Germaine Krull war eine wegweisende Fotografin, deren Einfluss auf die Moderne unbestritten ist. Ihr experimenteller Umgang mit der Kamera und ihr Blick für die sich wandelnde Welt der Zwischenkriegszeit haben Generationen von Fotografen inspiriert. Ein zentraler Ort für das Studium und die Bewahrung ihres künstlerischen Erbes ist das renommierte Museum Folkwang in Essen. Seit dem Jahr 1995 beherbergt dieses Haus den bedeutenden Nachlass der Künstlerin, der weit mehr umfasst als nur ihre ikonischen fotografischen Abzüge und Negative.

Der Nachlass von Germaine Krull im Museum Folkwang ist eine wahre Schatzkammer für Forscher und Liebhaber ihrer Kunst. Er bietet einen umfassenden Einblick in ihr Leben und Schaffen, der über die reine Betrachtung ihrer Bilder hinausgeht. Neben den erwarteten fotografischen Materialien wie Hunderten, wenn nicht Tausenden von Abzügen und Negativen, die ihr gesamtes Schaffen dokumentieren, enthält der Nachlass auch eine Fülle von Publikationen. Diese Publikationen reichen von Büchern, in denen ihre Fotografien prominent vertreten sind, bis hin zu Magazinen und Zeitungen, für die sie arbeitete. Sie zeigen, wie Krulls Werk zu ihrer Zeit veröffentlicht und rezipiert wurde.
Das umfassende journalistische Werk
Was den Nachlass im Museum Folkwang jedoch besonders herausragend und für die Forschung aufregend macht, ist das Vorhandensein eines umfangreichen journalistischen Werks. Dieses Werk ist nicht nur eine Ergänzung zu ihren Fotografien, sondern wird als ein erweiterter Ansatz zu ihrem künstlerischen Erbe betrachtet. Es verdeutlicht, dass Germaine Krull nicht nur mit der Kamera, sondern auch mit dem Wort arbeitete und dachte.
Dieses journalistische Oeuvre ist erstaunlich vielfältig und gibt tiefe Einblicke in ihre Gedankenwelt, ihre Arbeitsprozesse, ihre politischen Ansichten und ihre persönlichen Erfahrungen. Zu den Bestandteilen zählen:
- (Auto-)Biografische und (auto-)fiktionale Texte: Diese Schriften reichen von autobiografischen Notizen und Reflexionen über ihr Leben bis hin zu Texten, die fiktionale Elemente mit realen Erfahrungen vermischen. Sie bieten eine sehr persönliche Perspektive auf ihre Erlebnisse und ihre Selbstwahrnehmung als Künstlerin und Person.
- (Foto-)Bücher und Maquetten: Der Nachlass enthält Entwürfe, Layouts und Maquetten für Fotobücher, die Krull geplant oder realisiert hat. Diese Materialien zeigen, wie sie ihre Bilder in narrativen oder thematischen Zusammenhängen präsentieren wollte und welche Rolle der Text dabei spielte. Es sind Dokumente ihres gestalterischen Willens im Medium Buch.
- Briefe: Die Korrespondenz von Germaine Krull ist eine unschätzbare Quelle. Briefe an Freunde, Kollegen, Verleger und Familienmitglieder dokumentieren ihre Reisen, Projekte, Herausforderungen und Erfolge. Sie zeichnen ein Netzwerk von Beziehungen nach und geben Einblicke in den Kontext, in dem ihre Arbeit entstand.
- Politische Berichte oder Reportagen: Diese Texte belegen, dass Krull eine engagierte Beobachterin ihrer Zeit war. Sie schrieb über politische Ereignisse und soziale Zustände, was zeigt, dass ihre Arbeit oft einen dokumentarischen und kritischen Anspruch hatte, der über die rein ästhetische Dimension hinausging.
Die Tatsache, dass das Schreiben Krull in allen kreativen Phasen ihres Lebens begleitete, ist eine zentrale Erkenntnis, die sich aus dem Studium dieses Nachlasses ergibt. Es war keine späte Ergänzung oder ein gelegentliches Interesse, sondern ein kontinuierlicher Teil ihres kreativen Ausdrucks und ihrer Auseinandersetzung mit der Welt.
Neue Perspektiven auf ein vielschichtiges Werk
Die Fokussierung auf das journalistische Werk von Germaine Krull, wie sie durch die Bearbeitung des Nachlasses im Museum Folkwang ermöglicht wird, eröffnet völlig neue Perspektiven auf ihr Schaffen. Während ihre Rolle in der europäischen Avantgarde-Fotografie der 1920er und frühen 1930er Jahre intensiv erforscht wurde und ihre Werke aus dieser Zeit in Museen weltweit präsent sind, gibt es andere Perioden in ihrem langen Leben und ihrer Karriere, die bisher weniger Beachtung fanden.
Durch das Studium der Texte, Briefe und Reportagen wird nun auch die fotografische Praxis jener kreativen Phasen sichtbar, die von der Forschung bisher nur am Rande berücksichtigt wurden. Das geschriebene Wort dient hier als Kontext und Schlüssel zum Verständnis der Bilder, die in diesen weniger bekannten Zeiten entstanden sind. Es hilft, die Motivationen, Umstände und Intentionen hinter diesen Arbeiten zu entschlüsseln.
