebene aus. Drücken Sie Strg + L (Windows) oder Cmd + L (Mac), um die Tonwertkorrektur (Levels) zu öffnen. Verschieben Sie die schwarzen und weißen Regler am unteren Histogramm, um den Kontrast der Tiefenkarte zu erhöhen. Ziel ist es, die hellsten (Vordergrund) und dunkelsten (Hintergrund) Bereiche klarer voneinander abzugrenzen, während die Grauwerte des Mittelgrunds erhalten bleiben. Achten Sie darauf, keine wichtigen Details zu verlieren, aber erhöhen Sie den Kontrast so weit, dass eine gute Abstufung der Tiefen sichtbar wird. Bestätigen Sie Ihre Änderungen.

Die Tiefenkarte als Ebenenmaske verwenden

Der eigentliche Trick besteht darin, diese Tiefenkarte als Ebenenmaske für eine Einstellungsebene zu verwenden. Eine Ebenenmaske steuert die Sichtbarkeit oder die Anwendung eines Effekts auf einer Ebene. Weiß in einer Maske bedeutet volle Sichtbarkeit/Anwendung, Schwarz bedeutet keine Sichtbarkeit/Anwendung und Grauwerte bedeuten teilweise Sichtbarkeit/Anwendung. Da unsere Tiefenkarte genau diese Graustufenabstufungen basierend auf der Tiefe liefert, ist sie perfekt geeignet, um Anpassungen selektiv nach Tiefe zu steuern.

Schritt 3: Eine Einstellungsebene hinzufügen

Wir benötigen eine Einstellungsebene, auf die wir unsere tiefenbasierte Anpassung anwenden wollen. Eine häufig verwendete Einstellungsebene für Helligkeits- und Kontrastanpassungen ist die Gradationskurve (Curves). Gehen Sie zum Bedienfeld "Ebenen" und klicken Sie auf das Symbol für neue Füll- oder Einstellungsebene (das Halbkreis-Symbol). Wählen Sie Gradationskurven... (Curves...). Eine neue Gradationskurven-Einstellungsebene wird über Ihren anderen Ebenen erstellt, und automatisch wird eine weiße Ebenenmaske hinzugefügt.

Schritt 4: Die Tiefenkarte in die Ebenenmaske kopieren

Nun müssen wir die Tiefeninformationen aus der Tiefenkarten-Ebene in die Maske der Gradationskurven-Ebene übertragen. Wählen Sie die Tiefenkarten-Ebene aus. Wählen Sie das gesamte Bild aus, indem Sie Strg + A (Windows) oder Cmd + A (Mac) drücken. Kopieren Sie den Inhalt der Ebene in die Zwischenablage mit Strg + C (Windows) oder Cmd + C (Mac).

Jetzt müssen wir die Maske der Gradationskurven-Ebene anvisieren, um den Inhalt einzufügen. Halten Sie die Alt-Taste (Windows) oder Option-Taste (Mac) gedrückt und klicken Sie auf die weiße Ebenenmaske der Gradationskurven-Ebene im Ebenen-Bedienfeld. Das Dokumentfenster wechselt nun zur Ansicht der Maske (Sie sehen die Maske in Graustufen im großen Vorschaufenster).

Fügen Sie den Inhalt der Zwischenablage ein, indem Sie Strg + V (Windows) oder Cmd + V (Mac) drücken. Die Graustufen-Tiefenkarte erscheint nun in der Maskenansicht.

Schritt 5: Zurück zum Bild wechseln und Tiefenkarte ausblenden

Klicken Sie erneut auf das Symbol für die Gradationskurven-Ebene (das Kurven-Symbol links neben der Maske) im Ebenen-Bedienfeld, um vom Maskenmodus zurück zur normalen Bildansicht zu wechseln. Blenden Sie die ursprüngliche Tiefenkarten-Ebene aus, indem Sie auf das Augensymbol daneben klicken. Sie benötigen diese Ebene für die Anpassung nicht mehr. Sie können sie behalten, falls Sie sie später wiederverwenden möchten, oder sie löschen, um Platz zu sparen.

Schritt 6: Anpassungen mit der Gradationskurve vornehmen

Jetzt kommt der spannende Teil! Stellen Sie sicher, dass die Gradationskurven-Ebene ausgewählt ist (klicken Sie auf das Kurven-Symbol, nicht auf die Maske). Öffnen Sie das Eigenschaften-Bedienfeld für die Gradationskurve (falls es nicht schon offen ist, doppelklicken Sie auf das Kurven-Symbol). Nehmen Sie nun Anpassungen an der Kurve vor.

Da die Maske die Tiefenkarte ist (hell = Vordergrund, dunkel = Hintergrund), werden Anpassungen, die den hellen Bereichen (Vordergrund) der Maske entsprechen, stärker angewendet, während Anpassungen in den dunklen Bereichen (Hintergrund) weniger oder gar nicht angewendet werden. Umgekehrt, wenn Sie die Maske invertieren (Strg + I oder Cmd + I, wenn die Maske ausgewählt ist), repräsentiert Weiß den Hintergrund und Schwarz den Vordergrund. Dies ermöglicht Anpassungen, die sich stärker auf den Hintergrund auswirken.

