Dokumentarfilme über Flucht und Migration bieten oft einen tiefen Einblick in die schwierigen Reisen und die Hoffnungen von Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen. Doch was geschieht, wenn die Kameras ausgeschaltet sind und der Abspann läuft? Wie sieht der Alltag aus, wenn die Protagonisten versuchen, in einer neuen Gesellschaft Fuß zu fassen? Wir werfen einen Blick auf das Leben von drei Menschen, deren Geschichten in bekannten Dokumentationen erzählt wurden, und erfahren, wie es ihnen heute geht: Edward Zorobah aus „A Black Jesus“, Fariba Aizizi aus „The Game – Spiel zwischen Leben und Tod“ und Paul Nkamani aus „Als Paul über das Meer kam“.

Ihre Geschichten sind Beispiele für Widerstandsfähigkeit, unerwartete Wendungen und den anhaltenden Kampf gegen bürokratische Hürden und die Nachwirkungen traumatischer Erlebnisse. Sie zeigen, dass die Reise oft erst beginnt, wenn die Flucht scheinbar vorbei ist.

Edward Zorobah: Vom Filmprotagonisten zum Ehrenbürger
Der Dokumentarfilm „A Black Jesus“ endete mit einer düsteren Vorhersage für Edward Zorobah und andere Geflüchtete in Siculiana, Sizilien. Die Unterkunft sollte geschlossen werden, und ihr Schicksal schien ungewiss – möglicherweise Obdachlosigkeit oder die Verwicklung in organisierte Kriminalität, wie es die Schlussworte des Italienischlehrers im Film andeuteten. Doch die Realität für Edward Zorobah, der ursprünglich aus Ghana floh, entwickelte sich anders, ja fast märchenhaft.
Dreieinhalb Jahre nach dem Ende der Dreharbeiten finden wir Edward, jetzt 23 Jahre alt, auf einer Kirchenbank in Agrigento, etwa 20 Kilometer von Siculiana entfernt. Er ist der einzige Afrikaner unter 80 Menschen in der Basilika, ein stilles Zeichen seiner einzigartigen Reise. Edward ist tiefgläubig geworden seit seiner Rettung aus dem Mittelmeer. Ein silbernes Kreuz, das einzige Erinnerungsstück an seine Heimat, hält er fest umschlungen. „Ich danke Gott jeden Tag, dass er mich gerettet hat“, sagt er.
Nach dem Gottesdienst fährt Edward mit seinem E-Bike zu einem Western-Union-Shop, um Geld nach Sekondi-Takoradi zu schicken, der drittgrößten Stadt Ghanas. Seine Mutter und sechs Geschwister sind auf seine Unterstützung angewiesen. 123 Euro zahlt er ein – ein kleiner, aber lebenswichtiger Beitrag.
Sein Leben in Italien hat sich stabilisiert. Seit Juli 2022 lebt er in einer Wohngemeinschaft zur Miete in Agrigento – eine Dreizimmerwohnung mit Bad, Küche und Balkon. Vor allem aber hat er Arbeit gefunden. Bei einer Firma im Norden von Agrigento bereitet er gebrauchte Automotoren auf. „Ich liebe es, Maschinen zu reparieren“, erzählt Edward. Diese Arbeit ist nicht nur ein Broterwerb, sondern etwas, das ihm Freude bereitet.
Eine der erstaunlichsten Wendungen in Edwards Geschichte ist die Ehrung, die ihm in Siculiana zuteilwurde. Anstatt obdachlos zu werden, wurde er am 25. Juli 2021 zum Ehrenbürger Siculianas ernannt. Über seinem Bett hängt stolz die Urkunde mit den italienischen Nationalfarben, auf der in geschwungenen Lettern „Conferimento Cittadinanza Onoraria“ steht.
Die Geschichte seiner Flucht begann 2017, als er vor Armut und Kriminalität in Ghana floh. In Libyen schuftete er unter sklavenähnlichen Bedingungen, wurde krank und von seinem Besitzer in ein Schlauchboot nach Europa gesetzt. Er erinnert sich kaum an die Überfahrt, war kaum bei Bewusstsein. Ein Rettungsschiff brachte ihn und 140 andere Passagiere nach Palermo.