Besonders aufschlussreich ist das journalistische Werk für die Zeit nach ihrer endgültigen Ausreise aus Europa ab dem Beginn des Zweiten Weltkriegs. Krull lebte und arbeitete in verschiedenen Teilen der Welt, und ihre schriftlichen Aufzeichnungen bieten eine einzigartige transkulturelle Perspektive auf diese Lebensabschnitte. Sie dokumentieren ihre Anpassung an neue Umgebungen, ihre Projekte in unterschiedlichen kulturellen Kontexten und ihre Reflexionen über globale Ereignisse. Dies erweitert unser Bild von Germaine Krull erheblich – von der bekannten Avantgardistin zur global agierenden Künstlerin und Chronistin.
Bedeutung des Nachlasses für Forschung und Öffentlichkeit
Die Bewahrung und Erforschung des Germaine Krull Nachlasses im Museum Folkwang ist von immenser Bedeutung. Sie ermöglicht es, ein vollständigeres und nuancierteres Bild einer der wichtigsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts zu zeichnen. Die Verknüpfung von Bild und Text, von fotografischem und journalistischem Schaffen, zeigt die Komplexität und Tiefe ihres Werks.
Die Sichtbarmachung essentieller Teile dieses Nachlasses, beispielsweise durch Ausstellungen oder Publikationen, ist entscheidend, um dieses erweiterte Verständnis von Krull einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Es wird deutlich, dass ihre Kreativität nicht auf ein Medium beschränkt war, sondern sich in verschiedenen Formen ausdrückte, die untrennbar miteinander verbunden sind.
Der Nachlass im Museum Folkwang dient somit als zentrale Anlaufstelle, um die Vielschichtigkeit von Germaine Krulls Persönlichkeit und Werk zu studieren. Er lädt dazu ein, über die berühmten Bilder hinauszublicken und die Künstlerin in ihrer Gesamtheit zu entdecken – als Fotografin, Schreiberin, Beobachterin und kosmopolitische Persönlichkeit, deren Leben und Arbeit von ständiger Bewegung und Reflexion geprägt waren.
Vergleich: Fotografisches vs. Journalistisches Werk im Nachlass
Der Nachlass ermöglicht einen direkten Vergleich der verschiedenen Facetten von Krulls Schaffen und zeigt, wie sich Fotografie und Schrift ergänzen:
| Aspekt | Fotografisches Werk (Bekannt im Nachlass) | Journalistisches Werk (Neu beleuchtet im Nachlass) |
|---|---|---|
| Bestandteile | Fotografische Abzüge, Negative | Texte (biografisch, fiktional), (Foto-)Bücher & Maquetten, Briefe, Politische Reportagen |
| Fokus der Forschung (bisher oft) | Avantgarde der 1920er/30er Jahre, bekannte Bildserien | Weniger beachtete Schaffensphasen, Leben und Arbeit nach Europa |
| Einblick gebend in | Visuelle Ästhetik, Komposition, Technik, Motive | Gedankenwelt, Persönliche Erfahrungen, Politische Ansichten, Schaffensprozess (Text/Bild-Relation) |
| Funktion im Gesamtwerk | Das Kernstück ihres visuellen Erbes | Erweiterter Ansatz, Kontextualisierung der Bilder, Begleitung aller Phasen |
| Perspektive | Künstlerisch, dokumentarisch | Persönlich, politisch, transkulturell, Reflexiv |
Häufig gestellte Fragen zum Germaine Krull Nachlass im Museum Folkwang
- Was genau ist der Nachlass von Germaine Krull im Museum Folkwang?
- Es handelt sich um die umfangreiche Sammlung von Werken und Dokumenten der Fotografin Germaine Krull, die das Museum seit 1995 verwahrt. Er umfasst sowohl ihre fotografischen Arbeiten als auch ein bedeutendes journalistisches Werk.
- Welche Art von fotografischem Material ist im Nachlass enthalten?
- Der Nachlass beinhaltet eine große Anzahl von fotografischen Abzügen sowie Negativen, die ihr gesamtes Schaffen dokumentieren.
- Was gehört zum journalistischen Werk im Nachlass?
- Das journalistische Werk ist sehr vielfältig und umfasst (auto-)biografische und (auto-)fiktionale Texte, (Foto-)Bücher und deren Maquetten, Briefe sowie politische Berichte oder Reportagen.
- Warum ist das journalistische Werk von Germaine Krull so bedeutend für die Forschung?
- Es wird als erweiterter Ansatz zu ihrem künstlerischen Erbe betrachtet und zeigt, dass das Schreiben alle ihre kreativen Phasen begleitete. Es bietet neue Einblicke in ihre Gedankenwelt und Arbeitsweise jenseits der reinen Fotografie.
- Welche neuen Erkenntnisse ermöglicht die Konzentration auf das journalistische Werk?
- Diese Konzentration bringt die fotografische Praxis von Krulls weniger erforschten kreativen Phasen ins Blickfeld, die bisher nur am Rande wissenschaftlich betrachtet wurden. Außerdem eröffnet sie eine neue transkulturelle Perspektive auf ihr Leben und Werk, insbesondere nach ihrer Ausreise aus Europa ab dem Zweiten Weltkrieg.
- Seit wann befindet sich der Nachlass von Germaine Krull im Museum Folkwang Essen?
- Der gesamte Nachlass von Germaine Krull wird seit dem Jahr 1995 im Museum Folkwang in Essen aufbewahrt und erforscht.
- Wird der Nachlass der Öffentlichkeit zugänglich gemacht?
- Die Information deutet darauf hin, dass essentielle Teile des journalistischen Nachlasses durch Ausstellungs- und Publikationsprojekte sichtbar gemacht werden, was den Zugang für Forschung und Öffentlichkeit ermöglicht.
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