Wie bekomme ich ein Fischauge auf die iPhone-Kamera?

Fischaugenobjektive: Der extreme Blick

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In der Welt der Fotografie gibt es unzählige Werkzeuge, die Fotografen nutzen können, um ihre Visionen festzuhalten. Unter den vielen verfügbaren Objektivtypen nimmt das Fischaugenobjektiv eine ganz besondere Stellung ein. Es ist bekannt für seinen extrem weiten Bildwinkel und den unverwechselbaren Look, den es erzeugt. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Namen und wie unterscheidet es sich von anderen Weitwinkelobjektiven?

Was ist ein Fischaugenobjektiv?

Ein Fischaugenobjektiv, im Englischen oft als „Fisheye Lens“ bezeichnet, ist ein Ultra-Weitwinkelobjektiv, das speziell dafür entwickelt wurde, extrem weite Blickwinkel zu erfassen. Typischerweise decken diese Objektive einen Bildwinkel von 100 bis zu erstaunlichen 180 Grad ab. Sie sind so konzipiert, dass sie einen viel größeren Bereich erfassen können, als das menschliche Auge auf einen Blick wahrnehmen kann. Aus diesem Grund werden sie manchmal auch als Super-Weitwinkel- oder Ultra-Weitwinkelobjektive bezeichnet, obwohl der Begriff „Fischauge“ ihre einzigartige Charakteristik am besten beschreibt.

Warum sind Fischaugenobjektive so teuer?
Extremweitwinkelobjektive sind in der Regel sehr teuer und weisen oft sehr weiche oder sogar unscharfe Bildecken auf. Weitwinkelobjektive von Spiegelreflexkameras müssen über eine Retrofokusoptik verfügen , was einen wesentlichen Grund für die hohen Kosten darstellt. Fischaugenobjektive sind eine spezielle Form von Weitwinkelobjektiven.

Der Name „Fischauge“ wurde bereits 1906 von dem amerikanischen Physiker Robert W. Wood geprägt, dem Erfinder dieses Objektivtyps. Die Bezeichnung leitet sich von der Perspektive ab, die ein Fisch unter Wasser hat, der die Welt über der Wasseroberfläche in einem extrem weiten, verzerrten Blickfeld sieht. Die erste praktische Anwendung fanden Fischaugenobjektive in den 1920er Jahren, wo sie zur Untersuchung und Dokumentation der Wolkenformationen am Himmel eingesetzt wurden. Heute sind sie beliebte Werkzeuge in verschiedenen Bereichen der Fotografie, darunter Extremsport, Landschaftsfotografie und künstlerische Projekte, bei denen der einzigartige Look gezielt eingesetzt wird.

Die Brennweiten von Fischaugenobjektiven sind, wie bei allen Objektiven, vom Format der verwendeten Kamera abhängig. Bei Vollformatkameras (35mm Film oder äquivalenter digitaler Sensor) liegen die Brennweiten typischerweise zwischen 8 mm und 16 mm. Bei Kameras mit kleineren Sensoren wie APS-C sind die äquivalenten Brennweiten kürzer, um den gleichen extremen Bildwinkel zu erzielen, oft im Bereich von 6 mm bis 10 mm.

Fischauge vs. Rektilineares Weitwinkelobjektiv: Der Unterschied in der Verzeichnung

Der entscheidende Unterschied zwischen einem Fischaugenobjektiv und einem herkömmlichen, rektilinearen Weitwinkelobjektiv liegt in der Art und Weise, wie sie gerade Linien abbilden. Während rektilineare Weitwinkelobjektive darauf ausgelegt sind, gerade Linien – insbesondere am Bildrand – auch als gerade Linien darzustellen, ist dies bei Fischaugenobjektiven nicht der Fall. Stattdessen weisen Fischaugenobjektive eine sehr ausgeprägte, unkorrigierte tonnenförmige Verzeichnung auf.

Diese tonnenförmige Verzeichnung führt dazu, dass Linien, die nicht genau durch die Mitte des Bildes verlaufen, nach außen gewölbt erscheinen. Nur Linien, die zufällig genau durch die Bildmitte gehen, werden annähernd gerade abgebildet. Dieser Effekt ist das charakteristischste Merkmal eines Fischaugenobjektivs und verleiht den Bildern ihren unverwechselbaren, oft surrealen Look. Rektilineare Weitwinkelobjektive hingegen versuchen, diese Verzeichnung zu minimieren, was ihre optische Konstruktion komplexer macht, aber zu Bildern mit geraden Kanten führt.

