Wenn man über die berühmtesten Promi-Fotografen spricht, fällt unweigerlich ein Name immer wieder: Annie Leibovitz. Ihre Bilder haben Zeitschriften-Cover auf der ganzen Welt geziert und unzählige Gesichter der Kultur, Politik und des Sports in unvergesslichen Momenten festgehalten. Leibovitz' einzigartiger Stil und ihre Fähigkeit, eine intime Verbindung zu ihren Subjekten aufzubauen, haben sie zu einer lebenden Legende gemacht.

Ihre Karriere begann in den frühen 1970er Jahren in einer Zeit des Umbruchs und der Kreativität. Ihr Weg führte sie von den Redaktionsräumen renommierter Magazine zu den Posen der mächtigsten und bekanntesten Persönlichkeiten der Welt.
Anfänge bei Rolling Stone
Nach ihrer Rückkehr in die Vereinigten Staaten im Jahr 1970 begann Annie Leibovitz ihre Laufbahn als feste Fotografin für das Magazin Rolling Stone. Schnell machte sie sich einen Namen. Bereits 1973 ernannte der Verleger Jann Wenner sie zur Cheffotografin, eine Position, die sie zehn Jahre lang innehaben sollte. Bis 1983 prägte Leibovitz mit ihren intimen Fotografien von Prominenten maßgeblich das Erscheinungsbild und die Ästhetik von Rolling Stone. Ihre Arbeit für das Magazin lehrte sie, dass es möglich war, für Publikationen zu arbeiten und gleichzeitig persönliche Projekte über ihre Familie zu verfolgen, was für sie von größter Bedeutung war. Sie betonte stets, dass diese Art von intimer Arbeit nur mit geliebten Menschen möglich sei, die bereit sind, sich zu öffnen.
Eine bemerkenswerte Aufgabe während ihrer Zeit bei Rolling Stone war die Dokumentation der Rolling Stones. Sie fotografierte die Band bereits 1971 und 1972 in San Francisco und begleitete sie anschließend als Konzert-Tour-Fotografin auf ihrer Tour of the Americas '75. Ein persönlicher Favorit von dieser Tour ist ein Bild von Mick Jagger in einem Aufzug, das die Energie und den Moment einfängt.
Das legendäre John Lennon Porträt
Ein wohl unvergesslichster Moment in Leibovitz' Karriere bei Rolling Stone war das Fotoshooting mit John Lennon am 8. Dezember 1980. Es sollte das letzte professionelle Foto von ihm sein. Leibovitz hatte Lennon versprochen, dass sein Bild das Cover zieren würde. Zunächst versuchte sie, ein Porträt nur von Lennon zu machen, wie von Rolling Stone gewünscht. Lennon bestand jedoch darauf, dass sowohl er als auch Yoko Ono auf dem Cover sein sollten. Leibovitz entschied sich daraufhin, eine Szene ähnlich dem Cover ihres gemeinsamen Albums Double Fantasy nachzustellen, ein Bild, das Leibovitz sehr mochte.
Sie bat John, seine Kleidung abzulegen und sich neben Yoko auf dem Boden zusammenzurollen. Leibovitz erinnerte sich später: „Interessant ist, dass sie sagte, sie würde ihr Oberteil ausziehen, und ich sagte: ‚Lassen Sie alles an‘ – ohne das Bild wirklich vorab zu konzipieren. Dann rollte er sich neben ihr zusammen, und es war sehr, sehr stark. Man konnte nicht anders, als zu fühlen, dass ihm kalt war und er aussah, als würde er sich an sie klammern. Ich finde, es war erstaunlich, das erste Polaroid anzusehen, und beide waren sehr aufgeregt. John sagte: ‚Sie haben unsere Beziehung genau eingefangen. Versprechen Sie mir, dass es auf dem Cover sein wird.‘ Ich sah ihm in die Augen, und wir gaben uns die Hand darauf.“ Nur fünf Stunden später wurde John Lennon erschossen. Etwa einen Monat später präsentierte Rolling Stone den trauernden Musikfans dieses „letzte Bild“. Das Foto wurde später mehrfach nachempfunden, unter anderem von Lennons Sohn Sean Lennon mit seiner Freundin.
Der Übergang zu Vanity Fair und Vogue
Leibovitz' neuer, unverwechselbarer Stil, geprägt von ihrer Beleuchtungstechnik und der Verwendung kräftiger Farben sowie mutiger Posen, verschaffte ihr 1983 eine Anstellung beim Magazin Vanity Fair. Hier konnte sie ihren Stil weiterentwickeln und einige ihrer bekanntesten und oft provokantesten Porträts schaffen. Ihre Arbeit für Vanity Fair festigte ihren Ruf als führende Promi-Fotografin.
Ihre Bilder wurden nicht nur in den Redaktionsseiten, sondern auch in der Werbung eingesetzt. Für eine internationale Werbekampagne der American Express Kreditkarten fotografierte Leibovitz Prominente, wofür sie 1987 mit einem Clio Award ausgezeichnet wurde. Diese Kampagne trug ebenfalls dazu bei, ihren Namen einem breiteren Publikum bekannt zu machen.
