Was ist der Unterschied zwischen Autochrom und Kodachrome?

Autochrome: Die Magie der frühen Farbfotografie

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Bevor die Welt in den leuchtenden Farben von Kodachrome und modernen Digitalbildern erstrahlte, gab es eine Ära, in der Farbe in der Fotografie ein seltenes und kostbares Wunder war. Dieses Wunder trug einen Namen: Autochrome. Erfunden von den Pionieren des Kinos, den Brüdern Auguste und Louis Lumière, revolutionierte das Autochrome-Verfahren die Fotografie im frühen 20. Jahrhundert und brachte die Farbe auf eine Weise auf Glasplatten, die bis dahin unvorstellbar war.

Was ist Autochrome-Fotografie?

Das Autochrome-Verfahren, das 1907 von den Brüdern Lumière eingeführt wurde, war das erste kommerziell erfolgreiche Verfahren, das mit einer einzigen Aufnahme in einer gewöhnlichen Kamera ein echtes Farbbild erzeugte. Es handelte sich um eine positive Farbtransparenz auf Glas, die bis 1933 von den Lumières hergestellt wurde. Die Einzigartigkeit des Autochromes lag in seiner Konstruktion: Eine Glasplatte wurde mit einem klebrigen Lack beschichtet und dann mit einer Schicht zufällig verteilter, durchscheinender Stärkekörner bestäubt. Diese Körner, ursprünglich rot-orange, violett und grün gefärbt (später auf Rot, Grün und Blau standardisiert), wurden mit feinem schwarzem Kohlenstaub durchsetzt und erneut lackiert. Diese Schicht bildete das Herzstück des Verfahrens: einen Mosaik-Farbfilter.

Was führten die Brüder Lumière 1907 in das Autochrom-Farbverfahren ein?
Bis 1903 entwickelten sie die Autochromplatte, die 1907 kommerziell eingeführt wurde. Bei diesem Verfahren wurde eine Schicht gefärbter Stärkekörner als Farbfilter über einer panchromatischen Emulsion verwendet, wodurch auf einer einzigen Platte Farbbilder auf Grundlage der Prinzipien der additiven Farbsynthese aufgenommen werden konnten .

Auf diesen Filter wurde eine lichtempfindliche Gelatine-Silberbromid- oder Silberjodid-Emulsion aufgebracht. Wenn die Platte in die Kamera eingelegt wurde, passierte das Licht vom Objektiv zunächst die gefärbten Stärkekörner, die als winzige Farbfilter fungierten, bevor es die Emulsion erreichte. Nach der Belichtung wurde die Platte einem speziellen Umkehrprozess unterzogen, um ein einzigartiges, vollfarbiges, positives Silberbild zu erzeugen. Jede Autochrome-Platte war somit ein Unikat.

Wie funktioniert das Autochrome-Verfahren?

Das Prinzip hinter dem Autochrome ist die additive Farbmischung, basierend auf der Theorie von James Clerk Maxwell aus dem Jahr 1861, dass alle Farben durch die Kombination von rotem, grünem und blauem Licht erzeugt werden können. Das Autochrome-Verfahren nutzte dies auf mikroskopischer Ebene.

Der Farbfilter bestand aus Millionen winziger, gefärbter Partikel – meist Kartoffelstärkekörner, aber auch Harzkügelchen wurden später verwendet. Diese Partikel, einzeln rot, grün und blau gefärbt, wurden gemischt und in einer Schicht auf die Glasplatte aufgebracht. Die Zwischenräume wurden mit schwarzem Ruß gefüllt, um zu verhindern, dass ungefiltertes Licht die Emulsion erreicht. Diese Filterschicht wurde dann mit der panchromatischen Emulsion beschichtet.

Die Belichtung erfolgte durch die Glasseite der Platte, sodass das Licht durch die gefärbten Stärkekörner auf die Emulsion traf. Jedes Korn fungierte als winziger Farbfilter. Die Emulsion zeichnete die Intensität des Lichts auf, das durch das jeweilige rote, grüne oder blaue Korn gelangte. Nach der Belichtung wurde die Platte entwickelt, um ein Schwarz-Weiß-Negativbild in der Emulsion zu erzeugen. Durch einen chemischen Umkehrprozess wurde dieses Negativ dann in ein positives Bild umgewandelt.

Wenn die fertige Platte, eine Transparenz, von der Emulsionsseite (um die seitenverkehrte Darstellung der Kamera auszugleichen) gegen Licht betrachtet wurde, färbte die Filterschicht das durchscheinende Licht. Die winzigen positiven Silberbilder in der Emulsion wirkten wie winzige Fenster, die mehr oder weniger Licht durch die einzelnen roten, grünen oder blauen Körner ließen. Da die Stärkekörner extrem klein waren (durchschnittlich etwa 0,015 Millimeter), konnte das menschliche Auge sie nicht einzeln auflösen. Stattdessen mischten sich die additiven Farbsensationen im Auge des Betrachters und erzeugten den Eindruck eines vollständigen Farbbildes.