Die Vorteile von Fischaugenobjektiven liegen klar auf der Hand: Sie ermöglichen die Aufnahme eines riesigen Teils einer Szene in einem einzigen Bild. Der extreme Bildwinkel und die bewusste Verzeichnung können zudem zu sehr interessanten und kreativen visuellen Effekten führen. Der Hauptnachteil ist jedoch ebenfalls offensichtlich und eng mit dem zweiten Punkt verbunden: Nicht jeder mag oder schätzt den klassischen Fischaugen-Look. Die starke Verzeichnung kann für manche Anwendungen unerwünscht sein und erfordert oft eine bewusste Bildkomposition, um das Beste daraus zu machen.

Darüber hinaus kann die Verwendung von Fischaugenobjektiven auch praktisch herausfordernd sein. Aufgrund des extrem weiten Blickwinkels ist es sehr leicht, unbeabsichtigte Elemente wie die eigenen Füße, den eigenen Schatten oder die Stativbeine mit auf das Bild zu bekommen. Dies erfordert Sorgfalt bei der Aufnahme.

Warum sind Fischaugenobjektive oft teuer?

Die Kosten für Weitwinkelobjektive im Allgemeinen und extreme Weitwinkel wie Fischaugenobjektive im Besonderen können stark variieren, sind aber oft höher als bei Standardobjektiven. Der Hauptgrund dafür liegt in der Komplexität der optischen Konstruktion, die erforderlich ist, um Licht so stark zu biegen, dass ein extrem weiter Bildwinkel erfasst werden kann.

Je weiter der Bildwinkel eines Objektivs ist, desto komplexer müssen die Linsenelemente und ihre Anordnung sein, um das Licht korrekt auf den Sensor oder Film zu lenken. Objektive mit Brennweiten nahe dem Standardbereich (z. B. 28-35 mm bei Vollformat) sind in der Regel erschwinglicher, da ihre Herstellung einfacher ist. Aber je weiter man in den Weitwinkelbereich vordringt (z. B. unter 24 mm bei Vollformat), desto anspruchsvoller wird die Optik.

Extreme Weitwinkelobjektive, einschließlich Fischaugen, erfordern spezielle Linsenkonstruktionen, um Abbildungsfehler zu minimieren, obwohl die Verzeichnung bei Fischaugen ja gerade erwünscht ist. Bei Spiegelreflexkameras (SLRs) kommt hinzu, dass Weitwinkelobjektive eine sogenannte Retrofokus-Konstruktion benötigen. Diese Konstruktion schafft den notwendigen Abstand zwischen dem hinteren Linsenelement und dem Sensor/Film, damit der Spiegel der Kamera beim Auslösen Platz hat. Diese Retrofokus-Konstruktion ist optisch sehr komplex und trägt wesentlich zu den höheren Produktionskosten und damit zum Preis bei.

Ein weiteres Problem bei extremen Weitwinkelobjektiven sind oft die Bildecken. Aufgrund der physikalischen Herausforderungen bei der Lichtlenkung können die Ecken des Bildes bei sehr weiten Objektiven weicher oder sogar unscharf sein als die Bildmitte. Die Entwicklung von Objektiven, die auch in den Ecken eine hohe Schärfe und Qualität liefern, ist extrem aufwendig und teuer.

Verschiedene Typen von Fischaugenobjektiven

Es gibt hauptsächlich zwei Grundtypen von Fischaugenobjektiven, die sich in ihrer Abdeckung des Bildfeldes unterscheiden:

Vollformat-Fischaugen (Diagonal-Fischaugen)

Diese Objektive sind so konzipiert, dass sie den gesamten Sensor oder Film belichten. Sie erfassen typischerweise einen Bildwinkel von 180 Grad, gemessen über die Diagonale des Bildrahmens. Sie füllen das gesamte Bildfeld aus, sodass keine dunklen Bereiche (Vignettierung) in den Ecken entstehen. Bei Vollformatkameras haben diese Objektive oft Brennweiten von 15 mm oder 16 mm. Bei Kameras mit kleineren Sensoren wie APS-C liegen die Brennweiten, die einen ähnlichen diagonale 180-Grad-Blickwinkel abdecken, eher bei etwa 10 mm.