Im Frühjahr 2018 kam er in die Unterkunft nach Siculiana. Dort wurde er zufällig zum Mittelpunkt des Films von Luca Lucchesi. Lucchesi war eigentlich angereist, um eine jahrhundertealte Prozession zu filmen, bei der ein mittelalterliches Kruzifix durch die Gassen getragen wird. Edward beobachtete dies und bemerkte etwas, das den Einheimischen nie aufgefallen war: Die Jesusfigur war ungewöhnlich dunkel. Lucchesi filmte Edwards erstaunte Reaktion, sein Lachen und seinen Ausruf: „Wir danken Gott, dass Jesus schwarz ist!“ Diese kleine Szene veränderte den Fokus des Films und machte Edward zum Protagonisten von „A Black Jesus“, einem Werk über Frömmigkeit, Rassismus und Edwards Wunsch, die Figur selbst tragen zu dürfen.
Der Film hatte eine Wirkung. Der Bürgermeister von Siculiana, Giuseppe Zambito, ließ den Film im Ort vorführen. Er beschreibt den Film als „einen Schlag ins Gesicht“ für manche, aber auch als „heilsam“. Seit Zambito im Amt ist, habe es keine fremdenfeindlichen Demonstrationen mehr gegeben, obwohl die Notunterkunft wieder geöffnet ist. Die Ehrenbürgerwürde für Edward war ein starkes Zeichen gegen die damalige vergiftete Stimmung, geprägt von den rigiden Migrationsgesetzen des damaligen Innenministers. Heute sprechen die Einheimischen laut Regisseur Lucchesi nicht mehr nur vom „Santissimo Crocifisso“, sondern auch vom „schwarzen Jesus“.
Trotz der positiven Entwicklungen und seiner Integration ist Edwards Zukunft in Italien nicht völlig gesichert. Seine aktuelle Aufenthaltsgenehmigung ist bis 2024 befristet. Sein ehemaliger Italienischlehrer Alessandro Tedesco betont, wie wichtig Edwards Arbeitsvertrag für die Verlängerung der Genehmigung ist, räumt aber ein, dass die Lage der Migranten in Italien weiterhin katastrophal sei. Doch für Edward selbst, der vor der Kamera davonrannte und in der Dunkelheit verschwand, ist das Licht der Hoffnung zurückgekehrt. Er hat ein Zuhause, Arbeit und eine Gemeinschaft, die ihn zumindest teilweise aufgenommen hat.
Fariba Aizizi: Das Ende des „Spiels“ und ein Neuanfang in Deutschland
Der Dokumentarfilm „The Game – Spiel zwischen Leben und Tod“ dokumentierte die verzweifelten Versuche der Familie Aizizi, aus Bosnien heraus die Grenze nach Kroatien und damit in die Europäische Union zu überqueren. Der Film begann und endete mit der kleinen Sarina, hustend im Schnee, während ihre Familie den 57. Versuch unternahm. Das Ende im Film blieb offen und ließ die Zuschauer mit der Ungewissheit über das Schicksal der Familie zurück.
Die Realität, die der Film zeigte, war brutal: kroatische Grenzschützer, die Geflüchtete ausraubten, ihnen Handys, Geld und sogar Schuhe abnahmen und sie barfuß über die Grenze nach Bosnien zurückschickten – illegale, aber alltägliche Pushbacks. Der Film zeigte das Elend in Bihac, die provisorischen Behausungen in Fabrikhallen, Kriegsruinen und Zeltplanen, und die Menschen, die nach jeder Zurückweisung versuchten, wieder zu Kräften zu kommen, um das „Game“ erneut zu spielen.
Fariba, ihr Mann Fereidoon und ihre drei Kinder Sarina, Sana und Emra gehörten zu diesen Menschen. Sie waren bereits seit zwei Jahren unterwegs, flohen im September 2020 vor den Flammen, die das Lager Moria auf Lesbos zerstörten, und legten weite Strecken zu Fuß zurück, durch Griechenland, Albanien, Montenegro. In Bosnien trennte sie nur noch eine Grenze von der EU. Im Film äußerte Fariba ihren Wunsch, Journalistin zu werden – in Deutschland.
Zwei Jahre nach den Dreharbeiten hat die Familie Aizizi Deutschland erreicht. Sie leben in einem grauen Wohncontainer in einer Unterkunft für 270 Familien in Darmstadt. Sarina ist jetzt fünf Jahre alt und geht in den Kindergarten. Sana, sieben, und Emra, neun, besuchen die Schule. Emra spielt sogar Fußball in einem Verein. Auf den ersten Blick scheint ein Stück Normalität eingekehrt zu sein.
Doch die Wunden der Flucht, über 6000 Kilometer von Herat in Afghanistan bis nach Hessen, sind tief. Fariba spricht heute kaum noch Englisch, eine Sprache, die sie während der Flucht nutzte. „Das habe ich verloren“, sagt sie, wie andere Träume auch. Nach ihrer Ankunft in Deutschland erkrankte sie psychisch. Ein freiwilliger Helfer, ein Medizinstudent aus dem Iran, hilft bei der Übersetzung.