1994 fotografierte Leibovitz Carl Lewis für die berühmte Pirelli-Kampagne Power Is Nothing Without Control. Die bekannteste Anzeige zeigte Lewis in einer Sprintposition, aber mit leuchtend roten Stöckelschuhen – ein Bild, das sowohl Stärke als auch Verletzlichkeit oder Ironie suggerierte und viel Aufmerksamkeit erregte.
Ab 1998 begann Annie Leibovitz regelmäßig für die Zeitschrift Vogue zu arbeiten und erweiterte damit ihr Portfolio um Mode- und Stilfotografie, wenngleich ihr Fokus weiterhin auf dem Porträt lag.
Ausstellungen und Anerkennung
Leibovitz' Einfluss und künstlerische Bedeutung wurden auch von der Kunstwelt anerkannt. 1991 zeigte die National Portrait Gallery in London eine Ausstellung ihrer Werke. Sie war erst der zweite lebende Porträtist und die erste Frau, der diese Ehre zuteilwurde. Im selben Jahr wurde Leibovitz von der französischen Regierung zum Commandeur de l'Ordre des Arts et des Lettres ernannt, eine hohe kulturelle Auszeichnung.
Ebenfalls 1991 stellte Leibovitz den Wagemut von Margaret Bourke-White nach, indem sie auf einem der Adler-Wasserspeier im 61. Stock des Chrysler Buildings in Manhattan kletterte. Dort fotografierte sie den Tänzer David Parsons, der auf einem anderen Wasserspeier posierte. Der bekannte Life-Fotograf und Bildredakteur John Loengard hielt Leibovitz in dieser gefährlichen Situation fest (Loengard fotografierte Leibovitz an diesem Tag für die New York Times).
Ein Blick auf ihre Arbeitsweise und Ausrüstung
Über viele Jahre hinweg war Leibovitz' bevorzugte Kamera eine Mamiya RZ67. Dieses Mittelformat-System war bekannt für seine hohe Bildqualität und Vielseitigkeit, was gut zu ihrem Stil passte, der oft sorgfältig inszenierte und detaillierte Porträts erforderte. Sie nutzte im Laufe ihrer Karriere jedoch auch andere Kamerasysteme. Ihr Stil zeichnet sich durch eine präzise Beleuchtung, oft dramatische Posen und eine intensive Auseinandersetzung mit der Persönlichkeit der abgebildeten Person aus.
Kontroversen und Herausforderungen
Trotz ihres Erfolgs und ihrer Anerkennung war Leibovitz' Karriere nicht frei von Kontroversen, oft ausgelöst durch die Kühnheit oder Interpretation ihrer Bilder.
- Fotoshooting mit Königin Elisabeth II. (2007): Ein Dokumentarfilm der BBC über die Königin zeigte einen Trailer, der den Eindruck erweckte, die Königin sei verärgert abmarschiert, nachdem Leibovitz sie gebeten hatte, ihre Tiara für das Porträt abzunehmen. Die BBC stellte die Ereignisse falsch dar, indem sie die Szenen aus dem Zusammenhang riss. Tatsächlich war die Königin auf dem Weg zum Shooting. Die BBC entschuldigte sich später für die Fehlinterpretation, was zu einem Skandal und Änderungen in der Ethikschulung führte. Ein späterer Artikel in der Times deutete jedoch an, dass die Königin tatsächlich sowohl ungläubig als auch beleidigt war, da ihr niemand vorschreibe, was sie zu tun habe, und es sich zudem nur um eine Tiara handelte.
- LeBron James / King Kong Fotoshooting (2008): Das Cover der Vogue zeigte LeBron James mit Gisele Bündchen in einer Pose, die an King Kong mit Fay Wray erinnerte. Dies war das erste Mal, dass ein schwarzer Mann auf dem Cover der Vogue erschien. Die Darstellung wurde von einigen als rassistisches Stereotyp kritisiert, das den schwarzen Mann als gorillagleich und begehrend nach der weißen Frau darstelle. Ein Magazinanalyst bezeichnete das Foto als bewusst provokant. Es wurde später als drittkontroversestes Vogue-Cover eingestuft.
- Miley Cyrus Fotoshooting (2008): Mit 15 Jahren posierte Miley Cyrus für ein Fotoshooting mit Vanity Fair. Ein Bild zeigte sie scheinbar oben ohne, ihren Rücken entblößt, aber ihre Vorderseite mit einem Bettlaken bedeckt. Obwohl die New York Times später klarstellte, dass sie nicht nackt, sondern in ein Laken gewickelt war, äußerten einige Eltern Empörung über das Bild. Ein Disney-Sprecher nannte es eine Situation, die geschaffen wurde, um eine 15-Jährige absichtlich zu manipulieren, um Magazine zu verkaufen. Miley Cyrus entschuldigte sich für das Bild, das ihrer Meinung nach als „künstlerisch“ gedacht war, sie aber im Nachhinein beschämte. Leibovitz gab ebenfalls eine Erklärung ab, in der sie ihr Bedauern über die Fehlinterpretation des Porträts ausdrückte, das ihrer Ansicht nach ein „einfaches, klassisches Porträt“ sei.
