Wem wurde 1995 posthum die Goldene Kamera als größter deutscher Schauspieler des Jahrhunderts verliehen?

Heinz Rühmann: Leben einer Filmlegende

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Heinz Rühmann, geboren 1902 in Essen, zählt zweifellos zu den prägendsten Gesichtern der deutschen Filmgeschichte. Seine Karriere erstreckte sich über Jahrzehnte und umfasste unzählige Rollen, die ihn beim Publikum ungemein beliebt machten. Doch sein Leben war nicht nur von Erfolg geprägt, sondern auch von den turbulenten Zeiten des 20. Jahrhunderts, die tiefe Spuren hinterließen.

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Kindheit und frühe Theaterjahre

Heinz Wilhelm Rühmann wurde in eine Hoteliersfamilie geboren. Seine Eltern, Hermann Wilhelm Rühmann und Margarethe, geborene Stemme, pachteten zunächst die Bahnhofsgaststätte in Wanne. Hier, im Alter von etwa fünf Jahren, hatte der kleine Heinz seine ersten unfreiwilligen Auftritte. Sein Vater holte ihn abends aus dem Bett, um ihn vor den Gästen Gedichte rezitieren zu lassen. Diese frühen Erlebnisse auf der Theke bezeichnete Rühmann später selbst als die Urszenen seiner Karriere. Die Geschäfte liefen gut, und die Familie konnte 1913 das neu eröffnete Hotel Handelshof in Essen übernehmen. Doch der wirtschaftliche Erfolg blieb aus, und bereits Ende desselben Jahres folgte die Insolvenz. Die Ehe der Eltern zerbrach, und der Vater beging wahrscheinlich Suizid.

Die Mutter zog 1916 mit Heinz und seinen Geschwistern Hermann und Ilse nach München, in der Hoffnung auf niedrigere Lebenshaltungskosten. Heinz besuchte die Luitpold-Oberrealschule, zeigte aber wenig Interesse am Unterricht. Sein Ziel war die Schauspielerei. Er schloss sich einer Laienspielbühne an und erhielt schließlich Schauspielunterricht von Friedrich Basil.

Sein erstes professionelles Engagement führte ihn nach Breslau, doch die Rollen, die auf einen männlichen, heldenhaften Typen ausgelegt waren, passten nicht zu seiner geringen Körpergröße und seinem jungenhaften Aussehen. Negative Kritiken folgten. Nachdem die Direktion wechselte und er nicht wieder engagiert wurde, wechselte er nach Hannover. Auch hier stellten sich die gleichen Probleme ein. Ein wegweisendes Erlebnis in Hannover war jedoch, als er aus Ärger über eine kleine Nebenrolle seinen Text in einem leicht beleidigten Ton sprach und dafür überraschend Szenenapplaus und gute Kritiken erhielt. Dieses rhetorische Stilmittel wurde später zu einem Markenzeichen vieler seiner Charaktere.

Nach einer kurzen Rückkehr nach München fand Rühmann eine Anstellung in Bremen. Dort erhielt er die Hauptrolle in „Der Mustergatte“, einer Rolle, die perfekt zu ihm passte und zu einem riesigen Erfolg wurde. Er spielte sie über 2000 Mal. Trotz dieses Erfolgs kündigte er seinen Vertrag in Bremen aufgrund von Schwierigkeiten mit der Leitung.

Es folgten Engagements bei der Bayerischen Landesbühne, einem Tourneetheater. Dort lernte er die Schauspielerin Maria Bernheim kennen, die unter dem Namen Maria Herbot auftrat. Sie heirateten 1924. Maria, älter und größer als Heinz, gab ihren Beruf auf und wurde seine „Privatregisseurin“. Ein Ruf an die Münchner Kammerspiele folgte, wo die Direktorin Hermine Körner ihn als Bereicherung für das komische Fach sah. Zu dieser Zeit erhielt er auch sein erstes Filmangebot für einen Stummfilm, „Das deutsche Mutterherz“, das er wegen der Gage annahm.

Aufstieg zum Filmstar und die Zeit des Nationalsozialismus

Ende der 1920er Jahre war Heinz Rühmann ein etablierter Bühnenschauspieler. 1930 wurde Erich Pommer, Produktionschef der UFA, auf ihn aufmerksam. Nach einem zunächst missglückten Vorsprechen überzeugte Rühmann bei einer zweiten Chance in der Rolle eines ungehorsamen Schülers. Dies führte zu einer der Hauptrollen in dem Tonfilm „Die drei von der Tankstelle“. Der Film wurde ein Kassenschlager und machte Rühmann über Nacht in ganz Deutschland bekannt.