Die Erinnerungen an die Grenzübergänge sind schmerzhaft. Beim 57. Versuch, den der Film zeigte, wurde die Familie nach fast 20 Kilometern Marsch durch den Schnee von Grenzschützern aufgehalten und zurückgeschickt. Fereidoon erzählt, dass sie es alle drei Tage erneut versuchten. Am 27. Januar 2021, beim 65. Versuch, filmte Fereidoon selbst, wie seine Kinder über einen Baumstamm balancierten, um einen Fluss zu überqueren, der die Grenze markierte – ein gefährlicher Weg, da noch Minen aus dem Bosnienkrieg am Ufer liegen könnten. Sieben Kilometer weiter wurden sie von der Polizei angehalten.
Doch dieses Mal gab es eine unerwartete Wendung. Ein Beamter, der die Familie kannte, hatte Erbarmen. Sie wurden auf die Wache gebracht, registriert und nach Zagreb gebracht. Anfangs waren sie erleichtert, dachten, die Kinder müssten nicht mehr weinen. Doch die Bedingungen in der Sammelunterkunft in Kroatien waren menschenunwürdig. Fariba berichtet von Misshandlungen durch Sicherheitspersonal, sogar vor den Augen der Kinder. „Sie behandelten die Menschen wie Tiere“, sagt sie. Nach 45 Tagen floh die Familie erneut, dieses Mal aus einem EU-Land, zu Fuß durch Wälder, aus Angst vor der Polizei. Sie überwanden den Stacheldraht nach Slowenien, reisten über Italien nach Frankreich und schließlich mit einem bezahlten „Taxi“ nach Deutschland.

In Deutschland angekommen, schien zunächst Rechtsstaatlichkeit zu herrschen. Doch das Dublin-Verfahren führte zu einem neuen Problem. Ihre Fingerabdrücke zeigten, dass sie in Kroatien in die EU eingereist waren, und nach den Regeln sollten sie dort Asyl beantragen. Dies bedeutete für die Aizizis in Deutschland: kein Integrationskurs, kein Deutschlernen, keine Bewegungsfreiheit, keine Arbeitserlaubnis, nur das Warten auf die Abschiebung nach Zagreb. Diese Nachricht war ein Rückschlag. „Bis vor kurzem hatten meine Kinder Angst, wenn sie das Wort Kroatien hörten. Sie wachten nachts auf und schrien“, erzählt Fariba. Sie selbst verlor nach dieser Mitteilung die Fähigkeit, Englisch zu sprechen.
Doch das Blatt wendete sich erneut. Da die kroatischen Behörden fast ein Jahr lang nichts unternahmen, nahm Deutschland den Asylantrag der Familie schließlich doch an. Seit Juli 2022 hat sich die Situation stabilisiert. Fariba arbeitet als Küchenhilfe in einer Darmstädter Schule. Fereidoon schneidet anderen in der Unterkunft die Haare und kümmert sich um den Haushalt. Die Kinder gehen in den Kindergarten und die Schule und sind in Aktivitäten eingebunden. Faribas Traum, Journalistin zu werden, hat sie aufgegeben, aber sie hat neue Hoffnung gefunden. Sie möchte eine Ausbildung als Krankenpflegerin machen, weil sie anderen gern hilft. Trotz aller erlittenen Traumata und Schwierigkeiten sind die Aizizis dankbar und froh, in Deutschland zu sein. Die Angst vor der Polizei ist einer vorsichtigen Zuversicht gewichen.
Paul Nkamani: Der Kampf nach dem Film und die Last der Erinnerung
Paul Nkamani, der Protagonist des Films „Als Paul über das Meer kam“, zeigte im Film eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit. Seine viereinhalbjährige Odyssee führte ihn aus Kamerun über unzählige Länder und das Mittelmeer, wo er die Hälfte seiner Mitreisenden verlor, bis nach Berlin. Der Film, gedreht von Jakob Preuss, den Paul in Marokko kennengelernt hatte, endete mit einem Bild der Hoffnung: Paul fährt mit dem Fahrrad durch Berlin, hat eine Bleibe im Elternhaus des Regisseurs gefunden und äußert seinen Willen, weiterzukämpfen. Er lachte über die Vorstellung, ein „Star“ zu sein, eine Gefahr, wie Harald Preuss, Jakobs Vater, im Film bemerkte.