Es ist wichtig zu beachten, dass der Begriff „Vollformat-Fischauge“ hier bedeutet, dass das Objektiv in der Lage ist, das gesamte Bildfeld der Kamera, an der es montiert ist, abzudecken – unabhängig davon, ob es sich um eine Vollformatkamera im Sinne von 35mm Filmgröße handelt oder eine Kamera mit einem kleineren Sensor. Wenn ein 15mm oder 16mm Vollformat-Fischaugenobjektiv an einer Kamera mit einem kleineren Sensor (Crop-Sensor) verwendet wird, verhält es sich eher wie ein moderates Weitwinkelobjektiv mit nur noch leichter Fischaugen-Verzeichnung, da nur der zentrale, weniger stark verzerrte Teil des Bildkreises genutzt wird.

Zirkulare Fischaugen

Zirkulare Fischaugen sind die extremsten Weitwinkelobjektive, die verfügbar sind. Sie projizieren einen kreisförmigen Bildkreis auf den rechteckigen Sensor oder Film, wodurch das Bild von schwarzen Rändern umgeben ist. Diese Objektive erfassen typischerweise einen Bildwinkel von 180 Grad oder sogar mehr, gemessen über die kurze Seite des Bildrahmens. Das bedeutet, dass sie, wenn sie senkrecht nach oben gerichtet sind, den gesamten Himmel vom Horizont zum Horizont erfassen können.

Was ist ein Fischauge in einer Kamera?
Ein Fischaugenobjektiv ist ein Ultraweitwinkelobjektiv, das eine starke visuelle Verzerrung erzeugt, um ein breites Panorama- oder Halbkugelbild zu erzeugen .

Die Brennweiten zirkularer Fischaugen sind extrem kurz, oft im Bereich von 8 mm oder weniger bei Vollformatkameras.

Vergleichstabelle: Fischauge vs. Rektilineares Weitwinkel

MerkmalFischaugenobjektivRektilineares Weitwinkelobjektiv
BildwinkelSehr weit (oft 100-180 Grad)Weit (typ. 60-100 Grad), extreme Weitwinkel noch weiter
VerzeichnungStark tonnenförmig (gewollt)Minimiert (unerwünscht)
Gerade LinienWerden zu Kurven (außer durchs Zentrum)Bleiben gerade
LookUnverwechselbar, künstlerisch, oft surrealNatürlicher, architektonisch korrekt
AnwendungExtremsport, Kunst, Kreative Effekte, PanoramaLandschaft, Architektur, Innenräume, Reportage
PreisKann teuer sein (besonders hochwertige)Kann sehr teuer sein (besonders extrem weite)

Verwendung und Herausforderungen

Fischaugenobjektive sind Werkzeuge für kreative Fotografen, die bereit sind, mit der extremen Verzeichnung zu experimentieren. Sie eignen sich hervorragend, um das Gefühl von Raum und Weite zu betonen oder um dynamische, actiongeladene Szenen in Extremsportarten einzufangen. In der Landschaftsfotografie können sie verwendet werden, um die Kurve des Horizonts zu betonen oder um eine immersive, fast kugelförmige Ansicht der Umgebung zu schaffen.

Die Herausforderungen liegen, wie bereits erwähnt, in der bewussten Komposition und der Handhabung der Verzeichnung. Für Porträts sind Fischaugenobjektive aufgrund der extremen Verzerrung, die Gesichter und Körper unnatürlich wölben und verzerren kann, in der Regel nicht gut geeignet – es sei denn, der Effekt ist künstlerisch gewünscht. Objekte in der Nähe des Objektivs werden stark vergrößert und verzerrt dargestellt, während weiter entfernte Objekte sehr klein erscheinen. Dies erfordert Übung, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen.

„Defishing“: Korrektur der Verzeichnung

Da die charakteristische Verzeichnung eines Fischaugenobjektivs einer bestimmten optischen Geometrie folgt, ist es tatsächlich relativ einfach, diese Verzeichnung mithilfe von Software am Computer zu korrigieren. Dieser Prozess wird oft als „Defishing“ bezeichnet.