Pommer war begeistert, und Rühmann erhielt schnell weitere Rollen. Mit „Der Mann, der seinen Mörder sucht“ (1931) spielte er zum ersten Mal eine Hauptrolle, und seine Gage verdoppelte sich. Wirtschaftlich abgesichert, erfüllte er sich einen Jugendtraum: Er machte den Pilotenschein und kaufte ein eigenes Flugzeug. Er freundete sich mit dem Flieger Ernst Udet an, den er sehr bewunderte.

1932 schloss die UFA einen Dauervertrag mit ihm ab, der ihn zu einem der bestbezahlten Schauspieler des Deutschen Reichs machte.

Die Machtübernahme der NSDAP im Jahr 1933 stellte Rühmann vor große Herausforderungen. Er äußerte sich öffentlich nicht politisch, pflegte aber gute Kontakte zu Joseph Goebbels, dem Propagandaminister. Als seine erste Frau Maria Bernheim, die jüdischer Herkunft war, diskriminiert wurde, geriet auch Rühmann in Schwierigkeiten. Nach den Nürnberger Gesetzen wurde er als Ehemann einer Jüdin auf eine „Judenliste“ der Reichsfilmkammer gesetzt und ausgeschlossen, was einem Berufsverbot gleichkam.

Rühmann wandte sich an Goebbels, der ihm zunächst eine Sondergenehmigung erteilte. Doch die Probleme blieben. Auf Anraten von Hermann Göring ließ sich Rühmann 1938 von Maria scheiden. Maria Bernheim heiratete daraufhin den schwedischen Schauspieler Rolf von Nauckhoff, eine Scheinehe, die ihr Schutz bot. Rühmann unterstützte Maria finanziell weiterhin, auch als sie 1943 nach Schweden ausreisen konnte und so dem Holocaust entkam. Die Scheidung brachte Rühmann später den Vorwurf ein, seine Frau für seine Karriere geopfert zu haben.

Nach der Scheidung erhielt Rühmann seine Mitgliedschaft in der Reichsfilmkammer zurück und benötigte keine Sondergenehmigung mehr. 1939 heiratete er die Schauspielerin Hertha Feiler, die als „Vierteljüdin“ eingestuft war. Auch sie erhielt eine Sondergenehmigung, um in der Reichsfilmkammer arbeiten zu dürfen. Mit Hertha hatte er einen Sohn, Peter.

Während der NS-Zeit spielte Rühmann in einer Bandbreite von Filmen, von Komödien wie „Die Feuerzangenbowle“ bis hin zu tragikomischen oder indirekt propagandistischen Rollen. Er wurde vom Publikum nicht als reines Aushängeschild des Regimes wahrgenommen, was der subtilen Propagandalinie Goebbels' entsprach. Er erhielt hohe Sonderzahlungen aus einem Geheimfonds Hitlers.

Ein Beispiel für seine guten Kontakte war die Durchsetzung der Aufführung von „Die Feuerzangenbowle“. Als der Film von konkurrierenden Nazikreisen verboten werden sollte, wandte sich Rühmann an Hermann Göring, der eine Privatvorführung im Führerhauptquartier veranlasste. Hitler hob daraufhin das Verbot auf.

Als Staatsschauspieler wurde Rühmann nicht zum Kriegsdienst eingezogen, musste aber eine Grundausbildung als Abwehrflieger absolvieren. Er war für das Regime als Schauspieler wichtiger. Im August 1944 wurde er in die sogenannte Gottbegnadeten-Liste aufgenommen.

Rühmann profitierte auch von der Judenverfolgung, indem er 1938 eine Villa am Kleinen Wannsee in Berlin sehr günstig von der Witwe des jüdischen „Kaufhauskönigs“ Adolf Jandorf erwarb, die vor den Nationalsozialisten geflohen war. Diese Villa wurde im März 1945 zerstört.

Wem wurde 1995 posthum die Goldene Kamera als größter deutscher Schauspieler des Jahrhunderts verliehen?
Seinen letzten Filmauftritt hatte der Schauspieler 1993 in Wim Wenders' In weiter Ferne, so nah! 1995 wurde Heinz Rühmann posthum die Goldene Kamera als Größtem deutschen Schauspieler des Jahrhunderts verliehen.

Nachkriegszeit und spätere Karriere

Nach Kriegsende 1945 musste sich Heinz Rühmann wie viele andere Künstler einem Entnazifizierungsverfahren stellen. Bis zu dessen Abschluss im März 1946, bei dem festgestellt wurde, dass „keine Bedenken gegen eine weitere künstlerische Betätigung“ bestanden, hatte er ein Auftrittsverbot. Er begann wieder Theater zu spielen und tourte mit einer kleinen Gruppe.