Fast acht Jahre später steht Paul Nkamani, jetzt 44 Jahre alt, wieder vor dem Bücherregal im Wohnzimmer der Familie Preuss. Er wohnt immer noch im Souterrain des Hauses in Berlin-Schmargendorf. Er hat Arbeit gefunden, arbeitet in einem Altenpflegeheim, und seine Aufenthaltsgenehmigung ist zunächst bis 2024 befristet. Auf den ersten Blick scheint seine Geschichte eine Fortsetzung der Hoffnung zu sein. Doch die Jahre nach dem Film waren von einem zermürbenden Ringen mit den Behörden geprägt.
Nach den Dublin-Regeln sollte Paul zurück nach Spanien, dem Land seiner ersten Einreise in die EU. Monatelang war er in Berlin zum Nichtstun gezwungen. „Für mich war das unerträglich“, sagt Harald Preuss. Ein Mann mit Abitur, der arbeiten will, wird zur Untätigkeit verdammt. Schließlich prüften die deutschen Behörden seinen Asylantrag doch. Paul durfte arbeiten und begann in einer Küche der Caritas. Seine anfängliche Freude, unter Katholiken zu sein, wich schnell der Ernüchterung über den rauen Umgangston und die Befehle.
Nachdem er im Sommer 2016 einen Pflege-Basiskurs absolviert hatte, stellte ihn ein Seniorenheim in Berlin-Dahlem an. Doch trotz seiner Vollzeitbeschäftigung musste er regelmäßig, zeitweise dreimal pro Woche, im Amt in Brandenburg an der Havel vorsprechen, da er dort eine Wohnsitzauflage hatte. Sein Asylantrag wurde trotz seiner Integration und Arbeit abgelehnt. Paul berichtet von Benachteiligung und willkürlicher Verbannung von der Universität in seiner Heimatstadt Douala – Gründe, die in Kamerun zur Verfolgung führen können, aber von den deutschen Behörden nicht anerkannt wurden.
Im Herbst 2020 wurde sein Widerspruch gegen die Ablehnung zurückgewiesen. Ihm drohte der sofortige Entzug der Arbeitserlaubnis und die Aufforderung, das Land innerhalb eines Monats zu verlassen. Dies geschah zu einem Zeitpunkt, als laut Experten rund 120.000 Vollzeitkräfte in deutschen Pflegeeinrichtungen fehlten und Paul seit 2016 keinen einzigen Arbeitstag verpasst hatte.
Heute hätte Paul das neue Chancen-Aufenthaltsrecht geholfen, das gut integrierten abgelehnten Asylbewerbern eine Bleibeperspektive bietet. 2020 war er auf die Gnade der Härtefallkommission des Landes Brandenburg angewiesen. Dieses Gremium prüft Härtefälle und kann eine Ausnahme von der Ausreisepflicht empfehlen. Unterstützt von engagierten Personen wie Pfarrerin Annette Flade und Seelsorgerin Monique Tinney wurde Pauls Geschichte eingebracht. Er galt als Vorzeigefall: zuverlässig, pünktlich, ein idealer Mitarbeiter. Im Sommer 2021 folgte der brandenburgische Innenminister Michael Stübgen der Empfehlung der Kommission. Seitdem muss Paul keine Abschiebung mehr fürchten.
Paul arbeitet seit Anfang 2022 als Pflegehelfer in einem Pflegeheim, nur zehn Minuten Fußweg von seiner Wohnung entfernt. Er arbeitet in der Frühschicht, ist im Erdgeschoss für sieben Frauen und einen Mann zuständig, die alle an Demenz leiden. Vier Bewohner sind palliativ betreut. Waschen, eincremen, Essen anreichen, Dokumentation – die Arbeit ist körperlich und emotional fordernd. Als kräftiger Mann bekommt Paul oft die schwereren Fälle zugewiesen. „Ich gehe jeden Abend mit Schmerzen nach Hause“, sagt er.
Trotz der äußeren Stabilität und Sicherheit, die er erreicht hat, wirken die Erlebnisse der Flucht nach. Paul spricht heute ungern über den Film oder seine Geschichte. Er hat seinen Kollegen nichts davon erzählt. „Ich bin heute lieber anonym“, sagt er. „Damals war ich frei und enthusiastisch, jetzt habe ich die Realität gesehen.“ Diese Realität beinhaltet auch das anhaltende Trauma der Überfahrt. Der Motor fiel aus, das Schlauchboot trieb tagelang auf dem Meer. 25 bis 30 Menschen starben, darunter acht Kleinkinder und Babys. Paul hatte mit dem Leben abgeschlossen, bevor er gerettet wurde. „Bis jetzt spüre ich diese Reise auf dem Meer“, sagt er. Er kann keine großen Wasserflächen ansehen und erträgt keine Filme mit Gewalt. Am schwerwiegendsten sind die Spätfolgen für seine Konzentrationsfähigkeit. „Das ist die Enttäuschung in meinem Leben“, gesteht Paul. Es fällt ihm schwer, Dinge auswendig zu lernen, eine Ausbildung zu machen, hat er bislang nicht geschafft.