Was ist Autochrom-Fotografie?
Als Autochrom bezeichnet man eine frühe Farbfototechnik, die mit eingefärbten Kartoffelstärkekörnchen arbeitet und Glas als Bildträger hat.

Dieses Prinzip der additiven Farbsynthese auf Basis eines fein gerasterten Filters war nicht völlig neu (John Joly hatte bereits 1893 ein ähnliches Prinzip demonstriert), aber die Brüder Lumière schufen mit dem Autochrome die erste praktikable und kommerziell erfolgreiche Umsetzung, insbesondere dank der Verfügbarkeit panchromatischer Emulsionen, die auf alle Farben des Spektrums empfindlich reagierten.

Die Bedeutung des Autochromes

Die Einführung der Autochrome-Platte im Jahr 1907 war ein Meilenstein in der Geschichte der Fotografie. Zuvor erforderte die Farbfotografie oft komplizierte Verfahren, wie die Aufnahme von drei separaten Negativen durch verschiedene Farbfilter, die dann mühsam kombiniert werden mussten (wie bei Maxwells Experiment). Das Autochrome machte die Farbfotografie mit einer einzigen Aufnahme in einer Standardkamera für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich. Es war nicht nur ein technischer Fortschritt, sondern eröffnete auch neue kreative Möglichkeiten für Fotografen.

Das Autochrome erzeugte Bilder mit einer einzigartigen, malerischen und oft weichen Ästhetik. Die Farben wirkten gedämpft und leuchteten auf eine besondere Weise, wenn sie hinterleuchtet wurden. Fotografen wie Alfred Stieglitz, der das Verfahren 1907 in Europa erlernte, nutzten Autochromes, um Porträts, Stillleben und Landschaften in Farbe festzuhalten. Die Platten hatten eine fast traumhafte Qualität, die sie von der Schwarz-Weiß-Fotografie abhob.

Herausforderungen und Einschränkungen

Trotz seiner revolutionären Natur hatte das Autochrome-Verfahren auch seine Nachteile. Die Glasplatten waren relativ teuer und zerbrechlich. Das Verfahren erforderte sehr lange Belichtungszeiten, oft 40- bis 60-mal länger als Schwarz-Weiß-Platten der damaligen Zeit. Dies machte es schwierig, bewegte Objekte zu fotografieren, und erforderte die Verwendung von Stativen.

Ein weiteres Problem war die Empfindlichkeit der Platten gegenüber Licht. Obwohl sie Transparenzen waren, die durch Licht betrachtet werden mussten, konnten sie bei längerer oder intensiver Belichtung verblassen. Daher wurden Autochromes oft in speziellen Betrachtungsgeräten oder auf Leuchtkästen bei geringer Lichtstärke angesehen und sorgfältig gelagert.

Die Duplizierung von Autochromes war ebenfalls schwierig. Theoretisch war es möglich, Kontaktkopien zu erstellen oder die Platten abzufotografieren, aber in der Praxis litten die Ergebnisse oft unter Schärfeverlust und Farbveränderungen, da die Kornstruktur der Filter bei der Vervielfältigung verstärkt wurde und die Farbcharakteristiken der Filterchargen variieren konnten. Jede Autochrome-Platte blieb daher ein einzigartiges Original.

Was ist Autochrom in der Fotografie?
Das Autochrom, ein positives Farbdia auf Glas , wurde 1907 von Auguste und Louis Lumière erfunden und von ihnen bis 1933 hergestellt. Autochrome wurden hergestellt, indem eine Glasplatte mit einem klebrigen Lack überzogen und mit einer Schicht zufällig verteilter, durchscheinender Kartoffelstärkekörner bestäubt wurde.

Autochrome im historischen Kontext

Die Entwicklung der Farbfotografie war ein langer Prozess. Nach den ersten monochromen Verfahren wie der Daguerreotypie und den Kalotypien im 19. Jahrhundert gab es verschiedene Versuche, Farbe einzufangen. Maxwells Theorie legte die Grundlage, aber praktikable Methoden ließen auf sich warten. Das Autochrome war der erste große Schritt, der Farbe für die breite Masse zugänglich machte.

Nach dem Autochrome folgten weitere additive Verfahren, wie Agfa-Color (ebenfalls mit einem Kornraster) und Dufaycolor (ein Raster auf flexiblem Film). Doch in den 1930er Jahren wurden diese additiven Prozesse zunehmend von subtraktiven Farbverfahren abgelöst. Das subtraktive Prinzip nutzt die Farben Cyan, Magenta und Gelb, um Licht zu absorbieren und so Farben zu erzeugen.