1947 gründete er in den Westsektoren die Filmgesellschaft Comedia, die jedoch nach mehreren Misserfolgen 1953 Konkurs ging. Ein entscheidendes Comeback als Schauspieler gelang ihm mit der Tragikomödie „Der Hauptmann von Köpenick“ (1956), in der er Wilhelm Voigt spielte und dafür ausgezeichnet wurde.

In den folgenden Jahren wirkte Rühmann in zahlreichen Unterhaltungsfilmen mit und konnte an seine früheren Erfolge anknüpfen. Dazu gehörten Filme wie „Das schwarze Schaf“ (1960) und „Er kann’s nicht lassen“ (1962), in denen er Pater Brown verkörperte. Auch am Theater blieb er aktiv, unter anderem am Wiener Burgtheater.

1966 erhielt er das Große Bundesverdienstkreuz.

1970 starb seine Ehefrau Hertha Feiler. 1974 heiratete der Witwer auf Sylt die Autorin Hertha Droemer. In seinen letzten Lebensjahren entdeckte Rühmann die Rezitation als neue Leidenschaft und trat vermehrt mit Lesungen auf, die auch im Fernsehen gezeigt wurden, besonders beliebt waren seine Weihnachtslesungen.

Seine Autobiografie erschien 1982 unter dem Titel „Das war’s“.

Anlässlich seines 90. Geburtstags 1992 wurde er im Fernsehen gefeiert, unter anderem von Loriot und Evelyn Hamann.

Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte Heinz Rühmann am 15. Januar 1994 in der Fernsehshow „Wetten, dass..?“. Das Publikum feierte ihn mit minutenlangen stehenden Ovationen, was ihn sichtlich bewegte.

Heinz Rühmann starb am 3. Oktober 1994 im Alter von 92 Jahren in seinem Haus am Starnberger See. Er wurde eingeäschert und auf dem Friedhof in Aufkirchen beigesetzt. Orte wie Wanne-Eickel, Essen und Grünwald erinnern mit Plätzen oder Straßen an ihn.

Häufig gestellte Fragen zu Heinz Rühmann

Wurde Heinz Rühmann posthum mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet?
Die uns vorliegenden Informationen über Heinz Rühmanns Leben und Karriere erwähnen seinen Tod im Oktober 1994 und seinen letzten öffentlichen Auftritt Anfang 1994. Es gibt in den bereitgestellten Texten keine Hinweise darauf, dass ihm 1995 posthum die Goldene Kamera als größter deutscher Schauspieler des Jahrhunderts verliehen wurde. Die Auszeichnungen, die in den Texten genannt werden, sind der Preis der deutschen Filmkritik (1957) und das Große Bundesverdienstkreuz (1966).

Welche Rolle spielte Heinz Rühmann während der Zeit des Nationalsozialismus?
Hoch umstritten ist seine Rolle während des NS-Regimes. Rühmann passte sich dem System an, pflegte Kontakte zu Goebbels und Göring und profitierte von deren Protektion, insbesondere als er wegen seiner jüdischen Ehefrau Probleme bekam. Er ließ sich unter Druck scheiden, unterstützte seine Ex-Frau aber weiterhin finanziell. Er spielte in Unterhaltungsfilmen, die vom Regime gefördert wurden, aber auch in Filmen, die indirekt propagandistische Zwecke erfüllten. Er wurde als Staatsschauspieler nicht zum Kriegsdienst eingezogen und stand auf der Gottbegnadeten-Liste. Gleichzeitig half er seiner Ex-Frau und erwarb eine Villa günstig von einer jüdischen Witwe, die fliehen musste.

Was war einer seiner größten Bühnenerfolge?
Eine seiner erfolgreichsten Bühnenrollen war die Hauptrolle in „Der Mustergatte“, die er über 2000 Mal spielte und die später auch verfilmt wurde.

Warum wurde Heinz Rühmann nicht zum Militär eingezogen?
Als Staatsschauspieler und wichtiger Propagandaträger für das Regime wurde Heinz Rühmann vom Wehrdienst freigestellt und stattdessen in die Gottbegnadeten-Liste aufgenommen. Er absolvierte lediglich eine Grundausbildung als Abwehrflieger.

Wann hatte Heinz Rühmann seinen letzten Auftritt?
Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte Heinz Rühmann am 15. Januar 1994 in der ZDF-Sendung „Wetten, dass..?“.

Heinz Rühmann bleibt eine Ikone des deutschen Films. Sein Werk prägte Generationen von Zuschauern und sein vielschichtiges Leben, das Erfolge, persönliche Tragödien und moralische Kompromisse in schwierigen Zeiten umfasste, wird weiterhin diskutiert und studiert. Er war mehr als nur der „Mustergatte“ oder der Schüler „Pfeiffer mit drei F“. Er war ein Ausnahmeschauspieler, dessen Karriere die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts widerspiegelt.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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