Paul ist weiterhin mit Jakob und Harald Preuss befreundet, eine Verbindung, die über den Film hinausgeht. Jakob Preuss arbeitet heute im Bundestag und setzt sich unter anderem dafür ein, den Begriff „Rasse“ aus dem Grundgesetz zu streichen. Ihre Freundschaft zeigt, dass trotz unterschiedlicher Lebensrealitäten und Meinungen tiefe menschliche Verbindungen entstehen können.
Fragen und Antworten
Was ist Ehrenbürgerschaft für einen Nicht-Staatsbürger?
Die Verleihung einer Ehrenbürgerschaft ist eine besondere Auszeichnung einer Stadt oder Gemeinde für Personen, die sich um den Ort verdient gemacht haben. Sie verleiht in der Regel keine staatsbürgerlichen Rechte (wie Wahlrecht) oder einen rechtlichen Aufenthaltsstatus, sondern ist eine symbolische Anerkennung der Verdienste oder der Bedeutung einer Person für die Gemeinschaft. Im Falle von Edward Zorobah war sie ein starkes Zeichen der Wertschätzung und Integration, das von Bürgermeister Zambito verliehen wurde.
Was bedeutet das Dublin-Verfahren?
Das Dublin-Verfahren regelt, welcher EU-Staat für die Bearbeitung eines Asylantrags zuständig ist. Grundsätzlich ist dies der Staat, in dem der Asylsuchende zuerst die EU betreten hat. Das Ziel ist es, Mehrfachanträge in verschiedenen Ländern zu verhindern. Für Edward Zorobah bedeutete es, dass Italien zuständig war. Für die Familie Aizizi bedeutete es zunächst, dass Kroatien zuständig war, was zu der Drohung der Abschiebung von Deutschland nach Kroatien führte, bis Deutschland den Antrag doch annahm.
Was sind Pushbacks?
Pushbacks bezeichnen die illegale Praxis, Personen, die eine Grenze überqueren wollen oder bereits überquert haben, gewaltsam und ohne Einzelfallprüfung in das Nachbarland zurückzudrängen. Dies verstößt gegen internationales Recht, insbesondere gegen das Recht auf Asyl und das Verbot der Kollektivausweisung. Die Familie Aizizi erlebte wiederholte und brutale Pushbacks von kroatischen Grenzschützern zurück nach Bosnien.
Was ist eine Härtefallkommission?
Eine Härtefallkommission ist ein Gremium auf Landesebene in Deutschland, das in besonderen Ausnahmefällen eine Empfehlung an die zuständige Landesregierung aussprechen kann, einem ausreisepflichtigen Ausländer aus dringenden humanitären oder persönlichen Gründen ein Bleiberecht zu gewähren. Diese Kommissionen prüfen individuelle Schicksale, die außerhalb der allgemeinen asyl- und aufenthaltsrechtlichen Regelungen liegen. Paul Nkamani erhielt sein Bleiberecht in Deutschland durch eine Empfehlung der Härtefallkommission Brandenburgs.
Abschließende Gedanken
Die Geschichten von Edward Zorobah, Fariba Aizizi und Paul Nkamani sind mehr als nur die Fortsetzung von Dokumentarfilmen. Sie sind lebendige Zeugnisse der Komplexität von Migration, Integration und dem menschlichen Überlebenswillen. Sie zeigen, dass die Ankunft in einem sicheren Land oft nur der Beginn eines neuen, langwierigen Kampfes ist – gegen Bürokratie, für Anerkennung, gegen die Geister der Vergangenheit. Doch sie zeigen auch die Kraft unerwarteter Menschlichkeit, die Bedeutung von Unterstützung und die Fähigkeit, selbst nach extremen Traumata ein neues Leben aufzubauen. Ihre Wege sind unterschiedlich verlaufen, aber alle drei verdeutlichen, dass hinter jeder Schlagzeile, hinter jedem Film, ein individuelles Schicksal steht, das es verdient, gesehen und verstanden zu werden.
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