Das Defishing kann es ermöglichen, ein relativ preiswertes Fischaugenobjektiv als eine Art „Ersatz“ für ein rektilineares Weitwinkelobjektiv zu verwenden. Die Software entzerrt die Wölbung und versucht, gerade Linien wieder gerade zu machen. Allerdings hat dieser Prozess auch Nachteile. Da die Software das Bild in den Bereichen, in denen die Verzeichnung am stärksten ist (nämlich zu den Rändern hin), stark „auseinanderzieht“, führt dies zu einem deutlichen Qualitätsverlust in den Ecken des Bildes. Die Bereiche, in denen das Objektiv ohnehin schon die geringste Schärfe aufweist, werden digital noch weiter verschlechtert.

Daher ist nach der Defishing-Korrektur oft ein erhebliches Beschneiden (Cropping) des Bildes erforderlich, um die unscharfen oder verzerrten Ecken zu entfernen. Dies führt dazu, dass das entzerrte Bild einen geringeren Bildwinkel aufweist als die ursprüngliche Fischaugenaufnahme. Während Defishing eine Option sein kann, um die Verzeichnung zu entfernen, liefert es in der Regel nicht die gleiche Bildqualität wie ein von Grund auf als rektilinear konzipiertes Weitwinkelobjektiv, insbesondere in den Randbereichen.

Häufig gestellte Fragen zu Fischaugenobjektiven

Hier sind einige häufig gestellte Fragen und Antworten rund um das Thema Fischaugenobjektive:

F: Wann sollte ich ein Fischaugenobjektiv verwenden?
A: Verwenden Sie ein Fischaugenobjektiv, wenn Sie einen extrem weiten Bildwinkel benötigen und der einzigartige, verzerrte Look erwünscht ist. Ideal für Aufnahmen, bei denen Sie sehr nah an das Motiv herankommen möchten, aber trotzdem viel von der Umgebung einfangen wollen, oder für kreative, nicht-realistische Darstellungen von Raum und Perspektive.

F: Sind Fischaugenobjektive gut für Porträts?
A: In der Regel nicht, da die starke Verzeichnung Gesichter und Körper unvorteilhaft verzerren kann. Es sei denn, Sie suchen explizit nach einem stark stilisierten oder humorvollen Effekt.

F: Kann ich die Verzeichnung eines Fischaugenobjektivs entfernen?
A: Ja, mit Software (Defishing). Beachten Sie jedoch, dass dies oft zu Qualitätsverlusten in den Ecken und einem geringeren Bildwinkel führt.

F: Was ist der Unterschied zwischen einem Vollformat- und einem Zirkularen Fischauge?
A: Ein Vollformat-Fischauge füllt das gesamte Bildfeld aus und erfasst 180 Grad über die Diagonale. Ein zirkulares Fischauge projiziert einen kreisförmigen Bildkreis auf den Sensor und erfasst 180 Grad (oder mehr) über die kurze Seite des Bildrahmens, wobei der Rest des Bildes schwarz bleibt.

F: Eignet sich ein Fischaugenobjektiv für Architekturfotografie?
A: Nur bedingt. Die starke Verzeichnung lässt gerade Linien gekrümmt erscheinen, was in der Architekturfotografie meist unerwünscht ist, wo gerade Linien oft betont werden sollen. Für künstlerische oder spezielle Effekte kann es aber eingesetzt werden.

Fazit

Fischaugenobjektive sind faszinierende und einzigartige Werkzeuge in der Fotografie. Sie bieten einen extrem weiten Bildwinkel und erzeugen einen unverwechselbaren Look durch ihre charakteristische Verzeichnung. Obwohl sie nicht für jede Situation geeignet sind und ihre Verwendung Übung erfordert, eröffnen sie kreativen Fotografen spannende Möglichkeiten, die Welt aus einer ganz neuen Perspektive zu zeigen. Ob für dynamische Action-Aufnahmen, immersive Landschaftspanoramen oder künstlerische Experimente – das Fischaugenobjektiv ist ein Spezialist, der, wenn er bewusst eingesetzt wird, wirklich bemerkenswerte Bilder liefern kann.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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