Experimentieren Sie mit der Kurve. Wenn Sie beispielsweise die Lichter anheben, wird dieser Effekt basierend auf der Helligkeit der Tiefenkarte angewendet – also stärker im Vordergrund (wenn die Maske nicht invertiert ist) oder stärker im Hintergrund (wenn die Maske invertiert ist). Dies ermöglicht unglaublich präzise und natürlich wirkende Anpassungen.

Wiederverwenden der Tiefenkarte

Der Vorteil dieser Methode ist, dass Sie die generierte Tiefenkarte als Basis für mehrere Einstellungsebenen verwenden können. Sie müssen den Prozess der Neural Filter-Erstellung nicht für jede Anpassung wiederholen.

Um die Tiefenkarte für eine andere Einstellungsebene (z. B. Farbton/Sättigung, Belichtung, Farbbalance) wiederzuverwenden, können Sie die Maske einfach laden. Halten Sie die Strg-Taste (Windows) oder Cmd-Taste (Mac) gedrückt und klicken Sie auf die Ebenenmaske der Gradationskurven-Ebene (oder der ursprünglichen Tiefenkarten-Ebene, falls Sie sie behalten haben). Dadurch wird die Maske als Auswahl geladen.

Fügen Sie nun eine neue Einstellungsebene hinzu (z. B. Farbton/Sättigung). Da eine Auswahl aktiv ist, wird Photoshop automatisch eine Ebenenmaske für die neue Einstellungsebene erstellen, die auf dieser Auswahl basiert – und somit die Tiefenkarte enthält. Sie können diese neue Einstellungsebene nun verwenden, um weitere tiefenbasierte Anpassungen vorzunehmen, z. B. die Sättigung im Hintergrund zu reduzieren oder die Belichtung im Vordergrund anzupassen.

Mögliche Probleme: Halos

Obwohl die Neural Filter-Methode sehr effektiv ist, kann es in komplexen Bildern oder an den Rändern von Objekten manchmal zu sogenannten Halos kommen. Dies sind unerwünschte helle oder dunkle Säume, die durch Ungenauigkeiten bei der automatischen Tiefenerkennung entstehen können. Das Beheben dieser Probleme erfordert oft fortgeschrittenere Maskentechniken und kann je nach Bild variieren. Das ursprüngliche Tutorial von Steve Arnold erwähnt, dass das Beheben von Halos Thema eines weiteren Videos ist. Wenn Sie auf dieses Problem stoßen, kann es notwendig sein, die Ebenenmaske manuell nachzubearbeiten, z. B. mit dem Pinselwerkzeug, um die Übergänge zu verfeinern.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist der Hauptvorteil der Verwendung einer Tiefenkarte?
Der Hauptvorteil ist die Möglichkeit, selektive Anpassungen basierend auf der tatsächlichen Tiefe des Bildes vorzunehmen, anstatt manuelle Masken erstellen zu müssen, die oft weniger präzise sind oder unnatürliche Übergänge erzeugen. Dies führt zu realistischeren und feiner abgestimmten Bearbeitungen.
Welche Version von Photoshop benötige ich?
Sie benötigen eine relativ aktuelle Version von Adobe Photoshop, die die Neural Filter-Funktion unterstützt. Diese wurde in neueren Creative Cloud (CC) Versionen eingeführt.
Funktioniert diese Methode mit jedem Bild?
Die Neural Filter sind am effektivsten bei Bildern mit klar definierter Tiefe, wie z. B. Landschafts- oder Architekturaufnahmen. Bei sehr flachen Bildern oder solchen mit komplexen, überlappenden Objekten kann die automatische Tiefenerkennung weniger präzise sein, was die Qualität der Tiefenkarte beeinträchtigen kann.
Kann ich die Tiefenkarte auch für andere Zwecke verwenden?
Ja, eine Tiefenkarte kann auch für andere Effekte nützlich sein, z. B. zur Simulation von Tiefenschärfe (was der ursprüngliche Zweck des Neural Filters ist), zur Anwendung von Farbkorrekturen nur auf bestimmte Tiefenbereiche oder sogar zur Erstellung von 3D-Effekten, wenn das Bild in einer 3D-Umgebung verwendet wird. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt.
Muss ich immer eine Gradationskurve verwenden?
Nein, Sie können jede Einstellungsebene verwenden, deren Maske von der Tiefenkarte profitiert. Belichtung, Farbton/Sättigung, Selektive Farbkorrektur, Farbbalance – all diese können mit einer tiefenbasierten Maske sehr effektiv eingesetzt werden.

Fazit

Die Fähigkeit, eine Tiefenkarte in Photoshop zu erstellen und für selektive Anpassungen zu nutzen, ist eine incredibly leistungsstarke Technik, insbesondere für die Landschaftsfotografie. Sie ermöglicht eine Detailgenauigkeit und Realismus bei der Bearbeitung, die mit traditionellen Maskierungsmethoden schwer zu erreichen wäre. Indem Sie lernen, die Neural Filter effektiv einzusetzen und die resultierende Tiefenkarte als Ebenenmaske zu verwenden, eröffnen sich Ihnen neue kreative Möglichkeiten, um Ihre Bilder zu verbessern und ihnen genau die Wirkung zu verleihen, die Sie sich wünschen. Experimentieren Sie mit dieser Technik und entdecken Sie, wie sie Ihre Bildbearbeitung transformieren kann!

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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