Diese Vorfälle zeigen, dass Leibovitz' Arbeit, obwohl künstlerisch anerkannt, auch die Macht hat, gesellschaftliche Debatten auszulösen und starke Reaktionen hervorzurufen.
Spätere Arbeiten und Retrospektiven
Auch in jüngerer Zeit bleibt Annie Leibovitz aktiv und relevant. 2015 war sie die Hauptfotografin für den Pirelli-Kalender 2016. Dabei vollzog sie eine drastische Abkehr vom traditionellen Stil des Kalenders, indem sie den Fokus von der Sexualität auf bewundernswerte Frauen legte, darunter Amy Schumer, Serena Williams und Patti Smith. Zuvor hatte sie bereits am Kalender für das Jahr 2000 mitgewirkt.
Im Jahr 2023 wurde Leibovitz von IKEA beauftragt, eine Serie von 25 Porträts zu schaffen, die die Nuancen des „Lebens zu Hause“ beleuchten sollten – ein weiteres Beispiel für ihre Fähigkeit, alltägliche Themen mit ihrer einzigartigen Vision zu erfassen.
Von September 2023 bis Januar 2024 veranstaltete das Crystal Bridges Museum of American Art die Ausstellung „Annie Leibovitz at Work“. Diese umfassende Retrospektive präsentierte mehr als 300 Bilder aus über 50 Jahren ihrer Karriere. Die Ausstellung umfasste Promi-Porträts, Arbeiten für Vogue und Vanity Fair, historische Momente wie den Start von Apollo 17 und Watergate, sowie persönliche Schnappschüsse, wie eine Sammlung von Polaroid-Bildern von Polizisten, die sie im Laufe der Jahre wegen zu schnellen Fahrens in ihrem Porsche aus den 60ern auf dem Highway in Kalifornien verwarnt hatten. Die Präsentation wirkte bewusst entspannt und vermittelte fast das Gefühl einer Führung durch ihr Studio.
Schlüsselaspekte von Annie Leibovitz' Karriere
| Periode/Projekt | Schwerpunkt | Bemerkenswerte Werke/Ereignisse |
|---|---|---|
| Rolling Stone (1970-1983) | Musik, Prominente, intime Porträts | Cheffotografin, Tour of the Americas '75, letztes Porträt von John Lennon |
| Vanity Fair (ab 1983) | Prominente, Kultur, Politik, mutige Inszenierungen | Entwicklung des charakteristischen Stils, American Express Kampagne, Carl Lewis für Pirelli |
| Vogue (ab 1998) | Mode, Prominente, Stil | Regelmäßige Arbeit für das Magazin |
| Ausstellungen & Anerkennung | Künstlerische Würdigung | National Portrait Gallery Ausstellung (1991), Commandeur de l'Ordre des Arts et des Lettres (1991) |
| Spezielle Projekte | Vielfalt des Schaffens | Pirelli Kalender (2000, 2016), IKEA Kampagne (2023), Chrysler Building Fotoshooting |
| Retrospektiven | Umfassende Werkschau | Brooklyn Museum (2007), Crystal Bridges Museum (2023-2024) |
Häufig gestellte Fragen zu Annie Leibovitz
- Wer ist Annie Leibovitz?
- Annie Leibovitz ist eine amerikanische Porträtfotografin, die weithin als eine der bedeutendsten und berühmtesten Fotografinnen unserer Zeit gilt, insbesondere für ihre ikonischen Porträts von Prominenten.
- Wo begann Annie Leibovitz ihre Karriere?
- Ihre professionelle Karriere begann 1970 als Fotografin für das Rolling Stone Magazin, wo sie später zur Cheffotografin aufstieg.
- Welche sind einige ihrer berühmtesten Fotografien?
- Zu ihren bekanntesten Werken gehören das letzte professionelle Porträt von John Lennon und Yoko Ono, Bilder der Rolling Stones, Promi-Porträts für Vanity Fair und Vogue sowie das Bild von Carl Lewis mit Stöckelschuhen für Pirelli.
- Welche Kameras nutzte Annie Leibovitz?
- Über viele Jahre hinweg war ihre Hauptkamera die Mittelformatkamera Mamiya RZ67. Sie nutzte jedoch auch andere Kamerasysteme.
- Mit welchen Kontroversen war Annie Leibovitz konfrontiert?
- Zu den bemerkenswerten Kontroversen gehören die BBC-Fehldarstellung eines Shootings mit Königin Elisabeth II., das Vogue-Cover mit LeBron James, das als rassistisches Stereotyp interpretiert wurde, und ein Fotoshooting mit der damals 15-jährigen Miley Cyrus für Vanity Fair.
Annie Leibovitz hat mit ihrer Kamera das visuelle Gedächtnis der modernen Kultur maßgeblich mitgestaltet. Ihre Fähigkeit, die Essenz einer Person einzufangen, ihre Bereitschaft, Grenzen zu überschreiten, und ihr unverwechselbarer Stil sichern ihr einen festen Platz in der Geschichte der Fotografie.
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