Autochrome vs. Kodachrome

Der bedeutendste Nachfolger des Autochromes und der Beginn der modernen Farbfotografie war Kodachrome. Eingeführt 1935 von Eastman Kodak, basierend auf der Arbeit von Leopold Mannes und Leopold Godowsky Jr., war Kodachrome ein subtraktiver Farbfilm auf einem flexiblen Träger. Dies war ein entscheidender Unterschied:

MerkmalAutochromeKodachrome
Einführung19071935/1936 (35mm)
ErfinderBrüder LumièreMannes & Godowsky (für Kodak)
VerfahrenstypAdditivSubtraktiv
MediumGlasplatteFlexibler Film (später 35mm, etc.)
BelichtungszeitSehr lang (40-60x B&W)Deutlich kürzer
KostenTeuerErschwinglicher
Haltbarkeit/EmpfindlichkeitZerbrechlich, lichtempfindlichRobuster (Film), aber auch lichtempfindlich
ÄsthetikMalerisch, weich, gedämpfte FarbenLebhaft, brillant, hohe Farbsättigung
DuplizierbarkeitSchwierig, jedes Bild ein UnikatEinfacher zu duplizieren (Dias, Drucke)

Kodachrome war leichter, handlicher und erlaubte deutlich schnellere Belichtungen. Die Farben waren brillanter und gesättigter als bei den Autochromes. Obwohl Autochromes bis 1933 hergestellt wurden, wurde das Verfahren durch die Einführung von Kodachrome und anderen modernen Farbfilmen schnell in den Hintergrund gedrängt und schließlich eingestellt.

Das Autochrome repräsentiert jedoch einen wichtigen Übergang in der Geschichte der Fotografie – den Moment, in dem Farbe von einem wissenschaftlichen Experiment zu einer zugänglichen, wenn auch noch etwas umständlichen, Realität wurde. Die erhaltenen Autochromes sind nicht nur historische Dokumente, sondern auch Kunstwerke, die den Charme und die Ästhetik einer vergangenen Ära der Farbfotografie widerspiegeln.

Häufig gestellte Fragen zu Autochromes

Warum wurde das Autochrome-Verfahren eingestellt?
Das Verfahren wurde durch modernere, praktikablere und kostengünstigere subtraktive Farbverfahren wie Kodachrome abgelöst. Diese boten flexiblen Film, schnellere Belichtungszeiten und brillantere Farben.

Wie wurden Autochromes betrachtet?
Da es sich um Transparenzen handelte, mussten Autochromes durch Licht betrachtet werden. Dies geschah typischerweise auf einem Leuchtkasten, in einem speziellen Betrachtungsgerät oder indem man die Platte gegen das Licht hielt. Museen und Sammler verwenden oft spezielle, schwach beleuchtete Leuchtkästen, um die empfindlichen Platten zu schützen.

Was ist Autochrom-Fotografie?
Als Autochrom bezeichnet man eine frühe Farbfototechnik, die mit eingefärbten Kartoffelstärkekörnchen arbeitet und Glas als Bildträger hat.

Sind Autochromes haltbar?
Autochromes sind auf Glas gefertigt, was sie zerbrechlich macht. Die Farbstoffe und die Emulsion können bei längerer Lichteinwirkung verblassen. Sie erfordern sorgfältige Lagerung unter kontrollierten Bedingungen, um ihren Zustand zu erhalten.

Können Autochromes heute noch hergestellt werden?
Die ursprüngliche Herstellung des Autochrome-Materials wurde 1933 eingestellt. Es gab später Versuche von Hobbyisten und Forschern, das Verfahren zu replizieren, aber es ist kein kommerziell erhältliches Material mehr. Die Kenntnisse und Materialien zur Herstellung sind komplex und erfordern spezialisierte Fähigkeiten.

Gibt es bekannte Fotografen, die Autochromes verwendet haben?
Ja, viele Fotografen im frühen 20. Jahrhundert experimentierten mit Autochromes. Zu den bekanntesten gehört Alfred Stieglitz, der eine Reihe von Autochromes von Freunden und Familie schuf. Auch andere Pioniere der Farbfotografie nutzten das Verfahren.

Wo kann man Autochromes sehen?
Autochromes sind heute hauptsächlich in Museumssammlungen zu finden, wie z. B. im Metropolitan Museum of Art in New York oder im Victoria and Albert Museum in London, das eine umfangreiche Sammlung besitzt. Gelegentlich werden sie in Ausstellungen gezeigt, wobei aufgrund ihrer Lichtempfindlichkeit besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden.

Das Autochrome-Verfahren der Brüder Lumière mag heute historisch sein, aber seine Bedeutung als erster Schritt zur allgemein zugänglichen Farbfotografie ist unbestreitbar. Die einzigartige Ästhetik, die durch die Kartoffelstärke-Filter erzeugt wurde, verleiht diesen frühen Farbbildern einen besonderen Zauber, der auch über hundert Jahre später noch fasziniert.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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